{"id":174,"date":"2018-11-06T05:00:40","date_gmt":"2018-11-06T04:00:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rijo-travel.de\/?p=174"},"modified":"2020-11-29T20:34:46","modified_gmt":"2020-11-29T19:34:46","slug":"de-palaestina-november-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rijo-travel.de\/?p=174","title":{"rendered":"(DE) Pal\u00e4stina &#8211; November 2018"},"content":{"rendered":"<!--themify-builder:block-->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":76,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16],"tags":[15,51,44,48,42,43,41],"class_list":["post-174","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-16","tag-15","tag-deutsch","tag-filastin","tag-november","tag-palaestina","tag-palaestina-2","tag-palestine","has-post-title","has-post-date","has-post-category","has-post-tag","has-post-comment","has-post-author",""],"builder_content":"<p>Pal\u00e4stina November 2018<br \/>6.11.2018<br \/>Anreise ueber Z\u00fcrich. 3.30 aufstehen. Ich (Josef) verfluche solche Flugzeiten.<br \/>Vom Flughafen Ben Gurion nehmen wir einen Bus bis zum Zentralen Busbahnhof in<br \/>West Jerusalem (palaestinensischer Fahrer, der bereitwillig viel erzaehlt), dann<br \/>Strassenbahn entlang der in der britischen Mandatszeit bebauten Jaffa Road bis zum<br \/>Damaskustor an der Altstadt, dann Umsteigen in den Palaestinenserbus nach<br \/>Ramallah. Ankunft am Busbahnhof von Ramallah mitten in der Stadt. Direkt daneben<br \/>das Hostel \"Area D\", im 5. Stockwerk eines wenig repraesentativen Gebaeudes<br \/>oberhalb des Gemuesemarktes und dem kommerziellen Zentrum Ramallahs. Die<br \/>Gaeste sind lauter junge, bewegte Deutsche und Schweizer, davon 3 Volont\u00e4re, die<br \/>dort arbeiten. Die naechstenTage kommen noch US-Amerikaner, eine Inderin, eine<br \/>Japanerin, eine Englaenderin, eine US-Amerikanerin mit ukrainischen Wurzeln\u2026.ein<br \/>aelterer Herr aus Argentinien und diverse junge Maenner verschiedener, meist<br \/>westlicher Couleur dazu. Der Agentinier spricht kein Wort Englisch oder Arabisch<br \/>(sagt er) und will auch eine Stelle Voluntaer finden. Fragen uns, ob der wohl vom<br \/>Mossad abgestellt ist, die Leute hier incognito zu belauschen.<br \/>Mazen ruft an und besteht darauf, uns zu sehen. Er holt uns ab, wir kaufen Fisch im<br \/>Souk al samak, einem blitzesauberen Fischladen, dann noch Kebabfleisch, holen<br \/>seinen Kumpel Jad Mikael ab und fahren ein paar KM ausserhalb Rramallahs nach<br \/>Ain Arik in ein Restaurant, in dem wir die einzigen Gaeste in einem eher steril<br \/>anmutenden Ambiente sind. Man kocht uns die mitgebrachten Leckereien und dazu<br \/>noch feine Vorspeisen zum Tunken mit Brot. Grosses Gelage zu dritt mit Whiskey<br \/>und Rotwein, und wir haben das Gef\u00fchl, schon seit Tagen hier zu sein. Die<br \/>Rueckfahrt ist abenteuerlich\u2026.Mazen kn\u00fclle. Draussen stockdunkel, das Licht am<br \/>Auto leuchtet vielleicht 2 m aus, das Fernlicht 8 m. Aber Mazen meint, das Auto<br \/>finde den Weg allein, und auf wundersame Weise kommen wir gut im Hostel an.<br \/>7.11.18<br \/>Der Hauptgrund fuer diese Reise war es, den Pass von Rana Sarsour zu<br \/>verlaengern. Sie ist Palaestinenserin aus Gaza und kann den Pass entweder an der<br \/>Staendigen Vertretung in Berlin verlaengern, was jedoch Monate dauern wuerde,<br \/>waehrend derer sie ohne Pass waere, oder sie muesste selbst nach Ramallah<br \/>reisen, was beinahe unmoeglich ist fuer die Bewohner von Gaza. Die dritte<br \/>Moeglichkeit ist, jemanden zu bevollmaechtigen. Also haben wir angeboten, das zu<br \/>uebernehmen. Muessen zwar ein paar Behoerden abklappern, aber alles klappt wie<br \/>am Schn\u00fcrchen und nachmittags 16 uhr ist die Mission erf\u00fcllt. Mazen holt uns beim<br \/>Innenministerium ab, und wir fahren zu Um Mazen, seiner Mutter. Sie hat gekocht,<br \/>obwohl sie wirklich schlecht beieinander ist: Hammelf\u00fcsse in Gemuese mit Waraq<br \/>Einab. Jetzt stellt sich das Gefuehl ein, schon Wochen hier zu sein. Mazen bringt uns<br \/>ins Hostel, will uns aber nochmal sehen. Beschliessen, dass wir ihn zuhause im<br \/>Stadtteil El Tireh besuchen und zu Fuss kommen, einen Weg von etwa 4 km. Kurz<br \/>vor seinem Haus, am Nelson Mandela Square mit einer Statue desselben als<br \/>Geschenk an Palaestina, sind wir unsicher und fragen einen herumlungernden <br \/>jungen Mann nach dem Weg. Er fragt, zu wem wir denn wollen. Unsere Antwort: zu<br \/>Mazen Rantisi. Er: Ah, der Doktor!, Ja, klar kennt er, telefoniert mit ihm und weist uns<br \/>den Weg. Mazen scheint bekannt wie ein bunter Hund zu sein. Er kennt jeden und<br \/>jeder kennt ihn\u2026es gab noch mehrere solcher Erlebnisse. Er scheint mindestens<br \/>halb Ramallah schon mindestens einmal in seiner kleinen Ein-Mann-Praxis behandelt<br \/>zu haben.<br \/>8.11.2018<br \/>Fahren mit dem Sammeltaxi nach Aboud, einem christlichen Staedtchen hinter<br \/>Birzeit. Wandern dort den Wadi Laimoon (Tal der Zitronen) entlang, von Aboud bis<br \/>Beit Reema, ein Nachbarort, den ersten Kilometer parallel zu einer laermenden<br \/>Schulklasse, die ihren Ausflug sehr geniessen. Durchqueren typische<br \/>Palaestinalandschaft mit auf uralten Terrassen in rostrote Erde gepflanzten Mandelund Olivenb\u00e4umen. Rita geht mal in die Buesche und scheucht eine ca. 2m lange,<br \/>dunkelbraune und unterarmdicke Schlange auf. Koennen leider spaeter nicht<br \/>ergruenden, welche Art es ist. Zienlich sicher ist nur, dass sie giftig war. Am Wegrand<br \/>liegt irgendwann ein riesengrosses totes Wildschwein! Verlaufen uns ein bisschen,<br \/>laufen ungewollt ein paar zusaetzliche KM gemeinsam mit vielen Schuelern auf dem<br \/>Heimweg durch irgendwelche Doerfer, fahren schliesslich mit einem Taxi bis Birzeit,<br \/>trinken dort in einem Gaestehaus der Uni in einem schoenen Innenhof Tee und<br \/>essen Malfouf, queren anschliessend den grossen Universitaets-Campus und fahren<br \/>dann mit dem Bus mit 50 Studenten und Studentinnen nach Ramallah. Abends<br \/>trefffen wir uns mit Mazen im \"Riad\", einem schoen gemachten und erstklassigen<br \/>Gartenlokal unten im alten Ramallah, Ritas Lieblingsecke der Stadt.. Essen auf dem<br \/>Weg einen Shawirma auf die Faust. Und immer wieder gute Gespraeche und<br \/>Stimmung im Hostel\u2026 not to forget\u2026<\/p><p><\/p><p>9.11.2018<br \/>Wolllen den schoenen Wadi Qelt bis zum bekannten St. George Monastery erlaufen.<br \/>Debattieren, was wir anziehen. Jericho liegt 400 m unter nn\u2026.dort ist es immer<br \/>heiss. Ziehen schluessendlich lange Hosen und T-Shirt an, packen langaermeliges<br \/>Hemd in den Rucksack. Wir trinken nur einen Tee in der Kueche, fruehstuecken nicht<br \/>mit unseren Hostel-Kumpels heute. Josef geht nach dem Tee ins Zimmer und, oh,<br \/>Schreck, da liegt einer in unserem Bett. Es ist Steven, der amerikanische Volunteer,<br \/>der gut Arabisch spricht und ein Jahr lang Interviews und Reportagen in Palaestina<br \/>aufzeichnen und an diverse Medien verkaufen will. Eigentlich ein sehr sympatischer<br \/>Typ. Josef denkt, er hat sich in der Tuer geirrt, geht wieder raus. Aber nein, es ist<br \/>unser Zimmer. Er fragt ihn, \"Hey, man, what are you doing there?\" Er: \"Sleeping\". Er<br \/>klingt betrunken, wundert sich. Josef komplimentiert ihn raus. Wenig spaeter gehe<br \/>ich ins Zimmer, weil ich noch ein Kleidungstueck aus meinem Koffer nehmen will; der<br \/>ist klatschnass... samt Inhalt. Ich glaube, der gute Steven hat das Klo gesucht und ist<br \/>in unserem Zimmer gelandet! Ich hole die anderen beiden Volunteers, Hannah und<br \/>Megan, und sie sind entsetzt. Wir werfen alles in die Waschmaschine, machen kein<br \/>grosses Ding draus und machen uns auf den Weg.<br \/>Fahren mit dem Sammeltaxi nach Jericho. Die Haltestelle fuer die Jericho-Taxen ist<br \/>genau vor dem Haus von Ritas Grossvater, das es allerdings nicht mehr gibt -<br \/>stattdessen ein betonierter Parkplatz. Irgendwann werden sie dort ein Hochhaus<br \/>hinbauen, wie ueberall entlang der Radio Street. Mit uns im Bus ist eine Japanerin,<br \/>die, wie sich spaeter heraus stellt, auch im Hostel wohnt. Fahren kurz vor der<br \/>Endstation in Jericho am Berg der Versuchung vorbei. Dort oben in den Fels ist ein<br \/>Kloster gebaut, in der griechischorthodoxe Einsiedlermoenche seit Jahrzehnten ins<br \/>Gebet vertierft leben. Allein ein geschaeftsruechtuger Palaestinenser hat doch<br \/>tatsaechlich ein Seilbahn mit kleinen Gondeln dort hinauf gebaut!<br \/>In Jericho angekommen, machen wir uns in der Hitze auf den Weg. Ein Taxi bringt<br \/>uns zum Einstieg in den Wadi. Zuerst ist es Baustelle und recht schmutzig, weil<br \/>oberhalb noch Haeuser stehen und die Leute, wie ueberall auf der Welt, nicht<br \/>wissen, wohin mit ihrem Muell. Das ist wirklich schrecklich zu sehen. Und es ist<br \/>wirklich ueberall Muell! Wie in Sri Lanka, auf den Philippinen, auf den Malediven, in<br \/>Marokko,... Nur in Deutschland machen wir das anders. Hier wird der Muell<br \/>ordentlich sortiert und verpackt und dann in Laender exportiert, die ihn auf grosse<br \/>Muellkippen werfen, wo Kinder ihn nach Brauchbarem absuchen und sich dabei<br \/>vergiften.<br \/>Spaeter wandern wir im engen Wadi. Erinnert sehr an unsere Wadi-Touren am Golf.<br \/>Sehen an den Steilwaenden ueber uns irgendwelche kleineren Saeugetiere, wie<br \/>Murmeltiere. Uns kommt eine Gruppe Koreaner entgegen, denen wir die Tiere<br \/>zeigen. Die Fuehrerin erklaert uns, es seien \"rock rabbits\". Noch nie gehoert.<br \/>Wikipedia sagt uns spaeter, es seien Klippschliefer. Sie sehen aus wie grosse,<br \/>braune Meerschweinchen. Immer wieder sehen wir in der Steilwand ueber uns Zellen<br \/>von Eremitenmoenchen. Ob dort noch Moenchen leben, kann man nicht sagen.<br \/>Keine Ahnung wie die ueberhaupt dorthin kommen. Man sieht keine Leitern oder<br \/>Pfade. Spaeter kommt uns noch eine allein wandernde Deutsche entgegen, die wir<br \/>abends ebenfalls im Hostel treffen. Kommen am Kloster an, aber es gibt keinen gut<br \/>begehbaren Weg aus der steilen Schlucht heraus nach oben. Kraxeln schliesslich an<br \/>den Felsen hinauf in den Hof einer kleinen Kapelle, von der aus ein Weg zum Kloster<br \/>fuehrt - allerdings liegt dazwischen eine Mauer, und das kleine Tor ist<br \/>abgeschlossen. Also nochmal kraxeln. Jetzt ueber eine mit Stachdeldraht gesicherte<br \/>Mauer. Ist aber kein Natodraht, so dass wir das hinkriegen\u2026<br \/>Das Kloster ist geschlossen. Die Moenche wollen ihre Ruhe haben. Zwei Bauarbeiter<br \/>bauen an einem neuen Anbau, ziehen sich zur Mittagspause ins Kloster zurueck. Wir<br \/>setzen uns vor das Kloster in den Schatten auf einen Stein und vespern Kekse und<br \/>Orangen. W\u00e4hrenddessen ziehen von den Bergen her Gewitterwolken auf. Was tun?<br \/>Eigentlich wollten wir weiter hinauf am oberen Rand des Wadi Richtung Quelle<br \/>laufen. Oder sollten wir besser zurueck nach Jericho, in der Hoffnung, dass die<br \/>Wolken ueber den Bergen bleiben? Beschlie\u00dfen endlich, auf einem Pfad ca 20 m<br \/>oberhalb des Wadibetts zur\u00fcck nach Jericho zu laufen. Unterwegs kommt uns die<br \/>Japanerin entgegen\u2026 sie geht weiter zum Kloster. Es donnert und blitzt und wird<br \/>immer duesterer. Rita sieht eine H\u00f6hle und m\u00f6chte sich dort verkriechen. Ich glaube<br \/>noch nicht, dass es regnen wird, und wir laufen weiter. Es war ein Fehler. Pl\u00f6tzlich<br \/>schuettet es wie aus Eimern. Dr\u00fccken uns an die Felswand, was ein bisschen hilft.<br \/>Sind aber am Ende dennoch nass bis auf die Haut. Geldbeutel im Rucksack innen<br \/>drin, unsere langaeremeligen Sachen\u2026.alles nass. Und jetzt der gef\u00e4hrliche Teil:<br \/>immer groesser werdende Baeche und Wasserfaelle prasseln an den Felswaenden<br \/>ueber uns herunter. Habe wirklich zum ersten Mal das Gefuehl, es koennte gef\u00e4hrlich<br \/>werden. Befuerchten, dass der Weg weggespuelt werden koennte oder von oben ein <br \/>Erdrutsch kommt. Beobachten von oben wie sich im Wadi der Fluss bildet und wie<br \/>eine Lavawelle, langsam anschwellend vorwaerts rollt. Teilweise ist der Wadi eng<br \/>und dann wird es da unten wirklich gefaehrlich. Weiter unten im Tal laeuft ein<br \/>Wanderer arglos das Wadibett hinauf. Wir warnen ihn wild schreiend und<br \/>gestikulierend. Er dauert lange, bis er kapiert und dann die Wadiwand auf der<br \/>anderen Talseite hinauf klettert. Er macht den Eindruck , als wolle das von oben<br \/>beobachten, fotografiert immer wieder. Aber zumindest ist er jetzt aus dem Flussbett<br \/>raus. Irgendwann kommen wir in Jericho an, der Regen hat fast aufgehoert, aber wir<br \/>sind noch immer klatschnass. Wir warten eine Stunde darauf, dass das Sammeltaxi<br \/>sich fuellt und endlich losfaehrt. Mittlerweile kommt die Japanerin auch anmarschiert<br \/>- ebenso nass wie wir. L\u00f6sen waehrend der Warterei eine kleine Revolution aus: die<br \/>Taxen stehen vor einer Ladenzeile. \u00dcberall liegt M\u00fcll. Rita fragt, ob das so sein muss<br \/>mit dem M\u00fcll. Einer der Taxifahrer meint, die Ladenbesitzer w\u00fcrden den M\u00fcll dahin<br \/>werfen. Das gef\u00e4llt einem der Besitzer nicht, und er regt sich auf, dass, erstens die<br \/>Fahrgaeste ihren Muell dort liegenlassen wuerden und zweitens ueberhaupt die<br \/>Taxen da rumstehen und die Parkluecken vor seinem Laden versperren. Die<br \/>wiederum kontern, sie duerfen das. Der ladenbesitzer meint, dass nur 2 Taxen hier<br \/>stehen duerften, aber es waeren immer 3 Taxen da\u2026..das war ein ziemliches<br \/>Geschrei und Gestikuliererei. Ich meine, in Deutschland haette es in<br \/>Handgreiflichkeiten \u00fcbergehen k\u00f6nnen. Der Ladenbesitzer filmt dann die drei<br \/>Fahrzeuge, die Fahrer und den Muell und ruft die Polizei. Tatsaechlich kommt ein<br \/>Polizist, und dasPalaver geht weiter. Pl\u00f6tzlich faengt der Polizist an, den M\u00fcll<br \/>wegzuraeumen. Rita sagt mit mir, ich solle dem Polizisten gratulieren zu seiner guten<br \/>Tat, was ich dann auch tue. Anschliessend geht das Palaver weiter, und zum<br \/>Schluss gibt es die grosse Vers\u00f6hnung mit Kuss links und rechts und Umarmung.<br \/>Na ja, zumindest sind wir gut unterhalten. Zurueck Richtung Ramallah. Im Auto zieht<br \/>es kalt durch alle Ritzen, und in Ramallah ist es auch richtig kalt.<br \/>Im Hostel erwartet uns der sehr zerknirschte Steven, der offenbar keinerlei<br \/>Erinnerung an seinen Ausflug in unser Zimmer hat. Wir wollen aber erst heiss<br \/>duschen. Dann haelt Josef ihn noch ein bisschen hin, hoeren ihn schliesslich an, und<br \/>er faselt was davon, dass er ab und zu schlafwandelt. Aha! Betrunken war er also<br \/>nicht? Aeh,... stammel, stammel,.. ja, doch, schon. Er entschuldigt sich wortreich. Ich<br \/>lasse es dabei bewenden, aber Josef sagt ihm, er wolle spaeter noch unter vier<br \/>Augen mit ihm sprechen. Er waescht ihm ein bisschen den Kopf, aber vaeterlich<br \/>streng, und wir sagen dem Leiter des Hostels, Ihab, der genauso jung ist wie die<br \/>Gaeste, nichts.<br \/>Wir essen noch einen Shawirma in der Stadt und gehen recht bald ins Bett. Sind platt<br \/>und freuen uns auf die Waerme.<br \/>10.11.18<br \/>Wir ziehen heute auf Ritas Wunsch ins Lavender Boutique Hotel im huebscheren Teil<br \/>Ramallahs um. Gehen ein bisschen schweren Herzens, weil die Gespraeche mit den<br \/>jungen Leuten sehr spannend sind. Noch im Rausgehen plaudern wir lange mit der<br \/>jungen Inderin und der ukrainischen Amerikanerin. Sie studieren beide was mit<br \/>Konfliktmanagagement in ihrer jeweiligen Heimat und sind fuer ein Jahr in Tel Aviv<br \/>an der Uni und wollen moeglichst oft an den Wochenenden in die Besetzten Gabiete<br \/>kommen, damit sie beide Seiten des Konflikts sehen. Sehr loeblich. Sie saugen alles <br \/>auf wie Schaemme, was wir erzaehlen. Das waere eine spannende Beschaeftigung,<br \/>wenn man fuer laenger her kaeme: politischen Unterricht fuer die Gaeste im Area D.<br \/>Aber Rita braucht jetzt noch ein bisschen huebsche Umgebung fuer ihr<br \/>Wohlbefinden. Abenteuer haben wir auch so genug. Das Lavender ist sehr schoen<br \/>mit einem gemuetlichen Garten, ein ganz normales Familienwohnhaus, das die<br \/>Kinder, anstatt es abzureissen oder zu verkaufen, saniert und aufgestockt und zum<br \/>Hotel umfunktioniert haben. Sehr loeblich.<br \/>Haben am fruehen Nachmittag einen Termin zum Mittagessen mit einem<br \/>Studienfreund von Ritas Vater, den sei seit Kindesbeinen kennt, Sacher Khatib,<br \/>dessen Mutter Deutsche war und dessen Frau aus Serbien stammt. Laufen<br \/>vormittags in Ramallah herum, gehen zu Ritas alter Schule - dieses Mal nicht nur aus<br \/>Sentimentalitaet (natuerlich auch deshalb). Rita hatte die Schule schon vor geraumer<br \/>Zeit angeschrieben, weil es dort eine Volotariatsprogramm gibt und sie sich danach<br \/>erkundigen wollte fuer einen spaeteren, eventuell laengeren Aufenthalt. Im<br \/>Sekretariat treffen wir auf Samia Rafidi, eine ehemalige Klassenkameradin von Rita.<br \/>Die beiden erkennen sich sofort wieder. Grosses Hallo! Samia wuerde sich sehr<br \/>freuen, wen Rita mal kaeme und helfen wuerde. Wie erfreulich. Rita findet noch vor<br \/>der Aula ihr Abschlussballfoto - schwarzweiss und sehr verpixelt, aber immerhin!<br \/>Laufen weiter durch die alten Strassen Ramallahs und kommen zufaellig an der<br \/>Deutschen Vertretung vorbei.<br \/>Treffen Sacher, seine Frau Yasna und Sohn Noor mit seinen zwei Kindern im<br \/>Segafredo. Vorher machen wir einen Spaziergang durch Ramallahs Altstadt. Sehen<br \/>eine Olivenpresse und schauen sie uns en Detail an (natuerlich nicht mehr<br \/>mechanisch, sondern maschinell und aus Italien). Sie erinnert an unsere<br \/>Mostpressen\u2026auch von der Stimmung her. Viele Leute bringen ihre Oliven, und es<br \/>ist ein reges Treiben ueber den Motorenlaerm hinweg. Gegenueber ist ein ein<br \/>Textilladen namens \u201eRantis\u201c, wie das Herkunftsdorf von Ritas Clan. Spaeter am<br \/>Abend gehen wir hinein und die drei alten Opas dort kennen Ritas Opa. Als sie<br \/>hoeren, dass Rita die Enkelin von Fayek Amer oder Abu Rabah ist, gibt es ein<br \/>Riesenhallo. Pl\u00f6tzlich verstehe ich, warum Rita so eine Sehnsucht nach Palaestina<br \/>hat: Hier ist ihre Familie bekannt. Es ist uns immer wieder, nicht nur auf dieser Reise,<br \/>sondern auf jeder reise hierher, passiert. Man trifft jemanden, man stellt die<br \/>Verbindung zum Dorf und den Familiennamen her, und die Gegenseite kennt Opa<br \/>oder Onkel oder wen auch immer. Das ist wohl das, was Zugeh\u00f6rigkeitsgefuehl und<br \/>Heimat ausmacht.<br \/>Das Segafredo ist laut und ungem\u00fctlich. Sacher hoert mit seinem Hoergeraet nur<br \/>Krach und ist genauso gestresst wie wir. Noor und Kinder verabschieden sich, und<br \/>wir verlagern uns in ein klasse palestinensisches Restaurant, Darna, was \"Unser<br \/>Haus\" bedeutet, und direkt neben der deutschen Vertretung liegt, wo wir vor zwei<br \/>Tagen zufaellig den Konsul trafen, weil wir nach dem Sohn von Herbert Schaal<br \/>fragten (vom Sudetengebirsgverein \u2026.aber das ist ne andre Geschichte).<br \/>Auf jeden Fall essen wir zum ersten Mal auf dieser Reise richtig gutes PalaestinaFood gegessen, und es ist k\u00f6stlich. Hatte mich schon beschwert, dass wir bisher<br \/>noch gar nicht richtig arabisch essen waren. Die Unterhaltung mit Sacher und jasna<br \/>ist sehr anstrengend, und es reicht mit Socialising fuer heute.<br \/>Laufen noch einmal durch das alte Ramallah und in den o.g. Rantis-Laden.<br \/>11.11.2018<br \/>Rita hat Geburtstag. Planen, nach Bethlehem ( Arabisch und Hebraeisch: Bait<br \/>=Haus, lahem (arabisch) =Fleisch, hebraisch = Brot; also wahlweise Haus des<br \/>Fleisches oder des Brotes). Das Sammeltaxi muss wegen der israelischen Mauer<br \/>und der Kontrollen Jerusalem weitraeumig umfahren. Jerusalem ist fuer Bewohner<br \/>der West Bank unter 50 Jahren nur mit Genehmigung zugaenglich. Denke, die<br \/>Strecke wird dadurch 3 bis 4 mal so lang. Fahren fast ans Tote Meer hinunter und<br \/>dann wieder rauf. Es ist unsaeglich! Laufen durch die Altstadt, in die Geburtskirche<br \/>(die angebliche Geburtsstelle Jesu hinter und unter dem Altar sparen wir uns - die<br \/>Schlange davor ist endlos). Zum Geburtstagskaffee und -kuchen moechte ich Rita<br \/>ins schoene Qasr Jacar ausfuehren, ein ehemaliger Kaufmannspalast, der zum Hotel<br \/>umfunktioniert wurde und in dem ich mal auf einer Geschaeftsreise uebernachtet<br \/>habe. Hinter dem alten Gebaeude, das nur noch als Lobby und Restaurant dient,<br \/>wurde ein modernes Hotel mit zwei Fluegeln gebaut. Vor der Zweiten Intifada war es<br \/>ein Interconti, aber durch die Mauer kommen die Touristen nur noch fuer ein paar<br \/>Stunden in israelischen Reisebussen nach Betlehem, sehen sich die wichtigsten<br \/>religioesen Staetten an und fahren wieder weg. Leider gibt es keinen Kuchen.<br \/>Das Qasr Jacar lag einst an der Hauptverkehrsachse von Norden nach Sueden und<br \/>verband Betlehem im Norden mit Jerusalem. Nun verlaeuft die Mauer mitten durch<br \/>diese Hauptstrasse und schneidet Betlehem von Jerusalem ab. Sie steht der Berliner<br \/>Mauer in nichts nach - ausser, dass sie hoeher ist: Auch hier steht alle paar hundert<br \/>Meter ein Wachturm, auch hier laeuft die Mauer praktisch durch den Vorgarten der<br \/>Leute und trennt Familien, auch hier sichern Elektronik und Bewegungsmelder, auch<br \/>hier ist es haesslich und deprimierend.<br \/>Laufen die Mauer entlang, besichtigen die Grafitti-Malereien und Kunstwerke. Ein<br \/>britischer Kuenstler namens Banksky hat die Mauer hier \"verziert\" und das \"Walled in<br \/>Hotel\" eroeffnet, das direkt auf die Mauer schaut und innen auch komplett mit seiner<br \/>aufruettelnden Kunst verziert ist.<br \/>https:\/\/www.google.com\/search?q=banksy+mauer+israel&amp;safe=strict&amp;client=firefoxb&amp;source=lnms&amp;tbm=isch&amp;sa=X&amp;ved=0ahUKEwiF46eCvdveAhUCjCwKHX7ApwQ_AUIDigB&amp;biw=1366&amp;bih=654<br \/>Daneben sind noch 2 Laeden, die mit allerhand Mauerkram ihr Geschaeft machen.<br \/>Viele Palaestinenser sehen das Geschaeft mit der Mauer sehr kritisch. Auf der<br \/>anderen Seite ist jeder Tourist, der dort entlang laeuft und Fotos macht, ein<br \/>Multiplikator, der zuhause von diesen Dingen berichtet. Sind auch ein paar mit uns<br \/>die Mauer entlang und haben viele Fotos gemacht.<br \/>Dann entscheiden wir uns, zu Fuss die Grenze, also das Tor in der Mauer, zu<br \/>durchqueren und \u00fcber Jerusalem nach Ramallah zurueck zu fahren. Wir laufen durch<br \/>einen langen vergitterten Gang wie die, die fuer Vieh benuetzt werden, die zum<br \/>Schlachten getrieben werden. Dann geht es durch eine Eisendrehtuer in einen<br \/>Zwischeraum mit Sicherheitsschleuse, an dessen anderem Ende auch eine<br \/>Eisendrehtuer ist, rechts im Raum ein panzerglasgeschuetzter Kasten, in dem<br \/>Soldaten sitzen, links ein Durchleuchtungsgeraet fuer alles Gepaeck. Beim <br \/>Durchqueren der Sicherheitsschleuse schl\u00e4gt bei mir der Aarm an. Ich mache den<br \/>G\u00fcrtel ab und lege ihn auf das Band des Gepaeck-Scanners. Immer noch Alarm.<br \/>Also habe ich die Brille abgenommen. Immer noch Alarm. Die beiden Kueken, ganz<br \/>junge Soldatinnen, werden nerv\u00f6s und winken mich durch. Ich vermisse meinen<br \/>Guertel. Gehe nochmal zurueck durch die Schleuse und suche ihn. Chaos liegt in der<br \/>Luft. Von der Seite Bethlehems kommen immer mehr Leute in den kleinen<br \/>Sicherheitsraum zwischen den Drehtueren. Dann sehe ich meinen Guertel,<br \/>eingeklemmt im F\u00f6rderband. Ich will ihn wiederhaben. Die K\u00fcken trauen sich nicht<br \/>raus aus ihrem Kabuff, es k\u00f6nnte ja eine Falle sein. Lautsprecher ert\u00f6nen. Der<br \/>sicherheitsraum wird abgesperrt. Keiner kann raus, keiner rain. Ich zitiere die K\u00fcken<br \/>raus, sie sollen mir meinen G\u00fcrtel aus dem Foerderband befreien. Sie geben ueber<br \/>Lautsprecher auf Hebraeisch Anweisung, wie des R\u00f6ntgengeraet abgeschaltet<br \/>werden muss. Ein junger Palaestinenser, der eigentlich haette weitergehen koennen,<br \/>bleint und hilft, stellt das Ding ab. Klappt alles, ich hab endlich meinen G\u00fcrtel wieder,<br \/>\u2026.aber das R\u00f6ntgengeraet will nicht wieder anspringen. Der junge Mann drueckt<br \/>saemtliche Knoepfe, ich mache Theater\u2026.mit meinem deutschen Pass geht das....<br \/>ueber Lautsprecher schreien die Kueken Unverstaendliches. Dann betritt die<br \/>Vorgesetzte\u2026.auch ein junges K\u00fcken in kugelsicherer Weste und mit vor dem Bauch<br \/>vom Hals baumelnder uzi machinenpistole, der Lauf auf uns alle gerichtet. Ich<br \/>schreie sie an \u201ePut your gun down!\u201c, was sie dann auch macht. Sie kriegt das Ding<br \/>auch nicht zum Laufen. Muessen dann durch eine andere Schleuse, und ich fange<br \/>an, die K\u00fcken zu belehren, dass auf jedem Flughafen, wo so ein Roentgengeraet<br \/>steht, eine Aufsichtsperson stehe, die Anweisung gibt, was durch das Geraet<br \/>geschickt werden m\u00fcsse etc etc. Sie weiss das, sagt aber durch den Lautsprecher<br \/>das sie das nicht k\u00f6nne\u2026.ja, ja,.... den Rest spare ich mir jetzt. Sie haben strikte<br \/>Abweisung, ihr Kabuff nicht zu verlassen - seit den Messerangriffen im letzten Jahr.<br \/>Auf jeden Fall war es ein ziemliches Geschrei\u2026 Die anderen Palaestinenser blieben<br \/>erstaunlich ruhig. Aber sie wissen, dass sie den Kuerzeren ziehen, wenn sie Streit<br \/>anfangen - bestenfalls endlos aufgehalten, schlechtestenfalls erschossen werden.<br \/>Sie haben gelernt, sich in Steine zu verwandeln und nichts an sich heran zu lassen.<br \/>Wenn man da jeden Tag durch muss, muss man das auch. Sonst wird man krank<br \/>oder verrueckt.<br \/>Fahren jenseits des Checkpoints mit dem Bus nach Jerusalem. Bummeln in der<br \/>Altstadt. Essen einen schlechten, ueberteuerten Schawurma, ich probiere Shofars<br \/>aus, die es hier in allen Ausfuehrungen gibt.\u2026musssss ich kaufen. Rita fuehlt sich<br \/>wie zuhause. Dann mit dem Bus vom Damaskustor nach Ramallah. Oh je! Der<br \/>Busfahrer hat fuer seine letzte Fahrt durch den Checkpoint nach Ramallah und<br \/>wieder zurueck ueber 4 Stunden gebraucht (16 km ein Weg!). Er hat keine Lust mehr<br \/>und faehrt nur bis zum Uebergang. Wir muessen wieder zu Fuss durch die Schleuse,<br \/>was aber Richtung West Bank ganz schnell geht. Dann muss jeder sehen, wie er von<br \/>dort nach Ramallah kommt. Das ist halt auch Palaestina. Die armen Leute, die<br \/>taeglich zwischen Jerusalem und Ramallah pendeln! Man mag sich kaum<br \/>ausdenken, wie es denen geht. Gemeinsam mit uns faehrt eine Deutsche, die fuer<br \/>die GIZ arbeitet, nach Ramallah zurueck. Sie hat ein paar Tage in Tel Aviv verbracht<br \/>und ist genervt, weil der Fahrer uns nicht bis Ramallah bringt. Teilen uns nach dem<br \/>Checkpoint ein Taxi mit ihr, damit wir irgendwann heim kommen. Beschwerliches<br \/>Reisen! Die GIZ'lerin ist die was weiss ich wievielte, die wir hier kennenlernen, die in<br \/>der Entwicklungshilfe taetig ist. Ganz Ramallah ist voll davon!<br \/>12.11. 2018<br \/>Bleiben heute in Ramallah....wollen mal versuchen, moeglichst nahe an eine der<br \/>direkt an Ramallah grenzenden Siedlungen heran zu kommen. Auf dem Weg dorthin<br \/>treffen wir einen negroiden Palistinenser aus Jericho, der mit uns vor ein paar Tagen<br \/>im Sammeltaxi nach Jericho sass. Wieder mal eine der vielen Zufallsbegegnungen<br \/>die wir hatten. Kuerzlich im Hof der Birzeitherberge beim Tee sass neben uns eine<br \/>deutsche Familie. Den Mann trafen wir dann ein paar Tage spaeter im Alkoholladen<br \/>in Ramallah, als wir ein paar Dosen Bier kauften. Auch er ist bei der GIZ.<br \/>Unser Mann aus Jericho ist negroid, weil in Jericho vor was weiss ich wievielen<br \/>hundert Jahren afrikanische Sklaven lebten. Er ist zahnlos,sieht verwegen aus, ist<br \/>aber so selbstbewusst, dass er allen Ernstes erzaehlt, sein Traum sei es, eine<br \/>deutsche Frau zu heiraten und mit ihr nach Deutschland zu ziehen, ob wir das nicht<br \/>irgendwie bewerkstelligen koennten. Kurz vor dem Anstieg der Strasse Richtung<br \/>Siedlung treffen wir zwei halbwuechsige etwa 17-jaehrige Burschen auf dem<br \/>Heimweg von der Schule. Einer der beiden traeumt davon, in Deutschland zu<br \/>studieren. Als wir weiter gehen wollen, warnen uns die Jungs: Da oben stuenden<br \/>Soldaten, und die wuerden schiessen, wenn man zu nahe kommt. Aber die<br \/>palaestinensischen Haeuser stehen bis kurz vor der Siedlung, und wir laufen weiter.<br \/>Sehen dann den Stacheldrahtzaun, eine verstaerkte Eisenschranke und ein grosses<br \/>etwa 5 bis 6 m breites Schiebetor, einen Wachsoldat im verglasten Wachturm. Wir<br \/>gehen langsam mit erkennbar vom Koerper weggehaltenen Armen auf das Tor zu.<br \/>Der Soldat kommt heraus, natuerlich in voller Montur, und fragt, wohin wir wollten.<br \/>Wir wollen mal eine Siedlung besichtigen, sagen. Er meint, hier kaeme man nicht<br \/>rein, wir muessten zum Haupteingang, auf der anderen Seite der Siedlung, etwa 10<br \/>km Strassenumweg. Wir: Aber hier ist doch ein Tor. Er: Das wird nur geoeffnet, wenn<br \/>die Soldaten raus muessen. Wir: Wozu muessen die Soldaten hier raus, das ist doch<br \/>das Land der Palaestinenser. Er: Wenn die Kinder uns mit Steinen bewerfen,<br \/>muessten sie ihr Dorf schuetzen. Rita: Aber das ist kein Dorf. Das ist eine<br \/>voelkerrechtwidrige Siedlung. Wenn es hier keine Siedlung gaebe, dann muessten<br \/>die Leute hier nicht rebellieren. Naja, so ging das hin und her. Er behauptet noch, sie<br \/>wurden nie mit scharfer Munition schiessen. Eigentlich war der Typ nicht<br \/>unverschaemt, er haette ja gar nicht mit uns sprechen muessen. Er ist Reservist,<br \/>wird einmal im Jahr fuer einen Monat eingezigen. In seinem Zivilleben ist er<br \/>Wassertechniker oder sowas. Vor dem Tor liegen hunderte von abgeschossenen<br \/>Traenengasgranaten, etwa 5 cm Durchmesser und 15 cm lang. Ebenso viele und<br \/>gleich grosse Granathuellen von vermutlich Leuchtpatronen und dann noch viel mehr<br \/>abgeschossene Patronenhuelsen von 5 oder 6 mm-Kaliber-Patronen. Glaube nicht,<br \/>dass es 7.62 mm war. Aber von wegen, sie schiessen nicht mit scharfer Munition!<br \/>Einige Patronen waren noch vollstaendig. Haben von jedem Typ eines eingepackt.<br \/>Werden aber nur die patronenhuelse mitnehmen. Die Granathuelsen sind uns nach<br \/>Ueberlegung dann doch zu gefaehrlich. Die Ausreisekontrollen am Flughafen oder<br \/>auch nur von Ramallah nach Jerusalem sind so, dass da keine Maus durchkommt.<br \/>Was sagen wir denn den Grenzsoldaten, woher wir diese Grananten haben, wenn<br \/>sie sie finden...und was wir damit machen wollen?!? Verabschieden uns von dem<br \/>Soldaten und gehen rueckwaerts zurueck bis zum ersten Haus etwa 50 m vom Tor<br \/>entfernt, wo zufaellig die palaestinensische Bewohnerin gerade mit dem Auto<br \/>vorfaehrt. Der naechst unwahrscheinliche Begegnung an diesem Tag: Die Dame<br \/>names Ikram, so alt wie Rita, kennt fast die ganze Schulklasse von Rita. Es gibt<br \/>gemeinsame Bekannte etc etc. Die Tante der Dame ruft. Sie lebt zwei Haeuser<br \/>weiter und macht sich sorgen, als sie sieht, dass wir mit Ikram in den Garten gehen. <br \/>Sie zeigt uns die Patronenhuelsen, die sie kuerzlich in ihrem Garten aufgesammelt<br \/>und auf eine Haufen gelegt hat. Die Soldaten kommen oft in ihren Garten, auf ihr<br \/>Dach, um die Umgebung zu ueberwachen. Die Jungen aus der Nachbarschaft<br \/>kommen und werfen Steine in Richtung Siedlung, die Soldaten schiessen zurueck.<br \/>Bei diesen Gefechten sind ihre Fenster so oft zu Bruch gegangen, dass sie sie alle<br \/>vergittert hat. Sie erzaehlt, manchmal kaemen die Soldaten und riefen<br \/>Obszeonitaeten den Huegel hinunter, um die Jungen zu provozieren. Wenn die dann<br \/>mit Steinen reagierten, schoessen sie scharf.<br \/>Ikram nimmt uns mit in die Stadt zurueck. Sie hat einen eigene kleine<br \/>Grafikdesignfirma direkt unterhalb vom alten Hotel Odeh, wo Rita in ihren jungen<br \/>Jahren mit ihren Klassenkameraden unter uralten Pinien, die noch immer stehen,<br \/>Schokoladenkuchen gegessen hat.<br \/>Wir essen zum dritten Mal im Damascus Sweets, ebenfalls eines der regelmeassig<br \/>frequentierten Cafes aus Ritas Schultagen, Knafeh, jener Spezialitaet aus Nablus.<br \/>Danach treffen wir uns mit Mazen bei seiner Mutter. Es geht ihr nicht gut, und sie<br \/>kommt gar nicht aus dem Schlafzimmer. Wir sitzen im Wohnzimmer und trinken Tee.<br \/>Irgendwann kommt noch eine Nachbarin vorbei und wir koennen uns langsam vom<br \/>Acker machen, waehrend sie bei Um Mazen bleint. Mazen beschliesst, noch einmal<br \/>einen Fischabend in Ain Arik zu veranstalten, ruft Jad und noch zwei weitere<br \/>Kumpels an, bestellt vorab den Fisch und gibt in Ain Arik Bescheid, dass wir<br \/>kommen.<br \/>Heute frueh haben wir gehoert, dass \u010fie Israelis mit einem sonderkommando mit<br \/>einem palaestinensisch getarnten PKW nach Gaza rein sind um einen HamasKaempfer zu exekutieren. Offenbar sind sie erkannt und von der Hamas angegriffen<br \/>worden. Die luftwaffe kam zu hilfe und hat 6 Palaestinenser getoetet. Ein Israeli<br \/>verlor ebenso sein Leben und ein oder zwei wurden verletzt. Potential fuer einen<br \/>weiteren Krieg und das Dauerthema dieses Tages.<br \/>So war das auch Thema mit Mazens Kumpels im Restaurant. Im Hintergrund laeuft<br \/>der Fernseher, und es wird auch ueber dieses Thema dauerberichtet. Offenbar<br \/>fliegen im Lauf des Tages 400 Raketen aus Gaza auf Askelon im Sueden Israels.<br \/>Wohnhaeuser werden getroffen, ein omnibus in brand geschossen. Unter den<br \/>Kumpels ist Freude darueber zu spueren. Irgendwie hat man das Gefuehl, es tut dem<br \/>geschunden Selbstwertgefuehl gut, endlich erfolgereich Ziele zu erreichen. Ploetzlich<br \/>gibt das Fernsehen durch,man habe eine telefonische Warnung erhalten, das<br \/>Fernsehgebaeude zu verlassen, es solle angeblich von Israel bombardiert werden.<br \/>Das ist ein gaengiger Ablauf, wenn Israel in Gaza bombardiert. Wenn man keine<br \/>zivilen Opfer haben moechte, sondern nur materielle Schaeden anrichten und die<br \/>Infrastruktur zerstoeren moechte, dann schickt Israel eine Warnung in Form eines<br \/>leichten Geschossen, und fuenf Minuten spaeter fliegen die Bomben. So haben die<br \/>Leute Zeit, das jeweilige Gebaeude zu verlassen, koennen aber nichts mitnehmen.<br \/>Der Sender laeuft weiter, und ploetzlich nach 5 minuten gibt's nur noch ein Standbild!<br \/>Wir sind live dabei. Die palaestinensischen Kumpels sind feudig erregt und<br \/>schockiert zugleich. Wir sind fassungslos. Trotzdem ist ne gute Stimmung am Tisch.<br \/>\u010eisktutieren das ewige Thema Palaestina und Israel aber auch tiefergehende<br \/>politische Themen.<br \/>Im Grunde waren die alle in der Jugend aktiv...der eine mehr der andere weniger.<br \/>Einer war 10 Jahre im israelischen Gefaengnis, im Alter zwischen 20 und 30. War<br \/>Bombenbastler und -leger, hat dabei 2 oder 3 Finger verloren. Ist heute<br \/>Schwarzkopf- Vertreter, hat Haare und Wimpern und Augenbrauen pechschwarz<br \/>gefaerbt und wird in der Gruppe \"Der Teenager\" genannt. War gemeinsam mit<br \/>Bader-Meinhof-Anhaengern im Gefaengnis. Der Name Thomas Reuter faellt;<br \/>Einzelhaft war ein Thema...auch der Teenanger war mehrmals bis zu einem halben<br \/>Jahr in Einzelhaft. Er berichtet ueber die verschiedenen Formen, dass niemand mit<br \/>ihm spricht, nicht einmal das Wachpersonal, verschaerfend kommt Lese- und<br \/>Schreibverbot hinzu. Er berichtet, dass die Verhoere mit Schlaegen, Erniedrigung<br \/>und Anschreien einhergehen, dass die Behandlung im Gefaengnis nach der<br \/>Verurteilung aber akzeptabel gewesen sei, dass das Internationale Rote Kreuz<br \/>regelmaessig gekommen sei, aber nur Essen, Schlafmoeglichkeit und solchen<br \/>allgemeinen Themen anspricht. Die Frage, ob gefoltert wuerde etc., darf das Rote<br \/>Kreuz nicht ansprechen. Waere der Tag nicht so lang gewesen und haette da nicht<br \/>so viel Whiskey - natuerlich wieder Jonny Walker Gold Label und dazu Carmel<br \/>Rotwein rumgestanden, der Abend haette noch ein paar Stunden gehen koennen.<br \/>Verabschieden uns mit dem Versprechen, spaetestens im Maerz 2019 den Abend zu<br \/>wiederholen und in der Hoffnung, dass der Krieg in Gaza bis dahin vorbei sein solle.<br \/>An dem Abend sind wir wirklich eingetaucht.<br \/>13.11.2018<br \/>Treffen heute beim Fruehstueck zwei Gaeste, die nicht von einer NGO oder<br \/>Entwicklungshilfegesellschaft sind: Amerikaner von einer Softwarefirma namens<br \/>Harri. Die beschaeftigen hier ueber 100 Leute. Rita ist darueber sehr erfreut.<br \/>Diskutieren erstaunlich lange. Eigentlich muessten die ja in die Firma.<br \/>Heute ist unser letzter Tag. Sacher hatte angeboten, uns einen Freund als<br \/>Touristenfuehrer zur Verfuegung zu stellen, wenn wir nach Nablus kommen wollten.<br \/>Aber wir entscheiden uns fuer Jerusalem und sagen ihm ab. Er ist alt, und ich<br \/>glaube, sowohl ihn als auch Jasna haette es nur angestrengt, wenn wir gekommen<br \/>waeren.<br \/>Fahren also mit dem Sammeltaxi bis zum Checkpoint von Kalandia, einem<br \/>Fluechtlingslager von 1948, jenseits dessen Ostjerusalem beginnt. Gehen wieder zu<br \/>fuss drueber. Lange Warteschlangen. Wie mag das frueh morgens aussehen, wenn<br \/>die Berufspendler da drueber mussen? Es gibt eine Sonderschlange fuer so<br \/>genannte Notfaelle, also Menschen, die krank und auf dem ins Krankenhaus sind,<br \/>etc. Ein Mann, der offenbar Blechdosen sammelt und sie in Jerusalem einem<br \/>Haendler verkauft, berichtet dass vor 2 Tagen eine schwangere Frau hier gestorben<br \/>sein soll, die Geburt habe eingesetzt und der Krankenwagen sei nicht schnell genug<br \/>gekommen?!? Wir wissen nicht, ob es stimmt. Man muss durch mehrere<br \/>Drehkreuze, und sie lassen immer nur eine bestimmte Anzahl durch. Wir...oder<br \/>ich....scheine in diesen Situationen hier immer Ungemach anzuziehen. Als wir an der<br \/>Reihe sind, lassen die Soldaten versehentlich, statt 3 bis 4 personen, 7 durch. Uns<br \/>wird ueber blechern scheppernde Lautsprecher (diese Lautsprecher erinnern an<br \/>Agentenfilme ueber Nordkorea) der Befehl erteilt zurueck durch das Drehkreuz zu<br \/>gehen. Ich verstehe das nicht oder will es nicht verstehen. Auf jeden Fall entsteht<br \/>erneut ein unangenehmer (fuer wen, ist die frage...smile...) Schlagabtausch mit den<br \/>Soldaten hinter ihrer Panzerglasscheibe. Wenn man das jeden Tag z.b. auf dem<br \/>Weg zur Arbeit ueber sich ergehen lassen muss, wird klar, warum die Menschen hier<br \/>haeufig unter Depressionen leiden. Sie sind absolut rechtlos!!!<br \/>Besuchen gleich gegenueber vom Busbahnhof die Garden Tomb, wo nach<br \/>wissenschaftlicher Analyse und Glaube vieler Protestanten die Kreuzigung Jesu und<br \/>sein Grab sein koennten. Der Garten wir von Ehrenamtlichen aus der ganzen Welt<br \/>gepflegt. Ueberall sind hingebungsvoll betende und singende Pilgergruppen. Gehen <br \/>in die Altstadt und laufen als erstes den noerdlichen Mauerrundweg. Spannende<br \/>Perspektive auf die Stadt.<br \/>Wollen zum Felsendom, duerfen aber nicht rein, weil es nicht ausreicht, dass Rita<br \/>Muslimin ist. Sie duerfte allein rein, aber ich nicht.<br \/>Auf dem Weg um das Felsendom-Areal beobachten wir, wie eine Horde von vier<br \/>jungen Soldaten, zwei Frauen, zwei Maenner, drei Jungen, die kaum juenger sind als<br \/>sie selbst, anhalten. Die Jungen waren mit einer Gruppe von Familien, Frauen und<br \/>Kindern zum Gebet dort. Man nimmt ihnen die Ausweise ab. Sie stehen mit den<br \/>Haende nach oben, dem Gesicht zur Mauer, der Soldat drueckt mit seinem Knie ein<br \/>Bein des Jungen gegen die Mauer und tastet nach Waffen. Die Jacken werde ruede<br \/>heruntergezerrt. Wir bleiben stehen und beobachten aus 5 m entfernung. Eine junge<br \/>Soldatin fragen wir, was die Jungen verbrochen haetten, erhalten abweisende<br \/>Antworten. Rita fragt nach, ob sie Verbrecher seien, jemanden ueberfallen oder<br \/>bestohlen haetten; sie antwortet, das wuerden sie gerade pruefen. Ich frage, ob ich<br \/>fotografieren duerfte. Sie verneint. So geht das eine Weile hin und her. Durch uns<br \/>werden andere aufmerksam und bleiben auch stehen. Mittlerweile ist da ein richtiger<br \/>Auflauf. Rita erklaert einem deutschen Touristenpaar, was da gerade passiert. Es<br \/>kommen mehr Soldaten hinzu. Einer kommt und fordert mich auf, ich solle<br \/>weitergehen - scheine wohl wieder mal am provozierendsten dazustehen. Wir<br \/>bleiben stehen. Eine Frau, die wohl so eine Art Betreuerin der Gruppe ist, spricht die<br \/>Soldaten an und bittet sie, die Jungen gehen zu lassen, erklaert, sie gehoerten zu<br \/>ihrer Reisegruppe. Die Soldaten schicken sie barsch zurueck. Nach der 3. oder 4.<br \/>Aufforderung an mich gehe ich einen Schritt zurueck, aber wir beide sagen immer<br \/>wieder, dass wir ein Recht haben, hier zu stehen, sie keines, uns zu verjagen.<br \/>Schliesslich lassen sie von den Jungen ab und wir laufen mit ihnen und ihrer<br \/>Betreuerin weiter. Sie erklaert mir, sie seien aus Jenin, haben eine eintaegige<br \/>Erlaubnis, nach Jeruslaem zu kommen, um ihre heiligen Staetten zu besuchen und<br \/>zu beten. \u010eie Jungs waren noch nie in Jerusalem....und erleben so eine<br \/>Unterdrueckung und Erniedrigung im eigenen Land. Dass das zu Frust, Wut und<br \/>Rebllion fuehrt, ist wohl allen klar, nur den arroganten Israelis nicht.<br \/>Gehen aussen an der Stadtmauer entlang Richtung Klagemauer. Auf dem Weg<br \/>dorthin links unter uns das Qidrontal, auf der anderen Seite des Tals, der Garten<br \/>Gethsemane, die russischorthodoxe Kirche mit ihren goldleuchtenden<br \/>Zwielbeltuermen, den riesigen juedischen Friedhof, danach Silwad, ein<br \/>palaestinensischer Vorort von Jerusalem, aus dem die Israelis so gern die Bewohner<br \/>vertreiben wuerden, um es sich einzuverleiben. Mitten drin graben sie die City of<br \/>David aus, Ruinen, die angeblich das Jerusalem aus der Zeit Koenig Davids sind.<br \/>Silwad ist verkommen und vernachlaessigt, wie alle arabischen Stadtteile<br \/>Jerusalems, weil die israelische Stadtverwaltung sie verkommen laesst, sie von der<br \/>Muellabfuhr ausschliesst, Infrastruktur nicht erneuert, keine Baugenehmigungen fuer<br \/>die Sanierung von Haeusern gibt. Sie wollen die Menschen rausekeln.<br \/>Gehen durch das naechste Stadttor wieder in die Altstadt hinein, an der Klagemauer<br \/>vorbei, die von Sicherheitsvorkehrungen voellig verunstaltet ist, eine Treppe hoch ins<br \/>juedische Viertel. Hier sind die Steinplatten der Wege sauber; es gibt abschliessbare<br \/>Muell-Container, Hinweisschilder, die Haeuser sind saniert. Ich lauf einem etwa 50<br \/>jaehrigen, mit amerikanischem Englisch sprechenden Juden in die Arme. Er ist sehr<br \/>jovial, und wir plaudern ein wenig...so da ueblich blabla. Ich antworte auf seine<br \/>Frage, wie es mir geht, dass es mir nicht so ganz gut gehe, weil ich gerade mehrere<br \/>Tage in der West Bank verbracht haette und mich die Zustaende dort schockiert<br \/>haetten. Er ist verstaendnisvoll: Oh ja, ich lebe dort in einer Siedlung bei Bethlehem. <br \/>Meine Frage, warum er in einer Siedlung in der West Bank lebe, das sei doch<br \/>palaestinensiches Land, meint er \"It is our holy land\". Gott habe es ihnen geschenkt,<br \/>und er ist davon ueberzeugt dass die israelischen Kriege, vor Allem der Yom Kippur<br \/>Krieg, jeweils gewonnen wurden, weil Gott das so wollte und geholfen habe. Ich<br \/>frage, ob er sicher sei, dass Gott geholfen habe oder nicht eher die Amerikaner mit<br \/>ihren Aufklaerungsbildern? Nach laengerer Diskussion empfehle ich ihm das Buch<br \/>von Yuval Harari, einem Israeli, ueber die Entwicklung der Menschheit zu lesen.<br \/>Glaube aber nicht, dass er auch nur eine Sekunde zweifelt und je daran denkt, in das<br \/>Buch auch nur reinzuschauen. Machen uns auf den Rueckweg, halten beim Furun<br \/>Green Door, dem Ofen, der den Leuten ihre fertig zubereiteten Gericht im Holzofen<br \/>gerart hat, bis die Israelis ihm das wegen der angeblichen Rauchbelaestigung<br \/>verboten haben. Nun kommen die Kunden nicht mehr. Im Gasbackofen koennen sie<br \/>auch zuhause backen. Essen das legendaere Eier-, Tomatenmark- und<br \/>Schmelzkaesebrot, trinken Tee, waehrend der Baecker uns seine Leidensgeschichte<br \/>erzaehlt, was leider dazu fuehrt, dass keine Zeit fuer ein Shofar bleibt. Ich glaube,<br \/>Rita ist nicht so ungluecklich darueber. Seit wir das erste Mal hier waren und ich die<br \/>herrlichen Shofars in der Altstadt gesehen habe, moechte ich eines kaufen. Aber Rit<br \/>boykottiert meinen Wunsch.<br \/>Der Rueckweg nach Ramallah ist wie vor 2 Tagen: Der Bus faehrt wieder nur bis<br \/>zum Checkpoint in Kalandia. Wir laufen mit allen anderen Pendlern hinueber, haben<br \/>keine Lust, uns im Stau ins Taxi zu setzen und laufen los Richtung Ramallah. Als<br \/>sich der Stau aufloest, steigen wir in ein Taxi und lassen uns heim kutschieren.<br \/>Rita lernt bei ihrer abendlichen Zigarette eine junge Frau kennen, die wir beim<br \/>Fruehstueck schon zweimal gesehen haben, mit der wir jedoch noch nicht<br \/>gesprochen haben. Sie arbeitet fuer die Deutsche Welle Akademie und unterrichtet<br \/>an Universitaeten in Jordanien, Syrien und Palaestina \"Mobile Reporting\". Sehr<br \/>spannend. Als Rita mit ihr vor der Tuer zusammen trifft, ist sie gerade auf dem Weg<br \/>zum Salsa-Abend im \"Fuego\", einer der vielen netten Bars in Ramallah. Und das<br \/>alles, waehrend in nicht einmal 100km Entfernung fast ein Krieg ausbricht. Zu diesem<br \/>Thema ist uebrigens die Lesart die, dass die Israelis nur deshalb nicht weiter<br \/>bombardiert haben, weil sie im Unrecht waren, weil sie diejenigen waren, die in den<br \/>Gazastreifen eingedrungen sind, um einen Hamaskaempfer zu ermorden.<br \/>14.11.2018<br \/>Heute ist unsere Abreise. Wir verabschieden uns von Mireille, der Eigentuemerin des<br \/>Lavender, einer typischen palaestinensische Christin: aufeschlossen, verwestlicht<br \/>wohlhabend. Sie hatte uns erzaehlt, dass sie eine Jerusalem ID hat, also offiziell dort<br \/>leben darf, weil sie von dort stammt. Ihre Kinder gehen jedoch auf die Friends School<br \/>in Ramallah (Ritas ehemalige Schule), was sie jedoch niemandem erzaehlen<br \/>duerfen. Sie muesse sie zum Luegen erziehen, sat Mireille bitter. Denn wenn die<br \/>Behoerden wuessten, dass sie ihren Lebensmittelpunkt in Ramallah haben, wuerden<br \/>sie ihre Aufenthaltserlaubnis fuer Jerusalem verlieren! All diese Massnahmen sind<br \/>nichts anderes als eine schleichende ethnische Saeuberung Palaestinas von den<br \/>Palaestinensern.<br \/>Auch auf dem letzten Teil unserer Reise moechten wir es uns nicht einfach machen,<br \/>ziehen unseren Koffer zum Busbahnhof und fahren mit dem Linienbus nach<br \/>Jerusalem. Sind gespannt, wie wir dieses Mal wohl ueber den Checkpoint kommen.<br \/>Der Bus muss ja irgendwie zurueck nach Jerusalem, um wieder Fahrgaeste<br \/>einzusammeln. Eine Zeitlang ging das nicht. Da ist man bis zum Checkpoint in einem<br \/>palaestinensischen Bus gefahren, ist dann ausgestiegen und zu Fuss ueber den<br \/>Checkpoint, um dann jenseits zwar auch palaestinensisches Fahrzeug zu nehmen,<br \/>jedoch eines mit israelischem Kennzeichen. So war es ja auch, als wir mit dem<br \/>Sammeltaxi nach Jerusalem fuhren. <br \/>Im Bus sitzt ein junger Deutscher (Ende 30), der auch, wie kann es anders sein, im<br \/>Area D gewohnt hat die vergangenen Tage. Er ist ein Weltreisender, hat offenbar<br \/>Geld von Haus aus, was er dann scheinbar noch erfolgreich bermehrt hat. Hatte<br \/>Beteiligungen an einer Reederei in Hamburg, die er verkauft hat, und verjubelt jetzt<br \/>die Kohle auf Reisen. Aber so, wie er klingt, ist da noch mehr und er muss sich keine<br \/>Sorgen machen. Auf jeden Fall ist er politisch sehr interessiert, und wir haben eine<br \/>spannende Diskussion. Am Checkpoint steigen zwei Soldaten ein, ein Mann, eine<br \/>Frau, und pruefen alle Dokumente. Einige der ID-Karten und<br \/>\"Einreisegenehmigungen\" nach Jerusalem nimmt die Soldatin mit aus dem Bus zur<br \/>Ueberpruefung. Eine Frau die ein paar Reihen weiter vor uns sitzt, hat offenbar einen<br \/>amerikanischen Pass und gleichzeitig eine israelische ID-Card fuer die West Bank,<br \/>jedoch keine Einreisegehmigung fuer Jerusalem. Sie muss aussteigen. Man laesst<br \/>sie mit dem US-Pass nicht rein. Die Frau direkt vor uns sagt, man haette sie<br \/>wahrscheinlich auch raus geschickt, wenn wir nicht als Zeugen direkt hinter ihr<br \/>gesessen haetten. Es sei ihr schon mehrmals so ergangen. Immer, wenn Westler mit<br \/>im Bus sitzen, laesst man sie sitzen; wenn nicht, muss sie aussteigen und die<br \/>Prozedur zu Fuss machen (durch die Schlachtviehkaefige).<br \/>Der Rest der Anfahrt nach Tel Aviv ist wie auf dem Hinweg: Strassenbahn zur<br \/>Zentralen Busstation von West Jerusalem, dann mit dem Bus zum Flughafen. Alles in<br \/>Allem brauchen wir wegen der vielen Reiserestriktionen fuer 30km Luftlinie 4,5<br \/>Stunden! Als Rita Ende der 70'er Jahre bei ihrem Grossvater lebte, fuhr sie mit dem<br \/>Linientaxi in einer halben Stunden direkt von Ramallah zum Flughafen.<br \/>Im Bus zum Flughafen kommen wir schliesslich noch einmal ins Gespraech mit<br \/>einem jungen englischen Juden aus Manchester, einem Religioesen, der in<br \/>Jerusalem am theologischen Seminar studiert und gern Rabbiber werden moechte.<br \/>Er hat 10 Geschwister (1. Buch Mose: Seit fruchtbar und vermehrtet euch...),<br \/>moechte lieber nichts Kritisches, wie Yuval Hariri lesen, weil er noch zu jung und<br \/>wenig standfest sei und seinen Glauben nicht ins Wanken bringen lassen moechte.<br \/>Smart Phones und Computer, vor Allem das Internet, sind nicht gern gesehen bei<br \/>den Reiligioesen. Ebenfalls ein sehr spannendes Gespraech!<br \/>Wir bekommen die allerletzten zwei Plaetze auf dem Flug nach Frankfurt. Alle, aber<br \/>auch alle Fluege aus Tel Aviv raus sind brechend voll - ausser El Al. Ritas<br \/>Nebensitzer sagt spaeter zu ihr, mit denen weigert er sich, zu fliegen. Die seien so<br \/>unfreundlich.<\/p>","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.rijo-travel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/174","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.rijo-travel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.rijo-travel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rijo-travel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rijo-travel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=174"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.rijo-travel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/174\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":175,"href":"https:\/\/www.rijo-travel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/174\/revisions\/175"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rijo-travel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/76"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.rijo-travel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=174"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rijo-travel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=174"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rijo-travel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=174"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}