{"id":119,"date":"2018-02-21T05:00:05","date_gmt":"2018-02-21T04:00:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rijo-travel.de\/?p=119"},"modified":"2020-11-29T20:36:06","modified_gmt":"2020-11-29T19:36:06","slug":"marokko-fruehjahr-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rijo-travel.de\/?p=119","title":{"rendered":"Marokko &#8211; Fr\u00fchjahr 2018"},"content":{"rendered":"<!--themify-builder:block-->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":120,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16],"tags":[15,14,12,13],"class_list":["post-119","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-16","tag-15","tag-fruehjahr","tag-marokko","tag-morocco","has-post-title","has-post-date","has-post-category","has-post-tag","has-post-comment","has-post-author",""],"builder_content":"<p style=\"text-align: left;\">\u0627\u0644\u0645\u063a\u0631\u0628 \u0641\u064a \u0627\u0644\u0631\u0628\u064a\u0639<br \/>Marokko Fruehjahr 2018<br \/><br \/>Schon die Beschreibung der USA-Reise von 2016 begann ich damit, dass wir eigentlich etwas anderes<br \/>geplant hatten und dann kurz vor Hosenknopf anders entschieden. Dort ging es jedoch nur um den<br \/>Zeitraum. Bei dieser Reise hingegen aenderte sich das Ziel staendig. Denn erst wollten wir in den Iran<br \/>fahren, also mit dem WoMo nach Sueden durch die Tuerkei und Aserbaidschan und dann in den Iran, uns<br \/>dort einige Wochen herum treiben, dann auf dem Rueckweg bei Behnaz und Kamran in Tabriz bei der<br \/>Aprikosenernte helfen und uns schliesslich wieder nach Norden und Deutschland arbeiten. Im Zuge<br \/>seiner Ermittlungen zur Reisevorbereitung fand Josef jedoch heraus, dass unser supersauberes Euro-6-<br \/>Auto den Diesel im Iran nicht verdauen kann. Denn es vertraegt nur einen Schwefelanteil von 50 ppm,<br \/>der iranische Diesel hat jedoch dank der endlosen Sanktionen des Westens und der damit<br \/>einhergehenden Ueberalterung seiner Raffinerien einen Anteil von bis zu 7000 ppm! Satz mit X also. Nun,<br \/>wir sind ja flexibel und ueberlegten statt dessen, in Europa zu bleiben, Spanien und Portugal ein bisschen<br \/>unsicher zu machen, erwogen noch, das WoMo anschliessend in Suedspanien zu parken, fuer ein paar<br \/>Wochen nach Hause zu fliegen, um dann die Reise nach Marokko fortzusetzen. Je naeher der Zeitpunkt<br \/>unserer Abreise kam, desto weniger Lust hatte ich, in Europa zu sein. Als ich das dann endlich aeusserte,<br \/>beschlossen wir kurzerhand, Spanien und Portugal einstweilen auszulassen und direkt nach Marokko zu<br \/>reisen. Damit ging es mir deutlich besser. Keine Ahnung, warum. Wir buchten also fuer den 25.2. eine<br \/>Faehre von Sete in Suedfrankreich kurz hinter Montpellier, nach Nador in Marokko.<br \/>Am 21.2. sollte es also losgehen. Wollten Johann im WoMo mitnehmen und im Konvoi mit Alex, Simone<br \/>und Arno bis nach Jouvernaisinaz fahren, wo Mami Claude das Elternhaus uebernommen hat und auf uns<br \/>alle wartete. Daraus wurde nix, weil unser kleiner Johann krank wurde. Als er einigermassen wieder<br \/>hergestellt war, fuhren wir schliesslich am Donnerstag, 22.2. los. Auf Hoehe von Engen fiel mir ein, dass<br \/>wir vielleicht mit Mazen einen Tee trinken koennten. Und siehe da, er hatte Zeit, so dass wir kurz den<br \/>Umbau des Hauses bewundern konnten. Als wir dann weiterfuhren und es schon Mittag war, fiel uns ein,<br \/>dass wir eigentlich dennoch bei CLaude vorbei fahren und mit dem WoMo bei ihr im Hof uebernachten<br \/>koennten. Gesagt, getan. Sie freute sich, hatte sie doch eigentlich mit uns allen, einschliesslich Viola und<br \/>einer Freundin gerechnet und saemtliche Betten im Haus bezogen. Unkompliziert wie sie ist, machte es<br \/>ihr nicht nur nichts aus, dass wir erst um ca 21:00 ankommen wuerden; nein, sie verwoehnte uns auch<br \/>noch mit einem gemuetlich im offenen Kamin lodernden Feuer, Fischfiletchen aus dem Lac Leman,<br \/>Champus vorweg und gutem Wein zum Essen. Es war ein sehr schoener Abend. Und ich war froh und<br \/>dankbar, nicht im kalten WoMo schlafen zu muessen.<br \/>23.2.<br \/>Nach einem entspannten Fruehstueck fuhren wir am Genfer See los und Richtung Montpellier. Mir fielen<br \/>noch Maria und Cees ein, die irgendwo an der suedfranzoesischen Kueste eine Wohnung besitzen und<br \/>sich dort vor Kurzem zur Ruhe gesetzt haben. Ich rief an, um zu sehen, ob wir sie vielleicht treffen, evtl<br \/>mit dem WoMo bei ihnen vor dem Haus naechtigen koennten. Aber es waere ein allzu grosser Umweg<br \/>gewesen, da sie bei Cannes wohnen. Vielleicht klappt es auf dem Rueckweg in ein paar Monaten.<br \/>Wir peilten nun die Camargue, das Muendungsdelta der Rhone an, die auf dem Weg liegt. Ich kannte den<br \/>Namen aus meinen Franzoesischbuechern und hatte irgendwas mit weissen Wildpferden im Kopf, wusste <br \/>aber bis zu dieser Reise gar nicht, wo sie liegt. Wie ignorant. Asche auf mein Haupt. Auf der anderen<br \/>Seite: Wieviele Franzosen wissen wohl, wo Ostfriesland liegt?<br \/>Kamen also ca 17:00 am aeussersten Zipfel der Camargue in Saintes Maries de la Mer an, machten einen<br \/>Strandspaziergang, fuhren zurueck ins Dorf und assen dort zu Abend. Das Dorf hat im Winter 2600<br \/>Einwohner, im Sommer bis zu 40.000. Um diese Zeit sind nur wenige Touristen da, und die ganzen<br \/>Ferienwohnungen und-haeuser liegen noch verwaist da, die meisten Restaurants und Cafes sind noch<br \/>geschlossen. Schoene Stimmung, die Leute im Dorf entspannt und freundlich.<br \/>Am Nebentisch sass ein luxemburgisches Ehepaar. Wir konnten die Sprache nicht recht verorten, und ich<br \/>musste sie schliesslich fragen. Sie sprachen sehr gut Deutsch - wohl alle Luxemburger, wie sie uns<br \/>erklaerten. Ebenso gut sprechen sie Franzoesisch. Die beiden waren in Josefs Alter und reisen auch viel<br \/>mit dem WoMo herum. Sie ist blind, wie sie uns erklaerte. Krass. Hatte einen Riesenpudel als<br \/>Blindenhund dabei, der sehr schmusig seinen Kopf in meinen Schoss bettete. Wie das wohl geht? Man<br \/>reist ja viel um des Sehens willen, sollte man meinen. Ihr Mann wuerde ihr alles erklaeren, was er so<br \/>sieht. Sie waren sich gegenseitig Jugendliebe, hatten sich jedoch aus den Augen verloren, jeweils<br \/>geheiratet und Kinder bekommen. Seine Frau ist an Leukaemie gestorben, ihr Mann hat sie verlassen.<br \/>Irgendwann hat sie ihn im Internet gesucht und wiedergefunden. Nun sind sie seit ca. 7 Jahren<br \/>zusammen, und vor etwa 7 Jahren begann auch ihre allmaehliche Erblindung. Trotzdem wirkte der Mann<br \/>auf mich ueberhaupt nicht traurig oder bitter - im Gegenteil. Schoene Geschichte, die sie da mit uns<br \/>geteilt haben.<br \/><br \/>24.2.<br \/>Die Uebernachtung auf dem Parkplatz am Strand mit gerade mal zwei weiteren WoMos war kalt aber<br \/>unter der Decke gut zu ertragen. Wollten morgens noch einen Spaziergang durch das endlose<br \/>Marschland, durchzogen von Seen, Kanaelen und Wassergraeben, machen, aber es gab keine<br \/>ausgewiesenen Wanderwege. Das ornithologische Zentrum hatte noch nicht geoeffnet, sodass wir nur<br \/>einen kleinen Spaziergang an seiner Peripherie machten, von dort aus jedoch die vielen Flamingos,<br \/>Reiher, etc. sehen konnten, die auch immer wieder ueber unseren Kopfen kreisten. Von der Strasse aus<br \/>sahen wir Bisamratten, Wildpferde und immer wieder grosse Voegel aller Art. Waere sicherlich<br \/>spannend, hier mal mit ein wenig mehr Zeit und einer Wanderkarte unterwegs zu sein. Aber nicht jetzt.<br \/>Es ist kalt und ungemuetlich, und wir wollen naeher Richtung Sete. Auf dem Weg liegt am suedlichen<br \/>Ende der Camargue der unwahrscheinliche Ort Aigues Mortes (Tote Wasser), eine im fruehen Mittelalter<br \/>vom franzoesischen Koenig Ludwig X (glaube ich) mitten in das Brackwasser gebaute Festungsstadt,<br \/>deren Stadtmauer vollstaendig erhalten ist. Sie war fuer Frankreich lange Zeit der einzige Zugang zum<br \/>Mittelmeer, da die restliche Kueste den Spaniern und was weiss ich wem gehoerte. Ludwig baute einen<br \/>Kanal von der Stadt bis zum offenen Meer hin. Irgendwann gehoerte die Kueste dann zu Frankreich, so<br \/>dass der Ort als Hafenstadt an Bedeutung verlor, der Kanal verschlammte und man sich auf den Abbau<br \/>von Salz konzentrierte. Bis heute kommt ein Grossteil des beruehmten Fleur de Sel, das ja mittlerweile<br \/>bei jeder Hausfrau, die was auf sich haelt, zum guten Ton der Kueche gehoert, aus der Camargue um<br \/>Aigues Mortes herum. Die Hauptstrasse durch die kleine Altstadt hindurch war mit schweren Gittern<br \/>abgesperrt, und obwohl wir es so verstanden, dass da demnaecht a la PAmplona irgendwelche Stiere<br \/>durchgetrieben werden sollten, lungerten allerlei Leute auf der Strasse herum. Wir auch. Am Ende der<br \/>Strasse ging es durch ein Stadttor hinaus auf eine Wiese, die ebenfall von schweren Gittern umgeben<br \/>war. Auch hier wimmelte es vor Menschen. Wir dachten uns, wenn die da rumlaufen, wird es schon seine<br \/>Richtigkeit haben und man wuerde uns schon rechtzeitig fortjagen. Pustekuchen. Die Franzosen sind da<br \/>ganz entspannt. Ploetzlich bog aus dem Stadttor eine Horde Reiter im gestreckten Galopp, in ihrer Mitte <br \/>ein Stier, den sie zielsicher und gekonnt in einen Viehtransporter jagten. Jetzt aber husch-husch durch die<br \/>Gitterstaebe hindurch hinter die Absperrung. Und schon kam der naechste Reitertross. Und noch ein<br \/>dritter, und dann war die Chose vorbei. Kurz aber spannend. Binnen einer halben Stunde hatten sich die<br \/>Menschen verlaufen und Aigues Mortes verfiel wieder in seinen dornroeschenschlafartigen<br \/>Normalmodus. Wir machten uns auf die Socken Richtung Sete. Kurz vor Sete hielten wir in Frontignan,<br \/>weil es dort einen netten Stellplatz geben sollte. Machten einen schoenen langen Spaziergang an der<br \/>Lagune von Frontignan und suchten uns dann einen Schlafplatz auf dem Parkplatz eines noch in<br \/>Winterpause befindlichen Campingplatzes, der nicht so ganz toll aber ok war (immerhin mit Blick auf die<br \/>Lagune), kochten uns Nudeln und kuschelten uns ins Bett.<br \/>25.2.<br \/>Nach dem Fruehstueck fuhren wir morgens gleich zum Hafen nach Sete, damit wir die Oertlichkeiten<br \/>kennen und wissen, wann wir wo sein muessen. Checkten ein und fuhren dann nochmal los. Die Faehre<br \/>sollte erst um 20:00 ablegen, und wir mussten um 17:00 wieder am Hafen sein. Wir fuhren auf die<br \/>gegenueberliegende Seite der Bucht von Sete in ein Oertchen namens Belaruc. Eigentlich, um nochmal<br \/>Wasser zu entsorgen, aber der Ort stellte sich als recht nett heraus, offenbar auch so einer, der im<br \/>Sommer ueberrannt wird von innerfranzoesischen Touristen, der jetzt jedoch noch entspannt und<br \/>schlaefrig wirkte. Wir vertueddelten den Tag mit einem Spaziergang an der Promenade, in der riesigen<br \/>Lagune Austernzuchten, und einem leichten Mittagssnack in einem Cafe. Schliesslich fuhren wir zum<br \/>Hafen zurueck und reihten uns mit unendlich vielen anderen Fahrzeugen auf einem Warteplatz ein.<br \/>Um uns herum hauptsaechlich vollgestopfte und turmhoch ueberladenene Transporter und ca 20<br \/>Fahrzeuge mit Westlern: WoMo-Reisende, eine Motorradgruppe und ein Konvoi auf dem Weg zu einer<br \/>Wuestenrallye mit e-bikes. Strange?! But why not? Wir kamen mit einem Mann aus Heidenheim und<br \/>einem St.Gallener Schweizer ins Gespraech, denen wir auf der Faehre auch immer wieder begegneten<br \/>und die uns ein paar gute Tips gaben. Sie waren beide schon oefter in Marokko und kennen sich ganz gut<br \/>aus. Der Heidenheimer sagt, seine Frau sei ein Angsthase, und auch die Frau des Schweizers ist nicht ganz<br \/>so abenteuerlustig wie ihr Mann. Die wollen durch Mauretanien in den Senegal. Vor Mauretanien wird<br \/>sehr gewarnt in unserem Campingfuehrer. Der IS sei dort sehr aktiv und entfuehrungsfreudig. Allah<br \/>ma3ahum, wie der Araber sagt. Gott sei mit ihnen.<br \/>Die Faehre legte puenktlich um 20:00 in Sete ab, war fuer unser Gefuehl ein Riesenkoloss und netter als<br \/>erwartet, wenn auch die Kabine schmuddelig, aber immerhin fuer uns allein und mit Bad, und das Essen<br \/>duerftig waren. Es ist noch Vorsaison und daher nicht so voll. Die meisten Passagiere waren<br \/>marokkanische Kleinspediteure und Gastarbeiter, die in Frankreich leben. Gott sei Dank schwankte es <br \/>nicht zu sehr, und wir haben geschlafen wie die Murmeltiere. Irgendwann gestern sagte uns der<br \/>Schweizer irgendwas von einem Einreiseformular, das wir im 9. Stockwerk (Der Koloss hat mit<br \/>Kommandobruecke 11 Stockwerke!) ausfuellen muessten. Als wir dorthin kamen, stand da eine endlose<br \/>Schlange vor irgendeiner Tuer, und es war nicht recht herauszubekommen, was dort stattfindet, nur, dass<br \/>weiter hinten den Gang entlang noch einmal eine Schlange war, bei der wir uns ebenfalls anstellen<br \/>muessten. Ich ging schliesslich zur Rezeption im 8. Stockwerk und fragte die einzige Mitarbeiterin auf der<br \/>Faehre, die Englisch konnte, was zu tun sei. Also, das erste Buero sei die marokkanische Grenzpolizei, wo<br \/>wir praktisch vorab die Einreiseformalitaeten erledigen koennten und das zweite der Zoll fuer die Einfuhr<br \/>des Fahrzeugs. An sich ja eine tolle Idee, das gleich an Bord zu machen, wo man 40 Std lang eh nichts<br \/>machen kann ausser schlafen, lesen, essen, trinken und ab und zu ein paar Runden auf den zugigen Decks<br \/>drehen. Aber das Prozedere war schon recht abenteuerlich. Wir standen also eine knappe Stunde bei der<br \/>Grenzpolizei an, bis sich endlich die Tuer oeffnete und alle gleichzeitig in einen Vortragssaal mit<br \/>entsprechender Bestuhlung gelassen wurden. Ich fragte den Mann, der uns die Tuer oeffnete, lachend,<br \/>was das hier sei, ob wir etwa einen Vortrag hoeren wuerden. Allein, es war der Grenzer. Gott sein Dank<br \/>hatte er Humor und lachte mit. Als wir hiermit endlich durch waren, stellten wir uns beim Zoll an - auch<br \/>nur ein Maennlein fuer das ganze Schiff. Als wir fast zu ihm vorgedrungen waren nach weiteren 1,5<br \/>Stunden, kuendigte er an, er wuerde jetzt fuer die kommenden 2 Std Mittagspause machen. Gott sei<br \/>Dank befand sich unter den Passagieren ein riesengrosser kraeftiger Mann mit lautem Organ, der einen<br \/>Zettel zueckte und verkuendete, er werde jetzt die Namen in der Reihenfolge der Warteschlange<br \/>aufschreiben und nach der Pause dafuer sorgen, dass wir nicht noch einmal anstehen muessten. Das hat<br \/>er dann auch durchgesetzt, auch gegen das Murren der neuen Wartenden, die teilweise lange vor Ende<br \/>der Mittagspause erschienen waren. Wir waren ihm dankbar. Uebrigens hat er viele Jahre in Freiburg<br \/>gelebt; drum ging er wahrscheinlich so preussisch geordnet vor! Er handelt mit gebrauchten Autos, bringt<br \/>jede Woche selbst eines nach Marokko mit der Faehre und schickt einen Autotransporter mit weiteren 8<br \/>Fahrzeugen von Suedspanien mit der Faehre. Als ich ihn fragte, warum er selbst nicht auch ab Spanien<br \/>fahre, meinte er, er geniesse die lange Faehrfahrt. Na gut. Ich hatte nach 40 Std. genug, obwohl man<br \/>duch das gemeinsame Herumgestehe in den zwei Schlangen mit einigen der Leute eine Vertrautheit und<br \/>Solidaritaet aufgebaut hat. War ne gute Stimmung.<br \/>Wir legten ueberpunktlich in Nador an. Ich war zwar schon vor dem Morgengrauen wach, doeste jedoch<br \/>vor mich in, merkte dann am veraenderten Geraeusch der Turbinen, dass wir im Hafen waren; wir<br \/>mussten uns dann fast ein bisschen sputen. Die Einreise ging dann recht zuegig. Bei Josef war vom<br \/>Schupo an Bord irgendein Nuemmerchen falsch im System eingegeben, und ich ging in irgendein Buero,<br \/>um es richtig zu stellen. Alle sind freundlich und gelassen, und so sind auch wir es. Schliesslich sind wir<br \/>morgens um 7:00 in Nador, wo noch die Buergersteige hochgeklappt sind. Fahren ein bisschen im Kreis<br \/>herum, kaufen schliesslich Brot und verlassen die Stadt Richtung Osten. Am anderen Ende der Lagune<br \/>von Nador soll ein staedtischer Campingplatz in dem Dorf Arkane sein. Als wir dort ankommen, sagt uns<br \/>jemand, den gebe es nicht mehr. Laufen ein wenig am verdreckten Strand entlang, gucken nach ein paar<br \/>Fischern, und fahren schliesslich weiter Richtung Osten nach Ras Al Ma' (oder franz. Point de l'Eau).<br \/>Kaufen SIM-Karte, wechseln Geld und fuellen den Wassertank auf (gleich mal Lehrgeld bezahlt: 5 EUR<br \/>fuer 50 L Wasser! Weil wir nicht vorher gefragt haben, einfach davon ausgegangen sind, dass es ein<br \/>Trinkgeld tut) Am Hafen ist ein Parkplatz, wo wir bleiben koennten. Ist aber nicht so schoen. Wir<br \/>schlendern ein bissel rum, kaufen Obst und trinken den ersten marokkanischen gruenen Tee mit Minze<br \/>und fahren noch ein Stueck. Fahren parallel zur Kueste Richtung algerische Grenze, links von uns Huegel,<br \/>in der Ferne die Berge des kleinen Gebirgszugs Bani Sassen. Die Huegel ueberzogen mit ueppigem Gruen,<br \/>ueberall blueht es. Unter den Olivenbaeumen Teppiche von Ringelblumen, grell orange. <br \/>Kurz hinter dem Dorf geht ein Stichweg zurueck zum Meer, hier aber oberhalb der Steilkueste. Er fuehrt<br \/>zu einem Gartenlokal, und wir fragen, ob wir auf dem Parkplatz mit grandioser Aussicht ueber das Meer<br \/>und einen breiten Streifen samtfarbenen Gruens, dahinter Sandsteinsteilkueste, uebernachten duerfen,<br \/>wenn wir bei ihm zu Abend essen. Ist ein Deal. Wir machen einen ausgedehnten Spaziergang am Strand,<br \/>sehen zwei maurische Landschildkroeten mit ca 15cm langem Panzer auf den Sandduenen spazieren<br \/>gehen, danach ueberall ihre Spuren. Ansonsten leider viel, viel angeschwemmter Plastikmuell. So traurig,<br \/>der Zustand unserer Kuesten auf der ganzen Welt!<br \/>Gegenueber vom Strand sind drei kleine von den Spaniern besetzte Inseln. Die Spanier halten hier<br \/>Melilla, Ceuta und diese drei Inseln besetzt. Die mittlere von ihnen ist bebaut mit einer Kirche und einer<br \/>Militaerbasis.<br \/>Essen bei \"unserem\" Wirt Fisch, um uns herum im recht kuehl windigen Garten, vier oder fuenf<br \/>marokkanische Grossgelage. Schoene Stimmung.<br \/>Kuscheln uns in den warmen RV. Unten am Strand schlagen zwei junge Maenner ein Zelt auf, und auf<br \/>einer kleinen sandigen Anhoehe steht den ganzen Nachmittag und Abend ein Kamelbulle allein. Er<br \/>scheint angebunden zu sein, denn er bewegt sich in einem engen Radius.<br \/>28.2.<br \/>Heute frueh ein wunderschoener Sonnenaufgang, strahlend blauer Himmel. Die zwei Camper und das<br \/>Kamel sind noch an Ort und Stelle. Wir fruehstuecken, sehen noch den Wirt, der uns genehmigt hat, hier<br \/>zu uebernachten, bedanken uns artig und fahren Richtung Osten zur Muendung des Moulouya<br \/>(woertlich: der sich windende), dem mit 500km laengsten Fluss Marokkos. Auf Hoehe des Flusses ist ein<br \/>Check-Point der Polizei, die alles, was von Richtung Algerien kommt, prueft. Sie haben Angst vor dem IS,<br \/>der ueberall um Marokko herum sein Unwesen treibt. Bisher ist Marokko verschont geblieben. Wir lesen,<br \/>dass Koenig Hassan, als der Arabische Fruehling drohte hierher ueberzugreifen, einige Zugestaednisse<br \/>gemacht und Reformen eingeleitet hat. Bei Weitem nicht genug. 33% Prozent der Bevoelkerung ist unter<br \/>15 Jahre alt, die Jugendarbeitslosigkeit liegt auch bei fast 30%, ebenso der Analphabetismus - alles<br \/>Faktoren, die zu Kriminalitaet und Radikalsierung fuehren koennen. Er hat noch viel zu tun, scheint<br \/>jedoch ein weiser Herrscher zu sein. Und er ist mit etwas ueber 50 ein junger Koenig. Hoffentlich gelingt<br \/>es ihm, Marokko ohne Blutvergiessen in die Moderne hinueber zu begleiten. Sein Glueck ist, dass seine<br \/>Dynastie in direkter Linie auf den Propheten Mohammad zurueck geht. Das bietet viel Schutz vor dem IS,<br \/>vor den Saudis, vor allen, die ihm die Macht streitig machen wollen wuerden.<br \/>Denn es waere, als wuerde man sich mit dem Propheten anlegen.<br \/>Wir machen einen kleinen Spaziergang am Fluss entlang. Er soll ein Paradies fuer Flora und Fauna sein.<br \/>Auch hier ist der Fruehling in voller Pracht angekommen, die Vielzahl der verschiedenen Blueten ist eine<br \/>Augenweide, und es begegnet uns wieder eine Schildkroete.<br \/>Schliesslich fahren wir landeinwaerts Richtung Berkane und Zaghzal-Schlucht in den Bani Sassan Bergen.<br \/>Halten in Berkane, einer von Landwirtschaft lebenden Stadt, umgeben von Citrusplantagen, wo auf einer<br \/>Kreuzung mitten in der Stadt auf uralten Eukalyptusbaumen und einem Minarett zig Storchenpaare<br \/>riesige Nester gebaut haben, ueber die sie immer wieder hinweg segeln. Die Stadt hat ihnen grosse<br \/>Koerbe auf langen Metallstangen bereit gestellt, die sie jedoch verschmaehen.<br \/>Ueberall stehen lungernde Maenner herum oder schlagen den Tag in den Kaffeehaeusern tot, die ihnen<br \/>vorbehalten sind. Die Armen. Auf einem Feld, an dem wir vorueber fuhren, arbeiteten ca 30 - 40 Leute<br \/>mit Hacken. Was, wenn die irgendwann von Maschinen ersetzt werden? Dann gibt es noch weniger<br \/>Arbeit! Mehrmals schon haben wir Tageloehner gesehen, die mit einer Werkzeugkiste am Strassenrand<br \/>sitzen und warten, dass irgend jemand sie zu einem Auftrag abholt.<br \/>Wir kaufen Gemuese fuer das Abendessen und marokkanische Avocados.<br \/>Anschliessend fahren wir weiter Richtung Schlucht. Hier ist ein Parkplatz mit Eintritt, eine Quelle, die sich<br \/>in den Wadi ergiesst, ein kleiner Verschlag, wo ein junger Mann literweise Tee kocht fuer die vielen<br \/>marokkanischen Tagesbesucher. Einige junge Maenner planschen in einer Gumpe. Dahinter die<br \/>Kamelgrotte, in die man ein kleines Stueck hinein laufen kann, die dann jedoch vergittert ist, was<br \/>wahrscheinlich besser ist, wenn ich mir anschaue, wieviel Muell hier von den Picknicks hinterlassen wird.<br \/>Wir fragen den jungen Mann in der Teestube, ob es von hier aus einen Wanderweg gibt und er weist uns<br \/>den Weg. Wir laufen ca 3-4 km ins naechste Dorf, Hamdah, dass sehr an Rantis vor 30 Jahren erinnert, <br \/>plaudern dort mit einem Bauern und seiner Tochter. Es leben nur sie und eine weitere Famile in diesem<br \/>fast zerfallenen Dorfteil aus Lehmhaeusern. Sie sind freundlich und offen. Wir laufen den gleichen Weg<br \/>zurueck. Sehen wieder eine Schildkroete. Immer wieder begegnen uns Schaf- und Ziegenhirten mit ihren<br \/>Herden, die sie mit achaisch klingenden Urlauten zur Ordnung rufen. Es ist eine schoene Wanderung,<br \/>abwechslungsreiche Landschaft, in den Niederungen alles gruen und prall, weiter oben trockene<br \/>Aleppokiefern, widerstandsfaehige Graeser aus langen Halmen, scharf wie Rasierklingen. Als wir zurueck<br \/>sind, ist am Schluchteingang noch immer Highlife. Aber waehrend wir beim Teewirt unseren Tee<br \/>schluerfen und er uns anbietet, ueber Nacht zu bleiben, er wohne hier hinter seinem Verschlag in einem<br \/>Zelt und wuerde uns bewachen, leert sich der Platz allmaehlich. Drei aeltere Franzosen kommen aus<br \/>einer der Hoehlen und erzaehlen, man koenne dort aufrecht gehend einen grossen Rundweg laufen und<br \/>es gebe auf der Rueckseite des Berges noch einen Zugang. Ein Mann mit Schluessel hat die Franzosen<br \/>eingelassen, aber wir duerfen nicht hinein. Ich vermute, man muss sich vorher eine Genehmigung holen.<br \/>Laut unserem Reisefuehrer wurden hier nicht nur die Ueberbleibsel von 140 Steinzeitmenschen, sondern<br \/>auch Werkzeuge, Schmuck, etc. gefunden, und wohl der erste Mensch, der am Kopf operiert wurde: Der<br \/>Schaedel wies eine kreisrunde Bohrung auf.<br \/>Wir sind hundemuede, haben uns ein bisschen die Gesichter verbrannt, kochen, duschen, essen und<br \/>lassen den Tag ausklingen, gehen fast mit den Huehnern ins Bett.<br \/>1.3.<br \/>In der Nacht hat es mehrmals geregnet. Offensichtlich haben uns Auslaeufer des Atlantiktiefs, das ganz<br \/>Europa mit zweistelligen Minusgraden fest im Griff hat, auch hier erreicht. Es war auf der Wetterkarte zu<br \/>sehen, aber wir hatten gehofft, dass der Kelch an uns vorueber geht. Aber gerade ob dieses Kaeltetiefs<br \/>planten wir unsere Reise so, dass wir erst recht zielstrebig Richtung Sueden fahren, uns suedlich des<br \/>Atlasgebirges aufhalten und erst im April wieder hinauf in den Norden kommen.<br \/>Die Schlucht liegt morgens im Schatten, und es ist kuehl aber immerhin klarer Himmel. Unser \"Wirt\" hat<br \/>die Regennacht in seinem winzigen Zelt hinter dem Teeverschlag verbracht, schaelt sich heraus, als wir<br \/>uns draussen unterhalten, und kocht uns allen Tee.<br \/>Ich lasse ein paar Prinzenrollenkekse fuer ihn springen, die er gleich zum Tee veschpert. Er erzaehlt uns,<br \/>die Polizei habe ihn spaet abends noch angerufen und ihn informiert, dass wir dort stehen, er solle bitte<br \/>auf uns aufpassen. Er zeigt uns die Verlaengerungsstange eines Sonnenschirms, mit der er gedachte, <br \/>jedem den Garaus zu machen, der sich uns naehert. Wir sind also offenbar in guten Haenden. Eine<br \/>ploetzliche Windboee wirft den Tisch mit allem Drum und Dran um, und alle Glaeser gehen zu Bruch. Ich<br \/>helfe ihm, alles zusammen zu fegen. Wir laufen noch den Pfad hoch zum Zugang der Hoehle, in der die<br \/>Franzosen gestern waren. Es blaest uns feuchtwarme Luft aus dem Schacht entgegen. Das erklaert auch,<br \/>warum das Wasser aus dem Berg, dass sich in ein Becken und die Falajs ergiesst, so warm ist. Offenbar<br \/>gibt es hier heisse Quellen. Als wir eben wieder herunter kommen vom Hoehleneingang, beginnt ein<br \/>Sturm zu blasen - derart, dass alles durch die Gegend fliegt und unser Teemann wie ein Hase hinter<br \/>seinen Plastikstuehlen her rennt, die umher fliegen wie Papier. Hoffentlich blaest es ihm den Verschlag<br \/>und sein Zelt nicht fort.<br \/>Wir fuellen mit dem Wassereimer aus der Quelle unseren Wasservorrat auf, verabschieden uns von ihm<br \/>und machen uns durch die huebsche und bewaldete Zegzelschlucht auf den Weg Richtung Suedwesten,<br \/>fahren durch Tafoghalt, halten an einem herrlichen Aussichtspunkt mit Blick ueber eine weite gruene<br \/>Ebene unter uns.<br \/>Nach Norden schauen wir auf das Meer und die drei spanischen Inseln. Halten noch einmal kurz in El<br \/>Aiyoun, kaufen unser Gemuese und Obst und fahren weiter nach Taourirt, wo wir das Womo mitten in<br \/>der Stadt parken. Ein alter Mann verspricht, es zu bewachen. Wir laufen einmal im Quadrat durch die<br \/>trotz Mittagspause und teilweise geschlossener Laeden recht lebendige Innenstadt, die zwar nicht<br \/>besonders schoen aber eben sehr arabisch ist, trinken in einer Maennerteestube Tee und fahren weiter<br \/>nach Sueden in Richtung Debdou. Der Weg fuehrt weg von den gruenen Beni Sassen Bergen durch eine<br \/>endlose tote Ebene. Es ist fuerchterlich stuermisch, und vor uns tobt ein Sandsturm, durch den wir<br \/>hindurch fahren muessen. Ist dann aber weniger schlimm als erwartet. Allerdings muss ich die ganze Zeit<br \/>das Lenkrad gut festhalten und immer gegen den Wind lenken. Endlich fahren wir hinein in ein breites<br \/>Tal, das nun auch wieder ein wenig gruener ist, fahren rechterhand in ein Doerfchen, das recht huebsch<br \/>am Hang liegt. Oberhalb, ein ganzes Stueck den Berg hinauf, sicher vor feindlichen Angriffen, liegt das<br \/>urspruengliche Dorf aus Natursteinhaeusern mit Lehm verputzt, das nun jedoch verlassen ist. Das sehen<br \/>wir in dieser Ebene mehrfach. Wir plaudern mit einem jungen Mann, der unsere Fragen geduldig und<br \/>freundlich beantwortet. Viele seien fort gezogen, ins Ausland, nach Frankreich, Deutschland, Belgien. Die<br \/>neueren, besseren Haeuser seien die der Emigranten, die nur zeitweise hier sind. Die Schule sei eine<br \/>gemischte Grundschule. Nein, eine gesetzliche Schulpflicht gebe es nicht. Aber wenn eine Schule vor Ort<br \/>ist, wie hier, dann gehen alle Kinder hin. Die Oberschule ist 13 km weg in Debdou, aber es gebe einen<br \/>Schulbus. (Unser Teewirt hatte uns erzaehlt, er habe die Schule nach 9. Klasse abgebrochen, weil er 12 <br \/>km haette zu Fuss gehen muessen zur naechsten Oberschule.) Um das Dorf herum lauter bestelltes<br \/>Ackerland. Ob sie auch ihre Produkte verkaufen wuerden. Nein, dafuer wuerde es nicht reichen. Sie<br \/>benuetzen keinen Kunstduenger oder andere Chemie, also sei der Ertrag gerade so hoch, dass es fuer den<br \/>Eigenbedarf ausreiche.<br \/>Wir fahren durch Debdou hindurch. Hier ist gerade die Schule aus, und die Hauptstrasse ist voller<br \/>laermender, froehlich schlendernder Maedchen und Jungen auf dem Heimweg. Von Debdou aus<br \/>schlaengelt sich die Strasse durch Kiefernwald hinauf auf das vollkommen kahle, nackte und platte<br \/>Rakine-Plateau, immer wieder atemberaubende Blicke auf die weite gruene Ebene und die Staubwueste<br \/>unter uns bietend, die wir vorher durchquert hatten.<br \/>Irgendwie verstaendigen wir beide uns nicht richtig und fahren einfach weiter, enden auf dem RakinePlateau, wo vollkommen ungebremst der Sturm drueber fegt. Hier stehen wir nun bei Vollmond, um uns<br \/>herum nichts, nur hier und da versprenkelt Haeuser (wovon leben die hier oben bloss?), und der nicht<br \/>nachlassen wollende Sturm schuettelt das Womo durch.<br \/>3.3.<br \/>War gestern zu platt, zu schreiben. Muss nun also nachholen. Sind gestern nach einem tollen<br \/>Sonnenaufgang und dem Fruehstueck auf dem Rakine-Plateau noch ein Stueck Richtung Sueden und<br \/>dann an der einzigen Kreuzung weit und breit nach Westen abgebogen, um auf die Nationalstrasse nach<br \/>Sueden zu gelangen.<br \/>Ein Eselkarrenfahrer haelt uns an und fragt uns nach Kleidung und Schuhen. Das erleben wir oefter. Die<br \/>Menschen hier draussen verfuegen ueber sehr wenig Bargeld. Die meisten leben von ihrer eigenen<br \/>Landwirtschaft, sind Subsistenzbauern. Zum Verkaufen reicht also meist der Ertrag nicht. Uns faellt in den<br \/>Staedten auf, dass viel Gebrauchtkleidung, gebrauchte Schuhe und auch Haushaltwaren verkauft werden<br \/>- wahrscheinlich vielfach das, was auf den Transportern auf der Faehre von Frankreich hier rueber<br \/>gebracht wird. (Gleichtzeitig geht die eigenen Textil- und Schuhindustrie wahrscheinlich kapputt.) Fuer<br \/>Neues reicht wohl oft das Geld nicht. Wir sehen Leute in Trikots und T-Shirts von irgendwelchen kleinen<br \/>Sportvereinen in Deutschland. Das sind die Sachen aus unseren Altkeidersammlungen, an denen sich<br \/>diverse Zwischenhaendler eine goldene Nase verdienen.<br \/>Halten an einer kleinen Lehmhuette, weil ich hoffte, ein paar Plateaubewohner anzutreffen und ein bissel<br \/>auszufragen nach ihren Lebensumstaenden. Ein junger Mann steht vor dem Haus, und waehrend wir ihn<br \/>noch begruessen, kommt ein Pickup mit Wassertank auf der Ladeflaeche und fuellt ihm den Tank, der<br \/>zum Haus gehoert, auf. Es stellt sich heraus, dass beide im Auftrag von Mohammad Bin Zayed von Abu <br \/>Dhabi, der hier ein Jagdgebiet gepachtet hat - sie nennen es Naturschutzprojekt - arbeiten. Der eine als<br \/>Aufpasser da mitten im Nichts (Worauf passt er auf? Dass niemand die paar wenigen zu erjagenden<br \/>Hubaras , so eine Art Wildhuhn, klaut?); der andere als Fahrer. Der in der Lehmhuette hat einen Kollegen<br \/>und zusammen sind sie zwei Wochen am Stueck dort draussen, dann zwei Wochen im Hauptcamp der<br \/>Emiratis. In seiner Huette hat er Funk, einen Gasofen, nebenan eine kleine Kueche und 10m weg vom<br \/>Haus ein Plumpsklo. Als einzige Deko haengt der Deckel einer Dattelschachtel aus den Emiraten an der<br \/>Wand. Man ist genuegsam hier draussen. Der Fahrer traegt ein omanisches Kopftuch und erkennt Josefs<br \/>auch gleich als ebensolches.<br \/>Wir fahren weiter, und ein paar KM vor der Nationalstrasse liegt linkerhand ein grosses eingezaeuntes<br \/>Areal. Wir denken erst, es sei Militaergelaende. Aber es steht eine grosse moderne Villa darauf, die sehr<br \/>an Dubai erinnert, und ich mutmasse, dass sich die Emiratis hier eine Sommerfrische eingerichtet haben.<br \/>Und tatsaechlich: ein Schild am Tor bestaetigt es.<br \/>Endlich sind wir auf der Nationalstrasse, fahren Richtung Sueden bis Outat Oulad Al Haj<br \/>Schriftzug ueber einer Schule; Arabisch und Berberisch (Amazigh)<br \/>Laufen ueber eine Bruecke ueber den Moulouya, der uns schon seit der Kueste begleitet und werden von<br \/>einem jungen Mann angesprochen. Er hat Franzoesische Literatur studiert und unterrichtet an einer<br \/>Oberschule Franzoesisch. Wir politisieren. Er ist ein Linker, will Staat und Religion strikt trennen, sagt, er <br \/>wolle ein Buch schreiben ueber den Einfluss der Religion auf die gesellschaftliche Entwicklung. Er haette<br \/>wohl nicht mehr aufgehoert, zu sprechen. Derweil liefen viele seiner Schueler auf dem Heimweg an uns<br \/>vorbei, und er gruesste immer wieder nach allen Seiten. Ich glaune, er sonnt sich ein wenig in der<br \/>Aussenwirkung, die sein Gespraech mit uns auf die Passanten, insbesondere seine Schueler, hat. Im Laufe<br \/>des Gespraechs zeigt er auf ein Gebaeude am Ufer und sagt, das sei das Hamman, das marokkanische<br \/>Bad. Es sei natuerlich nach Maennern und Frauen getrennt und jeder ginge hin, oft mehrmals die Woche.<br \/>Der Eintritt koste 10 DH (knapper Euro). Ich beschliesse, hin zu gehen und mir ausgiebig die Haare zu<br \/>waschen, die mittlerweile filzig sind. Eine Frau, die am Eingang postiert ist, merkt, dass ich ein wenig<br \/>ratlos bin und weist mich ein. Sammelumkleide, alles ausziehen. Allerdings haben alle anderen was an.<br \/>Ich wickele mir also das Badetuch um, ziehe mich darunter umstaendlich aus, sie drueckt mir zwei Eimer,<br \/>einen Schoepfbecher, und einen klitzekleinen Puppenhocker in die Hand. Wieder gucke ich ratlos. Sie<br \/>geht dann mit mir hinein. Dort sind drei grosse bis an die Decke geflieste Raeume. Schoen warm aber<br \/>sehr schmucklos und funktional. Ist auch ein armes Staedtle, dieses Outat.... Sicher gibt es da nach oben<br \/>keine Grenzen, was die Ausstattung angeht, und ich wuerde das gern nochmal machen, wo es ein<br \/>bisschen schoener ist. Dennoch eine tolle Erfahrung. Neben mir sitzt eine huebsche, junge Mama mit<br \/>schneeweisser Haut; sie ist noch ganz nackt und zieht gerade ihren Saeugling an. Dann sitzt da auf dem<br \/>nackten Fliesenboden noch eine richtige Matrone, die gar nicht erst versucht hat, ihr ueppiges Gesaess<br \/>auf dem Hoeckerchen unterzubringen. Sie waescht ihre Haare mit einer braeunlichen Masse,<br \/>wahrscheinlich Henna. Die \"Bademeisterin\" fuellt mir meine Eimer aus zwei Wasserhaehnen an der<br \/>Wand und bedeutet mir, ich solle mich nun waschen. Ich gebe ihr mangels Ablage mein Badetuch und<br \/>meine Brille mit nach draussen und wasche mich. In den anderen Raeumen sitzen noch mehr Frauen, die<br \/>sich richtig schrubben. Das ist sehr arabisch, sich die oberen Hautschichten herunter zu schrubben, weil<br \/>dann die Haut schoen weich wird. Irgendwann faellt mir auf, dass ich eigentlich die einzige bin, die ganz<br \/>nackt ist. Die anderen haben alle eine Unterhose an. Na, super! Was die wohl von mir denken! Aus dem<br \/>Nebenraum bugsieren drei Frauen eine sehr alte langsam hinaus in die Umkleide. Ich bin dann auch<br \/>schon fertig, fuehle mich frisch und total integriert und angepasst.<br \/>Josef hat derweil in einem Maennercafe auf mich gewartet und ist fast enttaeuscht, dass ich schon<br \/>wieder da bin. Er hatte sich eben so schoen in die vergangenen \"Zeit\"-Ausgaben vertieft, zu denen er<br \/>zuhause nicht mehr kam. Naja, da wird es noch reichlich Gelegenheit geben, denke ich.<br \/>Wir fahren weiter. Josef sieht auf der Karte eine Eisenbahnlinie zwischen der Strasse und der Moulouya,<br \/>die links von uns liegt. Wir biegen auf eine Piste ab, die zu einem Dorf fuehrt, wollen die Gleise finden,<br \/>aber es gibt keine. Im Dorf, bestehend aus ca. 30 Haeusern, die verstreut daliegen, dazwischen weite<br \/>Sandflaechen, hier und da ein Esel angebunden (nach wie vor ueberall hier ein sehr wichtiges<br \/>Transportmittel fuer Menschen und Waren aller Art).<br \/>Ein paar junge Maenner stehen um einen Traktor herum. Wir fragen sie nach den Gleisen. Die gaebe es<br \/>schon lange nicht mehr. Wir drehen dann eine Runde durch die Felder mit Olivenbaumen, von Falajs<br \/>durchzogen, schauen in den Fluss hinunter. An der Dorfausfahrt stehen ein junger und ein alter Mann<br \/>und wollen bis zur Hauptstrasse mitgenommen werden. Wir nehmen sie mit bis ins naechste Staedtchen,<br \/>Missur. Sie sind Bauern, Neffe und Onkel, und haben den Tag auf ihrem Land geackert. Freundliche,<br \/>zurueckhaltende Menschen.<br \/>Schliesslich kommen wir an unserem Tagesziel, Midelt, an. Wir hatten auf der Faehre ein paar Deutsche<br \/>getroffen, die hier zu einer Wuestenrallye wollten. Hab's gegoogelt: Die \"Tuareg Rallye\" findet seit Jahren<br \/>immer wieder woanders in Afrika statt. Dachten uns, dass das bestimmt interessant ist und beschlossen,<br \/>da mal hinzugucken. Sind jetzt einer schneebedeckten Bergkette, dem Jebel Ayashi (3747m) mit dem<br \/>umgebenden Naturschutzgebiet Hoher Atlas, auf die wir schon den ganzen Tag zufahren, ganz nah.<br \/>Ueberhaupt ist es eine irre Landschaft.<br \/>Die Haeuser braune oder roetliche, manchmal auch bunte Wuerfel zwischen den sanften braunen<br \/>Bergen, dahinter die weisse Bergkette, darueber ein unwirklich blauer Himmel. Wir sind auf 1300m.<br \/>Fahren zum Camping Municipal, weil wir hier in der quirligen Stadt nicht gern das Auto irgendwo stehen<br \/>lassen wollen. Ist ein kleiner Platz und ausser uns noch 10 Womos, meist Franzosen. Neben dem Platz ein<br \/>Mobilfunkantennenmast, auf dem ca 10 Storchenpaare nisten: auf jeder Antenne eines! Wir parken das<br \/>Womo und ziehen nochmal los in die Stadt. Gestern war ja Freitag und die Stadt ist brechend voll.<br \/>Ueberall Markstaende mit allem moeglichen, und die ganze Stadt auf den Fuessen. Wir mittendrin.<br \/>Haben Hunger und gehen schliesslich in ein sehr einfaches marokkanisches Lokal, bekommen fuer ganz<br \/>kleines Geld ein riesiges Essen.<br \/>Ab ins Bett!<br \/>3.3.<br \/>Unser erstes Ziel heute war eine Teppichwebschule, die Kasbah Miriam, ein Sozialprojekt, das den Frauen<br \/>der Stadt Arbeit gibt und Fertigkeiten vermittelt. Wir fahren zielstrebig dorthin, parken nebenan vor dem<br \/>ehemaligen Fransziskerinnenkloster, das heute ein Moenchskloster ist. Leider ist die franzoesische<br \/>Leiterin der Weberei krank und in Frankreich und die Weberinnen nicht da. Nur die Hausangestellte ist <br \/>da, und sie zeigt uns bereitwillig alle Raeume, auch fertige Exemplare, erklaert uns, dass teilweise bis zu<br \/>30 Frauen in der Werkstatt arbeiten.<\/p> <p>Die Franzoesin hat sie auch die Stickerei gelehrt. Die Stimmung hier und gleich anschliessend im Kloster<br \/>nebenan erinnert mich sehr an Ramallah - die Architektur der alten Gemaeuer, der Geruch nach<br \/>wohlwollendem Kolonialismus, die Kiefern um uns herum, der blaue Himmel... Am Tor zum Kloster sizten<br \/>zwei Polizisten. Irgend jemand ruft den leitenden Frere, einen Franzosen, der uns erst zoegerlich, dann<br \/>jedoch freundlicher Rede und Antwort steht. Er wundert sich wohl ein bisschen, was wir wollen. Der eine<br \/>Polizist dolmetscht hin und her, weil mein Franzoesisch doch ein bisschen langsam und duerftig ist. Die<br \/>Verstaendigung hier ist ueberhaupt klasse. Ich verstehe das maghribinische Arabisch so gut wie nicht. Sie<br \/>hingegen verstehen meinen palaestinensischen Bauerndialekt ganz gut. Die Gebildeteren koennen sich<br \/>auf mich einstellen und sprechen dann eher Hocharabisch oder Nahostarabisch. Die weniger Gebildeten<br \/>sprechen dann eher Franzoesisch, was aber so durchmischt ist mit maghribinisch, dass ich es auch nur<br \/>zum Teil verstehe. Fuer Josef ist die Reise sprachlich auch richtig spannend: er hoert und spricht so viel<br \/>Arabisch wie noch nie zuvor. Eigentlich muesste er viel mehr ohne mich losziehen und sein Arabisch<br \/>anwenden. Aber es ist auch so schon richtig Klasse, wie gut er klar kommt.<br \/>Wir bedanken und verabschieden uns, laufen dann noch hinunter zur Qasbah, offenbar dem alten<br \/>Ursprung von Midelt, das uns bei der Fahrt nach oben auffiel und fuer uns ein Wunder ist. Es sieht aus<br \/>wie Ibri im Oman, nur, dass es wirklich noch lebt: Eine Lehmfestung, intakt, bewohnt, die Haeuser<br \/>ineinander und aufeinander, dazwischen enge Gassen, die meistenteils so um- und ueberbaut sind, dass<br \/>kaum oder gar kein Tageslicht eindringt und man im Stockdunkeln geht. Mehrmals kehren wir um, weil<br \/>wir nichts sehen koennen und denken, es muss eine Sackgasse sein, die nur zu einem Hauseingang<br \/>fuehrt. Hier sind nur Frauen unterwegs; man sieht fast keine Maenner (wahrscheinlich arbeiten sie oder<br \/>sitzen in den Kaffeehaeusern herum). Sie tragen Wasserbehaelter zu Brunnen ausserhalb der Mauern,<br \/>denn dort gibt es Trinkswasser aus dem Wasserhahn. Andere fuehren ihre Esel mit irgendwelchen Lasten<br \/>durch das Gassengewirr. Wir fragen ein paar Frauen, die ratschend an der Ecke stehen, ob es eine<br \/>Moeglichkeit gaebe, auf ein Hausdach zu kommen. Eine der drei laedt uns ein, ihr Haus zu besichtigen.<br \/>Der Eingangsbereich ist gross, vollkommen leer und geraeumig, sehr sauber, zementierter, ganz glatter<br \/>Boden. <br \/>Ich glaube, das war frueher der Stall, denn wir sehen es spaeter in anderen Haeusern so. Von dort aus<br \/>geht eine Treppe hinauf in den Wohnbereich. Es ist stockdunkel. Oben gibt es eine Kueche, die wohl<br \/>spaeter erst von der Wohnstube abgetrennt wurde; es brutzelt auf dem Herd was im Dampfkochtopf.<br \/>Sie erklaert mir, dass ihr Mann Magenprobleme habe und sie fuer ihn Diaet koche. Er ist in Rente und<br \/>sitzt, wie kann es anders sein, im Kaffeehaus herum. Es gibt hier keine Fenster, nur im Dach zwei Loecher,<br \/>die ein wenig Licht ins Haus lassen. Die Wohnstube in der Mitte des Hauses ist auch leer, bis auf einen<br \/>Stapel Matratzen in der Ecke. Dieser Raum wird im Sommer genuetzt, weil er kuehl und geraeumig ist.<br \/>Die Winterwohnstube ist nebenan, die Decke niedriger, in der Mitte ein kleiner Holzofen aus Eisen mit<br \/>dem Kaminrohr mitten im Zimmer zum Dach hinaus. Aussenrum gemuetliche arabische Sitzkissen. Ein<br \/>sehr schoener Raum.<\/p> <p>Von der grossen mittleren Stube gehen zwei Schlafraeume ab, ebenfalls sehr gemuetlich und schoen und<br \/>mit richtigen Betten.<br \/>Es geht eine weitere Treppe hinauf, ebenfalls stockdunkel, die Tuer zum Dach mit einem langen dicken<br \/>Holzbalken verriegelt, der zwischen der Tuer und der gegenueberliegenden Treppenhauswand eingekeilt<br \/>ist, so dass wirklich keiner diese Tuer aufbrechen koennte. Nun sind wir ueber der festungsartigen Stadt,<br \/>blicken in die Hoefe der Nachbarn; Frauen gruessen uns freundlich. Hier und da flattert Waesche, ein<br \/>Mann baut irgendwas auf einem anderen Dach. Der Blick ringsrum ist herrlich, mit den Schneegipfeln auf<br \/>der einen Seite, Feldern auf der anderen, unter uns die Stadt, in der Ferne die Ebene und noch weiter am<br \/>Horizont wieder Berge. Wir bedanken uns ganz herzlich bei Fatima, die uns zum Tee einlaedt, wie jeder<br \/>hier, mit dem man zwei Worte wechselt. Wir wollen sie jedoch nicht von ihrem Tagwerk abhalten,<br \/>bedanken uns. Sie begleitet uns nach unten und zeigt uns den Weg zum anderen Stadttor. Dort steht an<br \/>einer Hauswand einer auf der Leiter und verschliesst einen langen Riss in der Wand mit einer Mischung<br \/>aus brauner Tonerde, Stroh und Gips. Die Hausherren stehen dabei und leisten ihm Gesellschaft, halten<br \/>die klapprig zusammen gebastelte Leiter, reichen ihm die Eimer hoch. Wir gucken eine Weile zu. Jeder,<br \/>der vorbei kommt, bleibt auf ein Schwaetzchen stehen.<br \/>Wir wollen ein bisschen laufen heute, nachdem wir gestern so viel gefahren sind. Das Wetter ist herrlich,<br \/>der Wind nicht mehr so heftig wie die letzten Tage. Teilweise ist es richtig warm. Fahren also aus der<br \/>Stadt hinaus in Richtung der weissen Berge, parken irgendwo auf einem Track auf 1700m Hoehe, wo wir<br \/>mit dem Womo nicht weiter wollen, und laufen los. <br \/>Es wirkt, als seien die schneebedeckten Berge gleich hinter dem naechsten Buckel, was natuerlich nicht<br \/>so ist. Wir umrunden einen braunen Buckel nach dem anderen. Die unteren sind noch mit Kiefern<br \/>bedeckt, teilweise offensichtlich gepflanzt. Viele Steineichen, die von den Holzhaendlern so stark<br \/>beschnitten sind, dass es weh tut. Eigentlich sind wir hier in einem Naturschutzgebiet. Nach oben hin<br \/>werden die Buckel immer kahler. Endlich gucken wir weit unter uns in einen breiten Wadi, und erst hinter<br \/>diesem ragen die Schneeberge auf. Uns begegnen nur die omnipraesenten Schaf- und Ziegenhirte mit<br \/>ihren Herden. Ansonsten ist es total einsam. Wir klettern auf den Gipfel des letzten Buckels, geniessen<br \/>den Rundumblick und machen uns auf den Rueckweg. Ab und zu sehen wir Autos die Pisten entlang<br \/>rumpeln. Ploetzlich hoeren wir Schuesse. Erst nur einen, spaeter mehrere. Wir denken an Jaeger. Aber<br \/>was jagen die hier? Als wir am Auto sind, kommen zwei Fahrzeuge. Sie halten bei uns. Es sind Jaeger.<br \/>Sechs oder sieben Maenner, alle in Tarnkleidung. Sie haben Wildschweine erlegt, vier Stueck. Nicht, um<br \/>sie zu essen, denn das ist ja haram im Islam. Angeblich, um sie zu dezimieren, weil sie alles kahl fressen.<br \/>Sie zeigen uns Fotos. Wir machen noch ein Teepaeuschen und fahren wieder nach Midelt hinunter in das<br \/>Hotel, wo die Rallye -Organisation stattfindet. Wir wollen wissen, wo sie morgen starten, um ihnen<br \/>zuzugucken. Rund um das Hotel ein Fuhrpark an Cross-Motorraedern und gelaendetauglichen Autos und<br \/>riesigen Begleit-Trucks, die ausgestattet sind wie fahrende Werkstaetten. Wir treffen die Leute vom Schiff<br \/>wieder, das Orga-Team. Sie freuen sich ueber unser Interesse, denn Publikum haben sie hier draussen<br \/>nicht. In Midelt wusste niemand, dass hier eine Rallye ihren Ausgang nimmt. Das ist mal wieder eine Welt<br \/>fuer sich, diese Rallye-Leute, leben in ihrer Blase und interessieren sich nicht wirklich fuer Land und<br \/>Leute. Wir bekommen eine Service-Mappe mit allen Infos und den Koordinaten des Startpunktes, alles in<br \/>schrecklichem Genglisch geschrieben. Machen uns wieder auf zum Campingplatz in der Stadt, parken und<br \/>laufen los, um uns was zu essen zu suchen. Waren gestern an einem kleinen Marktplatz an einem Lokal<br \/>vorbei gekommen wo sie Teigfladen mit irgendwas drin gemacht haben. So einen wollen wir. Die<br \/>Pizzabaeckerin erkennt uns sofort wieder, ist eigentlich schon am Aufraeumen, besteht aber darauf, alles<br \/>wieder auszupacken und uns einen Fladen zu backen. Sitze rum, schaue ihr zu und frage sie nebenbei aus.<br \/>Sie ist sehr dunkelhaeutig, und, wie alle, die hier dunklere Haut haben, stammt sie aus Errashidiya weiter<br \/>im Sueden am Sahararand, wo der afrikanische Einfluss groesser ist als der arabische. Nehmen unseren<br \/>Fladen und schlendern heim. Wir finden zufaellig und zu unserer Ueberraschung einen Laden, der nur<br \/>Alkohol verkauft. Dachte, das gibt es hier gar nicht. Kaufen marokkanisches Bier, Storck heisst es.<br \/>Ploetzlich kommt Sturm auf, Sand fuellt unsere Ohren und Nasen. Wir fliehen ins Womo, das kraeftig<br \/>geschuettelt wird. Es faengt auch noch an, zu regnen. Josef muss nochmal raus, weil die Stromzufuhr<br \/>nicht tut. Der Stecker in der Kabeltrommel war locker. Machen unsere Heizung an, und es wird kuschelig.<br \/>Gehen bald zu Bett. Long day!<br \/>4.3.<br \/>Es stuermt noch immer am Morgen. Beim Fruehstueck rumpelt es ploetzlich in unserem Kofferraum. Ich<br \/>schaue raus und sehe zu meinem Schreck, dass die Tuer aus den Angeln haengt. Oh, oh! Wir beheben<br \/>den Schaden. Hoffentlich haelt es! Josef hat wohl gestern vor lauter Sturm, Sand und Regen nicht darauf<br \/>geachtet, sie fest zu verschliessen, und eine Windboee muss sie aufgestossen haben. Er verflucht sich.<br \/>Naja, dafuer habe ich unsere neue Tischplatte demoliert, als ich ein Fach ueber dem Tisch geoeffnet habe<br \/>und die Kamera, die ich nur locker hinein gelegt hatte, mit einem Rums auf den Tisch fiel, wobei auch<br \/>noch der Objektivdeckel kapputt gegangen ist. So lernt man, die Dinge sorgfaeltiger zu tun.<br \/>Kommen nun leider spaeter los als geplant und fahren zum Startpunkt der Rallye. Die Armen! Haben sich<br \/>ganz malerisch in der Ebene ein Geisterlehmdorf ausgesucht, ueber das nun der Sand ungebremst<br \/>hinweg fegt. Entsprechend kurz ist die Eroeffnungszeremonie und Fotosession ausgefallen. Als wir<br \/>kommen, sind schon alle Fahrzeuge weg, bis auf ein Motorrad, das Ladehemmung hat. Schade. Wir<br \/>machen uns auf Richtung Sueden und Errashidiya. Hoffen auf weniger Wind und mehr Waerme. Die<br \/>Strecke ist Klasse. Fahren erst lange um das schneebedeckte Massiv herum. Als wir nach dem Pass auf<br \/>1907m auf dessen Suedseite sind, ist der Schnee weg. Hier stehen Honigverkaeufer an der Strasse, und<br \/>wir erstehen eine Flasche dunkelbraunen, dicken Honigs. Braune, karge Landschaft, Huegel, weiter weg<br \/>hoehere Berge. Kommen in ein breites Hochtal. Dort an einer Kreuzung steht ein Rallye-Orga-Fahrzeug.<br \/>Wir halten an und plaudern. Sie muessen hier nur ueberwachen, dass alle in die richtige Richtung fahren<br \/>und zur Not Erste Hilfe leisten. Einer ist Rettungssanitaeter der Feuerwehr aus Karlsruhe, wuenscht sich<br \/>einen Kaffee, laedt sich ins Womo ein und textet uns zu. Zwar alles interessant, aber mich draengelt es<br \/>raus. Der zweite Rallye-Mann erzaehlt mir, sein Vater und er haben eine Werkstatt fuer<br \/>Expeditionsmobile. Er verachtet aber diese Leute, die sich fuer 250.000 Euro so ein Ding kaufen und es<br \/>dann nie wirklich nuetzen. Das sei nicht vergleichbar mit den echten Abenteurern, die in Eigenarbeit alte<br \/>LKW umbauen. Wir fahren schliesslich weiter. Kommen an einem Dorf vorbei, wo eine Menschentraube<br \/>vor einem Tor steht. Halten an, und es kommt sofort eine Horde Jungen, die uns um Stifte, Wasser, was<br \/>zu essen, egal was, anbetteln. Wir gehen nicht darauf ein und fragen, was die vielen Leute da tun. Eine<br \/>Frau schleppt ein Buendel an mir vorbei und erklaert, eine karitative Organisation aus Casablanca habe<br \/>hier eine Hilfsgueterlieferung, Decken, Kleider, Nahrungsmittel, verteilt.<br \/>Sie kamen mit Eseln von weit her aus den umliegenden Bergdoerfern. Hier haben wir erst das Ausmass<br \/>der Armut der Leute erkannt.<br \/>Halten noch in Risch, einer Marktstadt, schlendern durch den Markt, <br \/>kaufen ein, trinken zweimal Tee und schauen dem Treiben zu, fotografieren mit Tele die Maenner in<br \/>ihren schoenen marokkanischen Ueberwuerfen mit den spitzen Kapuzen und die Frauen in ihren<br \/>kunterbunten Kleidern.<\/p> <p><br \/>Sie sind meistenteils auf Eseln und Fahrraedern unterwegs - ueberigens auch viele Maedchen! Ansonsten<br \/>sieht man als Ueberlandtaxi oder Kleinbus, das Dach beladen mit allem, was man sich vorstellen kann,<br \/>den Mercedes MB 818 aus den 80'er Jahren. Es laufen auffallend viele Maenner mit kornblumenblauen<br \/>Turbanen herum. Ich frage einen Musikkasettenverkaeufer danach, und er erklaert, dass sie aus Imilchil,<br \/>einer Stadt ca 100 km weg im Hohen Atlas, kommen. Das ist ihre typische Kopfbedeckung. Wir moechten <br \/>gern dorthin, aber das muss warten, denn dort oben ist es noch richtig Winter. Die Weiterfahrt fuehrt<br \/>durch die dramatische Ziz-Schlucht, immer parallel zum Wadi Ziz. Wir halten an einer Thermalquelle,<br \/>Hamamat Ali Cheri, die noch die Franzosen gefasst und dafuer steinerne Becken zum Baden gebaut<br \/>haben. Ist zwar huebsch gemacht aber mehr fuer die marokkanischen Staedter, die dort den Tag<br \/>verbringen. Es sind einige Haendler dort, die versuchen, irgendwas an den Touristen zu bringen. Spaeter<br \/>halten wir in Meski, an der Blauen Quelle. Hier ist ein Campingplatz, direkt unten im Wadi, wo einge<br \/>Fahrzeuge mit diversen europaeischen Kennzeichen stehen. Man merkt sofort, dass man jetzt auf einer<br \/>Touristenroute ist: die Leute sind weniger freundlich, cooler, fast ein bisschen abgeschlagen. Wollen nicht<br \/>hier bleiben. Laufen in entgegengesetzter Richtung den Falaj entlang, der ganz klares Wasser fuehrt,<br \/>durch einen dichten Palmenhain. Zwei Frauen sitzen am Falaj und waschen. Waeren sie offener und<br \/>freundlicher, wuerde ich mich mit meiner Waesche dazu gesellen. Aber sie wuerdigen uns kaum eines<br \/>Blickes. Kann auch sein, dass sie sich daran stoeren, dass Josef dabei ist. Je weiter wir nach Sueden<br \/>kommen, desto konservativer werden die Menschen. Das scheint ein weltweites Phaenomen zu sein. Ist<br \/>ja in Deutschland auch nicht anders, wenn man die Hamburger mit den Bayern vergleicht. Laufen auf der<br \/>anderen Falaj-Seite zurueck unter einem recht niedrigen Felsueberhang und hoffen, einen Weg nach<br \/>oben zu finden, da wir aus der Ferne eine Lehmfestung gesehen haben, sehen aber, dass der Wadi eine<br \/>Biegung macht und das Qasr auf der anderen Wadiseite steht.<br \/>Lassen es aus. Wir halten noch einmal heute, an dem Dorf Aoufous. Laufen durch das Dorf; es kommen<br \/>uns Jungen und Maedchen auf Fahrraedern von der Schule entgegen. Irgendwann zwei Frauen, die<br \/>Einkaufstueten tragen. Ich frage sie nach dem Weg zum Souq, und sie deuten auf die andere Wadi-Seite.<br \/>Dort sei das Nachbardorf. Mir faellt auf, dass sie sehr weiss sind, europaeische Gesichtszuege haben. Sie<br \/>seien Amazigh, also Berber. Drueben seien alles Araber. Und tatsaechlich, als wir durch die Palmhaine auf<br \/>die andere Seite kommen, sind die Menschen hier alle viel dunkler. Der Markt beschraenkt sich auf ein<br \/>paar unter freiem Himmel ausgelegte Matten mit richtigem Plunder, teilweise gebrauchten Sachen, sehr<br \/>schaebig. Wie gesagt, ueber Bargeld verfuegen die Leute kaum. <br \/>Der Ziz ist nun voller Schmelzwasser und ergiesst sich braun und breit mit schneller Stroemung<br \/>schliesslich in den Stausee Hassan VI, einer von vielen hier. Der See mit zerklueftetem Ufer ist tiefblau,<br \/>aussen herum nichts als Brauntoene, kein Tupfer gruen.<br \/>Wir beschliessen, hier zu uebernachten, falls es einigermassen nett ist. Fahren erst aus Versehen in eine<br \/>Kaserne hinein, als wir die Zufahrt zum See suchen. Wirkt mehr wie ein Dorf, begruent, mit recht<br \/>huebschen Haeusern und spielenden Kindern auf der Strasse. Als wir wieder rausfahren, schnorrt uns der<br \/>Wachman um eine Zigarette an. Wir gesellen uns am Ufer zu vier anderen Womos, zwei Hollaender, ein<br \/>Schwede, ein Deutscher, gehen noch ein bisschen spazieren, plaudern mit den marokkanischen<br \/>Tagesbesuchern, zwei Familien - eine Frau fragt mich, ob ich mit ihr ein bisschen spazieren gehe, was wir<br \/>dann tun und uns nett unterhalten. Sie ist sehr dunkel, und ihr huebscher Sohn hat schwarzafrikanische<br \/>Haare. Sie stammen aus Rashidiya. Hier, wie im ganzen Sueden Marokkos, dominieren Afrikaner -<br \/>teilweise sicher durch normale Wanderungen der Voelker, teilweise durch den regen jahrhundertelangen<br \/>Sklavenhandel.<br \/>Wir beschliessen den Tag mit einem leckeren Essen von Josef und dem ersten Glas Wein, seit wir hier<br \/>sind (Ich habe allerdings fast jeden Abend ein 0,2-Flaeschchen Bier getrunken).<br \/>Eines noch: Keiner rechnet damit, dass ich arabisch spreche und alle fragen, woher ich komme. Wenn ich<br \/>sage, dass ich Palaestinenserin bin, geht die Sonne auf. Jeder strahlt, jeder freut sich, jeder solidarisiert<br \/>sich sofort. Jeder sagt, wenn er einen Israeli saehe, wuerde er ihn wegjagen. Das ueberrascht mich. Ich<br \/>dachte, Palaestina sei ganz weit weg fuer die Menschen hier. Aber offenbar ist unser Schicksal<br \/>sinnbildlich fuer die Unterdrueckung, Kolonisierung und Verdraengung durch den Westen im weitesten<br \/>Sinne.<br \/>Und ein Letztes: Die Kinder in den Doerfern fragen immer nach Kugelschreibern. Das habe ich schon<br \/>einmal erlebt, im Jemen 1994, und hatte mir vorgenommen, wenn ich dort noch einmal hinreise, Kulis en<br \/>masse mitzunehmen. Das wird wohl dort in absehbarer Zeit nichts, und, wenn doch, brauchen die Kinder<br \/>was anderes als Kugelschreiber, z.B. einen bombenfreien Alltag.<br \/>6.3.<br \/>Fahren vom Stausee morgens als erste weg. Die anderen chillen noch. Wir lassen Erfoud aus, das heutige<br \/>Verwaltungshauptstadt der Region ist, aber wohl ausser Fossilien (gefaelschte und echte), sowie den in<br \/>die Landschaft gebauten Kunstwerken eines Muenchner Kuenstlers, die man jedoch nicht ohne Fuehrer<br \/>besichtigen darf, nicht viel zu bieten hat. Halten erst in Rissani an, der letzen groesseren Stadt vor der<br \/>Wueste, Ort des ehemaligen Sijilmasa, frueher Hauptstadt ganz Marokkos und von wirtschaftlicher <br \/>Bedeutung aufgrund der durchziehenden Karawanen, mit dem Mausoleum von Moulay Ali Shareef, dem<br \/>Gruender der heutigen Dynastie. Fahren zunaechst die Qasr-Runde ab, eine ca 20 km lange Strecke<br \/>ausserhalb der Stadt mit mehreren Lehmfestungen. Spaeter halten wir noch einmal an einem Dorf, das<br \/>auch eine grosse Lehmfestung ist. Als wir aussteigen, kommen viele Kinder angelaufen. Ich plaudere ein<br \/>bisschen mit ihnen, eigentlich in der Hoffnung, dass sie uns dann unspannend finden, weil sie nichts<br \/>abstauben koennen. Aber sie finden uns so spannend, dass der uns durch die gesamte Festung<br \/>begleitende Tross - treppauf, treppab, zum Ziehbrunnen, in die alte stillgelegte Moschee, weil das Dach<br \/>der Waschraeume eingestuerzt ist - immer groesser wird.<\/p> <p>Maedchen mit Qurantafel auf dem Weg zur Moschee<br \/>Am Ende umgeben uns, laut schnatternd, sich gegenseitig uebertoenend, jeder den Fuehrer geben<br \/>wollend, um die 30 Kinder von 3 bis 17 Jahren. Die Maedchen, schon voll in ihrem Rollenmuster, trauen<br \/>sich selten, direkt zu uns etwas zu sagen. Sie laufen mit Abstand hinter uns und den Jungen, bis ich sie<br \/>auffordere aufzuschliessen und sie ganz direkt etwas frage. Sie trauen sich nicht, zu antworten,<br \/>verstecken sich verschaemt hinterinander. Der Aelteste, auch der mit dem lautesten Organ, fuehrt<br \/>unseren Tross an und zeigt uns u.A., dass die Gassen ganz rechtwinklig angelegt sind, so dass man an<br \/>jeder Kreuzung in allen Himmelsrichtungen jeweils das Ende der Festung sieht. Auch liegen die Eingaenge<br \/>zu den Haeusern jeweils rechts in jeder Gasse. Es ist, wie immer, fast ganz dunkel, weil alles ueberbaut<br \/>ist, nur hier und da mal ein Lichthof.<br \/>Ich frage sie ein bisschen aus, und sie geben sich grosse Muehe, hocharabisch zu sprechen, damit ich sie<br \/>verstehe. Die Grundschule koste kein Geld, fuer die Oberschule muessten sie den Schulbus bezahlen und <br \/>die Schulbuecher: 3 EUR pro Kind pro Monat - klingt wenig, aber die Leute hier haben eigentlich kein<br \/>Bargeld und meistens einen Stall voll Kinder. Allerdings bekommen sie wohl pro Kind eine finanzielle<br \/>Beihilfe fuer Schulmittel vom Staat. Ich frage, ob die Maedchen auch ueber die Grundschule hinaus zur<br \/>Schule gingen. Nein, sie wuerden ja heiraten. In welchem Alter, frage ich. Einer sagt, mit 15, der andere<br \/>sagt, Quatsch, nein, mit 18. Es war spannend mit den Kindern, aber dort in Ruhe durchzulaufen, waere<br \/>auch schoen gewesen. Naja, vielleicht bei der naechsten Festung. Es gibt hier praktisch in jedem Dorf<br \/>mindest eine Lehmfestung. Es ist unglaublich - und leider, leider ganz unmoeglich, alle zu erhalten. Wie<br \/>im Oman, werden sie mit zunehmendem Wohlstand verlassen und sind ueber kurz oder lang durch den<br \/>Regen dem Erdboden gleich und spurlos verschwunden. Wir verabschieden uns gegen den Widerstand<br \/>der Kinder, bis schliesslich ein Mann sie alle verjagt, damit wir ueberhaupt losfahren koennen.<br \/>Laufen ein wenig ueber die Maerkte in Rissani mit ihrem Getuemmel und fahren dann zum Mausoleum<br \/>raus, das eigentlich nur fuer Muslime zugaenglich ist. Der Wachmann laesst uns rein, nachdem ich<br \/>Arabisch mit ihm spreche und ihm erklaere, wir seien Muslims. Der Garten im Inneren der Mauern,<br \/>umgeben von einem Saeulengang, ist recht schoen; hier sitzen ein paar Frauen auf Baenken im Schatten<br \/>und plaudern.<br \/>Wir beschliessen, noch einmal in die Stadt zu fahren, um endlich Tajine, jene marokkanische Spezialitaet<br \/>aus dem Tontopf mit spitzem Deckel, zu essen. Der Tag neigt sich jedoch, und wir finden nichts Rechtes.<br \/>Der Reisefuehrer schickt uns wieder hinaus Richtung Mausoleum. Dort sei ein brauchbares Lokal. Als wir<br \/>es endlich finden, ist es schon fast dunkel und nur ein junger Mann ist noch da, der eigentlich gerade<br \/>schliessen moechte, jedoch darauf besteht, noch fuer uns zu kochen. Das Essen ist nicht so prickelnd,<br \/>aber wir sitzen nett, und da wir die Einzigen sind, bringt Josef unseren restlichen Wein mit hinein, und ich<br \/>kann eine rauchen. Am Ende fragt uns der junge Wirt, ob wir ihm ein bisschen Wein geben koennten.<br \/>Leider ist die Flasche leer. <br \/>Das Lokal ist direkt neben dem Qasr Oulad Abdel Halim. Wir uebernachten im Schatten der<br \/>wunderschoen restaurierten Aussenmauern. Irgendwann nachts verabreden sich alle Streunerhunde der<br \/>Stadt, um neben unserem Womo eine Heul- und Klaefforgie abzuhalten. Gegen Morgen ist dann wieder<br \/>Ruhe.<br \/>Wir besichtigen erst das Qasr. Ein ca 13-jaehriger heftet sich an uns und geht mit. Er traegt einen Strick<br \/>mit sich herum und erklaert auf meine Frage danach, sein Welpe sei ihm in der Nacht gestohlen worden<br \/>und er suche nun nach ihm. Innerhalb der Mauern sind nur wenige Haeuser. Vieles ist eingestuerzt, aber<br \/>es leben wohl noch 13 Familien hier. Und hier steht das ehemalige Riyadh, also Wohnhaus, des Vorfahren<br \/>von Koenig Hassan VI. Es verfaellt so allmaehlich, wird nicht erhalten, aber Teile sind noch intakt, und<br \/>immerhin lebt in seinen Mauern eine Frau, die irgendwie so eine Art Aufsicht fuehrt und das Ganze<br \/>sauber haelt. Sie zeigt uns den Garten, ein Majlis, also einen Wohnraum, mit Sitzkissen auf dem Boden.<br \/>An der Wand ist ein gerahmtes Poster mit Zeichnungen und spaeter Fotos aller zur heutigen allawitischen<br \/>Dynastie gerhoerigen Koenige. <br \/>Auch ein Foto ihres verstorbenen Mannes in Beduinenkriegerkluft haengt dort. Die Holzbalken und<br \/>Zwischenraeume an den Decken sind schoen verziert. Als wir wieder am Auto sind, folgt uns ein<br \/>Maedchen, die wir mit ihrer Mutter in der Festung gesehen hatten. Sie bittet uns um Medikamente fuer<br \/>ihren kleinen Bruder, der Schmerzen habe. Der Junge will nun auch Medikamente. Wir haben nur<br \/>Aspririn, was wir ihnen bedenkenlos mitgeben koennen.<br \/>Danach gehen wir in die Stadt. Heute ist Dienstag, kleiner Markttag in Rissani. Es ist sehr, sehr spannend.<br \/>Von den klebrigen selbsternannten Touristenfuehrern und Verkaeufern, vor denen unser Buch warnt,<br \/>merken wir nicht viel. Man laesst uns in Ruhe, und wir schlendern lange umher. Es gibt sooo viel zu sehen<br \/>und mutet an wie ein Film-Setting im Mittelalter. Aber es ist alles echt und lebendig, nichts gestellt,<br \/>nichts geschoent. Unfassbar: Ueberall sind Marktstaende mit Gemuese und Obst. Schlachter mit halben<br \/>Schafen und Rindern an Haken aufgehaengt, an denen noch der Kopf und der Schwanz baumeln -<br \/>vielleicht damit man gleich weiss, um welches Tier es sich handelt. Kuehlkette - was ist das?<br \/>Huehnerverkaeufer, die in ihrem Laden Freigehege haben, in denen die Huehner aufgeregt herum laufen.<br \/>Der Kunde sucht sich eines aus, es wird an den Fluegeln gepackt und gleich geschaechtet. Hab noch kein<br \/>Fleisch gegessen, seit wir hier sind. (Da vergeht es mir gruendlich, obwohl das ja viel schonender ist als<br \/>unsere elende Massentierhaltung.) Maenner beim Friseur, die ihren Kopf und Bart komplett glatt rasiert<br \/>kriegen. In einem grossen, fast leeren Raum sitzt ein Heiler an seinem Tisch und wartet auf Kundschaft. In<br \/>einem Laden sitzen 3 Maenner und werden am Ruecken geschroepft. Wenig spaeter sind wir bei den<br \/>Schmieden. Ihre kleinen, engen Werkstaetten mit Schmelzofen und Amboss sind russgeschwaerzt und<br \/>laut. Sie fertigen Hacken, Spaten, Gitter, etc. Die Blechner machen aus nagelneuem Blech aber auch aus<br \/>alten Gefahrengutfaessern Kehrbleche, Haustueren, Kisten, etc. <br \/>Einem Fliesenmacher schauen wir dabei zu, wie er die bunten Zement-Bodenfliesen macht, die man hier<br \/>allerortens sieht. Zu dritt machen sie mit ganz einfachen Geraeten in Handarbeit eine kleine<br \/>Massenproduktion.<br \/>Es gibt einen grossen Eselparkplatz, auf dem all die Haendler und Kunden der umliegenden Doerfer ihr<br \/>Vieh parken. Hier kann man Studien ueber das Sozialverhalten von Eseln, Mulis und Pferden treiben.<br \/>Einen einzigen reinen Touristenladen sehen wir. Josef findet hier ein altes Tuerschloss, ein Holzriegel, der<br \/>mit einer Art primitivem Schluessel blockiert wird. Er wuerde es gern kaufen fuer die Tuer, die er in Aich<br \/>fuer den Durchgang zwischen Haus und Garage im omanischen Stil bauen moechte. Aber der Preis ist mit<br \/>50 EUR fuer hiesige Verhaeltnisse anstronomisch. Vielleicht finden wir es noch woanders. Der Markt ist<br \/>unglaublich vielfaeltig. Tage koennte man sich hier aufhalten. Auf dem Rueckweg zum Auto treffen wir<br \/>Mohammad Nasser, einen lizensierten Guide, der in unserem Reisefuehrer gelistet ist, weil er ganz gut<br \/>Deutsch spricht, der uns gestern schon einmal angesprochen hat, uns jedoch nicht mit seinen Diensten<br \/>behelligt, weil er wohl spuert, dass wir ihn nicht brauchen, beteuert, wie gestern schon einmal, dass er<br \/>sich fuer seine palaestinensischen Brueder und Schwestern freuen wuerde wie ueber nichts anderes,<br \/>wenn sie ihre Freiheit erlangen wuerden. Er hat ein paar Deutsche im Schlepptau.<br \/>Schliesslich fahren wir die letzten 40km nach Merzouga, eventuell unser suedoestlichstes Ziel und<br \/>Marokkos groesste zusammenhaengende Duenenlandschaft: Das Erg Chebi, eine malerische Miniwueste<br \/>von 50km Laenge von Norden nach Sueden und 5 - 10 km Breite. Um Merzouga herum, wo sich die<br \/>hoechste Duene mit 150m erhebt, haben sich viele Hotels in Qasr-Form angesiedelt, die sich ganz gut in<br \/>die Landschaft fuegen; Kamele tragen Touristen zur Uebernachtung in die Duenen; Motocross- und <br \/>Quadfahrer brettern herum, jedoch nicht vergleichbar mit den Duenen nahe Dubai, die wie ein Jahrmarkt<br \/>anmuten. Hier ist alles recht beschaulich. Wir parken das Womo bei den Duenen und laufen in etwa einer<br \/>Stunde hinauf auf die grosse Duene, die letzten 30m Hoehenmeter schweisstreibend auf allen Vieren,<br \/>weil es so steil wird; sehen von oben, wie klein das ganze Gebiet ist, auf der von Merzouga abgewandten<br \/>Seite ca 20 Wuestencamps fuer die Touristen, das Ganze umgeben von brauner, flacher Geroellwueste<br \/>und kleineren braunen Bergen in der Ferne. Von der eigentlichen Sahara, wie wir uns das vorgestellt<br \/>haben, ist nichts zu sehen.<br \/>Eine der Herbergen, das Rose de Sable, hat einen Womo-Stellplatz hinter dem Haus und direkt an den<br \/>Duenen. Es stehen noch fuenf andere hier, und wir beschliessen, eine Ruhepause einzulegen. Mieten uns<br \/>fuer zwei Naechte ein, und ich koche Mujaddara.<br \/>7.3.<br \/>Ein herrlich ereignisloser Tag. Neben uns steht ein Womo aus Gross Gerau. Wir plaudern ab und zu mit<br \/>dem netten Rentnerpaar. Es ist tagsueber gut warm, in der Sonne bestimmt 30 Grad und damit Josefs<br \/>Lieblinglauftemperatur. Ich wasche ein paar Klamotten von Hand, drapiere sie nach marokkanischer<br \/>Manier zum Trocknen ueber die Palmwedel und Buesche, hole Reisebericht nach, und Josef rennt 30<br \/>Minuten auf der platten Ebene auf der anderen Seite der Strasse. Am Nachmittag laufen wir in's Staedtel<br \/>und essen in einem, oh Wunder, von drei Frauen gefuehrten netten Lokal an der Strasse, dem Restaurant<br \/>Aicha. Muss was in Trip Advisor reinschreiben. Fragen noch in einem Laden, wo ich Postkarten kaufe, den<br \/>Eigentuemer, wo die hier das Wasser herkriegen. Uns waren bei unserer Duenenwanderung gestern<br \/>zwischen den niederen Duenen Brunnen aufgefallen, in denen in nicht einmal 5 m Tiefe Wasser stand<br \/>und sogar unten noch Wasser dazu lief! Er erklaert uns, dass unter dieser kleinen Wueste tatsaechlich<br \/>Suesswasser sei, was ganz Merzouga versorge. Wir koennen es nicht glauben. Jedes Hotel habe seinen<br \/>eigenen Brunnen und einen Wasserturm, um Wasserdruck zu erzeugen.<br \/>8.3.<br \/>Nach dem Fruehstueck gehen wir walken - etwa dieselbe Runde, die Josef gestern gerannt ist, packen<br \/>dann zusammen, obwohl wir noch nicht recht schluessig sind, wo wir hin wollen. Als wir dann losfahren,<br \/>stellen wir fest, dass wir eigentlich noch gar nicht hier weg wollen. Vor dem Fruehstueck waren ein paar<br \/>Franzosen durch unser Camp gelaufen und hatten gefragt, wo die Wuesten-Rallye startet. Wir haben sie<br \/>wohl in die falsche Richtung geschickt. Denn am Fuss der hohen Duene und oben an deren Spitze sehen<br \/>wir Fahnen und eine zunehmende Anzahl von Leuten und Fahrzeugen. Also fahren wir nach Merzouga<br \/>rein und Richtung Duenen; laufen hinauf zur unteren Rallye-Basis, schauen ein Weilchen zu, wie die<br \/>Motocrossfahrer immer wieder Anlauf nehmen, die hohe Duene rauf zu kommen. Manche schaffen es.<br \/>Die anderen muessen den Rest hoch laufen, um sich ihren Etappenstempel zu holen. Die Duene ist irre <br \/>steil, und die muessen in ihrer Motorradkluft vergehen! Es sind wieder die Leute vom Schiff und von<br \/>Midelt, die sich hier fuenf Tage aufhalten. Heute ist der letzte Tag. Folgen danach einer in der Karte als<br \/>landschaftlich reizvoll eingetragenen Strasse an den Duenen entlang nach Norden. Nach ein paar<br \/>Kilometern ist eine Piste Richtung Duenen eingezeichnet, und wir kommen an der Auberge du Sud raus,<br \/>einem wirklich sehr geschmackvoll, ganz im maghribinischen Qasr-Stil gebauten Hotel. Trinken auf der<br \/>sandigen Terrasse einen Tee, direkt an unseren Zehenspitzen beginnen die Duenen, und beschliessen,<br \/>uns ein freies Plaetzchen unter ein paar benachbarten Baeumen zu suchen. Da stehen wir nun seit<br \/>gestern am Spaetnachmittag, neben uns auf der anderen Seite noch so ein huebsches Hotel, das Dunes<br \/>D'Or, das wir uns auch anschauen. Beide Hotels haben Pools! Ob das nun so oekologisch ist bei dem<br \/>Wassermangel hier? Ein Fossilienverkaeufer, der abends bei uns vorbei kommt, bestaetigt das mit dem<br \/>Suesswasser unter den Duenen, sagt auch, unter der schwarzen Ebene hinter uns sei das Wasser salzig. Er<br \/>spricht, wie viele hier, ganz gut Deutsch, durch die vielen Touristen; Arbabisch, Franzoesisch und<br \/>Berberisch sowieso.<br \/>Gucken den zweiten Teil von der Verfilmung des Gladbeck-Geiseldramas in den 80'er Jahren. Das reisst<br \/>mich zu sehr hier raus. Lieber lese ich abends. Aber Josef macht das Fernsehen hier im RV richtig Spass.<br \/>So kenne ich ihn gar nicht!<br \/>9.3.<br \/>Waren nach dem Fruehstueck circa 2 Std in den Duenen wandern.<br \/>Die Karawanen der Touristen, die ueber Nacht in den Duenen biwakiert haben, schaukeln auf ihrem<br \/>Heimweg sehr malerisch an uns vorbei.<br \/>Haetten wir Wasser mitgenommen, waeren wir noch weiter gegangen. Seitdem sitzen wir unter unserem<br \/>Baum, der uns herrlich vor der Sonne schuetzt, und lesen abwechselnd Homo Deus und unsere jeweilige<br \/>Belletristik. Herrlich! Es ist allerdings recht windig; hoffe, es wird nicht mehr. Denn dann faengt der Sand<br \/>an zu fliegen und Josef kann sein Lieblinsspielzeug, die Sat-Antenne, nicht ausfahren. Beschliessen, uns<br \/>noch ein wenig zu ertuechtigen und laufen am Fuss der Duenen in Richtung Auberge du Sud, daran vorbei<br \/>und wollen ein paar Ruinen inspizieren, die wir morgens von den Duenen aus gesehen hatten. Kommen<br \/>an einen grossen Platz mit um die 70 gesattelten Kamele. Daneben sitzen ein paar Maenner, die eifrig<br \/>und lautstark ein in den Sand gemaltes Brettspiel, gespielt mit kurzen Zweiglein und Steinen als <br \/>Spielsteine, kommentieren. Schauen ihnen ein Weilchen zu und laufen weiter. Die Ruine war auch ein<br \/>Kasbah-Gasthaus, ist aber voellig zerstoert - wir vermuten von der Flut, die 2006 das gesamte Erg Chebi<br \/>ereilt hat und von der uns schon ein paar erzaehlt haben. Damals ist vieles zerstoert worden. Es stehen<br \/>hier in der Ebene auch grosse Zeltcamps. Ob man da auch uebernachten kann? Als wir zum Kamelplatz<br \/>zurueck kommen, fahren Dutzende von Jeeps vor, und es ergiessen sich viele Touristen ueber den Platz,<br \/>zuecken alle die Cameras und lichten Kamele und Duenen im Abendlicht ab - wie wir halt. Kommen kurz<br \/>mit ein paar aelteren Badensern ins Gespraech; da kommt ihr marokkanischer Guide und scheucht uns<br \/>sehr unhoeflich weg; ich diskutiere mit ihm auf Arabisch und verstehe dann, was sein Problem ist: er<br \/>denkt, wir seien Schlepper, die ihm seine Touris wegnehmen wollen. Offenbar ein hart umkaempfter<br \/>Markt! Wir trollen uns, nicht, ohne ihm vorher zu sagen, dass er sich was schaemen sollte, so unhoeflich<br \/>zu sein. Bestimmt hat der den alten Leutchen nachher erzaehlt, sie koennten froh sein, ihn als<br \/>Beschuetzer zu haben; wer weiss, was wir mit ihnen angestellt haetten.<br \/>Die Maenner, die brettspielend bei den Kamelen sassen, rennen jetzt hinter den Touris her, die zu Fuss<br \/>und auf Kamelen die Duenen hochlaufen, um den Sonnenuntergang von dort zu sehen. Ich frage sie, was<br \/>denn ihr Job sei, die Kamele zu fuehren? Nein, sie helfen nur denen, die nicht hoch kommen, schieben<br \/>und ziehen ein wenig und jubeln ihnen nebenbei ein paar Fossilien unter, die hier ueberall ausgebuddelt<br \/>(oder gebastelt) und dann verscherbelt werden. Hartes Brot!<br \/>Als ich sie nach der Ruine frage, bestaetigen sie, das Hotel sei bei der grossen Ueberschwemmung<br \/>zerstoert worden, es seien damals drei Menschen ertrunken, das Wasser sei den Kamelen bis zum Bauch<br \/>gestiegen. Unvorstellbar, wenn man diese Trockenheit jetzt sieht.<br \/>Laufen zurueck zum Auto und fahren dann zur Auberge du Sud zum Essen zurueck. Sitzen vor dem<br \/>Restaurant, das erst um 19:30 oeffnet, in der super gemuetlichen Lobby und schluerfen Tee, zu unserer<br \/>Linken zwei Japanerinnen, wovon die eine uns offenherzig und in erstaunlich gutem Englisch erzaehlt, sie<br \/>habe die vergangenen vier Jahre in Nebraska studiert und sei nun schweren Herzens nach Japan zurueck<br \/>gekehrt, um dort einen Job in der Werbung anzunehmen - schweren Herzens deshalb, weil sie in<br \/>Nebraska ihren Freund zurueck lassen musste. Ein Amerikaner quetscht sich zu uns auf das Sofa, fragt, ob<br \/>er auch von unseren Nuessen essen duerfe, und ich bin geneigt, ihm auch noch gleich mein Teeglas zu<br \/>reichen. \"It's a communal thing, right?\" Klar, sage ich. Er sei Kuenstler, habe mit Cristo, an dem er<br \/>anschliessend kein gutes Haar laesst, ein Projekt gemacht. Aha. Endlich gibt's Essen. Einheitsessen fuer<br \/>alle, aber voellig ok. Neben uns sitzt ein Paar aus Hamburg, sind auch mit dem Womo unterwegs.<br \/>Plaudern recht nett und verabschieden uns dann, fahren wieder an unseren Platz unter den Baeumen.<br \/>Hatten hier, ungetruebt von kuenstlichem Licht, beide Naechte einen ganz unglaublichen Sternenhimmel<br \/>- so schoen, dass es mir wie Verschwendung vorkommt, nicht unter freiem Himmel zu schlafen. Aber wir<br \/>haben, erstens, nichts dabei zur Uebernachtung draussen, und, zweitens, wuerde ich mir wahrscheinlich<br \/>vor Angst in die Hosen machen.<br \/>Ich wache mehrmals in der Nacht auf und muss immer wieder hinauf schauen zum Sternenhimmel.<br \/>10.3.<br \/>Wollen heute Richtung Westen aufbrechen, jedoch nicht hinauf in die Berge, weil wir die Kaelte<br \/>fuerchten, entscheiden uns fuer einen Kompromiss und nehmen von Erfud aus die nicht ganz suedliche<br \/>Strasse an der algerischen Grenze entlang Richtung Westen, sondern die parallel weiter noerdlich<br \/>verlaufende Richtung Tinejdad und Trodra-Schlucht. Die Luft ist unglaublich klar und trocken, die<br \/>Fernsicht ueberwaeltigend, das Blau des Himmels unwirklich. Wir sehen weit im Norden die<br \/>schneebedeckten Berge des Hohen Atlas. An der Strasse sind ueber lange Kilometer hinweg helle <br \/>Lehmhaufen aufgetuermt. Irgendwann stehen da Schilder, die auf unterirdische Kanaele hinweisen,<br \/>daneben die obligatorischen Fossilienstaende. Wir halten irgendwo an und laufen auf einen der<br \/>zahlreichen in Reihe aufgehaeuften ca 10 m hohen und ca 20 m Durchmesser messenden Kegel hinauf.<br \/>Sie sind geformt wie kleine Krater, und in ihrer Mitte geht ein tiefes, grosses Loch hinunter in die<br \/>schwarze Tiefe. Spaeter lese ich in unserem Reise Knowhow, dass dies unterirdisch verlaufende<br \/>Wasserkanaele waren, die von Sklaven gegraben und durch die Kegel auch frei gehalten wurden von<br \/>Verschlammung. Fuerchterlich. Moechte nicht wissen, wieviele da unten lebendig begraben wurden. Wie<br \/>lange sie nicht mehr in Benutzung sind, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Allerdings sind viele schon<br \/>fast dem Erdboden gleich. (https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Qana)<br \/>Die Doerfer an unseren Strecke sind heute verhaeltnismaessig menschenleer. Es ist Samstag und damit<br \/>Feiertag. An der Strasse stehen drei Tramper. Wie sehen haeufig Doerfler stehen, haben aber nur einmal<br \/>welche mitgenommen. Habe immer ein schlechtes Gewissen, sie stehen zu lassen, aber wir haben ja<br \/>keine richtigen Sitze fuer sie. Halten nun dennoch an, weil wir denken, sie wollen nur ins naechste Dorf;<br \/>es sind jedoch sichtbar wohlhabende Staedter, die offenbar auf Tour sind und bis nach Ouarzazate<br \/>wollen. Das lassen wir dann doch; sie werden schon jemanden gefunden haben.<br \/>Vor uns sind riesige Staubwolken in der Luft, denen wir langsam naeher kommen. Es ist ein<br \/>ausgewachsener Sandsturm - finden wir jedenfalls.<br \/>Die Leute in den Doerfern gehen weiterhin ihren diversen Taetigkeiten nach, mauern und bauen, fahren<br \/>gegen den Sturm Fahrrad und Motorrad, laufen herum,... hart im Nehmen. Uns knirscht der Sand sogar<br \/>im Auto zwischen den Zaehnen, und am Abend ist alles mit einer Sandschicht ueberzogen. Wir fahren<br \/>durch ein Dorf namens Igli. In unserem Buch steht, es sei sehr von den saudischen Wahabiten beeinflusst<br \/>und daher sehr konservativ. Ich kann es nicht erkennen. Die Frauen sind auch nicht mehr oder weniger<br \/>verschleiert als anderswo. Aber es faellt uns auf, dass unglaublich viele Moscheen mit hohen Minaretten<br \/>gebaut werden. Entweder ist das des Koenigs Zugestaendnis an die konservativen Kraefte, oder die<br \/>Saudis unterstuetzen finanziell die Awqaf- (Religions-)behoerde, um hier Einfluss zu nehmen, was<br \/>erklaeren wuerde, warum die Wahabiten in einem total entlegenen Dorf das Klima veraendern koennen.<br \/>In Tinejdad gehen wir in einen kleinen Laden, um uns fuer das Abendessen einzudecken. Josef stellt fest,<br \/>dass das Geld in seinem Portemonnaie nicht ausreicht und geht zum Auto, um aus unserem roten<br \/>Rucksack Nachschub zu holen. Allein: Der ist nicht da! Oh, Schreck! Die Paesse, Kreditkarten, Bargeld,....<br \/>alles, was wir sicherheitshalber nie im Auto lassen, wenn es ausser Sichtweite ist,... Oh, oh! Ich lasse den<br \/>Ladenbesitzer wortlos stehen, und wir stellen das Auto auf den Kopf, wohl wissend, hier ist er nicht.<br \/>Irgendwann kommen wir drauf, dass wir ihn gestern Abend im Auberge du Sud dabei gehabt haben und<br \/>stehen gelassen haben muessen. Kann das sein?? Es muss so sein. Ich finde eine Tel-nummer im Reise<br \/>Knowhow, rufe an. Der freundlich Chef verspricht, nachzufragen und mich zurueck zu rufen. Nein, es sei <br \/>nichts abgegeben worden. Nochmal: ein kleiner roter Rucksack. Ganz sicher nicht? Er prueft es nochmals<br \/>und ruft zurueck: Er wurde gefunden und liegt in der Rezeption bereit. Uff!! Gemessen an dem Schreck<br \/>sind die 130 km, die wir nun im Sandsturm zurueck tuckern muessen, gar nichts. Ausserdem wollte Josef<br \/>sowieso noch nicht recht raus aus der Wueste. Und morgen ist in Rissani grosser Markttag, ein guter<br \/>Grund, noch eine Nacht dort zu bleiben. Finden also unseren Rucksack an der Rezeption; er hatte wohl<br \/>die ganze Nacht und den ganzen Morgen unbehelligt vor dem Sofa in der Lobby gestanden, wo wir am<br \/>Vorabend unseren Tee schluerften. Na sowas! Wir bedanken uns tausendmal und geben dem Mann an<br \/>der Rezeption einen Finderlohn. Josef meint, in seinem Gesicht Verlegenheit abzulesen. Wissen nachher<br \/>auch, warum: er hat sich vom Bargeld bedient. Wir aergern uns ein bisschen, aber wirklich nur ein<br \/>bisschen. Denn, erstens, haette er den ganzen Rucksack verschwinden lassen koennen, und zweitens, ist<br \/>es ganz allein unsere Schuld. Trinken in der kuehlen, daemmrigen Luft der Lobby noch einen Tee,<br \/>plaudern mit einem indischen Ehepaar, Boersenspekulanten und Praesident-Modi-Fans aus Bombay, die<br \/>ihren einzigen Sohn, der in Madrid studiert, besuchen waren und nun noch 10 Tage in Marokko<br \/>verbringen. Schliesslich muessen wir wieder hinaus in den Sandsturm, der im Laufe des Tages auch hier<br \/>angekommen ist. Wir beschliessen, uns ein einigermassen geschuetztes Plaetzchen vor dem Mausoleum<br \/>in Rissani zu suchen, was auch funktioniert. Der Sturm legt sich im Laufe der Nacht.<br \/>11.3.<br \/>Wachen sehr frueh auf. Der Himmel ist klar. Wo ist nur all der Staub hin? Ein Teil gewiss in unseren<br \/>Lungen. Meine Nasenschleimhaeute waren gestern den ganzen Tag zugeschwollen. Feinstaub? Was fuer<br \/>Feinstaub? Als wir in die Stadt kommen, erkennt uns schon der eine oder andere. Sind nun zum vierten<br \/>Mal hier. Es ist noch relativ ruhig. Nur dort, wo die Grosshaendler anliefern, ist Hochbetrieb. Jungen,<br \/>teilweise keine 10 Jahre alt, schieben schwer beladene Handkarren herum. Wir schlendern zwischen den<br \/>Maerkten umher, lauschen hier, gucken dort. Dann setzen wir uns am Hauptkreisverkehr in eine<br \/>Teestube und gucken dem Treiben zu. Es kommen von Minute zu Minute mehr Menschen. Aus den<br \/>Doerfern kommen sie auf Pferde- und Mulikarren, der Vater auf dem Kutschbock, die schwarz<br \/>verhuellten Frauen und Kinder hinten drauf, zwischen ihren Fuessen ein Buendel Gruenfutter als<br \/>Wegzehrung fuer das Muli. Andere kommen auf Tuktuks mit Ladepritsche, Fahrraedern, Mofas, Eseln, in<br \/>den unvermeidlichen Mercedes 800, und natuerlich zu Fuss. Ein reges und spannendes Treiben. Um uns<br \/>herum sitzen die Maenner palavernd in den Teestuben.<\/p> <p>Halten im Rausfahren noch an einer Tankstelle, tanken nach, aber vor Allem, damit wir das Brauchwasser<br \/>auffuellen koennen. Klappt auch. Der Himmel ist wieder wie blank geputzt. Man soll nicht glauben, was<br \/>hier gestern los war! Wir entscheiden uns jetzt, fuer die Fahrt nach Westen die suedlicher gelegene<br \/>Strasse zu nehmen, die (noch) reizaermer sein soll als die noerdliche. Als wir Erfoud hinter uns lassen,<br \/>fuehlt es sich an wie die Fahrt zwischen Abu Dhabi und Salalah. Oder wie eine Expedition auf den Mars.<br \/>Um uns herum ist alles mausetot. Ein paar flache Duenen noch, danach schwarzes Geroell, links und<br \/>rechts ein bisschen weiter weg, versteinerte Korallenriffe, dunkelbraune aufgefaeltelte Berge. Unwirtlich!<br \/>Ab und zu sehen wir Ziegenhirten. Wie geht das? Was finden die bloss zu fressen? Wie kann man hier<br \/>leben? Um das heraus zu finden, biegen wir schliesslich von der Strasse ab und folgen einer Piste ca 3km<br \/>lang in ein Dorf namens Azag. Kurz vor dem Dorf durchfahren wir ausgetrocknete Palmenhaine. Da ist nur<br \/>noch Sand und die Palmen kurz vor dem Exitus. Die Leute begruessen uns freundlich, und rasch ist die<br \/>obligatorische Kinderschar um uns herum. Das Dorf sieht erstaunlich wohlhabend aus. Die alte<br \/>Lehmkasbah ist leer und verfallen; alle leben in neuen, recht schoenen Haeusern. Am Ende begleiten uns<br \/>drei Jugendliche durch die mehr oder weniger trockene Oase und beantworten geduldig alle unsere<br \/>Fragen. In der Oase sind mehrere tiefe Brunnen, alle ausgetrocknet und toedliche Stolperfallen, wie wir<br \/>finden. I wo, sagen sie. Jeder wisse doch, wo die Loecher im Boden sind. Warum sie ausgetrocknet seien?<br \/>Weil es seit den 1990'er Jahren nicht mehr so viel regnet. Frueher habe es auf das Jahr verteilt 4 -5 mal<br \/>kraeftig geregnet. Jetzt, wenn sie Glueck haben, einmal. Woher das Wasser dann jetzt kaeme? Die<br \/>Regierung habe einen 100m tiefen Brunnen gebohrt (sie zeigen nach weiter oben die Strasse hinauf),<br \/>eine Solaranlage treibe die Pumpe an. Ob viele Leute abgewandert seien? Nein, sagen sie. Manche<br \/>arbeiteten im Ausland und schickten Geld. Daher vielleicht die neuen Haeuser. Die Schule am Ort<br \/>(uebrigens landesweit leicht erkennbar an der bonbonfarbenen Bemalung des Schulhauses sowie der<br \/>umgebenden Mauern: rosa, mintgruen und lavendel in abwechselnden breiten Streifen und damit<br \/>deutlicher Kontrast zur Lehmfarbe und Rostrot der Staedte und Doerfer) gehe bis zur 6. Klasse.<br \/>Danach muessten sie bis zur 11. ins benachbarte Mssici, wenn sie Abi machen wollten, bis nach<br \/>Tazzarine, wo sie dann zu mehreren eine Wohnung mieten muessten, weil es zum Pendeln zu weit<br \/>waere. Ob die Maedchen auch alle einen Schulabschluss machen, fragen wir. Die meisten gehen bis zur<br \/>11. Abitur macht keine. Sie heiraten dann. In welchem Alter? 18, sagt der Eine, 17, sagt der andere, 16<br \/>oder 15 der Dritte. Ja, was denn nun? Gibt es ein Gesetz gegen Kinderheirat? Ja, schon, aber im Dorf<br \/>interessiert das nicht. Ob ihre Eltern lesen und schreiben koennten. Nein, alle drei schuetteln mit dem<br \/>Kopf. Wieviele Kinder sie seien. 8, 7 und 6 respektive. Da wird sich wohl schon mit der Generation die<br \/>jetzt 25 ist, einiges veraendert haben. Die Frauen sind alle zur Schule gegangen und werden sicherlich<br \/>keine fuenf Kinder mehr bekommen.<br \/>Schliesslich verabschieden wir uns und fahren zur Hauptstrasse zurueck und weiter nach Tazzarine.<br \/>Kommen ueber eine Kuppe und vor uns liegt ein dunkelgruener, sehr breiter und sehr langer Streifen, der<br \/>den Biegungen des Wadi folgt. Herrlich, nach all der Trockenheit.<br \/>Im Reise Knowhow ist ein Platz mitten in der Oase eingetragen. Wir finden ihn. Es ist ein kleines Paradies<br \/>mit ein paar Zelten, die man mieten kann und einem recht kleinen Sandplatz fuer gerade mal 6 Womos.<br \/>Fuehlen uns so wohl, dass wir direkt bleiben. Betrieben wird der Platz von einem netten, jungen und sehr<br \/>zurueckhaltenden schwarzafrikanischen Marokkaner, Salem, sowie seiner Frau und deren kleiner<br \/>Tochter, die wie ein Schatten ihrem Papa folgt. Es ist ueppig gruen und kuehl und duftet betoerend nach<br \/>den in voller Bluete stehenden Orangenblueten. Wir freuen uns diebisch, machen noch einen<br \/>Abendspaziergang durch die riesige Oase, werden von jedem, aber auch wirklich jedem, total freundlich<br \/>begruesst.<br \/>12.3.<br \/>Heute frueh sind wir ein wenig ins Staedtel gegangen, das sich auf eine ca 1 km lange Strecke an der<br \/>Hauptstrasse mit dem Notwendigsten beschraenkt. Essen zum ersten Mal gegen Mittag Fleisch, seit wir<br \/>hier sind: gegrillte Kufta mit Brot. Sehr, sehr lecker! Ich kann endlich meine Postkarten aus Merzouga<br \/>wegschicken. Fragen beim Schlachter, was Fleisch so kostet. Zwischen 40 und 65 Dirham pro Kilo, also 4<br \/>bis 6,50 EUR - egal, ob Rind, Ziege oder Hammel. Das ist richtig viel fuer hier, wenn einer EUR 150 im<br \/>Monat verdient! Huhn ist wahrscheinlich billiger. Treffen noch einen Schweizer, dessen<br \/>Expeditionsfahrzeug wir mehrmals neugierig umrunden. Unangenehmer Mensch, oller Meckerer -<br \/>erinnert an Ruadi auf den Phillippinen - aber er hat eine sehr nette Frau, und sein Womoaufbau, den er<br \/>komplett selbst gemacht hat, ist echt Klasse!<br \/>Zuckeln wieder zurueck zu unserem Platz und geniessen die nachmittaegliche Ruhe unter den Palmen.<br \/>Ich korrigiere fuer Hana einen Text fuer die Uni, und Josef liest. Am Spaetnachmittag laufen wir nochmal<br \/>los. Diesmal ins Wadi-Bett. Auch hier viele aufgegebene Palmenplantagen und Aecker! Wie traurig. Die<br \/>Wueste ist eindeutig auf dem Vormarsch. Die Regierung versucht, die Entwicklung aufzuhalten, zum<br \/>Einen durch die tiefen Brunnen und die Solarwasserpumpen, zum Anderen bauen sie aus geflochtenen<br \/>Palmwedeln Zaeune in mehreren Lagen, von oben betrachtet wabenfoermig, um den Sand aufzuhalten. <br \/>Aber die muessten immer erneuert werden, genau wie die Lehmmauern und Trockenmauern, die hier in<br \/>der Oase den Sand raushalten sollen, die aber immer mehr zerbroeckeln.<br \/>Wir kommen an einer schoenen Lehm-Wohnburg vorbei und laufen auf das Grundstueck, um sie naeher<br \/>zu inspizieren.<br \/>Im Garten ist ein junges Paar, ein paar kleine Kinder, eines mit grossen hellblauen Augen. Wir werden<br \/>sofort freundlich begruesst und in den Garten eingeladen. Eine Matte und Kissen werden herbei<br \/>getragen, Tee gekocht, und wir unterhalten uns mit Saeed und seiner Frau Warda; Saeeds Mutter und die<br \/>zweite Schwiegertochter, Hafiza, begruessen uns auch. Schiegermutter huetet eine kleine Schafherde<br \/>und sitzt mit einer grossen Schere in der Hand da. Sie wollte die Schafe scheren, aber die Schere sei<br \/>stumpf. Morgen vielleicht. Warda hat die typisch berberischen Gesichtszuege: feine Nase und sehr helle<br \/>Haut. Ihr Mann sieht arabisch aus, und die beiden Kinder aehneln ihm. Die kleine blauaeugige Noura<br \/>gehoert zu Hafiza. Warda spricht nahostarabisch mit mir, so dass ich sie sehr gut verstehe. Sie habe es<br \/>von den Fernsehserien und Filmen gelernt, sagt sie. Allerdings hat sie Abitur und anschliessend Biologie<br \/>studiert, spricht sogar ein wenig Englisch. Sie stammt nicht von hier, sondern aus Tinehir, hat hierher<br \/>geheiratet. Die Arme! Aber sie beklagt sich nicht. Saeed arbeitet im Dorf Tazzarine in einem Cafe. Wir<br \/>fragen, ob wir beim Schafescheren zuschauen duerfen und was sie mir der Wolle machen. Gar nichts. Sie<br \/>scheren die Schafe nur, damit sie den Sommer mit 50 Grad besser aushalten. Josef fragt, ob sie ihm die<br \/>Wolle geben moechten. Klar! Also verabreden wir uns auf morgen 11:00. Das Haus, das in der Tat wie<br \/>eine Festung ausieht, mit allem Drum und Dran, hat Saeeds Urgrossvater oder sogar der davor gebaut.<br \/>Nun leben noch zwei verwandte Familien hier, haben allerdings hinten neu angebaut. Ich erzaehle ihnen<br \/>von unserem Campingplatz und frage sie, warum sie angesichts ihres riesigen Gartens, eigentlich kleine<br \/>Felder mit Dattelpalmen, nicht auch so etwas machen. Oder gar im Haus wenigstens ein oder zwei<br \/>Zimmer fuer Touristen herrichten. Es waere ein tolles Plaetzchen. Aber natuerlich fehlt das Geld, und<br \/>man braeuchte dafuer viele schwer zu bekommende Genehmigungen. Schade. Waere eine gute<br \/>Alternative zur Landwirtschaft, die ob der anhaltenden Duerre ohnehin immer muehsamer wird. Hier ist<br \/>die Klimaerwaermung defintiv angekommen. Wenn es so weiter geht mit den stetig austrocknenden<br \/>Brunnen und der immer naeher kommenden Wueste, werden die Menschen wegziehen muessen.<br \/>Touristen kaemen dann auch keine mehr, wenn alles tot ist. Was von dieser wirklich riesigen Oase wohl<br \/>uebrig sein wird in 10 oder 20 Jahren?<br \/>13.3.<br \/>Tuetteln nach dem Fruehstueck ein bisschen rum, putzen den Sand aus dem Womo, Josef fuellt mit Salah<br \/>Wasser auf, und auf 11:00 laufen wir zu Saeed und Warda. Die Frauen sitzen mit den Kindern in einem <br \/>grossen Raum mit hoher Decke, der daemmrig dunkel ist und bis auf Matten, Sitzkissen auf dem Boden<br \/>und einem Fernseher nur hunderte von Fliegen enthaelt, die alle bei den kleineren Kindern auf Mund,<br \/>Nase und Augen kleben. Zwei Cousinen sind zu Besuch da, eine mit einem kranken Kind. Es hat<br \/>Mandelentzuendung und offensichtlich hohes Fieber. Ob es eine Klinik am Ort gaebe, frage ich. Ja, aber<br \/>die staatliche sei sehr schlecht ausgestattet mit nur einem Arzt und keinerlei Geraeten. Ansonsten gibt es<br \/>noch zwei Privatpraxen, wo man jedoch zahlen muesse. Die Cousine war beim Privatarzt und hat<br \/>Antibiotika bekommen.<br \/>Saeeds Mutter fragt, ob wir noch immer zusehen wollten bei der Scheraktion. Klar. Wir gehen alle mit<br \/>hinaus in den Garten, dem ersten Schaf werden die Laeufe zusammen gebunden, und dann faengt sie mit<br \/>einer kleinen Haushaltsschere an, mit geuebten Handgriffen ganz eng an der Haut entlang zu schneiden.<br \/>Es ist muehsam mit dieser winzigen Schere. Ihre Schafschere ist stumpf und kaputt. Wir bieten an, ins<br \/>Dorf zu gehen, eine groessere zu besorgen und sofort wieder zu kommen. Nach langem Hin und Her<br \/>nehmen sie unser Angebot an, und wir laufen los, klappern alle Laeden ab und fragen nach Scheren.<br \/>Schliesslich kaufen wir die groesste Haushaltsschere, die wir finden koennen, und eine neue Schafschere,<br \/>laufen wieder zurueck. Muttern hat zwischenzeitlich mit ihrer Pipischere schon fast zwei geschoren, freut<br \/>sich ueber die neue Schafschere und schert Nummer 3. Das vierte muss warten. Sie ist traechtig und in<br \/>den letzten Zuegen, und Muttern will sie nicht stressen und damit womoeglich eine vorzeitige Geburt<br \/>ausloesen. Josef packt tatsaechlich die Wolle ein. Sie koennen es fast nicht glauben. Ich frage sie<br \/>nochmals, ob sie nicht etwas damit anfangen, Wolle spinnen, etc. Nein, die haben vieles schon verlernt.<br \/>Schade. Uns fiel gestern auch auf, dass die Palmen fast ueberall nicht richtig gepflegt werden, nicht<br \/>ordentlich beschnitten sind, Nebentriebe nicht weggeschnitten werden, teilweise sogar noch Datteln<br \/>vom Vorjahr drauf sind. Saeed erklaert uns, einer der Maenner, die normalerweise die Datteln ernten, sei<br \/>letztes Jahr abgestuerzt und gestorben; seitdem traue sich niemand mehr hoch. Dieser Mangel an<br \/>Eigeninitiative ist entsetzlich. Zum Nachbar hin ist bei irgendeinem Hochwasser vor Jahren die Mauer<br \/>eingestuerzt. Niemand fuehlt sich zustaendig und berufen, sie zu erneuern. Sie wissen nicht mehr, wie es<br \/>geht und haben kein Geld, jemanden zu beauftragen. Ausserdem sei der Nachbar Schuld und muesse die<br \/>Mauer ersetzten. Alles geht langsam kaputt, und man tut nichts dagegen. Ich glaube, ich wuerde<br \/>verrueckt, wenn ich das immer um micht haette. Warda zeigt uns noch den Weg zu einer weiteren alten<br \/>Lehmqasbah um die Ecke, und wir verabschieden uns. Laufen mit unserer Schafwolle spazieren und dann<br \/>wieder zum Womo zurueck, sind platt von dem endlosen Hin- und Hergerenne und chillen ein paar<br \/>Stunden in unserem lieblichen Gaertchen, das mittlerweile von lauter Franzosen besetzt ist. Die vier <br \/>Hollaender sind heute frueh weiter gefahren, aber der Platz ist schon wieder voll. Ich bin sicher, Saeed<br \/>und Warda koennten sich damit ein Zubrot verdienen.<br \/>Laufen am Spaetnachmittag nochmal los, suchen eigentlich ein in einer Qasbah untergebrachtes Museum<br \/>und ein Marabutgrab, finden aber nur das Grab. Marabuts sind Menschen mit besonderen Gaben, die<br \/>wie Heilige verehrt werden und deren Graeber immer wie kleine Moscheen aussehen und weithin<br \/>sichtbar sind, weil sie weiss getuencht werden.<br \/>Vorhin waren ein paar Wolken am Himmel, und seit morgens ist es recht truebe. Wir dachten schon, es<br \/>wuerde vielleicht regnen. Den Menschen hier waere es dringend zu wuenschen. Aber es ist mittlerweile<br \/>wieder klar.<br \/>14.3.<br \/>Verlassen Tezzarine nach dem Fruehstueck in Richtung Nekob, also Norden. Die Strecke fuehrt durch eine<br \/>breite Ebene mit recht viel Gruen, also wohl Wasser, und damit auch recht vielen Doerfern. Nekob liegt<br \/>am Fuss des Sargro-Massivs, einem oestlichen Auslaeufer des Atlas und die kaergste Gegend Marokkos.<br \/>Das Staedtchen wird ein wenig unterbewertet. Es stehen hier 45 Kasbahs, oder Wohnburgen, z.T. super<br \/>restauriert zu Hotels.<br \/>Wir laufen einige Zeit herum, bewundern die schoenen Lehmburgen mit ihren vier Ecktuermen, teilweise<br \/>verziert. Ein Mann sieht uns wohl herumstreichen und eilt mit den Schluesseln eines Hotels vorbei, das<br \/>offenbar trotz Hauptsaison voellig leer ist. Er macht eine Fuehrung mit uns und erklaert, ein Marokkaner<br \/>und ein Deutscher haben es gemeinsam saniert und umgebaut. Unterhalb des Hotels haben sie im alten<br \/>Stil noch ein Gaestehaus mit Apartments gebaut. Na dann, viel Glueck. Das wuenschen wir ihnen wirklich,<br \/>denn nur so kann diese wunderschoene alte Bausubstanz erhalten werden. <br \/>Wir trinken an der Hauptstrasse noch den obligatorischen Tee. Eine Wand im Teehaus ist dekoriert mit<br \/>der grossen Wandmalerei zweier Felsen, die an Monument Valley erinnern, und ich frage mich, ob es sie<br \/>wohl wirklich gibt oder ob sie der Fantasie des Kuenstlers entsprungen sind.<br \/>Wir fahren in die Berge, wissen nicht so recht, was uns erwartet. Laut unserer Karte ist die 80 km lange<br \/>Strecke, die wir fahren wollen, zur Haelfte Piste und zur Haelfte asphaltiert, die Aussagen der Leute in<br \/>Nekob sind jedoch widerspruechlich. Am Anfang der Strecke liegt ein Baustellenbuero, und wir fragen<br \/>dort. Der Mann erklaert uns, ca 50 km seien noch Piste, aber mit unserem Fahrzeug gut zu machen. Wir<br \/>vertrauen ihm, lesen Gott sei Dank vorher nicht in unserem Reise-Knowhow ueber die Strecke; sonst<br \/>haetten wir uns nicht getraut; da steht naemlich drin, dass es selbst mir 4 WD eine Herausforderung sei.<br \/>Jetzt wissen wir, was unser Womo kann. War nicht so schlimm. Mussten eben sehr langsam fahren, und<br \/>an manchen ganz steilen Stuecken haben die Raeder beim Bremsen blockert und der Koloss ist ein<br \/>bisschen gerutscht...bergauf hat der Allrad seine Leistung bewiesen.<br \/>Die Fahrt ging zunaechst recht entspannt los, dann steilste Piste und in Haarnadelkurven hinunter in den<br \/>Wadi. Das war das schwierigste Stueck.<br \/>Fuhren im Wadi bis Bab 'n Ali (das Tor von Ali), einem Dorf, das nach den zwei stelenartigen Felsen, die<br \/>oberhalb des Dorfes stehen, und die ich in der Teestube in Nekob gesehen hatte, benannt ist. Also gibt es<br \/>sie tatsaechlich!<br \/>Wir kaufen am Ortseingang einem huebschen Berbermaedchen ein umd denselben Troedel ab, den uns<br \/>immer die omanischen Kinder in den Doerfern aufgeschwatzt haben und fragen das Maedchen, ob man<br \/>zu den Felsen laufen kann. Kann man. Wir stellen das Womo ab und ziehen los. Zwar gibt es da auch noch <br \/>eine Schlucht, die mich ebenfalls sehr reizen wuerde zu erwandern, aber nun einigen wir uns erstmal auf<br \/>die Felsen. Machen einen Umweg, und kommen schliesslich von hinten heran. Auf dem Weg begegnen<br \/>uns so eine Art Eichhoernchen, sehen bestimmt fuenf oder sechs von ihnen. Sie sind sandfarben.<br \/>Es stellt sich heraus, dass es nicht nur zwei einzelne Felsen sind, sondern eine ganze Gruppe. Sie ragen<br \/>mindestens 50m auf und sehen wirklich imposant aus. Und immer wieder diese herrlichen Aussichten auf<br \/>das umliegende Gebirge. Wir umrunden sie und steigen den direkten Weg wieder hinab. Uns waren von<br \/>oben mehrere grosse, weisse Zelte unten am Dorfrand aufgefallen. Als wir dort ankommen, stehen da<br \/>mehrere Maultiere und ein Berg Gepaeck. Wir fragen die Maenner, die dort herum stehen, was es damit<br \/>auf sich habe. Sie seien die Lastentraeger fuer eine Gruppe von auslaendischen Wandern. Englaender<br \/>oder so. Wir begegnen ihnen. Es ist ein bulgarischer Reiseveranstalter, aber es sind auch ein paar<br \/>Andersprachige dabei. Sie wandern zwei oder drei Wochen lang durch Marokko. Super! Beneide sie ein<br \/>bisschen um ihre langen Wanderungen.<br \/>Eigentlich wollen wir hier uebernachten und morgen die Schlucht erwandern, aber Josef draengelt's ein<br \/>bisschen weiter, und dann kommt nochmal so ein Verkaeufer, der uns irgendeinen Kram aufschwatzen<br \/>will, und ich denke, wer weiss, wieviele da noch kommen. Wir fahren weiter. Der Track verlaesst den<br \/>Wadi und schraubt sich nach oben. Es ist unglaublich karg, die Landschaft atemberaubend schoen. Wir<br \/>suchen schliesslich einen Platz zum Uebernachten, und ich sehe auf der Karte, dass irgendwo dort oben<br \/>eine Auberge namens Tiza ist. Wir ueberholen eine Frau, die ein Kind auf dem Ruecken traegt, wie<br \/>uebrigens alle Frauen hier, denn weder gibt es fuer Kinderwagen Geld, noch ist das Terrain dafuer<br \/>geeignet. Ein zweites Kind zieht sie an der Hand hinter sich her. Alle drei haben von der Sonne verbrannte<br \/>Gesichter. Ihre Haut ist beinahe rotbraun. Wenig spaeter steht dort tatsaechlich mutterseelenallein auf<br \/>einem kleinen Plateau zwischen zwei Schluchten, direkt neben der Piste, eine kleine Ansammlung von<br \/>Steinhaeusern. Ein Junge kommt heraus und sagt, wir koennen bleiben.<br \/>Von unten ruft die Frau den Weg hinauf, er soll Teewasser aufsetzen fuer uns. Es ist seine Mutter.<br \/>Bezahlen unseren Obulus fuer den Stellplatz mit Aussicht, und ich frage den Jungen noch ein bisschen<br \/>aus. Er hat noch eine Schwester ausser den zwei Kleinen. Die lebt bei einem Onkel unten im Dorf, damit<br \/>sie zur Schule gehen kann. Er selbst fahre jeden Tag mit dem Motorrad eine Stunde runter ins Tal zur<br \/>Schule. Ob sie Ziegen und Schafe haben. Nein, nichts. Und wovon sie dann lebten? Denn dort oben gibt<br \/>es kein Wasser fuer Felder. Sein Vater verkaufe diesen Krempel an Touristen. Nicht zu glauben. Nachts<br \/>verkriechen wir uns recht bald, weil es kalt wird. Die Nacht ist so klar, dass die Sterne die Berge<br \/>beleuchten - man sieht die Konturen der Berge ganz klar gegen den Himmel, obwohl kein Mond am<br \/>Himmel ist. <br \/>15.3.<br \/>Der Junge schiebt gegen 7:30 sein Motorrad vorbei, dann kommt sein Vater hinterher; es ist der Mann,<br \/>der uns gestern Abend in Bab n Ali noch versucht hat, irgendwas zu verkaufen. Die Welt ist klein hier in<br \/>den Bergen. Laufen nach dem Fruehstueck auf eine Felsnase hinter dem Haus hinaus und schauen zu<br \/>beiden Seiten hinunter in eine Schlucht. Es gibt einen Weg hinunter. Die Frau des Hauses, das Kleine Kind<br \/>wieder auf dem Ruecken, der zweite spielt im Sand neben ihr mit eigentlich gar nichts, hockt hinter dem<br \/>Haus auf dem Boden und backt in einem aus Lehm und Stroh gemachten flachen Ofen Brot. Ich frage sie,<br \/>ob ich ihr spaeter ein Brot abkaufen kann. Dann zeigt sie uns den Weg hinunter in die Schlucht. Wir<br \/>sinnieren darueber, dass unsere Kinder nie und nimmer so klaglos den ganzen Tag auf unserem Ruecken<br \/>oder mit einer Handvoll Sand verbringen wuerden. Ich frage mich, wie die Frau es hier oben aushaelt. Ich<br \/>konnte mich nur schwer mit ihr verstaendigen. Sie spricht nur Amazigh, ganz wenig Franzoesisch und fast<br \/>kein Arabisch. Sicher ist sie nie zur Schule gegangen. Ihr Mann verlaesst offenbar morgens mit dem<br \/>grossen Sohn das Haus und versucht den ganzen Tag, unten im Tal seinen Kram unter die Leute zu<br \/>bringen, und sie ist mutterseelenallein dort oben mit den zwei kleinen Kindern. Sie stammt aus einem<br \/>anderen Dorf weiter weg, sieht wahrscheinlich nur ganz selten mal andere Menschen. Fuer sie waere es<br \/>gut, wenn die Strasse bald asphaltiert wird; dann kaemen vielleicht mehr Menschen dort vorbei.<br \/>Die Wanderung hinunter ist schoen. Wir klettern durch das ausgetrocknete Bachbett ueber Hinkelsteine,<br \/>mal groesser, mal kleiner, vielleicht ein Drittel oder noch weniger des Weges hinunter in den Wadi. Wir<br \/>koennen nicht bis ganz runter; das waere zu lang und zu anstrengend. Aber die Perspektiven und<br \/>Aussichten sind wieder grandios. Direkt neben uns immer wieder riesige Felssaeulen, weiter unten samtig<br \/>gruene, ebenere Flaechen und in der Ferne vor uns endlose Berge in allen Grau- und Blautoenen.<br \/>Darueber der tiefblaue Gebirgshimmel. Ein Traum. Wuerde hier gern noch mehr wandern. Vielleicht<br \/>spaeter. Jetzt kehren wir um, ich kaufe unserer \"Vermieterin\" noch ein Brot ab, und wir erklimmen die<br \/>letzten ca 200 Hoehenmeter bis zum Hochplateau und Pass (2300 m?). Erst recht steil und engkurvig,<br \/>dann sanft geht es auf der anderen Seite wieder hinunter. Durchqueren ein breites Hochtal und sind<br \/>dann auf dem asphaltierten Teil, verlassen das Sarqro-Massiv, vor uns langweiliges Flachland und<br \/>dahinter die hoch aufragenden, schneebedeckten Berge des Atlas. Fahren zuegig bis zur<br \/>Ostwestverbindung zwischen Ouarzazate und Rashidya und auf dieser ins nahe Boumalne du Dades, dem<br \/>Zugang zur Dades-Schlucht, Teil des Atlas und unser naechstes Ziel. Decken uns wieder mit ein paar<br \/>Lebensmitteln ein und fahren in die Schlucht. Nach all dem wasserlosen Grau, Braun und Beige ist die<br \/>Schlucht ein ganz unglaublicher Kontrast: Der Dades sprudelt, viel Schmelzwasser fuehrend, braun und<br \/>schnell durch das streckenweise breite Tal mit knallgruenen Feldern, hohen Silberpappeln, Olivenhainen,<br \/>bluehenden Mandel- und Aprikosenbaeumen, dann wieder durch ganz schmale Durchgaenge mit hoch<br \/>aufragenden Felswaenden zu beiden Seiten. Die lehmroten Doerfer und die dahinter liegenden dunkel<br \/>orangefarbenen Berge bilden einen herrlichen Kontrast. Immer wieder ragen Lehmwohnburgen auf,<br \/>teilweise schoen restauriert. Wir sind zum ersten Mal in einer richtigen Touristenecke, sehen aber kaum<br \/>Touristen, nur viele, viele Unterkuenfte und Restaurants. Sie leiden hier sehr unter den Unruhen in der<br \/>arabischen Welt, obwohl es bisher friedlich ist. Es muessten viel mehr Touristen hier sein um diese<br \/>Jahreszeit. Wir fahren noch ein Stueck den Dades hinauf. Es wird immer kuehler und windiger, aber<br \/>dafuer auch weniger mit Hotels gespickt. Ein alter Mann winkt an der Strasse und bedeutet uns, er<br \/>brauche Wasser zu trinken. Ich gebe ihm eine unserer Flaschen. Da fragt er nach twas zu essen. Also gebe<br \/>ich ihm ein Brot und La Vache Qui Rit Kaeseecken. Er wittert Morgenluft und fragt nach Kleidung und<br \/>Schuhen. Nun ist dann gut. Ich gebe ihm die immer wiederholte Formel \"Allah ye3ounak\" mit auf den<br \/>Weg, was soviel bedeutet wie \"Gott helfe dir\", er bedankt sich mit einem \"Ameen\" (Amen) und trollt sich.<br \/>Das erleben wir noch oft.<br \/>Wir finden einen netten Platz direkt am Dadesufer, lieblich mit zwei kleine jurtenaehnlichen Rundbauten<br \/>und zwei runden weissen Zelten, ansonsten Baeumchen und kleinen Sitzecken ausgegestattet. Es ist ein<br \/>wenig verwahrlost, aber sieht aus, als wuerden Hippies das Anwesen fuehren. Wir sind die einzigen<br \/>Gaeste. Ein Mann kommt und begruesst uns, er sei aber nicht der Verantwortliche; der kaeme<br \/>irgendwann.<br \/>Wir drehen noch eine kleine Runde, aber weit geht es nicht, denn die Schlucht verengt sich derart, dass<br \/>gerade mal Platz ist fuer den tobenden Fluss und eine schmale, aus dem Fels heraus gekratzte Strasse.<br \/>Trauen uns erst einmal nicht da durch. Auf der anderen Strassenseite gibt es noch zwei Restaurants, die<br \/>aber auch wie ausgestorben wirken. Dann kommt doch ein Mann heraus und begruesst uns, fragt, ob wir<br \/>essen moechten. Wir sagen ihm, vielleicht morgen, versprechen jedoch nichts, weil wir nicht recht<br \/>wissen, ob wir bleiben. Es ist naemlich so, dass wir gestern in kurzer Hose und T-Shirt bei lieblichen 20 -<br \/>25 Grad durch die Schlucht im Sargro gewandert sind, die Temperatur hinter dem Pass, also auf der<br \/>Nordseite dann jedoch schon um ein paar Grad gefallen war, und als wir hier die Dades-Schlucht hinauf<br \/>fuhren, immer mehr fiel. Und es blaest ein strammer, kalter Wind. Mal wieder. Wir stehen mit der Nase<br \/>direkt am Dades; auf der anderen Uferseite, etwas versetzt, ist ein offenkundig stillgelegtes Hotel, auf<br \/>dieser Seite das ehemalige dazugehoerige Restaurant und Parkplaetze. Ziemlich haesslich, das gesamte<br \/>Ensemble. Wir gucken halt zur anderen Seite. Irgendwann taucht der freundliche Yousef auf, der<br \/>Verwalter hier.<br \/>Das Plaetzchen gehoert einer Schweizerin, erklaert er uns; also, sie hat es gepachtet vom<br \/>Restaurantbesitzer gegenueber, der uns bekochen wollte, und hat es gestaltet, sei jedoch nur ab und zu<br \/>hier. Sie ist Lehrerin in der Schweiz. Der eine Rundbau und die Zelte werden im Sommer, wenn hier in<br \/>den Bergen wohl Touristensaison ist (drum wirkt jetzt alles so ausgestorben), vermietet. Den anderen<br \/>bewohnt er, wenn er hier ist, denn seine Familie lebt im Dorf hinter der Engstelle der Schlucht. Ansonsten<br \/>ist es das Reich der Schweizerin. Total gemuetlich, mit kleiner offener Kueche, einem vollen Buecherregal<br \/>als Raumteiler, einer netten Sitzecke und einem kleinen Holzofen.<br \/>16.3.<br \/>Morgens gehe ich zu Yousef, der hier uebernachtet hat (es laeuft \"Purple Rain\" im Hintergrund), und<br \/>frage ihn, ob wir Wasser auffuellen koennen bei ihm, komme ein bisschen ins Gespraech, frage ihn, wie<br \/>er die Abende hier rum bringt, und er zeigt mir Muetzen, die er strickt. Huch! Er ist gar kein Hippie,<br \/>ausser, dass er die westliche Musik gern hoert und hin und wieder einen Joint zieht, was jedoch hier<br \/>offenbar nicht ungewoehnlich ist. Ja, also die Muetzen. Die Wolle mache seine Frau. Ob sie auch<br \/>Teppiche mache? Klar, sagt er. Ich erzaehle ihm, dass wir, seit wir hier sind, auf der Suche nach einer <br \/>direkten Teppichquelle sind. Er bietet ganz unaufdringlich an, mit uns ueber den Berg ins Dorf zu laufen,<br \/>damit wir die Teppiche seiner Frau ansehen koennen. Gesagt, getan. Josef ist etwas ueberrumpelt, findet<br \/>es aber natuerlich auch spannend. Der Wind ist eisig und es graupelt, als wir loslaufen, und wird auf freier<br \/>Strecke oben auf dem Berg so stark, dass er mich fast umweht. Aber es ist super schoen, die gefaeltelten<br \/>braunen Berge um uns herum der Hammer. Bis vor drei Jahren gab es die eroehte und befestigte Strasse<br \/>an der Schluchtenge nicht. Da sind die Leute durch den Wadi gelaufen und gefahren, und im Winter gar<br \/>nicht bzw. zu Fuss eben ueber den Bergpfad, den wir jetzt nehmen. In den USA hatten die Trails so nette<br \/>Namen wie Angel's Landing oder Porcupine Creek. Den hier muesste man analog Dogshit Trail nennen. Ist<br \/>wie die Hunderunden ausserhalb der Staedte und Doerfer in Deutschland, nur ohne Gras, das drueber<br \/>waechst, ohne Regen, der es weg waescht, und ohne schwarze Plastiktueten. Mit uns laeuft Bruno, der<br \/>junge Mischlingshund von Yousef, der ganz ausser sich ist vor Freude ueber den \"Spaziergang\" (Yousef<br \/>laeuft unlgaublich schnell und entspannt vorweg; wir haben ein wenig Muehe, hinterher zu kommen).<br \/>Nach etwa 20 Min Fussmarsch stramm bergauf, laufen uns zwei klaeffende Hunde entgegen. Bruno<br \/>versteckt sich hinter uns. Da ist am Berg eine gemauerte Einfriedung mit Ziegen und Schafen darin. Ein<br \/>recht junger Mann mit wettergegerbtem Gesicht steht dort. Daneben ist der niedrige Eingang zu einer<br \/>Hoehle. Eine Frau und ein kleiner Junge kommen heraus und begruessen uns scheu aber sehr freundlich.<br \/>In der Hoehle sitzt noch ein kleines Maedchen auf einem Deckenlager. Sie ist erkaeltet und muss das Bett<br \/>hueten. Es sind Berbernomaden, alles sehr schoene Menschen. Wir haben ueber sie gelesen. Es ist so kalt<br \/>und windig hier oben, und der einzige Schutz ist diese kleine, dunkle Hoehle. Sie besitzen fast nichts,<br \/>ziehen tatsaechlich umher: Im Winter sind sie am Fuss des Jebel Sargro unten in der weiten Ebene, die<br \/>wir durchquert haben. Jetzt im Fruehjahr ziehen sie hier rauf in die Flusstaeler, und in ein paar Wochen<br \/>gehen sie weiter hinauf in den Hohen Atlas, wo sie den Sommer verbringen.Yousef erzaehlt uns, die<br \/>meisten ihrer Familienangehoerigen seien mittlerweile sesshaft, aber sie haetten dieses Leben gewaehlt,<br \/>es gefalle ihnen. Es wirkt so hart und entbehrungsreich. Zwei ihrer fuenf Kinder sind gestorben. Den<br \/>Aeltesten sehen wir nicht, er ist mit einer Herde weiter oben unterwegs. Wir verabschieden uns und<br \/>laufen weiter den Berg hinauf, treffen nach einiger Zeit wieder auf bellende Hunde und das naechste<br \/>Lager. Diese Familie wohnt in einer Steinhuette. Die Frauen und Maedchen verstecken sich vor uns; der<br \/>Mann bietet Tee an. Wir lehnen dankend ab. Die Ziegen und Schafe laufen herum, in einer Einfriedung<br \/>ein paar der fuer den Maghrib offenbar typischen Kamele: klein und mit ganz dunklem Fell. Ihr Hab und<br \/>Gut ist hinter der Huette unter Plastikplanen verstaut. Auch sie ziehen in zwei Wochen weiter. Ich frage,<br \/>ob die Huette ihm gehoere. Yousef sagt, nein. Die habe irgend jemand irgendwann gebaut. Auch die<br \/>Hoehlen seien sozusagen Gemeinschaftseigentum. Wer zuerst kommt, bewohnt sie fuer die Zeit, die er<br \/>da ist. Der Mann bittet Yousef um eine Zigarette. Ich gebe ihm noch welche von mir, und wir laufen<br \/>weiter, kommen an Loechern im Boden vorbei, wo irgendwann Kupfer gewonnen wurde. Ploetzlich<br \/>koennen wir hinunter schauen ins Dades-Tal, und vor uns liegt das malerische alte Dorf mit seinen<br \/>lehmfarbenen Wohnwuerfeln und daneben das neue Dorf mit den rot gestrichenen, verputzten<br \/>Haeusern. <br \/>Dazwischen ganz viel Gruen. Wir durchqueren einen bluehenden Mandel- und Pfirsichhain, der an den<br \/>kargen Hang gepflanzt wurde. Hier kommt eine kleine Quelle aus dem Berg. Yousef erklaert uns, dass sich<br \/>leider niemand mehr kuemmere um das Fleckchen, die Eigentuemer im Land verstreut und zerstritten<br \/>seien. Wie bei uns mit den Streuobstwiesen. Der Weg geht in langem Zickzack hinunter ins Dorf. Yousefs<br \/>Haus bestand urspruenglich aus einer in den Berg geschlagenen Hoehle, davor ein kleiner Lehmbau als<br \/>Kueche, dazwischen ein Lichthof. Mittlerweile ist der Lichthof umbaut und ueberdacht, aber die Hoehle<br \/>ist nach wie vor das einzige richtige Zimmer mit Matten auf dem Boden, der aus gestampftem Lehm<br \/>besteht, wie die Waende. Im Dach ueber dem ehemaligen Lichthof ist eine Luecke, damit ein wenig Licht<br \/>eindringen kann. Es ist nur eine im Wind flatternde Plane darueber. Ansonsten steht im Lichthof ein<br \/>grosser Webstuhl, mit dem seine freundliche Frau Fatima die Teppiche herstellt. Sie holt einen Korb mit<br \/>gesponnener Wolle, zeigt uns wie sie die Wolle kaemmt und dann zu einem Faden spinnt. Sie macht alles<br \/>selbst - nur das Faerben nicht.<\/p> <p>Zwei kleinere Kinder springen herum, es kommen noch zwei weitere dazu. Insgesamt haben sie neun<br \/>Kinder, wovon die vier juengsten noch zuhause leben. Das allerjuengste, gerade mal fuenf, ist das einzige<br \/>Maedchen. Die anderen sind ueberall im Land verteilt. Yousef sagt, er sei 51. Seine Frau wirkt viel aelter,<br \/>abgearbeitet. Sie haben beide sehr schlechte Zaehne. Aber sie wirken froh und zufrieden und gehen alle<br \/>sehr freundlich und respektvoll miteinander um. Es gibt den obligatorischen Tee (Seit wir hier sind, habe<br \/>ich davon bestimmt schon 100 L getrunken, obwohl wir 9 von 10 Einladungen zum Tee ausschlagen, weil<br \/>wir sonst den ganzen Tag nichts anderes machen wuerden.) Wir sitzen auf den einzigen Moebelstuecken,<br \/>kliztekleinen Hoeckerchen, und der Tee steht auf einem runden niedrigen Tablett-Tisch. Wir kommen<br \/>zum geschaeftlichen Teil, schauen uns Teppiche ueber Teppiche an, entscheiden uns fuer 3 Stueck und <br \/>legen sie zur Seite. Trinken die zweite Kanne Tee, waehrend Fatimas Mutter herein schlurft, uns<br \/>freundlich begruesst und sich dann in der duenklen Kueche neben das Fenster, das praktisch kein Licht<br \/>herein laesst, auf ein Hoeckerchen setzt. Sie lebt auch hier. Ob sie auch mit in der Hoehle schlaeft?<br \/>Wahrscheinlich. Anschliessend kommen zwei der Jungen aus der Schule. Der andere, der schon da war,<br \/>hat erst am Nachmittag Schule. Sie unterrichten hier im Zweischichtbetrieb, weil es zu viele Kinder und zu<br \/>wenige Schulen gibt. Zwischenzeitlich hat Fatima, in der Kueche auf dem Boden hockend, auf einem<br \/>gewebten Plastiksack Teiglinge zu Fladenbroten geformt und gebacken. Es gibt ein Schuesselchen<br \/>Olivenoel dazu und ist fuer uns alle das Mittagessen. So genuegsam und so lecker! Yousef erzaehlt, zwei<br \/>Fernsehsender haben schon Reportagen ueber ihn und Fatima gemacht. Er fertigt traditionelle Sandalen<br \/>und sie die Teppiche. Darueber gibt es wohl auch Filme auf You Tube. Muessen wir mal suchen.<br \/>Danach kommen wir zum geschaeftlichen Teil, und es beginnt eine lange, freundliche Verhandlung.<br \/>Yousef tut so, als sei Fatima die Strenge, als wuerde er uns gern einen besseren Preis machen. Wir<br \/>einigen uns irgendwie, wollen dann zum RV zurueck laufen, damit herfahren und die Teppiche<br \/>einsammeln. Als wir hinaus kommen, ist es sonnig und warm, nichts von dem kalten Wind zu spueren,<br \/>der uns auf dem Weg hierher die Wangen zum Gluehen gebracht hat. Yousef kommt mit uns raus und<br \/>zeigt uns den Rest seines Grund und Bodens hangaufwaerts. Und siehe da: er ist keineswegs so arm wie<br \/>es den Anschein hat. Neben dem Haus, das sie bewohnen, steht nochmal ein aelteres, ebenfalls vor eine<br \/>Hoehle gebaut, aber solider und heller. Dort hat er seine Ausstellungsraeume fuer seine Sandalen und<br \/>allerhand anderes. Oberhalb seines Hauses schlaegt er gerade mit dem Pickel eine weitere Hoehle in den<br \/>Berg. Hier soll ein weiteres Haeuschen entstehen. Und daneben hat er ein viertes Haus in Arbeit. Es<br \/>besteht aus zwei Zimmern uebereinander. Sehr schoen gearbeitet. Fuer wen das alles? Fuer seine vielen<br \/>Kinder, sagt er. Na, hoffentlich bleiben die dann auch im Dorf, und er macht nicht alles umsonst. Ich<br \/>wundere mich, dass er mit seiner Frau im dunkelsten der Haeuser wohnt. Waehrend wir das alles<br \/>bewundern, rennt Bruno, der Hund, davon und jagt eine Nachbarshenne. Josef und Yousef springen<br \/>hinterher und holen ihn zurueck. Kaum laesst Yousef seinen Nacken los (ein Halsband gibt es nicht),<br \/>springt er wieder zurueck. Die zwei Jungen rennen ihm hinterher. Schliesslich machen wir uns auf den<br \/>Weg, diesmal die Strasse entlang, zurueck zum Womo. Einer der Soehne, der sechsjaehrige Amin, und<br \/>Hund Bruno begleiten uns huepfend und taenzelnd, dass mir ganz schlecht wird, weil es direkt neben der<br \/>Strasse senkrecht runter in die Schlucht bzw den tobendes Dades geht. Packen alles zusammen, tanken<br \/>noch Wasser, lassen Bruno dort und fahren mit dem total gespannten Amin auf dem Vordersitz zurueck<br \/>ins Dorf zu seinen Eltern, laden die Teppiche ein und die Wolle aus Tazzarine aus (Hatten beschlossen, sie<br \/>Fatima zu schenken; sie faengt damit mehr an als wir) und sagen Yousef, dass wir eventuell heute Abend<br \/>zurueck kommen, jedoch zunaechst das Dades-Tal bis zum Ende der Teerstrasse hochfahren wollen. Die<br \/>Fahrt ist sehr spannend, die Doerfer ganz unwahrscheinlich, die Ausblicke unglaublich. Oben in einem<br \/>Hochtal liegt M'Samrir, ein erstaunlich grosses Dorf, sehr zersiedelt. Hier oben herrscht noch tiefster<br \/>Winter. Es sind nur 3 Grad, der Wind pfeift, und alles ist noch kahl. Das ganze Dorf ist dunkelbraun: die<br \/>Haeuser, die hier aus dunkelbraunem Stein sind, der dunkelbraune Steinboden, die dunkelbraune Erde<br \/>auf den Feldern. Es wirkt trostlos, aber die Leute sind freundlich, wie alle Berber bisher. Wir machen uns<br \/>auf den Rueckweg, kommen wieder bei Yousef an, trinken in seiner Jurte noch einen Tee mit ihm und<br \/>gehen bald ins Bett. Es ist lausig kalt.<br \/>17.3.<br \/>Verabschieden uns morgens von Yousef. Er schenkt Josef eine seiner selbstgestrickten Muetzen und mir<br \/>eine Miniaturausgabe seiner Berbersandalen. Ich haenge sie ans Autofenster zu den Troddeln, die wir<br \/>den Berbermaedchen am Sargro abgekauft haben. Moegen sie uns Glueck bringen. Wir fahren wieder die <br \/>Schlucht hinunter bis nach Ait Arbi, wo der Einstieg in die Gorge Doigt du Singe (Affenfingerschlucht) ist.<br \/>Laufen los und haben im Dorf ganz rasch zwei Jungen an den Fersen, die uns fuehren. Es sind zwei oder<br \/>drei Touristengrueppchen mit marokkanischem Fuehrer unterwegs. Die sind zu uns immer sehr<br \/>unfreundlich; die wissen, dass wir ihre Dienste nicht wollen und brauchen und sind bestimmt sauer, weil<br \/>die Dorfkinder immer Fuehrer spielen und ihnen ihr Geschaeft wegnehmen. Unsere beiden Jungs klopfen<br \/>an eine Kasbahtuer, und ein Weib, duerr mit schiefen Zaehnen und Schielaugen, aber sehr freundlich,<br \/>macht uns auf und geht mit uns durch die Wohnfestung. Sie wohnt daneben in einem neuen kleinen<br \/>zementierten Haus, und die Kasbah verfaellt allmaehlich.<\/p> <p>Wir verabschieden uns dankend von ihr und den beiden Jungen, denn sie muessen in die<br \/>Nachmittagsschule, entrichten an alle drei einen kleinen Obulus, wie es erwartet wird, und suchen nach<br \/>dem Schluchtzugang. Kommen an einem Kindergarten vorbei, ein dunkler Raum, der nur durch die Tuer<br \/>Licht bekommt. An Schulbaenken sitzen Kinder von 3 bis 6 Jahre alt, malen oder schreiben, je nachdem,<br \/>was sie schon koennen. Es gibt keine Spielsachen, keine gemuetliche Ecke, wo die Kinder auf dem Boden<br \/>spielen koennten, nur den nackten Estrich. Wenn ich das mit unseren Kindergaerten vergleiche,....!<br \/>Der naechste Junge, Hassan, heftet sich an uns, als wir nach dem Schluchtzugang suchen. Gut so, denn<br \/>wir haetten es ohne ihn nie gefunden und, wenn doch, uns auch gar nicht weiter hinein getraut. Denn die<br \/>Schlucht windet sich ganz eng. Wir muessen durch Wasser, an glatten Waenden hoch, unter riesigen<br \/>Hinkelsteinen hindurch. Da er vorweg geht und uns immer zeigt, wo wir den Fuss hinsetzen muessen, wo<br \/>wir uns festhalten und hochziehen koennen, geht es. Nach etwa einer Stunden kommen wir aus der<br \/>engen Schlucht, und Hassan will den Trampelpfad zurueck ins Dorf laufen. <br \/>Wir wollen noch ein Stueck weiter, verabschieden uns von ihm, da der Rueckweg ueber den Pfad wohl<br \/>einfach ist, versprechen ihm einen kleinen Lohn, haben aber nicht genug dabei jetzt. Laufen weiter hinauf<br \/>und kommen in ein Hochtal mit zwar angelegten jedoch nicht eingesaeten Feldern. Sehen ein paar leere,<br \/>verlassene Behausungen, in der Ferne klaefft ein Hund. Hassan hatte gesagt, hier oben seien Beduinen<br \/>mit ihren Herden. Wir sehen nur in der Naehe des Hundes einen Menschen, drehen aber dann<br \/>irgendwann um. Von den anderen Touristen sehen wir nur ein Paerchen, aber ohne Fuehrer, die bis oben<br \/>hin durch den engen Canyon geklettert sind. Chapeau - so ganz allein.<br \/>Ein Trampelpfad fuehrt hinunter in einen Parallel-Wadi, der im gleichen Dorf endet. Wir nehmen den und<br \/>laufen, unten angekommen, ca. 2 km lang durch einen sehr breites, knochentrockenes Kies-Wadi,<br \/>kommen am anderen Ende des Dorfes raus. Hier kommt kurz vor dem Dorf und dem Dades eine Quelle<br \/>aus der Wand, und gleich sind da schoen gruene Felder. Man sieht, dass da irgendwann riesige<br \/>Wassermassen alles mitgerissen haben, armierte Felderbegrenzungen wie Deiche liegen kreuz und quer<br \/>herum. Wir fragen einen Bauern, und er zeigt uns, dass im Winter 2016\/2017 das Wasser die Haelfte<br \/>seiner Felder mitgenommen hat. Da springt keine Regierung ein und zahlt Entschaedigungen, wie bei uns<br \/>den Obstbauern nach den Frostschaeden im Fruehjahr letzten Jahres. Wenn die Leute nicht mehr genug<br \/>Nahrungsmittel selbst produzieren koennen, sind sie gezwungen, abzuwandern. Denn hier gibt es keine<br \/>Jobs.<br \/>Muessen nochmal zum anderen Ende laufen, um Hassan sein wohl verdientes Entgelt fuer die gute<br \/>Fuehrung durch den Canyon zu geben. Am Ende sind wir heute ueber 5 Stunden gelaufen. Reicht dann<br \/>auch. Ueberlegen kurz, ob wir im Kies-Wadi uebernachten, verwerfen es dann jedoch und fahren ein<br \/>Stueck weiter zum einzigen Restaurant, dessen Terrasse noch in der Sonne liegt. Bis unser bestelltes<br \/>Couscous kommt, ist die Sonne allerdings hinter dem Berg verschwunden und wir muessen drinnen<br \/>essen. Schmeckt uebrigens fad, wie alles bisher, was wir nicht selbst gekocht haben, bis auf den Gockel in<br \/>Midelt und das Kebab an der Strasse. Vielleicht koennen sie nur Fleisch richtig gut.<br \/>Kurz vor Ende der Dades-Schlucht fahren wir in ein Kies-Wadi, und hier stehen wir nun und hoffen, dass<br \/>die Vorhersage mit 0% Regenwahrscheinlichkeit stimmt.<br \/>18.3.<br \/>Geregnet hat es nicht, und windig war es auch nicht. Dennoch haben wir beide ein bisschen unruhig<br \/>geschlafen - zum Einen, weil es halt doch nicht ganz ungefaehrlich ist, im Wadi zu sein; zum Anderen, weil<br \/>die Piste nach hinten in die Doerfer an uns vorbei fuehrt und mitten in der Nacht noch oder schon wieder<br \/>Wagen vorbei fahren. Aber dafuer hatten wir wieder einen ganz unglaublichen Sternenhimmel! Morgens <br \/>sitzen zwei Ziegenhueterinnen auf einer Anhoehe und schauen unverwandt und reglos bis zu unserer<br \/>Abfahrt zu uns herunter, winken auch nicht, als wir winken, was hier schon sehr ungewoehnlich ist. Denn<br \/>es gruesst uns praktisch jeder, der uns begegnet, so dass wir taeglich hunderte von Malen winken und<br \/>Salaam Aleikum rufen.<br \/>Wir fahren zurueck zum Hauptfluss, dem Dades, und den hinunter, bis wir wieder nach Boumalne du<br \/>Dades kommen. Ich sehe von der Strasse ein Hinweisschild zum Hammam. Es ist Zeit, Haare zu waschen.<br \/>Josef laeuft ins Staedtel, und ich gehe duschen.<br \/>Ist genauso aufgebaut wie das in Debdou, ausser dass es nur einen Eingang gibt und Maenner und Frauen<br \/>zu unterschiedlichen Zeiten baden. Auch hier wird das Eintrittsgeld von 1,50 EUR von einem Mann<br \/>kassiert. Dahinter eine Sammelumkleidekabine mit einer durchsetzungsstarken Bademeister-Dragonerin,<br \/>die mir Eimer und Schoepfer gibt und meine Sachen fuer mich aufbewahrt, dahinter 3 gekachelte,<br \/>vollkommen schmucklose Raeume, wovon der erste der kuehlste ist, der dritte dem Holzofen am<br \/>naechsten und also wie ein Dampfbad ist. Es ist recht voll, weil es Samstag ist und die Leute frei haben.<br \/>Wieder lauter wunderschoene Frauen und Maedchen und ein paar kleine Kinder. Schoene, sehr<br \/>beschauliche Stimmung, wie alle an sich herum schrubben.<br \/>Mit frisch gewaschenem Haar folgen wir dann der N10 Richtung Westen. Die ist richtig viel befahren,<br \/>denn es ist suedlich vom Atlas die wichtigste Ost-West-Verbindung. Trinken am Wegesrand einen Tee<br \/>und schauen dem Verkehr zu. Es sind viele Touristenbusse und Jeep-Touren unterwegs. Nach gerade<br \/>einmal 24 km, in Qala'at Al Mgouna biegen wir zum sogenannten Rosental nach Norden ab. Laut unserem<br \/>Wanderbuechlein gibt es hier ein paar schoene Touren zu laufen. Fahren bis nach Bou Thrarar auf 1600m<br \/>hoch, was eigentlich das Ende der Teerstrasse sein soll, bevor sich die Piste weiter hinauf in den Atlas<br \/>windet. Dort fliessen zwei Fluesse zusammen, und das Dreieck ist wunderschoen gruen mit Espen,<br \/>kleinen in Terrassen angelegten Feldchen fuer Weizen und Gerste, Mandel- und Aprikosenbaeumen, die<br \/>eben bluehen, sowie natuerlich Rosen, fuer die dieses Tal, wie die ganze Gegend, beruehmt sind.<br \/>Allerdings bluehen die erst im Mai. Parken an der Strasse und versuchen, den Einstieg zur beschriebenen<br \/>Wanderung um die Oase zu finden, was aber ganz unmoeglich ist, weil uns, erstens, orkanartiger Wind<br \/>aus dem Tal entgegen blaest, und weil der Fluss, zweitens, zu viel Wasser fuehrt. Also laufen wir der Nase<br \/>nach in die anderen Richtung, was auch sehr schoen ist. Erst ein bisschen durch das alte Dorf. Es<br \/>begegnen uns, wie immer, viele Kinder, auf dem Heim- oder Schulweg. Sie wollen immer \"un stylo\" <br \/>(Kugelschreiber), die Jungs oft einen \"ballon\" (Ball), ansonsten wahlweise Bonbons oder einen Dirham.<br \/>Wir haben schon Dutzendweise Kugelschreiber gekauft und an Kinder verteilt, ab und zu auch Datteln,<br \/>aber Geld eher nicht. Man erzieht sie ja zum Betteln. Im Wadi sitzen Frauen und waschen Waesche,<br \/>ebenfalls ein omnipraesenter Anblick. Nach drei Stunden kehren wir zum Auto zurueck. Dort sitzen treu<br \/>und redlich zwei Jungen, die sich zum Parkwaechter ernannt und denen wir einen Dirham versprochen<br \/>hatten, wenn sie beim Auto bleiben - obwohl ich hier nie Angst ums Womo habe, ausser in den Staedten.<br \/>War mehr eine ABM als Notwendigkeit.<br \/>Wir beschliessen, noch ein wenig hoeher zu fahren, bis zum Ende der Asphaltstrasse und ggf zurueck zu<br \/>kommen und hier im Wadibett zu uebernachten. Die Strasse fuehrt hinaus aus der Oase und auf 1800m<br \/>hinauf. Im Hintergrund begleiten uns immer die schneebedeckten Haenge des Hohen Atlas.<br \/>Seltsamerweise wird es hier oben immer waermer und windstiller. Am Ende sind wir in einem sehr<br \/>grossen Hochtal, dass offenbar viel Wasser bietet, denn hier sind unerwarteterweise viele Doerfer, eines<br \/>huebscher als das andere, die Lehmhaeuser hier tiefrot.<br \/>Am Ende der Strasse, zwischen zwei Oasen, finden wir gleich hinter den letzten Mandelbaeumen ein<br \/>ebenes Plaetzchen - der Fussballplatz des Dorfes - mit grandiosem Blick auf die Schneeberge vor uns und<br \/>die Mandelbaeume hinter uns. Es ist Sonntag, und wir gucken Tatort - man soll es nicht glauben. Josef ist<br \/>ganz begeistert von seinem Spielzeug. Sobald wir irgendwo fuer die Nacht ankommen, faehrt er die<br \/>Antenne raus.<br \/>Ich gehe, wie jeden Abend, noch einmal raus, eine rauchen, und den Sternenhimmel geniessen. Seit<br \/>einigen Tagen haben wir keinen Mond.<br \/>19.3.<br \/>Wollen einen Spaziergang machen und laufen Richtung Schneeberge. <br \/>Kommen ueber eine Kuppe, und siehe da, unter uns ist ein breiter Wasser fuehrender Wadi, und einige<br \/>Frauen sind am waschen. Das will ich auch schon seit Tagen machen, und wir laufen zurueck, holen<br \/>Waesche, Eimer und Seife und gesellen uns zu den Waschfrauen.<br \/>Werden auf dem Weg wieder von einer Horde Jungs begleitet, die sich aber beim Waeschewaschen rasch<br \/>langweilen und trollen. Als unsere Waesche eben fertig zum Ausspuelen ist, versiegt das Wasser<br \/>ploetzlich. Erst jetzt kapieren wir, dass das Wasser nicht das Flussbett hinunter kam, sondern von den<br \/>Aeckern aus einem Bewaesserungskanal, einem Falaj. Na, super! Irgend jemand hat da oben den Kanal<br \/>einfach dicht gemacht. Wir gucken etwas ratlos, und die Frauen um uns rum brauchen auch noch Wasser.<br \/>Eine der Frauen spingt den Hang hoch und macht irgendwo einen Kanal auf, so dass nach ein paar <br \/>Augenblicken wieder Wasser leauft - zwar recht lehmhaltiges, aber immerhin. Wir warten ab, bis es<br \/>einigermassen klar wird und spuelen die Waesche aus, bedanken uns bei den Frauen laufen mit unserem<br \/>Kram wieder zurueck zum Womo, wiederum begleitet von einer Horde Kinder, diesmal Maedchen. Es ist<br \/>gerade Schichtwechsel in der Schule, und alle machen einen Umweg und stroemen an unserem Womo<br \/>vorbei, fragen nach dem Ueblichen, bis auf eine Frau, die Medikamente fuer ihre Tochter will, die<br \/>Kopfschmerzen hat. Nach einigem Nachfragen, vermute ich, dass sie eine Brille braeuchte, und die<br \/>Mutter meint, ich koennte die ja bezahlen, woraufhin ich ihr voschlage, eine ihrer Ziegen zu verkaufen<br \/>fuer die Brille. An das erste Dutzend Kinder verteilen wir Kulis, an das zweite und dritte Datteln. Josef<br \/>stellt einen Teller davon auf unseren Tisch, und sie sind schneller weg als er gucken kann: binnen zwei<br \/>Sekunden. Hier oben ist es zu kalt fuer Dattelpalmen, und so sind sie offenbar sehr begehrt. Die<br \/>Kinderschar belagert uns weiter. Schliesslich holt Josef die Camera raus und macht Anstalten, sie zu<br \/>fotografieren. Sie stieben auseinder wie ein Fischschwarm beim Anlick eines Haifischs. Das haette man<br \/>filmen muessen. Niemand laesst sich hier fotografieren, auch die Kinder nicht. Es scheint einer<br \/>Todsuende gleich zu kommen. Wir wollen noch ein bisschen unser schoenes Plaetzchen hier geniessen<br \/>und lesen, aber es gelingt nicht recht, da eine kleine Gruppe Jungen uns belagert. Endlich trollen sie sich,<br \/>aber jetzt ist es vorbei mit der Gemuetlichkeit, und wir machen uns auf den Rueckweg zum Tal der Rosen.<br \/>Irgendwo da oben in den nackten Bergen laeuft ein Mann und wartet auf eine Mitfahrgelegenheit mit<br \/>einem Sammeltaxi. Wir nehmen ihn mit bis ganz runter zum Eingang des Tales, hoeren dabei Amr Dhiab,<br \/>und er wippt entspannt zum Takt. Wir schweigen alle recht entspannt, bis er aussteigt. Kaufen noch ein<br \/>paar Stuecke von der kitschig-rosa Rosenseife und fahren auf der N10 50km weiter Richtung Westen bis<br \/>Skoura, der naechsten Oase. Hier soll es eine liebevoll restaurierte Qasbah mit Museum geben, die wir<br \/>uns morgen anschauen wollen. Skoura ist fuerchterlich schmutzig und chaotisch. Wir trinken an der<br \/>Hauptstrasse einen Tee. Neben uns hat ein Mann seinen Verkaufstisch fuer Zigaretten. Er schiebt die<br \/>Schachteln zur Seite, schneidet in der Hand eine Zwiebel ganz klein, oeffnet eine Dose Sardinen, die er<br \/>akribisch saeubert und mit den Zwiebeln vermischt, geht sich die Haende waschen, bekommt ein<br \/>Kaennchen Tee, schenkt ein Glas aus einem Meter Hoehe ein, giesst es zurueck in die Kanne, wiederholt<br \/>diese Prozedur noch dreimal - das ist das normale Teeritual hier - und faengt dann sehr genuesslich an,<br \/>seine Sardinen mit Brot aufzutunken. Wir ziehen weiter, suchen einen Schlafplatz, sehen zur<br \/>restaurierten Qasbah gehoerig einen Campingplatz, wuerden aber gern lieber wild stehen, fahren weiter,<br \/>und weiter und weiter, bis wir aus der Oase raus sind und wieder Richtung Norden auf die Berge<br \/>zufahren, bis wir nach 25 km ins naechste Dorf am Fusse der Berge ankommen. Unterwegs keine einzige<br \/>Moeglichkeit zu stehen. Mittlerweile ist es dunkel. Waeren wir mal bloss auf dem offiziellen Stellplatz<br \/>geblieben. Wir kommen mitten im Dorf an die Moschee, die einen geraeumigen Vorplatz hat, und fragen<br \/>ein paar Maenner, ob wir dort wohl stehenbleiben koennten ueber Nacht, was diese freundlich<br \/>bestaetigen. Josef faengt an, zu kochen, und als wir uns eben zum Essen hingesetzt haben, klopft es, und<br \/>der Mukhtar der Moschee bittet uns freundlich, uns woanders hinzustellen. Wir bitten, nur rasch<br \/>aufessen zu koennen. Er wartet geduldig und will uns dann auf sein Grundstueck gegenueber lotsen.<br \/>Jedoch ist die Einfahrt so schmal, dass wir fuerchten, haengen zu bleiben. Bedanken uns und fahren ein<br \/>paar hundert Meter weiter. Da stehen wir nun und hoffen, Ruhe zu haben heute Nacht. Es ist die<br \/>Hauptkreuzung des Dorfes, und wahrscheinlich sind wir morgen umringt von allen Bewohnern. Mal<br \/>sehen.<br \/>20.3.<br \/>Ganz so wild ist es dann doch nicht. Stehen wohl vor der Milchabgabestelle des Dorfes, denn es kommen<br \/>viele mit vollen Milchkanistern vorbei, und in einem Rolltor sitzen zwei Maenner, die das Ganze <br \/>bewachen. Ich schaue mich drinnen ein wenig um. Da stehen drei sehr grosse Milch-Kuehlkessel aus<br \/>Edelstahl, die jedoch ungenuetzt sind. Die wenige Milch, die die Dorfbewohner bringen, geht in eine<br \/>normale Milchkanne, wie sie bei uns in Deutschland vor den Hoefen stehen. Die Hightechbehaelter<br \/>wurden von der EU dorthin gestellt - voellig ueberdimensioniert. Wahrscheinlich wurde das Projekt zu<br \/>einer Zeit geplant, als es hier noch mehr Wasser und also auch mehr Kuehe gab. Und bis es dann endlich<br \/>durch alle EU-Gremien durch und umgesetzt war, war das Wasser versiegt und die Kuehe verkauft.<br \/>Irgendwann kommt ein Pickup, nimmt die Milchkanne mit und bringt sie zur Molkerei nach Ouarzazate;<br \/>die Maenner haben ihr Tagwek vollbracht, schliessen ab und schlurfen heim. Der Moschee-Mukhtar, der<br \/>uns gestern in seinen Garten lotsen wollte, kommt vorbei, und wir machen noch ein bisschen Smalltalk,<br \/>weil ich das Gefuehl hatte, er war ein bisschen verschnupft, dass wir sein Angebot nicht angenommen<br \/>haben.<br \/>Fahren wieder nach Skoura rein, zur restaurierten Qasbah, in der etliche Filme gedreht wurden, u.A.<br \/>\"Hanna\" und \"Himmel ueber der Wueste\" (ueber diesen Film lesen wir wieder und wieder; halb Marokko<br \/>muss Filmdrehort gewesen sein; muessen ihn uns dringend angucken), und zahlen Eintritt.<br \/>Nehmen zum ersten Mal einen Fuehrer, weil sich das laut unserem Reisefuehrer lohnen soll. Der gute<br \/>Mann spricht keine lebende Sprache, kauderwelscht eine Mischung aus Amazigh, Arabisch, Englisch und<br \/>Deutsch, weiss eigentlich auch nichts, zeigt uns lediglich ein paar der museumsreifen Inventarstuecke, die<br \/>wir anderswo ueberall im Gebrauch gesehen haben, und erklaert, wozu sie gut sind. Na gut. Ich denke,<br \/>dass er sich vielleicht auf Arabisch besser ausdruecken kann, aber Josef will lieber Kauderwelsch, und wir<br \/>kriegen uns, zum ersten Mal auf dieser Reise, ein bisschen in die Haare. Er bekommt am Schluss die<br \/>festgelegten 50 Dhs = EUR 10, was ein Haufen ist fuer die Leute hier. Wir streunen noch ein bisschen<br \/>herum, schauen einer Foto-Session mit einem leicht bekleideten Model und franzoesisch-marokkanischer<br \/>Crew zu, trinken im schoenen Innenhof einen gemuetlichen Tee, neben uns eine grosse Gruppe<br \/>schnatternder hollaendischer Rentner, wahrscheinlich Womo-Camper. Dann stellen wir fest, dass es noch<br \/>einen Eingang zur Qasbah gibt, laufen rein, schauen uns alles an, vor Allem die wunderschoene Aussicht<br \/>vom Dach, das wir vom anderen Eingang nicht erreichen konnten: Im Vordergrund die grosse Oase mit<br \/>ihren vielen Wohnburgruinen und Tuermen, dahinter die braunen Wuestenberge, dahinter die Kette der<br \/>schneebedeckten Atlasgipfel, darueber der unwahrscheinliche Himmel. <br \/>Als wir wieder raus gehen, fragt uns einer, ob wir bezahlt haben. Josef zeigt seine Zettel, aber sie gelten<br \/>hier nicht. Dies sei die eigentliche Qasbah und der nebenan ein Betrueger, der seinem Teil einfach den<br \/>gleichen Name gegeben habe und mit dem man deshalb einen Rechtsstreit habe. Fuehlen uns betrogen;<br \/>denn das erklaert ja auch die dilettantische Fuehrung. Aber naja,... ist eigentlich das erste Mal, dass uns<br \/>hier sowas passiert.<br \/>Wir machen uns auf den Weg nach Ouarzazate, ca 70 km weiter westlich, der Filmstadt Marokkos, die<br \/>laut Fuehrer ansonsten nicht so viel zu bieten habe, modern und sauber, ehemalige franzoesische<br \/>Garnisonsstadt, in der es wohl auch mal deutsche Kriegsgefangene gab, aber ansonsten nicht viel. Stimmt<br \/>nicht ganz. Wir finden den Camping Municipal, wie der in Midelt, geschottert und mitten in der Stadt<br \/>gelegen. Ist voellig in Ordnung. Der ganze Platz ist voller Franzosen, bis auf ein oesterreichisches<br \/>Rentnerpaar neben uns und ein juengeres Paar aus Berlin, mit denen wir spaeter ins Gespraech kommen.<br \/>Es ist wieder sehr windig, wie schon so oft und immer wieder seit wir hier sind. Wir ziehen uns warm an<br \/>und gehen Richtung Stadt; liegen schraeg gegen den Wind beim Gehen. Ein Auto haelt neben uns und<br \/>bietet an, uns mitzunehmen. Es sind die Jungs vom Campingplatz. Als wir gerade dankend annehmen<br \/>wollen, faellt Josef auf, dass er sein Portemonnaie im Auto hat liegen lassen. Wir erklaeren es ihnen, aber<br \/>sie lassen es nicht gelten, druecken uns 100 Dhs in die Hand und packen uns ein. Man stelle sich das mal<br \/>in Deutschland vor, bitte! Sie lassen uns an einer grossen Freitreppe heraus, auf der einige Touristen trotz<br \/>Wind und Kaelte in der spaeten Sonne sitzen. Hier wurde ein neuer Souq gebaut und auf alt gemacht. Auf<br \/>der anderen Strassenseite geht es in die Altstadt. Dort tauchen wir ein, gehen durch die engen Gassen,<br \/>von alten Lehmhaeusern und neuen Betonhaeusern gesaeumt. Treffen zufaellig auf die alte Synagoge,<br \/>die im Reisefuehrer als Teppichweberei erwaehnt wird. Ist aber eher ein unglaubliches Sammelsurium an<br \/>altem Kram, auch richtigen Antiquitaeten, aus irgendwelchen Doerfern zusammen geklaubt. Ein junger<br \/>Mann belegt uns sofort mit Beschlag, zeigt uns jeden Winkel dieser total verschachtelten ehemaligen <br \/>Synagoge und Tora-Schule. Das Haus atmet Vergangenheit, ist wirklich ganz unglaublich. Erst sagt der<br \/>Bursche, das Haus sei schon seit Generationen im Besitz seiner Familie, die urspruenglich mal juedisch<br \/>gewesen sei, jedoch dann irgendwann islamisiert wurde. Spaeter sagt er, die franzoesischen Besatzer<br \/>haetten die Juden in den 40'er Jahren vertrieben und gezwungen, nach Israel auszuwandern (was wir<br \/>zunaechst nicht so recht glauben wollen, das wurde aber ein paar Tage spaeter in Agzd, wo wir auch ein<br \/>paar Tage verbrachten, und wo auch eine grosse Mellah gewesen war, nochmals bestaetigt! Muessen wir<br \/>recherchieren). Die Hauseigentuemer haetten dann ihre Schluessel den Nachbarn gegeben, damit die in<br \/>ihrer Abwesenheit nach dem Haus schauen, da sie noch glaubten, zurueck zu kehren. Als sie nicht<br \/>wiederkamen, habe man ihre Haueser in Besitz genommen. Was von all dem stimmt, weiss man nicht.<br \/>Viele Staedte hier hatten ein Mellah, ein juedisches Viertel, und Israel hat ja seit der Staatsgruendung<br \/>Juden aus aller Welt nach Israel geholt, um das demographische Ungleichgewicht mit den<br \/>gebaerfreudigen Palaestinensern auszugleichen. Die arabischen Juden, die Sephardim, bilden in Israel bis<br \/>heute meistenteils die Unterschicht. Es gibt hier in der alten Synagoge viele Fotos und Dokumente aus<br \/>der Zeit vor ihrer Auswanderung - ich glaube nicht, dass hier irgend jemand den Wert dessen erkennt,<br \/>denn sie liegen offen herum, vergilben und verstauben.<br \/>Schliesslich drehen wir noch eine kleine Runde durch die Altstadt, laufen in eine Sackgasse hinein und<br \/>stehen vor dem \"Rose Noire\", einem wunderhuebschen Riyadh (Gasthof um einen Garten oder Innenhof<br \/>herum gebaut), werden vom franzoesischen Verwalter zu einer Hausfuehrung eingeladen. Ich habe das<br \/>Gefuehl, sie haben ueberhaupt keine Gaeste.<br \/>Kommen recht durchgefroren zurueck, geben dem grosszuegigen Camp Host die 100 Dhs wieder und<br \/>freuen uns auf die Waerme im Womo und auf's Essen. Kochen irgendwas Gemuesiges, wie immer, seit<br \/>wir hier sind und kuscheln uns bald ins Bett. Der Wind rauscht laut in den Eukalyptusbaeumen neben uns,<br \/>und ich bewache wieder die ganze Nacht den Campingplatz.<br \/>21.3.<br \/>Heute frueh ist es deutlich besser, nicht ganz so windig. Wir wollen in den neuen Teil der Stadt und ein<br \/>paar Sachen einkaufen. Die Berliner, die einige Jahre in Rabat gelebt haben, empfehlen uns einen<br \/>marokkanischen Wein. Wir wollen mal gucken, ob es den gibt, weil von den drei mitgebrachten Flaschen<br \/>nur noch eine da ist. Erst laufen wir durch den fuer Touristen gebauten Markt gegenueber von der<br \/>Altstadt. Er ist gaehnend leer. Wir sind die einzigen Gaeste, und jeder der Verkaeufer will uns sooo gern<br \/>was verkaufen. Am Ende findet Josef eines der alten Schloesser, mit denen er schon in Rissani<br \/>geliebaeugelt hat. Wir machen unsere Einkaeufe, finden sogar den Alkoholladen (der Verkaeufer vom<br \/>Grocery bringt uns hin), essen noch ein Kebabspiesschen mit Brot; unterhalten uns beim Essen mit einem<br \/>jungen Mann, der ein wenig Englisch kann, 27 Jahre alt, 1 Jahr Englisch \"studiert\" und danach in<br \/>Casablanca ein Jahr lang was mit Tontechnik oder so gemacht hat. Jetzt schlaegt er sich mit dem<br \/>Strassenverkauf von Zigaretten durch. Es gibt einfach keine Jobs. Wenn man kein Land hat, das man<br \/>beackern kann, und auch nicht bei der Polizei oder irgendeiner Behoerde unterkommt, kann man seinen<br \/>Lebensunterhalt nicht verdienen. Er hat schon neunmal bei der Lotterie fuer die US Green Card<br \/>mitgemacht. Er traeumt davon, eine westliche Frau kennenzulernen, die ihn heiratet und mitnimmt.<br \/>Einem Freund sei das mit einer Amerikanerin gelungen, und der sei nun seit Jahren in den USA und habe<br \/>mittlerweile zwei Kinder. Diese armen jungen Menschen! Diese Perspektivelosigkeit ist so traurig! Da<br \/>geht es selbst den armen Bauern in den Doerfern besser. Die koennen ihre Nahrungsmittel selbst<br \/>produzieren (Solange es noch Wasser gibt, denn im ganzen Land wird ueber ausbleibende Regenzeiten<br \/>und sinkende Grundwasserstaende geklagt, und zwar seit ueber 20 Jahren). Und sie wissen, wen sie <br \/>heiraten werden, und dass der-\/diejenige nicht mehr vom Leben erwartet als das, was ihre Eltern gelebt<br \/>haben.<br \/>Wir gehen zurueck zum Womo und beschliessen, zusammen zu packen und zu fahren, da der Wind schon<br \/>wieder loslegt. Wir wollen ins Draa-Tal, noch einmal Richtung Sueden. Die Berliner und auch die<br \/>Oesterreicher haben uns Agzd als ersten Stop empfohlen, und die Berliner uns einen schoenen Platz zum<br \/>Campen genannt. Fahren die 70 km zunaechst durch Wuestenberge. Kommen an einem gruenen Flecken<br \/>mit Wasser vorbei, was in dieser toten Oede so seltsam ist, dass wir es naeher besehen wollen. Als wir an<br \/>das Wasser kommen, sitzt da tatsaechlich eine ca 30cm lange Schildkroete auf einem Stein in der Sonne,<br \/>die sich rasch ins Wasser platschen laesst, als wir naeher kommen.<br \/>Endlich geht die Strasse in Serpentinen zum Draa hinunter, der sich als breites, gruenes, von Oasen<br \/>gesaeumtes Band durch die Wuestenberge schlaengelt, um irgendwo 100 km weiter suedlich in der<br \/>Wueste zu versickern. Wir finden den Campingplatz an der Qasbah Palmeraie, der erstaunlich voll ist, und<br \/>stellen uns dazu. Und siehe da: die Berliner sind auch da. Wir plaudern und laden sie schliesslich auf den<br \/>Abend ins Womo ein auf ein Glaeschen Wein. Sie reisen im Reisemobil, wo man sich nicht reinquetschen<br \/>kann und draussen ist es uns Mimosen zu kalt. Sie arbeitet seit vielen Jahren fuer die Heinrich-BoellStiftung (Die Stiftung der Gruenen, analog Friedrich-Ebert der SPD und Konrad-Adenauer der CDU), war<br \/>fuer sie in Nigeria und in Marokko; ihr Mann ist gelernter Landwirt aber praktizierender<br \/>Heissluftballonpilot. Unglaublich, wovon man alles so leben kann. Wir politisieren ueber Afrika, die<br \/>Kolonialpolitik des Westens, Neokolonialismus, etc. Sie wissen viel, und es ist ganz spannend.<br \/>Sie erzaehlen auch, dass die Qasbah, wo wir hier stehen, von einem Deutschen, mit Hilfe der Uni Weimar<br \/>und vielen Volontaeren, seit 20 Jahren peu a peu in Stand gesetzt wird.<br \/>22.3.<br \/>Heute morgen sind wir auf Empfehlung von Mohammad, dem freundlichen Mann an der Rezeption, auf<br \/>den Markt gegangen. Jede Stadt hat einen bestimmten Markttag in der Woche, und diese sind immer ein<br \/>Ereignis, weil die Beduinen und Bauern aus weiter Umgebung kommen, um zu kaufen und zu verkaufen.<br \/>Rissanis Markt war ja schon echt urspruenlich, aber dieser hier ist noch mal viel einfacher. Es gibt viele<br \/>Schlachter, die ihr Fleisch ganz frisch verkaufen. Also wirklich frisch. Die Rinder, Ziegen und Schafe stehen<br \/>hinter den Fleischerstaenden noch auf einem Platz und warten auf ihr Schicksal, das ihnen erst blueht,<br \/>wenn ihr jeweiliger Vorgaenger rueckstandslos verkauft ist.<br \/>Josef kauft so einen Rueckstand: Die gezwirbelten Hoerner einer Ziege, die ihm der Fleischer vom<br \/>dazugehoerigen Kopf saegt. Ich finde noch einen antiken Tuerklopfer passend zum antiken Schloss, fuer<br \/>Josefs omanische Tuer, die er uns bauen will. Treffen auf dem Markt die Volontaere von der Qasbah, die<br \/>wohl den Vormittag zur freien Verfuegung haben. Ist eine bunte Truppe aus mehreren Nationen und<br \/>allen moeglichen Disziplinen. Einige vom Bau, die hier die Lehmbauweise erlernen wollen. <br \/>Einer von ihnen, ein Belgier, junger Mann, laeuft immer mit Walking-Stoecken, und wir wundern uns,<br \/>weil es ein bisschen kauzig wirkt. Aber er erklaert uns spaeter, er hatte vor Jahren einen Gleitschirmunfall<br \/>und ist Invalide. Der arme Kerl. Er ist auch klug und belesen, spezialistiert sich auf oekologisches Bauen<br \/>und ist davon ueberzeugt, dass wir Beton nicht mehr verwenden sollten, weil es bei der Produktion<br \/>unoekologisch und teuer und nicht gesund fuer das Raumklima ist und, wenn verlassen, lange nicht<br \/>verrottet, sondern ewig die Welt verschandelt.<br \/>Hier, wie auf allen Beduinen- und Stadtmaerkten, sitzen maennliche Kraeuterhexen, Heiler, Scharlatane,<br \/>die alle moeglichen Kraeuter, Puelverchen, Strausseneier, Straussenfuesse, Straussenfedern, Igel- und<br \/>Schlangenhaeute, getrocknete Schlangen, Echsenkoepfe, getrocknete Echsen, usw. verkaufen.<br \/>Wir trinken auf dem Rueckweg an der einzigen Kreuzung in Agzd einen Tee und als wir am Womo-Platz<br \/>sind, macht Josef die Hoerner sauber und legt sie zum Trocknen in die Sonne. Eine lustige Hollaenderin<br \/>fragt, ob das unsere Suppe gibt heute Abend. (Heide fragt uns dasselbe, als ich ihr ein Foto davon<br \/>schicke). Er wickelt sie in Frischhaltefolie und friert sie ein, damit sie nicht anfangen, zu stinken.<br \/>Wir machen eine Lesestunde und dann noch einen Spaziergang durch die Oase. Die Draa ist total trocken.<br \/>In einem der Gaerten ist ein Mann, der gerade eine Dieselpumpe anwirft, um Wasser aus einem Brunnen<br \/>auf die Felder zu pumpen. Frueher brauchten sie das nicht, erzaehlt er uns in recht gutem Englisch. Da<br \/>war genug Wasser im Fluss. Jetzt muessen sie 30m tiefe Brunnen bohren, um an Wasser zu kommen. Es<br \/>ist erschreckend. Wie lange wird es diese Oasen noch geben? Wie lange werden hier Menschen leben<br \/>koennen? Wir muessen morgen mal den Deutschen fragen, der seit 20 Jahren diese alte Qasbah<br \/>restauriert, ob er es auch so drastisch sieht. Er muss die Veraenderung erlebt haben.<br \/>23.3.<br \/>Heute war einziger Programmpunkt die Besichtigung der Qasbah des Ait Caid Asslim (eigentlich Qa'id AlSalim! Die Franzosen mit ihrer komischen Umschrift), die der Deutsche Manfred Fahnert restauriert. Sein<br \/>Projekt heisst \"Lehmexpress\". Schoene Idee. Kann man googeln. Wir treffen also an der Rezeption unsere<br \/>Berliner, die es zwar schon kennen, aber gern nochmal mitlaufen, was sich auch als recht spannend<br \/>herausstellt, weil sie beide viel wissen und eine sehr gruene Gesinnung haben. Und als der Guide stellt<br \/>sich der Mann heraus, den wir gestern Abend noch in den Gaerten bei der Wasserpumpe getroffen<br \/>haben.<br \/>Er macht seine Fuehrung ganz in Ruhe, erzaehlt so dies und dass aus der Erinnerung dessen, was sein<br \/>Vater und Grossvater ihm erzaehlten, denn die Qashah war bis in die 50'er Jahre von der Qa'id Al Salim <br \/>Familie bewohnt, bis das marokkanische Koenigshaus sie ins Exil schickte, weil sie eine maechtige<br \/>Amazigh-Familie sind. Mittlerweile sind sie rehabilitiert und leben zum Teil wieder hier.<br \/>Danach verabschieden sich die Berliner Richtung Zagora, was auch demnaechst unser Ziel ist. Ich lese im<br \/>Schatten der Palmen, wasche ein bisschen Waesche, und Josef geht joggen - sehr zur Freude der<br \/>Dorfkinder, die ihn vom Strassenrand anfeuern. Am Spaetnachmittag laufen wir nochmal ins Dorf und<br \/>wollen was zum Kochen und Obst einkaufen. Stattdessen essen wir am Hauptdorfplatz, wo es etliche<br \/>einfache Restaurants gibt, ein paar Kufta-Baellchen mit Brot, lassen uns ein bisschen abzocken, aergern<br \/>uns auch. Ich frage in den anderen Restaurants nach und sie nennen mir den halben Preis, so dass ich<br \/>zurueck gehe und meinen Aerger kund tue. Nuetzt natuerlich nichts, weil er eine Touristenspeisekarte<br \/>mit den Preisen zeigt, aber ganz wortlos wollte ich das nicht auf sich beruhen lassen. Naechstes Mal<br \/>fragen wir vorher. Es ist uns allerdings kaum je passiert, seit wir hier sind.<br \/>24.3.<br \/>Die Kulisse von Agdz wird dominniert vom Jebel Kissane.<br \/>Laut unserem kleinen Wanderfuehrer kann man ihn erklimmen. Wir fahren mit dem Womo recht frueh<br \/>morgens moeglichst nah zum Berg, um die langweilige Wanderung in der flachen Wuestenebene<br \/>abzukuerzen, rumpeln ueber eine Piste, aber es klappt ganz gut. Einmal bleibt unsere Bergziege mit<br \/>ihrem Hinterteil haengen und schrabbt ein bisschen ueber den Schotter, aber nicht der Rede wert. Die<br \/>Beschreibung im Wanderfuehrer ist ein bisschen duerftig. Man braeuchte wohl ein GPS, um ihr zu folgen.<br \/>Wir laufen der Nase nach ein Wadi hinauf, der naturgemaess immer enger und steiler wird, muessen ein<br \/>paar ausgetrocknete, aber hohe Wasserfaelle umklettern, sind ein paarmal unschluessig, ob das alles so<br \/>richtig ist, was wir da machen. Dann sehen wir Steinmanderl, denen wir folgen koennen, und als wir kurz<br \/>vor den steilen Felswaenden des letzten Drittels stehen, sehen wir weiter oben Leute und denken, es sind<br \/>Touristen, was uns motiviert, weiter zu laufen. Irgendwann rufen sie uns zu, bedeuten uns, welche<br \/>Strecke wir laufen sollen und warten auf uns. Es sind Einheimische aus dem Dorf unten - geborene<br \/>Bergwanderer. Sie ziehen uns die letzten steilen Stuecke hinauf, wollen nichts hoeren von Aufgeben. Hier<br \/>oben geht so ein kraeftiger Wind, dass ich immer wieder fuerchte, umgeblasen zu werden. Die<br \/>Rundumsicht waere super, wenn es nicht so diesig waere. Man sieht nur schemenhaft die Schneeberge<br \/>im Norden. Schliesslich sind wir oben in einem Hochtal, die eigentliche Spitze unwesentlich hoeher; sie<br \/>sieht von Agdz aus wie die Marzipanspitze einer etwas verrutschten Torte. <br \/>Wir lassen es ob des Windes gut sein, geniessen ein paar Kekse und Wasser im Windschutz. Ich hatte<br \/>gehofft, dass wir mit den Maennern absteigen koennen. Aber sie sind hier oben, einen \"Wolf\" <br \/>(wahrscheinlich Schakal) zu erlegen, der angeblich die Ziegen reisst, und werden erst am<br \/>Spaetnachmittag absteigen. Ist wahrscheinlich besser, weil sie viel trittsicherer und schneller sind als wir -<br \/>in ihren fuer den europaischen Wanderer voellig unzulaenglichen Schuhen. So koennen wir ganz langsam<br \/>absteigen. Sie zeigen uns noch einen einfacheren Weg unter Umgehung der Felswand. Finden dann auch<br \/>zufaellig den im Wanderfuehrer beschriebenen und mit sporadischen Steinmanderln markierten Weg,<br \/>der weniger beschwerlich ist, wenngleich auch ein bisschen langweiliger.<br \/>Freuen uns diebisch ueber unsere Leistung, trinken noch einen Tee am Womo, das einsam und allein<br \/>zwischen ein paar sanften kahlen Huegeln auf uns wartet, und beschliessen, Richtung Zagora<br \/>aufzubrechen. Fahren die sehr gut ausgebaute Strasse an der Draa entlang, mit wunderschoenen<br \/>Aussichten auf die kontinuierlich saeumenden Oasen, muessten eigentlich in Tamagalte schon wieder<br \/>halten und eine wunderschoene Qasbah besichtigen, aber die Luft ist bissel raus. Haben jetzt so viele<br \/>Lehmfestungen gesehen,... Sie sind alle wunderschoen, und man kann sich kaum sattsehen an der<br \/>Kombination aus gruener Oase, Lehmtuermen und kargen Bergen, aber man muss nicht in jede Qasbah<br \/>hinein kriechen. Im Nachhinein wissen wir, dass wir in Midelt was ganz Tolles gesehen haben, naemlich<br \/>bewohnte und belebte Qasbahs. Die hier im Draa-Tal sind entweder am verfallen oder wurden muehevoll<br \/>fuer den Tourismus restauriert.<br \/>Wir fahren von der Strasse ab, suchen ein Plaetzchen fuer die Nacht unten am Wadi, folgen einem<br \/>Straesschen auf die andere Seite des Wadi, finden aber nichts, wo wir entspannt stehen koennen, ohne<br \/>von 40 Kindern umringt zu sein. Irgendwann wird die Strasse zur Piste und fuerchterlich eng, so dass wir<br \/>umdrehen muessen. Finden, kurz bevor wir wieder ueber den Fluss muessten, einen brach liegenden<br \/>Acker, also eine Sandflaeche, zwischen gruenen Feldern und direkt an der Draa, die hier wenig mehr ist<br \/>als vereinzelte grosse Pfuetzen. Machen noch einen kleinen Abendspaziergang am Rand der Oase, und<br \/>ich nasche, wie schon gestern Abend, ein paar gruene Mandeln und Erbsen und Bohnen. Herrlich! Leider<br \/>sind die Feigen noch ganz klein und unreif, aber man kann nicht alles haben.<br \/>25.3.<br \/>Heute frueh defilieren die Kinder auf ihren Eseln an uns vorbei. An ihren Satteltaschen haengen die<br \/>ausgedienten orangefarbenen Speiseoelflaschen, die hier ueberall, zu Wasserflaschen umfunktioniert, in<br \/>den Maerkten verkauft werden; sie sind auf dem Weg zum Trinkwasserbrunnen, wie bei uns samstags<br \/>morgens die Ehemaenner zum Broetchenholen.<br \/>Halten auf dem Weg noch an einem Acker an, auf dem ein Dutzend Frauen und Kinder, auch der eine<br \/>oder andere Mann, arbeiten. Schauen ein bisschen zu, plaudern, werden mit frischen Pferdebohnen und<br \/>gruenen Mandeln gefuettert, ich kriege eine Handsichel in die Hand gedrueckt und soll helfen, schneide<br \/>dilettantisch, weil nicht nah genug am Boden, zwei Bueschel Klee (Viehfutter) weg; sie freuen sich und<br \/>lachen, wir bewundern alles gebuehrend und ziehen weiter Richtung Zagora, unserem ein wenig weiter<br \/>suedlich gelegenen Ziel und letztes Oasendorf. Zagora ist groesser als erwartet, hat ein richtiges<br \/>Neubaugebiet an der Stadteinfahrt, teilweise schoene Villen und mit Bougainvilla geschmueckten<br \/>Gaerten (eindeutiges Zeichen, dass wir wieder in waermeren Gefilden sind), was fast an Khawaneej oder<br \/>Hamriyya in Dubai erinnert. Wir fahren die Hauptstrasse einmal rauf und wieder runter, halten dann,<br \/>erstehen fuer Josef eine Leinenhose, die sich als Schlafanzughose sehr eignet (er besass bisher nur eine<br \/>einzige lange) und ein Touareq-blaues Turbantuch. Dann laufen wir Richtung Markt, der entgegen den<br \/>Angaben unseres Reisefuehrers nicht mehr in der Stadt liegt, sondern ausserhalb auf einem Sandplatz.<br \/>Spannend ist er dennoch wieder. Aehnlich dem in Agdz, staubig, sonnig, Stoffplanen, die ein wenig<br \/>Schatten spenden, mittelalterlich, seltsame gebrauchte Gegenstaende, von denen man sich fragt, wer die<br \/>kauft und wofuer. <br \/>Wir laufen den langen Weg zurueck; man haette die Verkehrskolonne, die an uns vorbei zieht, wieder mal<br \/>filmen muessen: Lastendreiraeder, klapprige Mofas, Fahrraeder, Esel- und Mulikarren, die<br \/>unvermeidlichen alten 800'er Mercedesbusse, Fussgaenger, hier und da ein PKW. Alle ueberholen sich<br \/>munter gegenseitig von links und rechts.<br \/>Kaufen noch unser Gemuese ein, trinken einen Tee in einer Laiterie. Er hat zwar selbst keinen Tee, macht<br \/>aber einen netten Sandwich aus Ei und Schmelzkaese und holt den Tee von gegenueber. Wir moechten<br \/>zur Nacht zum Sahara Sky fahren, einem Sternobservatorium, das uns von den Oesterreichern in<br \/>Ourazazate und dann nochmal von der Berlinern empfohlen wurde. Es liegt mitten im Nichts, zurueck<br \/>gesetzt von der Strasse nach M'Hamid in einer weiten, flachen, dunkelbraunen Ebene, ist im Stil einer<br \/>Qasbah gebaut und gleichzeitig Hotel. Es stehen noch ein paar weitere Womos herum, und als wir hinein<br \/>gehen, werden wir von Fritz, dem Eigentuemer, einem Deutsch-Amerikaner aus dem Rheinland<br \/>begruesst, der selbst Hobbyastronom ist, wohl in der Gunst des Koenigs steht und das Ding vor 15 Jahren<br \/>gebaut hat. Er ist recht plauderig und erklaert uns, er habe da einen professionellen Astronom, der<br \/>nachts mit uns auf das Dach ginge und uns bei der Orientierung helfen wuerde. Das Package koste 250<br \/>Dhs pro Person mit 3-Gaenge-Menue vorher, und es gaebe eine Bar mit Alkohollizenz, laut seiner<br \/>Aussage die einzige in ganz Suedmarokko. So machen wir es also, gehen aber vorher noch ein bisschen in<br \/>der umgebenden Wueste spazieren. In ca 500m Entfernung erhebt sich die einzige Duene weit und breit,<br \/>aussen herum ein Haufen Zelte und Kamele. Als wir darauf zu gehen, fahren eben die 18 italienischen<br \/>Wohnmobile in einem recht beeindruckenden Konvoi vor, die wir schon in Zagora bewundert hatten. Es<br \/>ist wohl eine gefuehrte Womo-Tour. Sie gruppieren sich am Fusse der Duene und machen sich bereit, die<br \/>drei Hammel zu vertilgen, die man fuer sie geschlachtet hat.<br \/>Wir trollen uns und gehen ins Haus. Dort sind etwa 15 weitere Gaeste, alles Deutsche (!), und wir<br \/>kommen mit dem einen oder anderen ins Gespraech, teilen uns schliesslich einen Tisch mit der jungen<br \/>Deutschhollaenderin, Samirah, und ihrem Freund, Veli, Deutschtuerke, die zusammen in Duisburg leben<br \/>und arbeiten. Leeren eine Flasche Wein zusammen und unterhalten uns sehr gut. Gleich nach dem Essen<br \/>geht es hoch auf's Dach. Der Herr Astronom, Patrick aus Belgien, der voellig verpeilte Prototyp des<br \/>zerstreuten Professors, mit zersaustem Haar und erkalteter selbstgedrehter Zigarette in der Hand, springt<br \/>agil vorweg, sammelt uns um sich, beklagt sich, dass der Mond zu hell, die Luft zu truebe sei - offenbar <br \/>war die letzten zwei Tage irgendwo Sandstum, zeigt uns die beachtliche Ausruestung auf dem Dach,<br \/>richtet einige der Teleskope auf den Mond aus, und laesst uns alle mal gucken. Sehr spannend.<br \/>Zwischendrin erlaeutert er in einem kaum verstaendlichen Kauderwelsch aus Deutsch und Englisch, mit<br \/>kraeftigem flaemischem Einschlag, was seine Geraete alles so koennen. Dann verabschiedet er uns ins<br \/>Bett und bestellt uns alle auf puenktlich 3:30 morgens zum Monduntergang wieder auf's Dach, weil erst<br \/>dann die Sterne zu sehen sein werden. Also, ab in die Kiste, Wecker gestellt und turbogeschlafen. Wir<br \/>sind alle puenktlich. Allein, wir verpassen den Monduntergang um 2 Minuten. Macht nix, denn nun ist<br \/>trotz Staub fuer uns, an Lichtverschmutzung gewohnte Bewohner der industrialisierten Welt, der<br \/>Sternenhimmel recht grandios. Patrick bricht beim Einstellen der Teleskope immer wieder in<br \/>Freudengeheul aus, und wir sehen mit blossem Auge die Milchstrasse als wolkige Gebilde, durch die<br \/>Teleskope ferne Kugel- und Spiralgalaxien, Doppelsterne, den hellen Sirius, den Skorpion, den Schuetzen<br \/>und vieles mehr,und als kroenenden Abschluss, als wir alle recht steif gefroren sind, den Saturn mit Ring<br \/>und den Jupiter mit seinen Streifen und immerhin drei seiner ueber 40 bekannten Monde. Um 5:00<br \/>koennen wir alle nicht mehr und trollen uns ins Bett. Was muss das fuer ein Spektakel sein, wenn der<br \/>Himmel richtig klar ist!<br \/>Am Morgen sehen wir alle wieder, plaudern hier und da, zum Abschied noch recht ausgiebig mit Fritz,<br \/>dem Chef, der sich recht kritisch ueber den Koenig aeussert, obwohl darauf drei Jahre Gefaengnis stehen<br \/>und uns schon aufgefallen ist, dass die Leute, wenn ueberhaupt, sehr positiv ueber ihn sprechen.<br \/>Angeblich wird man ueberall belauscht. Fritz sagt, der Koenig schaeffele sich die Taschen voll und<br \/>kuemmere sich nicht um sein Volk, verbringe ein Viertel des Jahres in Frankreich in seinem Palast bei<br \/>Paris, lasse zu, dass Black Rock das Agrarland aufkaufe, unendlich tiefe Brunnen bohre und<br \/>Wassermelonen anbaue, wobei eine Wassermelone taeglich mehr Wasser brauche als ein Mensch. Das<br \/>Schmelzwasser der Berge, wovon die Bauern bisher lebten, kaeme nicht mehr, weil die Schneefallgrenze<br \/>innerhalb von 10 Jahren um 1000m geklettert sei und das verbleibende Schmelzwasser weiter oben in<br \/>Stauseen aufgefangen wuerde. Die Bauern, die kein Geld fuer tiefe Brunnen haetten und denen ob des<br \/>Wassermangels der Hungertod drohe, verkauften bereitwillig ihr Land und bauten vom Erloes Haeuser in<br \/>den Staedten, wo es jedoch keine Arbeit fuer sie gaebe. Dasselbe geschaehe in ganz Afrika, was wohl<br \/>eher kontraproduktiv fuer die Fluchtursachenbekaempfung ist. Aethopiens fruchtbares Land sei schon zu<br \/>70% an Chinesen und Amerikaner verkauft, in Nigeria sind es 15%. Die Liste liesse sich beliebig fortsetzen.<br \/>Und die afrikanischen Regierungen und auch wir schauen zu. Das Einzige, was uns dazu einfaellt, ist die<br \/>Grenzen dicht zu machen und Erdogan Milliarden in den Rachen zu schmeissen, damit er die Fluechtlinge<br \/>bei sich behaelt, wobei wir gleichzeitig alle Augen zudruecken, waehrend er die Kurden abschlachtet.<br \/>Dann wiederum gibt es super geistreiche Entwicklunghilfeprojekte, oft von Deutschland, aber auch von<br \/>Frankreich oder der EU finanziert, die voellig sinnlos, weil nicht nachhaltig sind. So hat die deutsche GIZ<br \/>die Palmengeflechte finanziert, um die Desertifikation aufzuhalten. Super Idee, die auch wirklich<br \/>funktioniert, aber da die Deutschen nach der Fertigstellung abgezogen sind, also auch niemand mehr die<br \/>Leute bezahlt, diese Zaeune zu pflegen, wehen sie allmaehlich mit Sand zu und bringen nichts mehr. Auch<br \/>haben die Deutschen fuer Abermillionen Baeume in die Wueste gepflanzt, die zuvor zum Beheizen der<br \/>Toepferbrennoefen abgeholzt wurden, haben dann stattdessen Gasbrennoefen hingestellt. Als das Gas<br \/>alle war, haben die Toepfer die Oefen abgebaut und benutzen seither wieder ihre Holzoefen. Ein solches<br \/>Projekt hatten wir ja auch in dem Dorf bei Skoura gesehen: Die ueberdimensionierten, kuehlbaren<br \/>Edelstahlmilchbehaelter von der EU. Fritz erzaehlt uns noch, die Duene, 500m von seinem Observatorium<br \/>entfernt, sei entstanden, weil sich darunter eine alte Karawanserei befinde, in der sich der Sand fangen<br \/>konnte. Angeblich sei unter dem Sandhaufen auch ein Haufen Gold vom damaligen Sklavenhandel <br \/>vergraben, und die Leute im Dorf glauben, er habe nur deshalb das Hotel dort gebaut, damit er ueber<br \/>Tunnel an das Gold heran kaeme. Schoene Geschichte.<br \/>Wir verabschieden uns schliesslich und fahren ein paar KM zurueck Richtung Zagora. Dort gibt es das<br \/>grosse Dorf Tamegroute, in dem es abgeblich eine unterirdische Qasbah zu besichtigen gibt, die zur Zeit<br \/>des Sklavenhandels gebaut worden sein soll; unter der Erde wohnten die Sklaven, darueber die Herren.<br \/>Wir bekommen einen Fuehrer, Abdel Nabi, der mit uns durch die Qasbah geht, uns viel erzaehlt und<br \/>zeigt, jedoch nichts unter der Erde. Dort verlaufe jetzt die Kanalisation, da koenne man nicht mehr rein.<br \/>Aha. Haette er ja mal gleich sagen koennen. Aber ueberaus spannend sind die Toepfereien, eine recht<br \/>kleine Flaeche unter freiem Himmel, wo ein paar Familien mit allen Familienmitgliedern die fuer hier<br \/>typischen gruen lasierten irdenen Gefaesse herstellen. Dort stehen noch die gemauerten Gehaeuse der<br \/>Gasbrennoefen: sie sind leer und werden als Materialspeicher genuetzt. Als ich frage, warum man die<br \/>Oefen nicht weiterhin nuetzt, kommt keine rechte Antwort. Jedoch faellt mir auf, dass sie kein Holz<br \/>verbrennen, sondern vertrocknete Palmwedel. Alles findet praktisch unter freiem Himmel statt. Es wird<br \/>gearbeitet wie im Mittelalter. Unglaublich. Und hier arbeiten zur Abwechslung mal nur Maenner.<br \/>Abdel Nabi aeussert sich erstaunlich kritisch ueber die Regierung - nicht ueber den Koenig, aber ueber<br \/>alle anderen. Es sei kein Wille da, das Volk wirklich voran zu bringen. Der Koenig habe ein Budget zur<br \/>Verfuegung gestellt fuer kleine Geschaefte, aber wenn man das Geld anfrage, versande der Antrag in der<br \/>Schublade irgendeines Buerokraten. Und wenn doch mal Geld ankommt, steckt es sich die jeweilige<br \/>Regionalregierung selbst in die Tasche. Was an Sanierungen in der noch gaenzlich bewohnten alten<br \/>Qasbah je geleistet wurde, geschah durch westliche Entwicklunghilfe und Eigeninitiative der Leute.<br \/>Wir fahren schliesslich weiter auf der Strasse am Nordrand der Wueste entlang von Zagora nach Westen.<br \/>Es sind 215 km durch dunstige, sandgeschwaengerte Luft, flache Wueste; Akazien und<br \/>Tamariskenbaeume sprenkeln die Landschaft, links und rechts, mal fern, mal nah, eine Bergkette, kaum<br \/>Leben, kaum Menschen. Aber zwischendrin ploetzlich professionell angelegte Felder, umgeben von<br \/>Sandschutzzaeunen, troepfchenbewaessert und mit Folien bedeckt. Es sind Wassermelonen. Als wir<br \/>Menschen sehen, halten wir an und wollen verifizieren, was Fritz uns erzaehlt hat von Black Rock. Diese<br \/>Bauern hier sind Angestellte eines marokkanischen Landbesitzers, der auch da ist und mitnichten zu<br \/>einem grossen Agrarkonzern gehoert. Und Melonen wuerden sie schon immer anbauen. Die Haendler<br \/>kaemen aus Agadir und Marrakesch, um die Melonen fuer die dortigen Maerkte zu kaufen. Wer weiss<br \/>nun, was stimmt?<br \/>Trinken einen Tee auf halber Strecke in Fum Zguid. Dort hat ein fliegender Buecherhaendler am einzigen<br \/>Kreisverkehr im Dorf seinen Tisch aufgebaut und verkauft hunderte von Buechern, arabisch und<br \/>franzoesisch, zu allen Wissensgebieten, auch Romane und Schulbuecher, meist gebraucht. Einer der drei <br \/>Maenner, ein aelterer, sitzt im Schatten unter einem Baum und trinkt Tee. Ich frage ihn, ob stimmt, was<br \/>uns Fritz vom Sahara Sky gesagt hat, dass 70% Analphabeten seien. Er denkt nach, sagt dann, jeder<br \/>Marokkaner lese im Durchschnitt 5 Zeilen pro Jahr. Ich glaube mich verhoert zu haben; da nimmt er ein<br \/>Buch in die Hand, zaehlt fuenf Zeilen ab und sagt, so viel lese der Marokkaner im Durchschnitt. Auch eine<br \/>Antwort, wobei das nicht ganz stimmen kann, nachdem ein Drittel der Bevoelkerung unter 15 Jahre alt ist<br \/>und die Kinder praktisch alle zumindest ein paar Jahre lang in die Schule gehen. Offziell sind 33%<br \/>Analphabeten (Frauen 58%!). Er laedt uns zum Tee ein, aber wir wollen uns noch in eines der Cafes<br \/>setzen. Eine junge Frau, in das fuer hier typische bunte, duenne Tuch gewickelt, hat schon einige Tueten<br \/>voll Buecher eingkauft. Ich frage sie, ob sie die alle selbst liest. Auch, ja, sagt sie. Aber sie sei hier Lehrerin<br \/>an der Maedchenschule und kaufe die Buecher auch fuer ihre Schuelerinnen. Auf unsere Fragen hin<br \/>erzaehlt sie, sie lebe hier allein (Oh, Wunder), sei aus Qala't Mgoun und sei wegen des Jobs gekommen.<br \/>Das ist schon aussergewoehnlich, denke ich. Aber sie sagt, die Gesellschaft veraendere sich, und<br \/>besonders die Bildung fuer Frauen und Maedchen sei Motor der Veraenderung. Klar, denke ich! Ich freue<br \/>mich jedes Mal, wenn ich die Maedchen auf ihren Fahrraedern zur Schule fahren sehe. Sie plaudern<br \/>miteinander, aber auch mit den Jungen. Die Schulen sind alle gemischt. Allein dieser natuerliche Umgang<br \/>mit dem anderen Geschlecht veraendert mit Sicherheit vieles.<br \/>Wir fahren weiter bis Tissint. Nach all der trockenen Einoede und dem Staub ist es wie ein Wunder, als<br \/>wir hier mitten im Dorf auf ein breites Flussbett treffen, in dem ueberall das Wasser plaetschert.<br \/>Parken erst auf einem offiziellen Parkplatz auf der Dorfseite des Wadi, was sich aber binnen Sekunden<br \/>anfuehlt, als stuenden wir auf dem Schlossplatz in Stuttgart an einem sonnigen Samstag Mittag: wir sind<br \/>umringt von Jungen in jedem Alter, die ausser den ueblichen \"stylos\", \"ballons\", \"bonbons\" und Dirhams<br \/>sonst auch unsere Schuhe nehmen wuerden. Am Ende bekommen sie alle einen Kuli und trollen sich<br \/>langsam. Nur ein Mann bleibt uns erhalten und heftet sich an unsere Fersen, textet mich mit wenig<br \/>Arabisch und viel Amazigh zu; ich nicke immer freundlich, aber als er sich anbietet, ab morgen frueh um<br \/>8:00 unseren Fuehrer spielen zu wollen, lehne ich dankend ab und schicke ihn nach Hause. Stehen ueber<br \/>Nacht dann oberhalb des Tals auf der auf der anderen Wadi-Seite, nachdem ein oesterreichisches<br \/>Womopaar, warum auch immer, diesen Platz freundlicherweise geraeumt hat.<br \/>27.3.<br \/>Morgens hoeren wir auf der Piste neben uns die Schueler schnatternd vorbei ziehen. Die Umstellung auf<br \/>Sommerzeit (Ja, die Marokkaner machen diesen Bloedsinn auch mit, wie sie auch das Wochenende auf Sa <br \/>und So gelegt haben - wahrscheinlich, damit sie zeitlich moeglichst nah an Europa sind) laesst uns eine<br \/>Stunde spaeter aufwachen als sonst. Wir gehen erst in die alte Qasbah, die komplett verlassen und meist<br \/>verfallen ist. Kommen jedoch nicht weiter, weil ueberall Tueren sind. Stehen ploetzlich aus Versehen im<br \/>Kasernenhof und werden freundlich hinaus komplimentiert. Gehen im Wadi spazieren. Ist nicht ganz so<br \/>idyllisch, aber wir laufen bis zum Nachbardorf. Dort arbeitet ein Mann an seinem an den Hang gebauten<br \/>Steinhaus, plaudert gerade mit einem Nachbarn, winkt uns freundlich heran und fuehrt uns dann voller<br \/>Stolz herum. Er macht alles selbst: Betonstuetzbalken, die akribisch geschichteten Steinmauern, Elektrik,<br \/>Wasser, Abwasser. Im unteren Stockwerk will er ein oeffentliches Hammam einrichten. Er backt sein<br \/>eigenes Brot im traditionellen Lehmofen, hat seinen eigenen Brunnen. Wirklich bewunderswert! Der<br \/>obere Teil des Dorfes koennte genau so schoen sein, wenn man ein wenig initiativ waere und Geld in die<br \/>Hand naehme. Aber woher nehmen? Die Menschen haben hier kein Geld. Und initiativ sind sind sie auch<br \/>eher selten. Der junge Nachbar zeigt nach oben auf die verfallenen alten Lehmhaeuser und erzaehlt, das<br \/>er noch dort aufgewachsen sei und seine Familie die letzte gewesen sei, die das alte Dorf verlassen habe.<br \/>Warum man die Haeuser nicht restauriere, frage ich ihn. Das Dorf liegt in einem Dreieck zwischen zwei<br \/>wasserfuehrenden Wadis und koennte eine Perle sein. Er sagt, es seien so viele Erben involviert, die sich<br \/>nie einigen koennten. Ich erzaehle ihnen von unserem 500 Jahre alten Haus in Beuren, und wie diese<br \/>Dinge in Deutschland subventioniert wuerden. Spaeter stehen wir mal wieder traurig oberhalb des Wadi<br \/>und schauen auf eine Muelllawine, die die Dorfbewohner kontinuierlich und sukzessive hinunter<br \/>geworfen haben. Eben kommt eine junge Frau mit ihrem Muell aus dem Haus, und ich frage sie, ob sie<br \/>das jetzt auch da hinunter wirft. Ja, sagt sie. Aber es sei ja nur noch ein bisschen Rest, weil sie das meiste<br \/>schon verbrannt haben. Es riecht ueberall immer mal wieder nach brennendem Plastik. In Tissint stehen<br \/>Muellcontainer an der Strasse. Aber hier in Akka Sidi wird der Muell nicht abgeholt. Ich zeige ihr die<br \/>Plastiklawine am Abhang und frage sie, ob sie das nicht haesslich findet. Ich glaube, sie versteht schon,<br \/>was ich meine, findet aber nichts Schlimmes daran. Ich erklaere ihr, dass es sich im Fluss mit dem Wasser<br \/>vermischt, das sie nachher trinken, dass sie sich damit vergiften. Sie scheint verstaendig, weiss aber nicht,<br \/>wohin mit dem Muell. Lieber Koenig Mohammad VI, denke ich, du hast noch viel zu tun. Die junge Frau<br \/>hatte sechs Schuljahre, ist 25 und noch nicht verheiratet. Ich frage sie, ob sie nicht haette weiterlernen<br \/>wollen. Ich glaube, die Frage hat sich nie gestellt - weder fuer sie, noch fuer ihre Familie. Weiter hinten<br \/>im Dorf laufen Frauen, ihre riesigen Futterbuendel auf dem Kopf oder Ruecken balancierend. Eine Alte<br \/>wirft schnell ihr Buendel weg und bettelt uns an. Wir geben ihr 5 Dh. Ob es richtig ist, weiss ich nicht.<br \/>Aber ich weiss, dass manche Menschen hier einfach ueber keinerlei Bargeld verfuegen, und manche<br \/>Dinge bekommt man nicht ueber den Tauschhandel.<br \/>Wir laufen an der Strasse entlang nach Tassint und zum Womo zurueck; es begegnen uns mehrere Frauen<br \/>in ihren kunterbunten Tuechern - ein greller Farbklecks in der beige-braunen Landschaft und jede fuer<br \/>sich ein Fotomotiv. Wir muessen uns mit der Erinnerung daran begnuegen.<br \/>Fahren weiter nach Suedwesten - parallel zur algerischen Grenze, die etwa 100 km weiter suedlich<br \/>verlaeuft - ueber eine gute und fast schnurgeraden Strasse durch sanft huegelige braune Landschaft,<br \/>wieder gesprenkelt mit Akazien und Tamarisken, links von uns die niedrige Bergkette des Jebel Bani bis<br \/>nach Tata, wiederum einer Oasenstadt. Laut Reise-Knowhow eine Stadt mit engagiertem Buergermeister,<br \/>der was tut. Und tatsaechlich wirkt die Stadt aufgeraeumt, sauber und strukturiert, mit breiten Strassen<br \/>und Strassenbeleuchtung, gepflasterten Buergersteigen, einem Schwimmbad, einer Sporthalle, einer<br \/>Klaeranlage und Muell-Containern an der Strasse. Wir fahren, dem Reisefuehrer folgend, nach Sueden in<br \/>ein paar vorgelagerte Doerfer, wo es in Tazart eine Mellah (juedische Qasbah) geben soll, von der jedoch<br \/>nur Mauerreste uebrig sind, in Al Ayoun einen Gemeinschaftsbrunnen zum Waeschewaschen. Bis wir den<br \/>gefunden haben, fuehren wir einen Tross von 30 Dorfjungen mit uns, die alle durcheinander schreien und<br \/>von denen jeder der Tollste sein will. Aber sie sind wirklich lieb. <br \/>Dann kommen zwei Halbwuechsige dazu, die beide geistig ein bisschen langsam zu sein scheinen. Der<br \/>eine ist so klebrig, dass Josef auf mich aufpassen muss wie ein Leibwaechter. Ich fluechte irgendwann ins<br \/>Womo zurueck. Schade!<br \/>Fahren Richtung Tata zurueck, halten an einem franzoesisch gefuehrten Maison D'Hotes, dem Dar<br \/>Infiane, ein wirklich sehr schoen restauriertes altes Steinhaus auf einem Huegel. Versuchen erst, mit dem<br \/>Womo hoch zu kommen, weil ich nicht rechtzeitg Stopp rufe. Haetten unten wunderbar stehen koennen<br \/>und hochlaufen, was wir dann auch tun, nachdem diverse Palmwedel drohen, uns alles vom Dach zu<br \/>fegen und Josef - fluchend - rueckwaerts wieder herunter kurven muss. Trinken dort in der Stille des<br \/>Innenhofes einen Tee, erkunden die verschachtelten Hoefe und Treppenaufgaenge auf die diversen<br \/>Terrassen und Daecher. Die wenigen Gaeste sind alle Deutsche, die das Gaestehaus auch im ReiseKnowhow gefunden haben. Die franzoesische Chefin sieht uns umher wandern und guckt bisschen<br \/>genervt. Aber wir sind ohnehin auf dem Weg nach draussen. Vielleicht mag sie Deutsche nicht? Die<br \/>machen aber offenbar den Loewenanteil ihres Einkommens aus! Tough luck!<br \/>Fahren durch Tata hindurch, kaufen unser uebliches Gemuesesortiment, fahren auf der Nordseite wieder<br \/>raus und finden einen wunderschoenen Platz zur Nacht oberhalb des steil abfallenden Ufers eines<br \/>ausgetrockneten Wadi-Bettes, dass hier mehr aussieht wie ein grosser ausgetrockneter See. Auf der<br \/>anderen Seite stehen die Oesterreicher, die uns in der vorigen Nacht ihren Platz ueberlassen heben.<br \/>28.3.<br \/>Unterhalb der Oesterreicher, dort, wo das Wadi-Ufer steil abfaellt, sind Hoehlen zu erkennen. Da<br \/>muessen wir natuerlich hin. Die Oesterreicher offenbar nicht, denn sie sind schon weg. Im Reisefuehrer<br \/>stand was von Tropfsteinhoehlen noerdlich von Tata. Die haben wir nun wohl ausversehen gefunden -<br \/>nachdem wir gestern nichts von dem finden konnten, was im Buch stand. Machen einen dreistuendigen<br \/>Spaziergang, der viel spannender wird als erwartet. Das Areal mit den Hoehlen, viele davon<br \/>russgeschwaerzt, also mit Sicherheit frueher bewohnt, und teilweise untereinander verbunden, ist<br \/>weitlaeufig - das muss mal ein richtiges Dorf gewesen sein. Die Tropfsteine sind leider sehr beschaedigt,<br \/>und es liegt auch Muell herum. Schade! Wenn man das saeubern und jemanden hinstellen wuerde, der<br \/>es beaufsichtigt, meinetwegen einen Obolus kassieren, dann bliebe es erhalten. So wird es wohl mehr<br \/>und mehr zerstoert. Wir treffen auf ein kurzes, jedoch sehr dramatisch enges und steiles Wadi-Bett,<br \/>laufen an seiner Oberkante entlang und gucken in die scheinbar endlose Tiefe. Es koennte mit der Doigt<br \/>de Singes Schlucht im Dades-Tal oder Snake Canyon im Oman konkurrieren, aber es ist nur ein ganz<br \/>kurzes Stueck, dann flacht es ab und wird breit. Wir ueberqueren das Flussbett und gehen auf der<br \/>anderen Seite in einen verlassenen Weiler, das aus 10 Steinhaeusern besteht, die sich so gut in die<br \/>Landschaft fuegen, dass wir sie vorher gar nicht bemerkt haben. Wir fragen spaeter in Tata nach, wer<br \/>dort und in den Hoehlen bis wann gelebt hat, aber die jungen Leute wissen nichts ueber Vergangenes. Es<br \/>interessiert sie auch nicht, denn sie sind vorwaerts, nicht rueckwaerts gewandt. Alte, die wir fragen<br \/>koennten, treffen wir nicht. Ich sammele in einem der alten Haeuser Bruchstuecke eines Tongefaesses<br \/>auf. Vielleicht kann ich es zuhause zusammen puzzeln. (Als ich hier die Bilder einfuege, ist es schon<br \/>Monate nach unserer Reise, und die Schuessel ist zusammengepuzzelt und ziert unser Buecherregal). Der<br \/>Clan der ehemaligen Bewohner hat sich mit dickem Filzschreiber auf einer Steinplatte, an die Tuer eines<br \/>Hauses gelehnt, verewigt: Al Sha3eeb Khalid Abdel Hamid.<\/p> <p>Wir umrunden den seeaehnlichen Wadi und kehren zum RV zurueck. Den Rest des Nachmittags brauchen<br \/>wir zum Sprit und Wasser tanken und, um eine neue SIM-Karte zu kaufen, da die INWI-Karte ablaeuft und<br \/>wir in ganz Tata keinen Laden finden, der uns Guthaben draufladen kann. Die neue Karte kostet nur 2<br \/>EUR, so dass man es verschmerzen kann. Wir essen an der Strasse noch einen Kaese-Ei-Sandwich und<br \/>trinken unseren Ritualtee dazu (Die Wuerfelzucker werden immer groesser!). Die Frauen in Tata tragen<br \/>meistenteils sehr weite, wallende, satin-schimmernde hellblau bis koenblumenblaue Roecke und oben<br \/>ein schwarzes Tuch. Sieht super aus. <br \/>Wir machen uns auf den Weg in den zentralen Anti-Atlas Richtung Tafraoute. Fahren bis Issafen. Erst ist<br \/>es kahl, nur Wuestenberge, skurrile Formationen, gestreift in allen Braun- und Beigetoenen. Sehr schoen.<br \/>Leider begleitet uns seit der 2. Nacht in Agdz Staub in der Luft, so dass alle Farben blass, die Formen<br \/>konturlos erscheinen. Wir kommen hoeher, auf ca. 1500 bis 1800m, und die Olivenbaueme von weiter<br \/>unten und auch die kahlen Berge weichen Mandelbaeumen - unendlich vielen. Hier ist ueberall<br \/>Kulturlandschaft, sind die nackten Berge, sobald sie sich zu breiten oder schmalen Taelern formen, in<br \/>Parzellen eingeteilt, offenbar Felder, die jedoch ob des trockenen Winters nicht eingesaet wurden. Von<br \/>Tata fahren wir fast 70km, und es kommen uns so gut wie keine Fahrzeuge entgegen. Hier oben sind die<br \/>Frauen von Kopf bis Fuss in Tuareq-blaue Tuecher gehuellt und tragen schoene, bunte Lederschuhe.<br \/>Herrliche Farben. Das sind die Chelhi-Berber, oder Chleuh. Wir fahren bis Issafen, weil Josef gelesen hat,<br \/>dass es dort ein Agadir zu besichtigen und morgen einen guten Markt geben soll. In Issafen gibt es laut<br \/>ein paar Maedchen keinen Agadir, und sie meinen, evtl ein Doerfchen weiter. Stellen uns dort vor eines<br \/>der Cafes, gehen noch ein wenig im Dorf spazieren, versuchen, den Agadir zu finden, das aber irgendwie<br \/>keiner kennt. Es ist nette Abendstimmung und viele Menschen, auffaellig viele Frauen, schlendern<br \/>herum; die Maenner lungern vor und in den Cafes. Josef verteilt wieder an eine Traube Kinder<br \/>Kugelschreiber. Fahren dann vor ein anderes Cafe mit ein bisschen mehr Platz, fragen, ob wir dort bleiben<br \/>duerfen und schluerfen noch einen Tee beim Wirt. Als Josef gerade Abendessen kocht und ich eben unter<br \/>die Dusche will, klopft es, und einer, der sich als Dorfautoritaet ausweist, will eine Passkopie von uns,<br \/>damit er besser auf uns aufpassen kann. Na, dann. Er schickt seinen Adlatus los, eine Kopie zu machen,<br \/>und ich unterhalte ihn so lange an der offenen Tuer. Ich glaube, er macht sich wichtig und war neugierig,<br \/>hofft vielleicht, in das Innere des Womo eingeladen zu werden. Endlich kommt der andere wieder und sie<br \/>trollen sich. Die Nacht ist ein bisschen laut wegen der direkt am Fenster vorbei fahrenden Autos und des<br \/>obligatorischen Hundegeklaeffs.<br \/>29.3.<br \/>Wir fahren am Morgen hinunter zum Markt in Issafen, und der ist wieder ganz anders als all die anderen<br \/>Maerkte. Besonders faellt auf, dass wirklich viele Frauen unterwegs sind. Ich zeige auf die schoenen<br \/>bunten Schuhe einer alten klitzekleinen Frau und sage ihr, wie schoen ich sie finde. Sie strahlt, umarmt<br \/>mich, kuesst mich, haelt meine beiden Haende. Eine andere alte Frau mit denselben Schuhe hat ein<br \/>schmerzverzerrtes Gesicht, zieht einen Schuh aus und jammert. Es guckt ein Nagel von innen raus. Josef<br \/>holt sein Messer aus dem Auto und entfernt ihn. Sie kuesst ihm die Haende, bedankt sich tausendmal. Ein <br \/>paar Jungen folgen uns unaufdringlich, und Josef kauft bei einem Popcorn-Roester zwei Tueten und gibt<br \/>sie ihnen. Es ist ein buntes Treiben, herrliche Stimmung. Vor den Gemuesehaendlern warten die Leute<br \/>auf Schuesseln, in denen man das sammelt, was man kaufen will und es dann zum Wiegen uebergibt. Wir<br \/>kaufen auch ein: Gemuese, Datteln, und Josef zwei Paare von den gelben Berberlederschuhen der<br \/>Maenner. Ich bin auch versucht, die roten Pendants fuer Frauen zu kaufen, aber ich fuerchte, sie sind zu<br \/>hart fuer mich. Schliesslich ziehen wir weiter, fahren wieder Richtung Tafraoute, wollen uns treiben<br \/>lassen und sehen, wie weit wir kommen. Hier oben ist es total gruen, alles blueht, richtig Fruehling. Uns<br \/>fallen in den Bergen viele, viele Steinmanderl auf, oft mit weisser Farbe ueberschuettet oder sogar<br \/>\"bekleidet\". Wir halten im naechsten Ort, auch, um zu fragen, was es damit auf sich hat. Ein paar Frauen<br \/>sitzen im Schatten am Strassenrand, eine knackt Mandeln, die andere haekelt eine Decke. Wir gesellen<br \/>uns dazu und plaudern. Es kommen noch ein paar mehr Frauen hinzu, die eine versorgt Josef mit einem<br \/>Tellerchen Mandeln. Die andere erklaert mir, die Steinmanderl seien Grenzmarkierungen der<br \/>Landbesitzer. Josef moechte Mandeln kaufen, und die haekelnde Fatima nimmt mich mit nach Hause, um<br \/>dort Mandeln zu holen. Sie ist nicht mehr ganz jung und lebt unverheiratet mit ihren ebenfalls<br \/>unverheirateten und noch aelteren Schwestern und der Mutter. Das ist schon hart in so einer<br \/>Gesellschaft wie dieser. Der Vater ist gestorben. Sie haben ein kleines Kraemerlaedchen, eine Kuh, ein<br \/>Kalb und einen Esel. Das Haus, immerhin ein nicht uraltes und schon aus Beton, ist sehr einfach. Sie zeigt<br \/>es mir voller Stolz. Sie haben einen Innenhof und noch einen Hof aussen, wo die Tiere stehen. Ich frage<br \/>sie, warum die alle im Stall sind und nicht draussen; sie wuerden den Nachbarn die Felder leer fressen,<br \/>wenn man sie raus liesse, erklaeren sie mir. Die dunkle Kueche besteht aus einem gemauerten Thresen,<br \/>darauf ein 2-Flammen-Gasherd, darunter auf dem Boden ein kleiner Gasofen. Irgendwo im Hof steht ein<br \/>Kuehlschrank. Sie nimmt die Mandeln mit in ihr Laedchen, wiegt sie ab, wir bezahlen, verabschieden uns<br \/>von der Damengruppe und fahren weiter.<br \/>In einem Oertchen namens Issouka sehe ich auf MapsMe einen Agadir eingezeichnet. Dies sind Speicher,<br \/>in denen Dorfgemeinschaften frueher, als die diversen Berberstaemme sich immer mal wieder<br \/>gegenseitig ueberfielen, lebenswichtige Dinge bevorrateten und auch ihre Wertsachen einschlossen und<br \/>so vor feindlichen Angreifern schuetzten. Bei Ueberfaellen hat sich mitunter die ganze Gemeinschaft in<br \/>diese burgaehnlichen Gebilde gefluechtet. Wir sehen am Hang oberhalb des Dorfes ein flaches<br \/>rechteckiges, recht grossflaechiges Steingebaeude mit Wachturm, fragen im Dorf, ob man es wohl<br \/>ansehen kann, aber die Antwort ist etwas unklar. Ein Spanier, der auf dem Fahrrad unterwegs ist, hat<br \/>schon versucht, hinein zu kommen, hat aber aufgegeben und radelt nun zum naechsten Agadir ein paar<br \/>Doerfer weiter. Der Guardien, also der Waechter, sei oben und wir sollten ihn fragen, sagt uns eine Frau<br \/>(ihre kleine Tochter dolmetscht ins Arabische). (Neben ihrem Haus finde ich eine wunderschoenen<br \/>Schieferstein mit filligran gezeichnetem Urfarn.) Sein Name sei Yazid. Wir laufen hoch durch das<br \/>urspruengliche Dorf, das keine feste Strasse hat; nurdie Natursteinplatten des Berges geben ein wenig<br \/>Festigkeit; links und rechts nur schmale Gassen und um das Dorf herum alles fruehlinghaft gruen. Es<br \/>blueht alles. Oben am Agadir stehen wir und rufen nach Yazid. Er antwortet auch, oeffnet jedoch nicht.<br \/>Ploetzlich ist ueber uns eine Stimme. Wir treten zurueck vom Tor. Dort kauert er oben drauf und<br \/>bedeutet uns, dass er uns nicht oeffnen koenne. <br \/>Wir laufen noch ein bisschen im Dorf herum, plaudern dann noch einmal mit der Frau vom Dorfeingang.<br \/>Sie erklaert uns, dass sie dort noch immer ihre Wertsachen aufhebe. Es ist wie eine Art Bank mit<br \/>Schliessfaechern fuer jede Familie. Die Tatsache, dass er noch immer in Gebrauch ist, erklaert auch,<br \/>warum Yazid uns nicht oeffnen durfte. Wie sicher waere der Agadir, wenn er fuer jeden Hans und Franz<br \/>geoeffnet wuerde?<br \/>Wir fahren weiter, finden im Reisefuehrer einen Hinweis auf einen Agadir in Tasguent, den man<br \/>keinesfalls auslassen sollte. Wir fahren mit dem Womo bis unterhalb des auf einem kleinen Berg allein<br \/>thronenden, riesigen Agadirs, wollen eigentlich hier uebernachten und erst morgen hinein, weil es wohl<br \/>mit der Besichtigung nicht so einfach ist.<br \/>Gehen ein bisschen spazieren, versuchen, heraus zu finden, wo der Guardien, der Waechter lebt, um uns<br \/>auf morgen mit ihm zu verabreden. Dann sehen wir unseren spanischen Radfahrer wieder, der oben am<br \/>Eingang ist, laufen auch hoch, rufen und klopfen jedoch vergeblich. Auf einer Steintafel am Eingang steht<br \/>eine Telefonnummer in Kreide. Aber leider ist unser Telefon unten um Auto. Als wir noch unschluessig<br \/>herum stehen, kommt noch ein spanisches Ehepaar herauf. Wir verabreden, dass wir ins Womo zurueck<br \/>gehen und versuchen, die Nummer zu erreichen. Aber das Telefon ist abgeschaltet. Dann ruft der Spanier<br \/>von oben ganz laut und rudert wie wild mit den Armen. Offenbar hat jemand geoeffnet. Wir laufen den<br \/>Berg zum zweiten Mal hinauf und, siehe da, der betagte Saeed, mit Rotznase und der letzten Mahlzeit im<br \/>Stoppelbart verteilt, hat geoeffnet und ist gewillt, uns herum zu fuehren. Er spricht richtig gut<br \/>franzoesisch und weiss viel. So etwas Tolles haben wir selten gesehen. Wirklich beeindruckend! Auf fuenf<br \/>Stockwerke und vier verschiedene Hoefe verteilt, nur aus Trockenmauern und ohne Moertel oder Lehm <br \/>gebaut, gibt es hunderte von Kammern. Die oberen Stockwerke sind nur ueber in die Mauern<br \/>eingefuegte Steinplatten, die einzelnen Hoefe ueber steile Steintreppen und dunkle Durchgaenge<br \/>erreichbar.<br \/>Die meisten kleinen Tuerchen, wie fuer Zwerge gemacht, tragen noch Vorhaengeschloesser. Der Agadir<br \/>wurde vor hunderten von Jahren von zwei Doerfern errichtet, bietet jedoch 10 umliegenden Doerfern<br \/>Schutz. Ob die Kammern noch genuetzt werden, weiss er nicht genau. Er sagt, es kann durchaus sein,<br \/>dass dort noch Wertsachen lagern. In einigen der Kammern liegt noch Getreide, das von einem Dorf dort<br \/>eingelagert wurde...Wir sind wirklich tief beeindruckt. Zum Abschluss laufen wir noch auf den<br \/>baufaelligen Daechern herum. Es ist mittlerweile richtig kalt hier, und wir sind alle zu leicht angezogen.<br \/>Saeed will in seine warme Kammer - er wohnt hier oben - und ist froh, uns los zu werden. Man haette<br \/>sich noch Stunden dort aufhalten koennen, in jeden Winkel kriechen. Welch geniale Erfindung. Hier<br \/>muessten irgendwelche Millardaere, die ihre Kohle in Kunst stecken, sich engagieren. Die Spanier<br \/>erklaeren, dass alle anderen Agadire, die sie gesehen haben, am verfallen sind. Dieser sei der am besten<br \/>erhaltene. Wer weiss, wie lange noch. Saeed repariert hier und da. Aber wieviel kann das kleine<br \/>Maennchen bei diesem riesigen Bau ausrichten, so ganz allein und ohne Hilfsmittel?<br \/>Wir beschliessen, vom Dorf weg zu fahren, da ein selbst ernannter Waechter neben dem Womo steht<br \/>und nicht von unserer Seite weicht, obwohl wir ihm schon eine \"Gebuehr\" entrichtet haben. An der<br \/>Strasse Richtung Tafraoute, weit oben auf einem Berg, finden wir neben der Strasse ein ebenes<br \/>Plaetzchen neben einem Strommast und bleiben dort, schlafen in der Einsamkeit wie Murmeltiere.<br \/>30.3.<br \/>Heute frueh geht ein kleines altes Maennlein um unser Womo herum, setzt sich dann mit seinem<br \/>Buendel an die Strasse und wartet auf ein Sammeltaxi oder einen Bus. Wir machen Haushaltstag, putzen <br \/>ein bisschen, versuchen heraus zu finden, warum unser Wasserdruck so niedrig ist, ... Als wir losfahren,<br \/>ist das Maennlein fort. Nach ein paar Kilometern holen wir ihn ein. Er hat das Warten wohl aufgegeben.<br \/>Wir nehmen ihn mit, und er ist voellig platt. Er sitzt auf der Kante des Beifahrersitzes, beruehrt den<br \/>Bildschirm des Navi, schreckt zurueck, als der Touchscreen sich veraendert, nimmt unsere Marokko-Karte<br \/>in die Hand, beguckt sie von allen Seiten, riskiert mal einen scheuen Blick nach hinten ins Womo,<br \/>murmelt unterdessen die ganze Zeit vor sich hin. Als wir nach seinem Namen fragen, kramt er aus seiner<br \/>hinteren Hosentasche ein in Plastik gewickeltes Buendel Papiere heraus und zeigt uns voller Stolz einen<br \/>vergilbten Zettel mit einer franzoesischen Adresse darauf und seinem Namen Abdulrahman. Leider<br \/>koennen wir uns gar nicht verstaendigen. Er ist Chelhi-Berber und spricht kein Wort Arabisch. Wir lassen<br \/>ihn im naechsten Ort raus - dort wollte er hin - und er guckt uns, noch immer ganz verwundert, hinterher.<br \/>Irgendwann lassen wir die kargen, sanften Berge, in den Taelern hier und da Mandelbaeume, hinter uns,<br \/>kommen wieder in gruenere Gefilde, fahren an herrlich auf Bergkuppen und an Haengen gebauten<br \/>Lehmdoerfern vorbei, wobei weiter unten in den Taelern neue, schoene Haeuser stehen. Nun sind wir im<br \/>Herzen des Anti-Atlas, kurz vor Tafraoute. Die Landschaft ist herrlich: steile Berge, tiefe, gruene Taeler,<br \/>huebsche Doerfer. Halten in einem x-beliebigen Dorf, weil wir endlich Arganbaeume sehen und sie aus<br \/>der Naehe betrachten wollen.<br \/>Laufen drauf los, erst durch das sehr aufgeraeumt und wohlhabend wirkende neue Dorf, dann den Berg<br \/>hoch zu den verfallenen Lehmhaeusern, noch ein bisschen oberhalb des steil unter uns abfallenden<br \/>Wadis, dann jedoch zurueck, weil wir nicht ausgeruestet sind fuer eine laengere Tour. In der Moschee<br \/>laeuft, mit Lautsprecher uebertragen, damit auch wir Heiden was davon haben, das Freitagsgebet,<br \/>begleitet von monotonen Gesaengen, die eher an den christlichen Karfreitag erinnern (ist heute) oder an<br \/>die buddhistischen Gesaenge, die wir nachts in Sri Lanka gehoert haben. Auf jeden Fall klingt es ganz<br \/>anders als das Freitagsgebet in den Moscheen von Dubai oder anderen arabischen Staedten und<br \/>Doerfern. Es gibt ein Maison D'Hotes am Hang. Wir trinken einen Tee auf dem Dach mit herrlicher<br \/>Aussicht und noch immer die Freitagsgebete im Hinter-, eigentlich eher Vordergrund .<br \/>Als wir am Womo zurueck sind, beschliessen wir, es gut sein zu lassen fuer heute und uns ein<br \/>gemuetliches Plaetzchen zu suchen. Stehen mitten im Wadi, um uns rum plaetschert Wasser und quaken<br \/>die Froesche. Ueber uns tirillieren die Bienenfresser, und hier und da springt ein Hoernchen ueber die <br \/>Felsen. Die Idylle wird nur ein wenig von den Lastern getruebt, die ab und zu mit einer Ladung Kies fuer<br \/>die Strasse oberhalb des Wadis an uns vorbei rumpeln. Aber sie winken jedes Mal freundlich.<br \/>Uebrigens war es heute wieder den ganzen Tag diesig - sehr zu unserem Leidwesen, denn wir ahnen, was<br \/>hier um uns herum fuer eine grandiose Landschaft ist. Jetzt am Abend ist es ganz klar und Vollmond.<br \/>Vielleicht ist es morgen wieder gut. Inshallah!<br \/>31.3.<br \/>Wir haben seit ein paar Tagen ganz geringen Wasserdruck - so wenig, dass es versiegt, wenn Josef sich<br \/>die Brause ueber den Kopf haelt. Bei meinen 1,63m war es noch ein einigermassen brauchbares Rinnsal.<br \/>Aber heute ist der Strahl nur noch duenn wie ein Faden. Wir googlen, lesen in den Foren nach, spielen<br \/>mit der Pumpe rum, etc. Hilft alles nichts. Ich finde einen Blog von 2014 mit einem Eintrag ueber eine<br \/>WoMo-Werkstatt in Agadir, Trigame, dazu einen Namen Kareem und die Telefonnummer. Ich rufe ihn an<br \/>und siehe da, es gibt ihn, und er sagt, wir koennen jederzeit kommen. Allerdings ist Agadir 150 km weg,<br \/>und wir wollten noch hier im Anti-Atlas verweilen, wandern gehen, die herrliche Landschaft geniessen.<br \/>Also beschliessen wir, mal nach Tafraoute hinein zu fahren und dort zu fragen, ob es jemanden vor Ort<br \/>gibt, der Ahnung hat. Ein Tankwart schickt uns zu Mohammad an der Hauptstrasse, wo uns eben bei der<br \/>Herfahrt schon die vielen Womos aufgefallen sind, die vor seinem Laden rumstehen.<br \/>Wir dachten, die campen da. Weit gefehlt. Er ist mit seiner Mannschaft offenbar ein Geheimtip fuer<br \/>Karosserie- und Lackierarbeiten fuer Womobesitzer aus ganz Europa, die hierher fahren, wochenlang vor<br \/>seinem Laden wohnen, waehrend er ihnen ihr Fahrzeug aufpeppt. Da ist ein ganz junges franzoesisches<br \/>Paerchen, deren uralter Mercedes komplett \"nackig\" ist und gerade gespachtelt und modelliert wird,<br \/>bevor sie ihn neu lackieren. Ein hollaendisches Paar laesst bei ihrem betagten Womo ebenfalls die<br \/>Karosserie sanieren, mit Dichtungen und allem Drum und Dran, und laesst es dann sahara-beige spritzen.<br \/>Ein Dritter, ein junger Franzose, mit Frau und kleinem Kind, hat seine Aufliegerkabine auf der anderen<br \/>Strassenseite auf Steine aufgebockt, und sie wohnen darin waehrend sein komplettes Fahrgestell, die<br \/>Fahrerkabine und der Alkoven seines Aufliegers totalsaniert werden. Und so stehen nochmal drei oder<br \/>vier Fahrzeuge herum. Mohammads Mannschaft ist gut beschaeftigt. Er doktort an unserer Pumpe<br \/>herum, telefoniert mit Kareem in Agadir, ob der ihm eine neue mit dem Sammeltaxi schicken kann, baut<br \/>dann unsere auf unser Draengen aus, haengt sie mit ein paar Draehten an seine Autobatterie, wo sie<br \/>wunderbar das Wasser aus der drunter gehaltenen Flasche ansaugt und in einem kraeftigen Strahl wieder<br \/>raussprudelt. Alles super. Lassen auch gleich noch unsere Kofferraumtuer, die uns in Midelt der Sturm<br \/>weg geblasen hat, neu befestigen. Allerdings bricht Mohammads Mitarbeiter zwei Schrauben ab, <br \/>nachdem er sie halb rein gedreht hat. Er muss sie rausbohren, faengt an, sagt immer wieder beruhigend,<br \/>es sei alles kein Problem, verkuendet dann, dass er mal kurz mittagessen geht, kommt entspannt nach 45<br \/>Min wieder - mittlerweile haben wir unsere Stuehle auf den Buergersteig gestellt und Tee gekocht -<br \/>bastelt weiter und kriegt es irgendwie hin. Wir bezahlen 200 Dh und freuen uns, weil wir die Pumpe nicht<br \/>unsinnigerweise ausgetauscht haben, fahren dann zum Campingplatz zum Dumpen, und als wir uns<br \/>anschliessend die Haende waschen wollen, geht wieder gar nix. April, April! Fahren wieder zu<br \/>Mohammad, der aber gerade nicht da ist, und beschliessen kurzerhand, doch nach Agadir zu fahren,<br \/>hoffen, dass Kareem es hin bekommt. Sonst weiss ich nicht, wie wir weiter reisen, so ganz ohne Wasser.<br \/>Mittlerweile ist es Nachmittag, und wir verabreden uns fuer morgen frueh mit Kareem. Fahren also die<br \/>wunderschoene Strecke von Tafraout ueber Ait Baha nach Agadir. Die Berge, die burgaehnlichen<br \/>Doerfchen auf kegelfoermigen Bergen, die Lehmhaeuser, das viele zarte Fruehlingsgruen - alles leuchtet<br \/>in der Abendsonne, und ich will unbedingt noch einmal hierher fahren, weil es so schoen ist.<br \/>Kurz vor Ait Baha quatscht uns eine Horde selbstbewusster junger Frauen an. Sie koennen Englisch und<br \/>sind sehr freundlich, herzlich und neugierig. Es freut mich immer, wenn wir hier Frauen sehen, die nicht<br \/>so schamhaft und schuechtern sind.<br \/>Wir halten, kurz bevor die Strasse zur Kueste abfaellt und bevor es stockdunkel ist, finden ein Plaetzchen<br \/>in einem Arganienhain und verbringen eine friedliche Nacht bei unglaublich hellem Vollmond.<br \/>1.4.<br \/>Morgens fahren wir hinunter in die Kuestenebene. Und wer steht da im Gruenen neben der Strasse? Die<br \/>Oesterreicher, die wir nun schon das dritte Mal sehen.<br \/>Der Kontrast zur Landschaft vorher koennte groesser nicht sein. Hier ist es platt und gruen wie in<br \/>Ostfriesland. Wir fahren durch die Vororte von Agadir. Tageloehner stehen mit ihren jeweiligen<br \/>Werkzeugen ausgeruestet an der Strasse und warten, dass jemand sie mitnimmt auf eine Baustelle, auf <br \/>ein Feld, sonstwohin. Esel- und Mulikarren, voll beladen, teilweise im Galopp unterwegs, Autos, MotorDreiraeder, Schulbusse - alles ist auf den Beinen. Die Taxis sind alle hellblaue Mercedes Limousinen Typ<br \/>123. Morning rush hour.<br \/>Wir sind mit Kareem am Souq Al Hadd verabredet, einem riesigen Markt, zu dem wir spaeter zurueck<br \/>kehren wollen. Fahren zu Kareems kleiner Werkstatt. Er und sein Kollege tauschen unsere Pumpe<br \/>schwuppdiwupp aus, und das Wasser kommt mit einem Druck, wie wir es noch nie hatten.<br \/>Wahrscheinlich war die Pumpe schon defekt, als wir das Womo gekauft haben. Das haben die bei<br \/>Niessmann und Bischoff mit Sicherheit gewusst - die Saeckel! Wir bedanken uns ganz herzlich -<br \/>besonders, da heute eigentlich Feiertag ist und die beiden dennoch geholfen haben.<br \/>Ich lasse mir noch den Weg zum naechsten Hammam beschreiben, weil meine Haare dringend unter<br \/>Wasser gehoeren. Josef sitzt wieder im Cafe und liest Zeitung. Das Prozedere im Hammam ist wie gehabt<br \/>und tut wiederum sehr gut.<br \/>Wir schlendern noch ausgiebig ueber den Souq Al Hadd Markt, woertlich \"Der Sonntagsmarkt\". Viele<br \/>Doerfer hier sind nach dem Markttag benannt. Wahrscheinlich war das hier auch mal ein Stadtteil oder<br \/>Dorf ausserhalb Agadirs, das aus einem Markt heraus entstanden ist. Er ist wirklich riesig und sehr gut<br \/>besucht. <br \/>Ueberall sitzen Frauen und kneten Arganoelmasse zu Seife, aus Muehlen laeuft dickfluessig, fast als Mus,<br \/>Argan- und Mandeloel. Wir kaufen jeweils ein Pfund Erdnussmus mit Honig und Mandelmus pur, Oliven<br \/>und die hausgemachten Plaetzchen der Marokkaner. Sehr lecker!<br \/>Dann fahren wir im grossen Bogen durch Agardir und sind positiv ueberrascht. Alle sagten, es sei<br \/>nichtssagend und eher haesslich. Koennen wir gar nicht finden. Es ist sehr anders als der Rest dessen, was<br \/>wir bisher gesehen haben, wirkt fast ein bisschen mondaen. Es gibt die aelteren Touristenhotels, die nicht<br \/>mehr so ganz taufrisch aussehen, aber auch schoene neue, jedoch keine architektonischen<br \/>Monstrositaeten. Schliesslich verlassen wir Agadir und fahren wieder hinauf Richtung Ait Baha, daran<br \/>vorbei und fast bis zum sehr malerischen Agadir Tizrgane, aber eben nur fast, weil es beinahe dunkel ist<br \/>und Josef auch genug hat vom Fahren heute. Wir stellen uns neben der Strasse auf einen Schotterplatz,<br \/>haben eine herrliche Aussicht nach allen Seiten und schlafen wie die Murmeltiere.<br \/>2.4.<br \/>Sind als erstes zum Agadir gefahren. Tizrgane, das eigentlich kein Agadir, sondern ein Weiler ist, wurde in<br \/>Zusammenarbeit mit dem marokkanischen Kultusministerium und viel Privatinitiative zum Teil restauriert<br \/>und beherbergt eine schoene Auberge, die die Haelfte des Weilers ausmacht. Es ist, wie eine Festung, auf<br \/>einer Bergspitze, umgeben von einer kompletten Mauer und mit nur zwei Eingangtoren, wovon das erste<br \/>verschlossen ist. Wir gehen aussen um die Mauer herum und finden auf der anderen Seite ein offenes<br \/>Tor, gehen hinein, laufen durch die paar engen Gassen. Es ist noch ganz still hier; scheinen alle noch zu<br \/>schlafen. Irgendwann kommt ein Mann mit einer Schubkarre vorbei, und wir finden die Baustelle,<br \/>schauen ein Weilchen zu, wie sie Zement mit einem Flaschenzug auf ein Dach bringen, werden dann<br \/>recht unwirsch von so einer Art Vorabeiter weggeschickt. Ebenfalls recht unwirsch begegnet uns ein<br \/>junger Mann, der uns pro Person 20 Dh Eintritt abnimmt. Als ich ihm sage, dass im ganzen Weiler kein<br \/>Schild haengt, wohin man sich wenden soll, dass auch kein Mensch zu sehen war, wir aber keineswegs<br \/>die Absicht hatten, uns hinein zu schleichen, entschuldigt er sich damit, dass er eben erst aufgewacht sei.<br \/>Ist ja auch erst 10:00. Da kann man als Hotelangestellter schon noch in den Federn liegen.<br \/>Wir beschliessen, unserem \"mapsme\" folgend, von dieser Seite aus, also von der Nordseite, einen<br \/>Wanderweg auf den Jebel Lekst zu finden, anstatt erst nach Tafraoute zurueck zu fahren, um vom Sueden<br \/>aus zu klettern. Fahren also von Tizrgane aus Richtung Berg, soweit es geht, finden einen guten Platz, das<br \/>Womo abzustellen, und laufen los. Ein Feldweg fuehrt an einem sehr hohen, jedoch eher leicht<br \/>rieselnden Wasserfall mit Gumpe (lerne auf dieser Reise, dass dies ein amtliches deutsches Wort fuer ein<br \/>natuerliches Wasserbecken ist), dann an mehreren, zwar gepflegten, jedoch scheinbar verlassenen<br \/>Haeusern vorbei, laufen weit hinauf bis zum letzten Weiler, wo ein paar Maenner einen Anbau an ein<br \/>Haus errichten und fragen sie nach Wegen den Jebel Lekst hinauf, folgen ihren Beschreibungen und<br \/>finden tatsaechlich einen wunderbaren Trampelpfad, parallal zum Bachbett steil hinauf fuehrend, dann in<br \/>ein weites Hochtal, weiter hinauf, jetzt durch einen Steineichenhain und schliesslich wieder ein Hochtal.<br \/>Um uns herum lauter Gipfel. Eigentlich haben wir nicht den Ehrgeiz, es bis ganz hinauf zu schaffen, aber<br \/>wir glauben im Nachhinein, dass wir doch auf ueber 2000m waren. Der hoechste Gipfel liegt bei 2200m.<br \/>Jedoch ist das gesamte Massiv so breit, dass man wahrscheinlich selbst von ihm aus nicht hinunter<br \/>schauen koennte auf die Suedseite. Wir finden eine uralte Muenze (Josef meint, den Davidstern darauf zu<br \/>erkennen) und eine 30 cm lange Stachelschweinborste! Hier oben duftet es nach allem Moeglichen, nicht<br \/>nur nach Kraeutern, sondern richtig wie Parfum. Der Himmel hat sich im Laufe des Vormittags geklaert,<br \/>und wir wandern bei schoenstem Sonnenschein durch gruene Landschaft. In einem der Hochtaeler<br \/>sammelt ein Mann wilden Thymian, waehrend sein Esel geduldig wartet. <br \/>Sind nach sechs Stunden strammen Raufs und Runters wieder am Womo, trinken einen Tee und<br \/>beschliessen, der Teerstrasse noch ein Stueck nach oben zu folgen, in der Hoffnung auf einen Schlafplatz.<br \/>Fahren an einer Stelle vorbei, primitiv mit ein paar Steinen markiert, wo die Strasse unterspuelt und<br \/>weggebrochen ist. Hier fahren taeglich die Schulbusse vorbei. Mir wird ganz anders, wenn ich da hinunter<br \/>schaue. Hier stehen wir nun auf 1700m in einem grossen Hochtal mit wiederum ganz unglaublicher<br \/>Landschaft um uns herum. Direkt neben dem Womo sind zwei grosse Loecher in der Erde. Schakal?<br \/>Fuchs? Heute Nacht mal ansitzen durch's Fenster!<br \/>3.4.<br \/>Von wegen Ansitzen durch's Fenster! Geschlafen haben wir, wie die Steine. Morgens hocken schon<br \/>wieder diverse Kraeutersammler im weiten Umkreis um uns herum. Wir gehen gucken, was sie da<br \/>sammeln. Alles Moegliche, was nur jetzt im Fruehjahr so schoen waechst und ein kraeftiges Aroma<br \/>versprueht. Ein Mann drueckt mir aus seinem Sack einen ganzen Armvoll Kraeutergemisch in die Hand<br \/>und als Dreingabe seine Adresse und Telefonnummer: wir seien jederzeit willkommen, auf seinem<br \/>Grundstueck ein Dorf weiter zwischen Zitrus- und Mandelbaeumen zu kampieren. Die Frauen sind hier<br \/>oben verschlossener. Wenn wir an der Strasse an ihnen vorbei fahren, drehen sie sich weg und bedecken<br \/>ihr Gesicht - selbst die ganz alten. Wir folgen einer Strasse, die uns theoretisch wieder auf die Nordseite<br \/>des Bergmassivs und Richtung Tafraoute bringen muesste, sind jedoch nicht sicher, in welchem Zustand<br \/>sie ist. Im naechsten Dorf stehen zwei Maenner auf ihrem Hausdach, und wir fragen sie. Sie kommen<br \/>runter zu uns, und es entspinnt sich, wie so oft hier, ein nettes Gespraech. Der aeltere, der Vater, lebt<br \/>hier; der juengere, sein Sohn, lebt mit Familie in Meknes weiter im Norden und betreibt dort zwei<br \/>Cafehaeuser. Auch der Vater war sein ganzes Berufsleben weg - in Frankreich, kam erst zur Rente<br \/>wieder. Die Doerfer hier sehen viel wohlhabender aus als weiter im Sueden und Osten. Die Menschen <br \/>sind abgewandert als Gastarbeiter und investieren in ihren Doerfern in neue Haeuser. Die alten<br \/>Lehmsiedlungen sind ebenso verlassen und dem Verfall preisgegeben, wie die jahrhundertelang in den<br \/>Berg gearbeiteten Terrassen. Niemand pflegt sie mehr, niemand bestellt die Felder, pflegt die<br \/>Mandelbaeumchen, noch weiter unten an den Haengen die Arganbaeume. Man kann es ihnen nicht<br \/>verdenken: es ist Schwerarbeit fuer den niedrigsten Lohn. Der Kraeutersammler erzaehlt uns, er<br \/>bekommt pro Kilo getrocknete und von den Stengeln befreite Kraeuter 10 Dh (= 1 EUR). Ein KG<br \/>getrocknete Kraeuter ist eine Riesenmenge. Was eine Arbeit fuer fast nichts! Auf dem Markt wird das Kilo<br \/>Thymian fuer 40 Dh verkauft - im Grunde auch wenig. Zum Vergleich: Obst und Gemuese kosten<br \/>zwischen 5 und 8 Dh pro Kilo. Also wollen die jungen Leute anders ihr Geld verdienen - mit dem Ergebnis,<br \/>dass die Jugendarbeitslosigkeit in der Stadt bei fast 30 % liegt, auf dem Land bei 9%.<br \/>Wir kommen ins Politisieren, und der Sohn sagt, die Araber seien selbst Schuld an ihrer Misere, sie seien<br \/>untauglich. Immerhin ein guter Anfang, die Selbstkritik! Wir verabschieden uns schliesslich, nachdem die<br \/>Maenner uns versichert haben, dass die Strasse bis nach Tafraoute geteert sei (franzoesisch \"goudronee\"<br \/>- ein sehr wichtiges Wort hier) und fahren dann durch diese wunderschoene Landschaft, die gruenen<br \/>Berge, kunterbunten Blumen, die huebschen an die Haenge geklebten Doerfer mit ihren, wenn auch<br \/>meistenteils neuen, so doch sehr schoenen oft dunkelrot oder rosa verputzen Haeusern, die sich<br \/>wunderbar in die Landschaft schmiegen. Die alten Terrassen ziehen sich die Haenge hinauf bis auf<br \/>2000m. Unglaublich! Was muss das fuer eine Arbeit gewesen sein, die zu erhalten und bewirtschaften. Es<br \/>geht in Serpentinen immer zwischen 1100m und 1400m rauf und runter. Der Himmel ist blitzeblau.<br \/>Dann sehen wir direkt an der Strasse einen kleinen Wasserfall, der sich in eine recht grosse Gumpe<br \/>ergiesst - der ideale Platz zum Waeschewaschen, auch, um die Fenster von ihrer Staubschicht zu befreien,<br \/>und das Bett frisch zu beziehen. Gesagt, getan. <br \/>Ich weiche alles ein, und waehrend es vor sich hin weicht, trinken wir Tee, lesen Zeitung und lauschen<br \/>dem Plaetschern. Es fahren in den Stunden, die wir dort verbringen, keine fuenf Autos vorbei. Eines<br \/>davon haelt, und zwei Maenner, mit Kochuntensilien und Strandmatte bewaffnet, verschwinden<br \/>zwischen den Felsen. Ein zweites haelt, und zwei Maenner, Fernmeldetechniker, die fuer einen<br \/>Fernsehsender arbeiten, bleiben ein Weilchen und plaudern. Irgendwann kommt ein Mann zu Fuss, der<br \/>uns ein paar aus Schilfgras selbstgemachte Koerbchen verkaufen will. Wir bieten ihm stattdessen ein paar<br \/>der leckeren marokkanischen Konditorkekse an, und er trollt sich einigermassen zufrieden. Als unsere<br \/>Waesche einigermassen getrocknet ist (das geht hier ratzfatz mit der Aufhaengtecknik der Frauen: man<br \/>legt alles ueber trockene Buesche, sodass der Wind von allen seiten drunterfahren und die Sonne voll<br \/>drauf prasseln kann), packen wir alles zusammen, lassen das Womo stehen und folgen dem Wasserlauf<br \/>nach oben, stellen fest, dass hier zwei kleine Fluesse zusammen fliessen, finden an dem einen die beiden<br \/>Picknicker, die sich an einem weiter oberhalb liegenden, sehr hohen Wasserfall ein Mittagessen gekocht<br \/>haben und uns ueberreden wollen, mit ihnen zu essen. <br \/>Wir bedanken uns ganz herzlich, moechten aber noch ein bisschen laufen. Weit kommen wir nicht, da es<br \/>ueberall sehr steil nach oben geht. Dennoch sehr schoen hier. Wir erkunden noch den zweiten Bachlauf,<br \/>der ebenfalls an einem hohen Wasserfall mit darunter liegendem Becken endet. Es ist wohl alles<br \/>Schmelzwasser, das spaetestens im Juni abgeflossen sein wird, so dass dann hier alles trocken sein wird.<br \/>Schliesslich fahren wir weiter Richtung Tafraoute. Als wir die Hoehe verlassen, kommen ploetzlich von<br \/>Westen bedrohlich dunkle Wolken. Sie quellen ueber die Berge, die wir eben hinter uns gelassen <br \/>habenund tauchen sie in Nebel. Vor uns ist noch immer beinahe dunkelblauer Himmel. Wir fahren vor<br \/>der Schlechtwetterfront her, lassen sie schliesslich weit hinter uns, und als wir wieder unten im breiten,<br \/>gruenen Ammelntal sind, wo wir ein paar Naechte vorher uebernachtet hatten, ist nichts mehr zu sehen<br \/>von den Wolken. Tafroute ist geschaeftig, wie schon vor unserem Abstecher nach Agadir. Vor<br \/>Mohammads Womowerkstatt steht wieder ein halbes Dutzend Fahrzeuge. Wir gehen auf den freien Platz<br \/>hinter der Stadt wo man offiziell \"wild\" stehen darf, ziehen nochmal zu Fuss los, essen wiederum ziemlich<br \/>schlechte Hackspiesschen mit kalten Pommes und broeseligem Brot und nehmen uns zum vierten Mal<br \/>vor, hier nicht mehr essen zu gehen.<br \/>Als wir schon im Pijama dasitzen, klopft es, und ein Angestellter der Stadt kassiert 15 Dh Gebuehr,<br \/>erzaehlt uns noch, dass unser Kofferraum vorher sperrangelweit offen stand, als wir weg waren. Das<br \/>passiert uns nun schon zum zweiten Mal, dass wir weg laufen ohne ihn zu schliessen. Aber es fehlt wieder<br \/>nichts. Gott sei Dank ist das so ein ehrliches Voelkchen bisher!<br \/>4.4.<br \/>Gehen nach dem Fruehstueck nochmal in die Stadt, um zur Bank zu gehen. Es ist der Teufel los. Die<br \/>ganzen Leute aus den umliegenden Bergdoerfern sind offenbar hier. Wir postieren uns in einem Cafe an<br \/>der Strasse und beobachten das bunte Treiben. So schoen und so unterhaltsam.<br \/>Wir wollen heute den Anti-Atlas wieder verlassen und 120 km Richtung Westen bis Tiznit kurz vor der<br \/>Atlantikkueste fahren. Kurz hinter Tafraoute sieht die Landschaft ganz kurz aus wie Arches National Park<br \/>in den USA: roter Sandstein, der ueberaus bizarre Formen bildet. Aber ploetzlich sind das Gruen und der<br \/>Sandstein weg, und wir fahren wieder mal durch karge, sanft geschwungene Wuestenlandschaft, hier<br \/>und da Doerfer, wo ein bisschen Wasser an die Oberflaeche kommt oder von benachbarten Bergen<br \/>abfliesst. Die Doerfer haben weder Falajs, noch Wadis; dafuer sind ueberall Windraeder, wie im Wilden<br \/>Westen, die Wasserpumpen antreiben. Auch gibt es hier schlagartig weder Arganien noch Mandeln,<br \/>stattdessen Getreidefelder und Olivenbaeume. Wir sind noch immer auf 1300m Hoehe. Irgendwann<br \/>kommen wir an den Rand des Gebirges, und vor uns faellt eine dramatische Strasse hinunter zur<br \/>Kuestenebene ab. Dort, wo sie abfaellt, steht ein Hotel mit grandiosem Blick. Stellen das Womo auf dem<br \/>Hotelparkplatz ab und gehen ein Weilchen spazieren, um uns die Fuesse zu vertreten, bewundern ein<br \/>Holzhaus, das ebensogut im Schwarzwald stehen koennte (Bestimmt hat der Eigentuemer mal dort oder<br \/>in den Alpen irgendwo gelebt) und fahren schliesslich weiter, kommen endlich, des Fahrens muede, in<br \/>Tiznit an und stellen uns auf einen Camping-Platz gleich hinter der Stadt. Hier gibt es ganz viel Khubbese<br \/>(wilde Malve), und ich mache daraus Abendessen.<br \/>5.4.<br \/>Wir laufen morgens durch die die Stadt umgebende Ebene - sehr vernachlaessigte ehemalige Felder, jetzt<br \/>offenbar die Bauschutthalde der Stadt - dann durch ein Stadttor ins Zentrum. Tiznit ist komplett von einer<br \/>Lehmstadtmauer umgeben, die irgendwann restauriert wurde. Die Hauptstrasse ist sehr geschaeftig,<br \/>allerlei Karren mit Waren, Baumaterial, Viehfutter, etc. werden umher geschoben; Einkaeufer erstehen<br \/>Gemuese, Brot, usw. Wir schlendern einmal ganz hindurch bis zum gegenueberliegenden Stadttor,<br \/>werden von einem Schlepper angesprochen, der uns mit ein paar Brocken Deutsch - kommt haeufig vor -<br \/>unbedingt in einen Laden mit Silberschmuck und Teppichen bringen moechte. Josef erklaert ihm auf<br \/>Arabisch, dass wir mit Sicherheit nichts kaufen werden. Ueberhaupt hoert und spricht Josef hier richtig<br \/>viel Arabisch! Tiznit war frueher die Stadt der Silberschmiede, aber was sie uns dann letztendlich zeigen,<br \/>ist Krempel. Wir bedanken uns hoeflich und gehen unserer Wege. Kommen in die Strasse der<br \/>Schuhmacher. Hier sind lauter Zuliefergeschaefte fuer ebenjene, die alles Zubehoer verkaufen, was die <br \/>Schuhmacher fuer ihre kleine Massenproduktion der traditionellen Berberschuhe und auch modernerer<br \/>Sandalen benoetigen. In einem Hinterhof sehen wir in einer winzigen Werkstatt einen Mann, der nur die<br \/>Obermaterialien zusammen klebt. Im Nachbarwerkstaettchen schneiden sie zu zweit im Akkord Sohlen<br \/>zu, und so sieht man einen Arbeitsschritt nach dem anderen. Adam Smith's Arbeitsteilung und<br \/>beginnende Serienproduktion - jeder BWL Student haette seine Freude! Josef hatte ja schon in den<br \/>Bergen zwei Paar von den Herrenschuhen in gelb erstanden, und nun kaufe ich ein paar der knallroten<br \/>Damenschuhe. Sie bestehen natuerlich nicht mehr komplett aus Leder, wie frueher, aber sie sind<br \/>tatsaechlich beinahe ganz von Hand gemacht. Wir trinken noch den obligatorischen Tee an einem kleinen<br \/>Platz, wo wir dem Kommen und Gehen zuschauen koennen, und suchen dann nach irgendeiner \"Blauen<br \/>Quelle\", die es hier geben soll. Finden sie nach einigem Hin- und Hergeschicktwerden. Tatsaechlich<br \/>plaetschert da aus einer Wand Wasser in ein grosses und tiefes Becken, was wohl frueher Waschplatz<br \/>und Brunnen gewesen sein muss. Daneben steht eine alte, jedoch restaurierte Festung, von der allerdings<br \/>nur noch die Aussenmauern stehen. Der Hof wird als Amphitheater genuetzt.<br \/>Schliesslich kehren wir zurueck zum Campingplatz, nuetzen noch die sehr sauberen Duschen, fuellen<br \/>Wasser auf und machen uns am Nachmittag auf den Weg Richtung Ozean. Nach nicht einmal einer<br \/>halben Stunde Fahrt liegt er vor uns, wolkenverhangen und grau, mit sich hoch auftuermenden lang<br \/>gezogenen Wellen.<br \/>Wir sind in Aglou, einem kleinen Doerfchen, das offenbar zum Strandbad ausgebaut werden soll, jedoch<br \/>recht verschlafen wirkt. Wir drehen eine kleine Runde mit dem Auto, halten am einzigen Supermarkt,<br \/>decken uns ein bisschen ein (Warum haben wir das nicht in Tiznit gemacht, wir Dussel? Hier sind<br \/>Touristenpreise!), fahren dann weiter zum dazughoerigen Fischerhafen. Dort darf man ueber Nacht<br \/>stehen. Es sind etwa 7 oder 8 franzoesische Womos da. Zwei Grueppchen spielen, man soll es nicht <br \/>glauben, neben der Strasse im Geroell Boule. Nette Stimmung. Einer kann Deutsch und erzaehlt, er war<br \/>viele Jahre fuer die franzoesische Armee in Landau in der Pfalz stationiert war. Germersheim kannte er<br \/>auch.<br \/>Wir beschliessen, noch ein bisschen an der Kueste entlang zu fahren und finden ein sehr schoenes<br \/>Plaetzchen auf einem vorgelagerten Felsen (auch vom Reisefuehrer als Platz fuer die Nacht empfohlen,<br \/>was sich als Schuss in den Ofen heraus stellt). Das Meer ist direkt unter uns. Gehen noch ein wenig<br \/>spazieren. Wieder ist hier eine ganz andere Vegetation, andere, wunderschoene Fruehlingblumen und<br \/>exotische Kakteen. Wir haben jedoch ein ungutes Gefuehl, weil ein Motorradfahrer nah am Womo steht<br \/>und endlos telefoniert, oder so tut, als ob. Kochen uns was zu essen, waehrend diverse Autos kommen<br \/>und gehen, meist marokkanische Familien. Ein Mann postiert sich unweit von uns mit dem Ruecken zum<br \/>Meer und stiert unentwegt auf sein Handy. Fuer die Aussicht interessiert er sich nicht. Schliesslich kommt<br \/>er zu uns, fragt, ob wir hier uebernachten wollten, sagt dann, es sei nicht erlaubt, wir koennten zum<br \/>Hafen, wo die anderen stehen oder nach Mirleft ein paar KM weiter auf den Campingplatz. Er sei hier der<br \/>zustaendige Polizist (in Gellabe und mit Baseballkappe nicht als solcher erkennbar). Ich habe das Gefuehl,<br \/>er will sich nur wichtig machen, sage ihm, wir essen zu Ende, raeumen auf und fahren zum Hafen<br \/>zurueck. Er trollt sich, und als wenig spaeter ein paar Jungs kommen, frage ich sie, ob die den Mann<br \/>kennen und ob stimmt, was er sagt. Sei bestaetigen es. Also fahren wir brav zurueck zum Hafen und<br \/>stellen uns zu den Franzosen. Wir wussten schon, dass es an der Kueste meistenteils verboten ist, wild zu<br \/>campen, weil es hier im Winter wohl recht ueberlaufen ist mit franzoesischen \"Snow Birds\", die die kalte<br \/>Jahreszeit hier verbringen.<br \/>6.4.<br \/>Fahren morgens weiter bis Legzira und hinunter zum Wasser, wo sich ein paar Restaurants gerade fuer<br \/>den Tagesbetrieb vorbereiten, und laufen am sehr breiten Kiesstrand entlang, wo wir praktisch allein<br \/>sind. Oben auf einer Klippe stehen ein paar Surfer, aber im Wasser ist ob der starken Brandung niemand.<br \/>Am anderen Ende des Strandes soll es zwei riesige Steinboegen geben, durch die man malerisch hindurch<br \/>schauen kann. Finden den ersten und setzen unsere Kapuzen auf, bevor wir hindurch gehen, weil vor<br \/>herabfallenden Steinen gewarnt wird. Auf der anderen Seite steht einsam in der Landschaft ein junger<br \/>Mann an einem Tisch mit Orangen und einer Presse und bietet frischgepressten Saft an. Wirkt ein wenig<br \/>deplatziert und unwahrscheinlich hier so mitten im Nichts.<br \/>Den zweiten Steinbogen finden wir nicht. Der ist irgendwann eingebrochen und liegt als gewaltiger<br \/>Geroellhaufen am Strand. Da haette die Kapuze auch nicht wirklich genuetzt, wenn man gerade drunter<br \/>gestanden haette. Auf dem Rueckweg beschliessen wir, das Unternehmen des jungen Mannes zu<br \/>unterstuetzen und lassen uns ein Glas Saft zubereiten. Er besitzt nur ein Glas, das er zwischen zwei<br \/>Kunden mit Meerwasser abwaescht. Mittlerweile sind mehr Spaziergaenger am Strand, und er erzaehlt,<br \/>dass er an guten Tagen bis zu fuenf Kilo Orangen verarbeitet. Na dann, viel Glueck!<br \/>Wir fahren weiter nach Sueden bis Sidi Ifni, einem recht huebschen Kuestenoertchen, das bis 1969<br \/>spanische Kolonie war und von Franco zu einem wichtigen Militaerstuetzpunkt ausgebaut wurde. Das<br \/>Staedtchen ist in blau und weiss gestrichen und wirkt tatsaechlich eher spanisch. Wir essen gemeinsam<br \/>mit ca 3000 Fliegen Fisch und eine maessig gute Paella und wollen eigentlich einen langen<br \/>Strandspaziergang machen. Leider haben wir die Ebbe verpennt, und als wir endlich loskommen, steigt<br \/>das Wasser schon wieder, und da rechts von uns eine steile Felswand 50m aufragt, wollen wir lieber<br \/>zurueck. Etwa 500m vor uns laeuft ein junger Mann, und wir denken, er ist Marokkaner und wird schon<br \/>wissen, wann man umdrehen muss, so dass wir ihm ein Weilchen hinterher laufen. Aber dann<br \/>beschliessen wir, uns doch auf unser eigenes Urteilsvermoegen zu verlassen. Als wir gerade umdrehen <br \/>wollen, sagt Josef, er rennt jetzt zu ihm hin und pfeift ihn auch zurueck. Ich warte und kann zugucken, wie<br \/>das Wasser steigt. Josef verschwindet in der Ferne hinter einem Felsen und kommt und kommt nicht<br \/>wieder zum Vorschein. Ich beobachte das Wasser mit Argwohn. Endlich sehe ich ihn und den jungen<br \/>Mann, und sie kommen Gott sei Dank recht schnell. Er ist Ukrainer und hat offenbar keine Ahnung von<br \/>Ebbe und Flut, bedankt sich, weil Josef ihm das Leben gerettet habe. Tatsaechlich steht das letzte Stueck<br \/>Rueckweg schon unter Wasser, und wir muessen ueber einen Felsen klettern. Zwischenzeitlich<br \/>politisieren wir mit ihm ueber die Ukraine, Russland und die EU.<br \/>Fahren weiter bis Guelmin, dem von uns angepeilten suedlichsten Punkt dieser Reise. Trauern beide ein<br \/>wenig, weil wir gar nicht recht gen Norden wollen - fuehlt sich so nach Heimweg an. Spinnen ein bisschen<br \/>rum, wir koennten ja auch nach Mauretanien und in den Senegal und Gambia weiterfahren. An Mut fehlt<br \/>es uns nicht. Aber wir fuerchten, dass der Diesel suedlich von Marokko fuer unseren Euro 6 Motor nicht<br \/>geeignet ist, finden auch nichts Abschliessendes dazu im Internet und beschliessen, es gut sein zu lassen.<br \/>Fuer Schwarzafrika brauchen wir ein einfacheres und robusteres Fahrzeug.<br \/>Die Strasse nach Guelmin fuehrt von der Kueste weg, und ploetzlich sind wir wieder in einer ganz<br \/>anderen Landschaft: Sanfte Huegel, ueberall Kaktusfeigen, auch angepflanzt als Kulturpflanze,<br \/>allmaehlich wieder Arganienbaeume, dazwischen silbrig wogende Gerstenfelder. Dann lassen wir die<br \/>Huegel hinter uns und sind ploetzlich wieder in der Wueste, fahren durch eine leer Ebene in Guelmin ein,<br \/>einer recht unattraktiven, jedoch sehr lebendigen ehemaligen Garnisonsstadt und auch jetzt ein<br \/>wichtiger Militaerstuetzpunkt Marokkos. Hier fuehrt die Hauptnordsuedachse Richtung Mauretanien<br \/>hindurch. Man spuert es am regen und halsbrecherischem LKW-Verkehr. Auffaellig ist die ungewoehnlich<br \/>grosse Anzahl alter Landrover...schaetzen Baujahr 1950...fragen und man sagt uns, man haette das Auto<br \/>1987 gekauft...wir schauen unglaeubig und finden dann raus, dass das schon damals als gebrauchtes Auto<br \/>gekauft wurde... Unser Ziel hier ist der Markt, der freitagabends (also heute) und samstags stattfindet<br \/>und auf dem noch Kamele gehandelt werden. Er liegt ausserhalb der Stadt und ist wirklich<br \/>beieindruckend: Berge von Obst und Gemuese im einen Teil und auf einem grossen ummauerten Platz<br \/>jetzt schon vier oder fuenf kleine Kamelherden. An der Mauer entlang kleine Gehege mit Schafen, deren<br \/>Eigentuemer sie fuer den Markttag morgen aufhuebschen. Sie waschen sie und schneiden ihnen die<br \/>Dreckklumpen aus dem Fell. Dann laufen junge Maenner los und fangen die Kamele ein, indem sie ein<br \/>einzelnes am Schwanz packen und sich so lange ueber den Platz ziehen lassen, bis das Kamel muede wird.<br \/>Dann zwingen sie es, sich hinzulegen, binden ihm jeweils ein Vorder- und ein Hinterbein relativ eng<br \/>zusammen, damit es sich nur noch bedingt bewegen kann. Das alles geschieht mit unnoetiger Rohheit,<br \/>und man kommt immer wieder unweigerlich zu dem Schluss, dass wir Menschen wirklich grausam sind.<br \/>Wir haben die Tiere domestiziert, sie von uns abhaengig gemacht und behandeln sie schrecklich - ob in<br \/>Massentierhaltung im Westen oder hier, wo die Tiere immerhin bis zu ihrem Schlachttag recht<br \/>unbeschwert leben.<br \/>Nachdem wir dem Treiben eine Weile zugeschaut haben, beschliessen wir, langsam wieder Richtung<br \/>Norden zu fahren - und zwar schraeg in nordoestlicher Richtung hinauf zum Atlasgebirge, unserem<br \/>naechsten Ziel. ( Josef sagt nach der Reise immer wieder, er waere gern noch ein paar Tage in Guelmin<br \/>geblieben und warum wir denn so schnell wieder weg sind. Ich fand es dort nicht so heimelig, aber Josef<br \/>hat das Abenteuer gerochen, das die Stadt fuer ihn immer noch ausstrahlt.) Nachdem wir die<br \/>Wuestenebene verlassen und wieder in die Huegel kommen, finden wir eine Seitenstrasse zu einem Dorf,<br \/>wo wir genau zur Dunkelheit neben der Strasse einen Platz finden. Draussen ist sternenklare Nacht, nur<br \/>10 Grad und sehr windig.<br \/>7.4.<br \/>Heute frueh ist es grau, kalt, windig, und es regnet leicht. Wir kommen fast nicht aus dem Bett. Wir<br \/>wollen ueber Tiznit, dann Richting Taroudant weiter Richtung Nordosten, und von dort in den Hohen<br \/>Atlas. Das Wetter klart auf, und es wird ein wunderschoener sonniger Tag. Aber zunaechst Tiznit, wo wir<br \/>noch einmal anhalten - hauptsaechlich wegen des Tuerprojektes. Josef will seit Jahren eine Tuer zwischen<br \/>Garage und Haus einbauen, um den Abgang zum Garten bei Bedarf schliessen zu koennen, und wir haben<br \/>immer wieder mit einer alten omanischen Tuer geliebaeugelt. Beim Umzug aus Dubai haetten wir eine im<br \/>Container mitbringen koennen, haben es dann aber gelassen. Hier in Marokko haben wir immer wieder<br \/>alte Tueren gesehen, sowohl in den leerstehenden Haeusern der verlassenen Doerfer, als auch bereits<br \/>ausgebaute zum Verkauf. Als wir vor ein paar Tagen in Tiznit waren, sahen wir mehrere schoene bei<br \/>einem Antiquitaetenhaendler, konnten uns jedoch nicht recht dafuer entscheiden, eine mitzunehmen.<br \/>Nun messen wir also den Kofferraum aus, gehen wir zurueck zu dem jungen Haendler und handeln wie<br \/>wild, gehen dann einen Tee trinken, plaudern mit einem Italiener, der neben uns sitzt und auch als<br \/>Tourist unterwegs ist, gehen schliesslich zurueck und kaufen eine. Josef wird noch eine Verschalung um<br \/>die Tuer herum bauen muessen, da sie recht klein ist.<br \/>Nun liegt sie im Kofferraum zuunterst und traegt endgueltig dazu bei, dass das Auto zu schwer ist.<br \/>Muessen sofort aufhoeren, einzukaufen!<br \/>Fahren schliesslich Richtung Taroudant durch die breite, sehr fruchtbare Kuestenebene, die Obst- und<br \/>Gemuesekammer Marokkos. Hier werden in riesigen Gewaechshaeusern Bananen, Paprika, Gurken,<br \/>Tomaten, usw. angebaut; ausserdem gibt es endlose Zitrusplantagen und dazwischen immer wieder <br \/>weite Flaechen mit lichten Arganienhainen, alles uralter Baumbestand, darunter teilweise Kornfelder. Wir<br \/>finden schliesslich abseits der Hauptstrasse zwischen den Arganien einen schoenen Platz fuer die Nacht.<br \/>Es duftet unglaublich nach Orangenblueten! Es stuermt schon den ganzen Tag, und das Womo wackelt im<br \/>Wind.<br \/>8.4.<br \/>Der Wind hat sich Gott sei Dank gelegt. Wir fahren nach Taroudant, wo es laut Reisefuehrer eine intakte<br \/>Stadtmauer um die gesamte Altstadt und zwei sehr schoene Souqs - angeblich die schoensten in ganz<br \/>Marokko gibt. Wir treiben uns den ganzen Tag in der Stadt herum und kommen aus dem Staunen nicht<br \/>heraus. Es fahren huebsche alte Kaleschen, leichte Einspaenner, in der Stadt herum, die nicht nur fuer<br \/>Touristen sind, sondern als normales Nahverkehrsmittel dienen. Als wir gegen 9:30 in die Stadt kommen,<br \/>ist es noch ruhig, die meisten Laeden noch geschlossen, nette Morgenstimmung. Ploetzlich hoeren wir<br \/>Musik, eine orientalische Blaskapelle mit Trommeln kommt um die Ecke, und ein Haendler, bei dem wir<br \/>gerade marokkanische Schuhe fuer Alec kaufen, erklaert uns, sie machen Werbung fuer einen so<br \/>genannten \"Mawsim\", der heute Abend stattfinden soll. In Marokko werden viele Heilige verehrt, es<br \/>werden ihnen besondere Grabmale gesetzt, so genannte Marabuts, und es werden ihnen bestimmte<br \/>Tage gewidmet, wie den christlichen Heiligen, an denen zu ihren Ehren Feierlichkeiten stattfinden. So<br \/>etwas ist das wohl. Herrlich. Es klingt wie Mittelalter. Wir kommen auf einen der beiden grossen Plaetze<br \/>in der Altstadt, wo schon reges Treiben herrscht. Er ist gesaeumt von Cafes, die bereits ganz gut besucht<br \/>sind. Auch hier hoeren wir laute Musik und Trommeln. Als wir uns dorthin vorarbeiten, passieren wir<br \/>diverse andere Zeitvertreibe: auf dem Boden liegen Angeln, an deren Schnurende ein Ring besfestigt ist.<br \/>Vor jeder Angel steht eine Glasflasche, und jeder darf gegen ein Entgelt versuchen, mit der Angel den<br \/>Ring ueber den Flaschenhals zu bugsieren. Ein paar Meter weiter sitzt ein Kalligraph, der einem jeden<br \/>beliebigen Text mit einem schraeg angeschnittenen, in schwarze Tinte getauchten Bambusgriffel schreibt.<br \/>Sehr huebsch. An einer Ecke steht ein Mann mit einem tragbaren Klapptisch, auf dem die Augen eines<br \/>Wuerfels (also 1 - 6) jeweils in ein Feld gezeichnet sind. Die Leute setzen, je nach Risikofreude, 1 oder 2<br \/>Dirham, ja sogar groessere Betraege bis 10 oder 15 Dirham, auf eines der Felder, und er wuerfelt. Eine<br \/>einfache Form des Roulette, und meistens gewinnt die Bank - in diesem Fall in Form eines kleinen,<br \/>listigen Maennchens mit Turban. Dann sitzen da zwei alte Maenner auf dem Boden, der eine mit Floete<br \/>und Federschmuck an seiner Muetze, der andere mit Gesangsstimme. Es sind wohl Berber, wie alle hier,<br \/>aber sie koennten ebensogut Indianer oder Indios sein - sowohl, was die Aufmachung angeht, als auch<br \/>dem Klang der Musik nach. Der eine oder andere wirft ihnen einen Dirham in den Hut fuer die<br \/>volkstuemliche Darbietung. Den groessten Laerm verursacht eine Gruppe von Trommlern und Geigern,<br \/>wenn man sie so nennen kann. Das Instrument sieht aus wie ein Banjo mit langem Hals und nur einer<br \/>Saite (ich schaetze, Ziegenhaut) und klingt ebenfalls sehr archaisch. Dazu singen sie lauthals. Einer von<br \/>ihnen sieht sofort, wenn sich jemand neues zum Publikum gesellt und haelt den Hut hin. Niemand<br \/>entgeht ihm. Dann sitzen ueberall Zigarettenverkaeufer, die, wie so oft in der Dritten Welt, einzelne<br \/>Zigaretten verkaufen - dazu hier auch einzlene Blaettchen. Ich vermute, die Maenner drehen sich daraus<br \/>Joints. Angeblich wird hier viel und ausgiebig gekifft. Wir haben hier in Taroudant schon die eine oder<br \/>andere Wolke erschnueffelt. Weiter im Norden soll es wohl deutlich mehr sein. Wir laufen durch den<br \/>Souq, der ganz unglaublich ist - weitlaeufig, verwirrend, endlose ueberdachte Gassen mit allem nur<br \/>Denkbaren an Haushaltskram, Kleidern, Nahrungsmitteln, Gewuerzen, Kraeutern, etc. und so<br \/>urspruenglich, schoen, vielfaeltig und farbenpraechtig, dass man sich gar nicht satt sehen kann. In einem<br \/>der wenigen Laeden fuer Touristen, der jedoch wirklich hochwertige Sachen anbietet, haengen Fotos von<br \/>Francois Mitterand mit dem Eigentuemer, Farah Diba (schreibt man die so?) mit dem Eigentuemer, und <br \/>anderen Celebrities, die wir nicht kennen. Wir kaufen Berberschuhe fuer Alec und Arno in gelb, und fuer<br \/>Johann in rot. In orange, seiner Lieblingsfarbe, gab es trotz grossen Suchengagements von Seiten der<br \/>Verkaeufer keine in seiner Groesse.<br \/>Wir haben noch ein Ziel: Die Gerbereien, die wir auf der Karte im Travel Knowhow gefunden haben.<br \/>Fahren einmal rund um die Altstadt auf die andere Seite und werden fuendig. Auch hier geht es total<br \/>archaisch zu. Es ist ein grosser Hof mit lauter Zementbecken.<br \/>Es stinkt unglaublich, und die Maenner treten meistenteils barfuessig in den Becken herum, in denen die<br \/>Tierhaeute schwimmen, mal in Kalkwasser, mal in Eichenrinde, mal in Taubenmist, mal in was weiss ich.<br \/>Gesund ist das gewiss nicht. Aber sie sagen, es seien alles Naturprodukte, keine Chemie. Na, dann... Einer<br \/>der Verkaeufer spricht erstaunlich gut Deutsch, fuehrt uns herum und erklaert uns alles, zeigt uns dann<br \/>natuerlich seinen Verkaufsraum, aber \"Kein Kaufdruck! Sie muessen gar nichts kaufen. Wir sind eine<br \/>Kooperative, und ich verkaufe fuer alle mit\". Von wegen. Als wir bei seinem Kumpel im Laden sind, sagt<br \/>der, es seien ihre eigenen Laeden. Am Ende kaufen wir beim Kumpel, Ziegen- und Schaffelle, Ziegen- und<br \/>Schafleder, Handtaschen....aber sie werden sich die Marge teilen, da der erste uns zum zweiten gefuehrt<br \/>hat.<br \/>Nach einem letzten Tee auf dem Platz der Gaukler machen wir uns auf, einen Schlafplatz zu suchen. Als<br \/>wir losfahren, stottert der Motor, beschleunigt nicht, schaltet nicht hoch, macht Pfeifgeraeusche. Oh,<br \/>Schreck! Wir fahren aus der Stadt hinaus, hoffen es legt sich. Aber es wird nicht besser. Ich fange an, zu<br \/>googlen, was es sein koennte und finde in Foren alle moeglichen Hinweise. Dann leuchtet die<br \/>Motorwarnleuchte gelb auf. Oh nein, oh nein! Jetzt tritt das ein, was ich immer befuerchtete: Wir haben<br \/>keine Ahnung von Tuten und Blasen und koennen nichts tun. Schliesslich rufe ich Faris, unseren<br \/>Juengsten und Kfz-Mechatroniker, an. Er meldet sich nicht. Ich lese weiter in den Foren und im Handbuch <br \/>und finde Hinweise auf Fehler in der Luftzufuhr, verstehe aber nicht wirklich viel. Beim zweiten Versuch<br \/>meldet sich Faris ganz verschlafen. Er war schon im Tiefschlaf, sagt uns aber, wo wir schauen muessen.<br \/>Noch haben wir ein wenig Tageslicht, aber bei unserem technischen Verstaendnis hilft uns das nicht viel.<br \/>Immernhin meint Faris, wir koennen damit bei unter 3000 Umdrehungen noch fahren, ohne irgend etwas<br \/>dauerhaft zu zerstoeren. In Agadir gibt es einen Mercedesvertragshaendler mit Werkstatt. Dort fahren<br \/>wir also wieder hin und hoffen, es ist nichts allzu Schlimmes. Natuerlich ist laengst Feierabend, aber wir<br \/>wollen vor seiner Tuer uebernachten und morgen danach schauen lassen. Josef hat ploetzlich die<br \/>Befuerchtung, beim Tanken in Taroudant habe der Tankwart uns, anstatt Diesel, Benzin eingefuellt. Das<br \/>waere eine Katastrophe.<br \/>9.4.<br \/>Josef hat eine schlaflose Nacht, malt sich alles in den dunkelsten Farben aus. Ich bin bisher noch recht<br \/>gelassen und habe gut geschlafen auf einem Parkplatz hinter der Werkstatt in Agadir. Stehen morgens<br \/>um 8:00 auf der Matte, ein freundlicher junger Mechaniker haengt sein Diagnosegeraet an unser Auto<br \/>und weiss schon, wo er den Fehler suchen muss, bevor das Geraet fertig ist mit Auslesen: ein Sensor, der<br \/>die Temperatur der einstroemenden Luft misst, ist abgerissen - wahrscheinlich durch Steinschlag - und<br \/>die ausstroemende Luft verursache das Pfeifen, sagt er. Er bestellt einen Sensor in Casablanca, der<br \/>morgen kommen soll, und reinigt auf Josefs Vorschlag den Luftfilter. Nun wissen wir auch, wo der ist. Wir<br \/>hatten den Pollenfilter nach dem Sandsturm gesaeubert und dachten, es sei der Luftfilter. Er klemmt den<br \/>Sensor ab, so dass wir ohne Probleme fahren koennen. Wir bedanken uns, verabreden uns auf morgen<br \/>frueh um 10:00 und haben nun den Tag zur freien Verfuegung. So sind wir nun das zweite Mal wider<br \/>Willen in Agadir, aber der Tag tut uns gut. Parken am suedlichen Ende der Strandpromenade und laufen<br \/>bei schoenstem Wetter los, an den ganzen Bettenburgen vorbei. Es sind viele Touristen und auch<br \/>Marokkaner unterwegs. Der Kontrast zu unserer bisherigen Umgebung koennte groesser kaum sein.<br \/>Immer wieder stellen wir uns vor, wie diese Stadt auf die armen Bauern in den Doerfern wirken muesste.<br \/>Wir treffen ein aelteres Ehepaar aus Frankfurt, die schon mehrfach zum Golfspielen hier waren, und auch<br \/>nicht viel Interesse an Land und Leuten haben, dafuer zu jedem der Hotels und zu Qualitaet und Preis des<br \/>Golfspielens hier und anderswo auf der Welt eine klare Ansicht haben. Wie gesagt: der Kontrast koennte<br \/>kaum groesser sein. Waehrend wir mit ihnen plaudern, machen Hotelgaeste hinter einer niedrigen<br \/>Mauer auf saftig gruenem Rasen Turnuebungen. Wir sehen immer mal wieder einzelne Beine in die Luft<br \/>ragen.<br \/>Laufen die ganzen 8 km Strandpromenade rauf und wieder runter und uns wortwoertlich die Fuesse<br \/>wund. Puenktlich um 13:00 schaltet jemand den Wind an, und es faengt an zu stuermen, dass man sich<br \/>vor herumfliegenden Gegenstaenden in Acht nehmen muss und sich fuehlt wie ein paniertes Schnitzel<br \/>von all dem Sand. Sind froh, als wir endlich wieder im Womo sind, fahren fort vom Strand und dem Wind<br \/>ein bisschen weiter in die Stadt hinein, parken neben einem Park, machen ein Nickerchen. Ich frage ein<br \/>paar Frauen nach einem Hammam. Eine faehrt mit mir im Womo, zeigt mir, wo es ist. Aber sie moechte<br \/>nicht, dass Josef mitfaehrt; das ist ihr unheimlich. Ich merke mir den Weg, bringe sie zurueck in den Park,<br \/>und Josef bringt mich wieder zum Hammam, wartet, im Womo lesend auf mich. Mittlerweile bin ich total<br \/>routinierte Hammambesucherin, wasche mir die drei Tonnen Sand aus den Haaren, und dann reicht es<br \/>uns noch, vor Sonnenuntergang auf den neben der Stadt liegenden Berg zu fahren. Dort oben stuermt es<br \/>noch, und ganz Agadir, ein paar Touristen und mindestens 5 Kamele, die die Touris zum Ablichten ueber<br \/>die stuermische Bergspitze schaukeln, sind hier oben. Wir bewundern die Aussicht auf die Bucht und der<br \/>langsam im kuenstlichen Licht erstrahlenden Stadt. Kaufen noch ein bisschen ein und gehen dann<br \/>vernuenftigerweise auf den Campingplatz, damit wir heute ruhig schlafen. Denn hier an der Kueste wird <br \/>man mit dem Womo wohl verscheucht, wenn man \"wild\" steht. Es ist die teuerste Nacht hier in Marokko<br \/>mit gerade einmal 10 EUR! Das Auto macht keine Probleme. Wir hoffen sehr, dass das nach dem Einbau<br \/>des neuen Sensors morgen so bleibt.<br \/>10.4.<br \/>Punkt 10:00 heute frueh ruft die Werkstatt an, um zu sagen, dass der neue Sensor da ist. Er ist auch ruckzuck eingebaut, und wir machen uns auf der N10 wieder auf den Weg landeinwaerts nach Taroudant und<br \/>daran vorbei, bis die R203 nach Norden in den Hohen Atlas abzweigt. Sie geht bis Marrakesh und ist eine<br \/>von zwei Passstrassen durch den Hohen Atlas. Kurz vor der Abzweigung, in Oulad Berhil, halten wir an<br \/>einem Cafe an der Hauptstrasse, moechten eigentlich unser mittlerweile beinahe obligatorisches,<br \/>mittaegliches Fladenbrot-Sandwich mit gekochtem Ei und Schmelzkaese und Tee dazu, aber dieses<br \/>Armeleuteessen hat er nicht, und wir essen fuer 80 Dirham einen ziemlich schlechten Chicken-Wrap, der<br \/>irgendwie undefinierbar schmeckt, trinken unseren Tee dazu. Als ich meine mittaegliche Zigarette<br \/>rauchen will, wird mir das auch noch verwehrt. Na, sowas! Passiert mir hier zum ersten Mal. Morgen also<br \/>wieder Teebude!<br \/>Endlich verlassen wir die Ebene des Wadi Souss, die auch heute ganz intensiv nach Orangenblueten<br \/>duftet, fahren in langen dramatischen Serpentinen die Berge hinauf, wobei wir die ganze Zeit unter uns<br \/>das riesige, breite Tal sehen. Vor uns sind zwei Gleitschirmflieger ueber dem Berg. Dramatisch! Endlich<br \/>erreichen wir den Pass Tizi n Test in 2200m Hoehe. Dort gibt es eine kleine Herberge mit<br \/>Schotterparkplatz fuer Womos, genau in dem schmalen Bergeinschnitt, der den Pass bildet.<br \/>Der Wind pfeift hier oben von Norden her. Wir fragen, ob wir uebernachten koennen, ziehen uns ganz<br \/>schnell Wanderstiefel und zwiebelig geschichtet ganz viele Lagen an, denn hier oben ist es richtig kalt. Es <br \/>gibt eine schmale Piste auf der Suedseite des Berges, den wir eben hoch gefahren sind. Die Piste fuehrt,<br \/>gemuetlich ansteigend, in einer schoenen 2-Std-Wanderung zwischen licht stehenden Steineichen hinauf<br \/>zu einer Gruppe von Antennenmasten. Hier ist es windgeschuetzt und so warm, dass wir alles ausziehen<br \/>und uns um die Huefte haengen. Haben immer wieder herrliche Ausblicke hinunter auf die<br \/>Serpentinenstrasse und ins Tal. Schliesslich geht es um eine enge Kurve, ein letzter Anstieg, und dann<br \/>stehen wir auf dem Grat, neben uns die Antennenmasten, und gucken nach Norden.<br \/>Hier pfeift wieder gewaltig der Wind. Weit unter uns liegt ein wunderschoenes Flusstal mit gruenen<br \/>Terrassenfeldern und an den Berghaengen klebenden Doerfern. Wir sehen eine Teerstrasse, die hinunter<br \/>fuehrt, und nehmen uns fuer morgen vor, dort zu wandern. Spaeter finden wir das Tal auf der Karte:<br \/>Wadi Nfiss. Als wir auf dem Rueckweg sind, quellen Wolken wie dichter Wasserdampf aus dem Souss-Tal<br \/>zu uns herauf. Darueber der tiefblaue Himmel und die Abendsonne. Es sieht aus wie ein brodelnder<br \/>Hexenkessel. Tolles Schauspiel. Wir laufen zurueck und sind voellig geschafft. Vielleicht, weil wir von<br \/>Meereshoehe ploetzlich auf 2400 m sind? Mittlerweile ist es affenkalt hier oben, und wir machen die<br \/>Heizung im Womo an, gehen recht bald schlafen und haben, bis auf die Windboeen, die ab und zu das<br \/>Auto durchschuetteln, eine ruhige Nacht. Ich wache irgendwann auf und gucke raus. Was ein<br \/>Sternenhimmel!! Schade, dass es so kalt ist und ich so schlaefrig. Wuerde am liebsten rausgehen und<br \/>gucken.<br \/>11.4.<br \/>Bezahlen unsere Nacht und machen uns auf Richtung Norden, biegen nach ein paar KM ab zum Flusstal,<br \/>das wir gestern von oben gesehen haben und verbringen einen ganz herrlichen Tag dort unten in einem<br \/>Kongolmerat von Doerfern, die Aghbar heissen. Die schmale Teerstrasse, in manchen Kurven ueberspuelt<br \/>von kleinen Baechen, teilweise unterspuelt, teilweise mit Lehm bedeckt vom letzten grossen Regen,<br \/>teilweise mit Steinlawinen halb zugeschuettet, fuehrt hinunter und endet am Dorfeingang. Auf dem<br \/>gesamten Weg begegnet uns kein einziges Fahrzeug, obwohl es morgens und Wochentag ist. Wir laufen<br \/>durch das erwachende Dorf. Einzelne Maenner, auf dem Weg zu ihren Feldern, gehen freundlich <br \/>gruessend vorbei, das einzige Teehaus im Dorf mit wunderschoenem Blick hinunter auf den Fluss, der<br \/>richtig viel Wasser fuehrt fuer hiesige Verhaeltnisse, ist auch schon geoeffnet. Wir nehmen uns vor,<br \/>spaeter dort einen Tee zu trinken. Laufen durch dieses Dorf, ueberqueren auf einem schmalen<br \/>Fussgaengerbrueckchen den Fluss, laufen auf der anderen Seite weiter, begleitet - mit<br \/>Sicherheitsabstand - von einem scheuen Maedchen.<br \/>Mittlerweile sind es 13 Grad, die Sonne waermt schon richtig, und es windet kaum. Hier wachsen Aepfel,<br \/>Mandeln, Walnuesse, Kaktusfeigen und Pfirsiche. Im Tal stehen Espen. Alles ist noch im<br \/>Fruehjahrsmodus. Die Walnuss- und Affenbrotbaeume fangen gerade an, ihre Blaetter ein wenig zu<br \/>entfalten. Im naechsten Dorf sind Frauen damit beschaeftigt, in einem ummauerten Garten eine Kuhle<br \/>auszuheben. Sie erklaeren uns, das wird ein Ofen zum Brotbacken fuer eine nahende Hochzeit. Sie<br \/>schleppen Steine herbei, und eine aeltere Frau wird die Steine zu einem kleinen Iglu schichten und das<br \/>Ganze mit Lehm zuschmieren fuer das typische Brot hier. In Palaestina gibt es dasselbe in Gruen und<br \/>nennt sich \"Taboun\". Sie erzaehlen, dass ihre Maenner meistenteils in Agardir oder Marrakesch arbeiten<br \/>und nur zu den Feiertagen nach Hause kommen, dass sie alles selbst machen: Kinder, Kueche, Haushalt,<br \/>Feld und Vieh. Sie laden uns ein, mit ihnen zu fruehstuecken, aber wir bedanken uns artig und laufen<br \/>weiter ins naechste Dorf. Alles ist huebsch: Haeuser aus geschichtetem dunklem Naturstein, teilweise mit<br \/>Lehm verputzt, die Daecher aus Knueppelholz und ebenfalls mit Lehm bedeckt. Zwischen den Haeusern<br \/>am steilen Hang schmale Treppen und Gassen, immer wieder ummauerte Gaerten mit einer Kuh, einem<br \/>Kalb oder einem Esel. Die Geraeuschkulisse beschraenkt sich auf Kinder- und Frauenstimmen, hier und da<br \/>meldet sich ein Esel, ein Schaf oder ein Hahn zu Wort. Die Haeuser sind zwar zum Teil verfallen, aber die<br \/>Doerfer sind lebendig und geschaeftig. Immer mal wieder laeuft eine Frau mit einem Buendel Viehfutter<br \/>oder Feuerholz vorbei, das sie entweder selbst auf dem Kopf bzw. auf dem Ruecken traegt, oder das ein<br \/>Eselchen fuer sie den Berg hinunter manoevriert. Im dritten Dorf heften sich drei Maedchen an unsere<br \/>Fersen, die uns dann begleiten. Die aelteste, Zainab, ist 14, die juengste vielleicht 8. Am Ende sind sie zu<br \/>fuenft, aber laengst nicht so laut und anstrengend wie die Jungsgruppen, die sonst unsere stetigen<br \/>Begleiter sind. <br \/>Sie antworten brav auf meine Fragen, verstecken sich ein wenig scheu, wenn ich sie direkt anspreche, bis<br \/>auf Zainab. Sie ist die aelteste von vier, ist 6 Jahre lang im Dorf zur Schule gegangen und dann noch ein<br \/>Jahr weiter weg in einer staatlichen Schule, wo sie im Internat wohnen musste. Dort wurden die Kinder<br \/>jedoch geschlagen, und sie hat es gehasst und schliesslich die Schule abgebrochen. Nein, sie langweilt<br \/>sich gar nicht im Dorf, hilft ihrer Mutter bei allem, kann schon alles selbst. Ob man sie bald verheiraten<br \/>wird, frage ich sie. Nein, sagt sie, um Himmels Willen, sie sei ja noch viel zu jung. Na, Gott sei Dank! Sie<br \/>war in ihrem ganzen Leben nur ein einziges Mal in Agadir und einmal in dem Dorf unten im breiten Souss-<br \/>Tal, wo wir gestern unseren Chicken Wrap gegessen haben - ansonsten nur hier in den Doerfern und das<br \/>eine Jahr im Schulinternat.<br \/>Wir verlassen irgendwann den schoenen Weg, der offenbar noch endlos etwa 30 Meter oberhalb des<br \/>Wadis verlaeuft und die Doerfer miteinander verbindet, gehen hinunter zum Fluss und laufen langsam<br \/>zurueck. Es geht ueber Stock und Stein, immer mal wieder ueber den Fluss - einmal werfen die Maedchen<br \/>grosse Steine fuer uns ins Wasser, damit wir keine nassen Fuesse kriegen.<br \/>Wieder faengt der Wind an, maechtig zu blasen. Als wir endlich wieder bei den Maedchen im Dorf sind,<br \/>moechte Zeinab uns zum Tee einladen, aber da wir nicht wissen, was ihre Mutter dazu sagt, lehnen wir<br \/>hoeflich dankend ab. Sie gibt mir ihre Telefonnummer und bittet mich, sie von Deutschland aus ab und zu<br \/>anzurufen. Ich verspreche ihr, ihr ab und zu auf Arabisch eine SMS zu schreiben.<br \/>Als wir endlich an unserem Ausgangspunkt zurueck sind, trinken wir vor dem Teehaus auf dem<br \/>Buergersteig sitzend, und sehr zur Belustigung und Unterhaltung der gesamten maennlichen<br \/>Bevoelkerung des Dorfes, unseren ersehnten Tee und essen das Ei-Kaese-Fladenbrot mit Heisshunger.<br \/>Wir beschliessen, nicht hier zu uebernachten, da in dem engen Tal bald Schatten sein wird. Fahren also<br \/>die schmale Teerstrasse wieder hinauf zur Passstrasse und wenden uns gen Norden. Nach ein paar KM ist<br \/>weit, weit unter uns wieder das schoene Flussbett des Wadi Nfiss - eine Augenweide! Darueber thronen<br \/>die ersten Gipfel mit ihren Schneekroenchen, der Himmel ist blitzeblau, und von Sueden quellen wieder<br \/>die Wolken ueber den Pass. Neben der Strasse verlaeuft ein Zaun, und ich sehe aus dem Augenwinkel ein<br \/>Schild mit Mufflons, denke, es muss so eine Art Schutzgebiet fuer sie sein. Und ehe ich den Gedanken zu<br \/>Ende gedacht habe, sehe ich eine kleine Herde der grossen hellbeigefarbenen Wildschafe mit ihren<br \/>beeindruckenden Hoernern. Wir finden direkt neben dem Schutzzaun, ein wenig abseits der Strasse, eine <br \/>vor dem Wind geschuetzte Senke, , wo wir gut stehen koennen fuer die Nacht. Es ist noch lange hell, und<br \/>wir koennen die Mufflons durch das Fernglas beobachten, haben Zeit zu lesen, in Ruhe zu kochen und<br \/>noch einen Film auf ARD zu schauen - unser Lieblingsritual, besonders an Tagen mit vielen, vielen neuen<br \/>Eindruecken.<br \/>12.4.<br \/>Nach unserer recht ausgiebigen Tour gestern wollen wir heute nicht so viel laufen, sehen aber zu unserer<br \/>grossen Freude noch einmal die Mufflons recht nah; sie laufen gemaechlich und ohne Angst von ihrem<br \/>Nachtquartier im Tal schraeg den Berg hinauf zu ihren Tagweideplaetzen, obgleich sie uns gesehen haben<br \/>- wahrscheinlich wissen sie, dass sie hinter dem Zaun sicher sind.<br \/>Als wir unseren geschuetzten \"Mufflonplatz\" verlassen, ueber die naechste Kuppe fahren, blicken wir<br \/>wieder hinunter ins Wadi Nfiss. Die Strasse fuehrt in langen Serpentinen hinunter ins breiter werdende<br \/>Tal, und die Fahrt ist eine Augenweide! Als wir unten ankommen, windet sich die Strasse parallel zum<br \/>Wadi, der nun wieder enger wird. Wir halten an der Piste, die rechts abgeht zum Dorf und laut unserer<br \/>Karte zur Kasbah Tagoundaft. Allein die Kasbah stellt sich als Agadir heraus, ehemals auf einem kleinen<br \/>Berg ueber dem Dorf thronend, von dem jedoch nur noch ein schmales Stueck Mauer in den Himmel<br \/>ragt. Wir versuchen, einen Zugang in das Dorfinnere zu finden, weil wir denken, es ist eine Dorffestung,<br \/>wie wir sie schon haeufig gesehen haben, gehen durch eine Maueroeffnung ohne Tor, als uns ein junger<br \/>Mann entgegen kommt und meint, es sei Privatgrund. Wir plaudern ein wenig mit ihm, und, obwohl er<br \/>recht reserviert ist, laedt er uns schliesslich ein, sein Haus zu besichtigen. Er lebt in dem grossen,<br \/>weitverzweigten, zweistoeckigen Haus mit seiner Mutter und seinem, wie er selbst, unverheirateten<br \/>Bruder. Wann es erbaut wurde, weiss er nicht. Der alte Teil, den sie nicht mehr nuetzen, wurde viele<br \/>Generationen zurueck liegend gebaut, der neue, den wir nun sehen, von seinem Grossvater. Das<br \/>Wohnzimmer im Erdgeschoss, von einem quadratischen Hof in der Hausmitte abgehend, besteht aus<br \/>Sitzkissen an den Waenden entlang. Die Kueche ist dunkel und sehr einfach, mit nur einem<br \/>Zweiflammengasherd auf einem gemauerten Thresen. Daneben gibt es einen grossen duesteren und fast<br \/>leeren Raum mit gestampftem Lehmoden, der nur den Holzofen fuer das Brot beinhaltet, ueber dem ein<br \/>riesiger Kaminabzug zum Dach aufsteigt. Sonst stehen da noch vier Kochstellen: es sind aus Tonerde fest<br \/>mit dem Boden verbundene, zylindrische Gebilde mit dicken, weich geformten Waenden mit dem<br \/>Aussendurchmessers eines Topfes, ca. 60cm hoch, mit einer etwa 15 cm breiten Oeffnung ueber die<br \/>gesamte Hoehe, wie ein breiter Schlitz fuer die Luftzufuhr. Unten wird ein Holzfeuer gemacht, und oben<br \/>drauf stellt man den jeweiligen Topf. Sonst ist der Raum leer. <br \/>Zum Schluss geht es noch auf's Dach, von dem aus man einen schoenen Rundumblick hat. Irgendwann<br \/>kommt der Bruder hinzu, und ich frage sie, ob sie, wie so viele Maenner, in einer der grossen Staedte<br \/>arbeiten. Aber nein, sie sind immer im Dorf, haben Land, das sie beackern; wahrscheinlich auch, weil die<br \/>Mutter sonst allein waere. Seltsam fuer diesen Teil der Welt, dass sie beide unverheiratet sind. Wir<br \/>bedanken uns sehr, lehnen hoeflich die Einladung zum Tee ab und gehen zum Womo zurueck.<br \/>Fahren bis nach Tin Mal. Dort gibt es eine Moschee aus dem 12 Jh. zu besichtigen, die im 13. Jh teilweise<br \/>zerstoert, dann vollends verfallen ist und 1991-94 mit Hilfe zweier Architekten aus Stuttgart und der<br \/>marokkanischen Regierung teilweise restauriert wurde. Sie ist riesig, dominiert und ueberragt, man kann<br \/>sagen, erschlaegt das Dorf. Als wir eben in das Dorf einfahren, steht da eine grosse Traube kunterbunt<br \/>gekleideter Frauen und Kinder. Eine Frau schlaegt auf ein Tambourin.<br \/>Bestimmt eine Hochzeit, denke ich, und jemand bestaetigt es. Ich fotografiere sie von fern und kriege<br \/>direkt einen Rueffel. Schade. Die Menschen hier waeren die schoensten Fotomotive, aber sie scheuen<br \/>davor zurueck wie der Teufel vor dem Weihwasser - obwohl sie sonst so offen und freundlich sind. Ich<br \/>entschuldige mich und sage, es war ja aus grosser Entfernung, und die Frauen sind nur von hinten zu<br \/>sehen. Alles klar. Vor dem Moscheebesuch gehen wir in das einzige Cafe am Platze. Neben uns ein<br \/>aelteres franzoesisches Paar, dann kommen noch ein junges italienisch-norwegisches Paar mit Kind (die<br \/>in Daenemark leben) und eine englische Familie. Offenbar ist die Moschee in jedem Reisefuehrer. Der<br \/>Cafe-Besitzer, ein sehr freundlicher Mann, fragt mich, wie jeder hier, warum ich Arabisch kann, und freut<br \/>sich, ebenfalls wie jeder hier, richtig aufrichtig, als er hoert, dass ich Palaestinenserin bin. Es ist mehr als<br \/>Freude; es ist Hochachtung. Wie, wenn ich schon was geleistet haette, nur ob meiner palaestinensischen<br \/>Wurzeln. Das Leid der Menschen in Palaestina ist offenbar so praesent in den Medien hier, dass wir alle<br \/>den Leuten hier erscheinen wie heilige Maertyrer. Es ist wirklich unglaublich. Oft kommt dann der Satz:<br \/>\"Die Palaestinenser sind gute Menschen\". Meinen Einwand, dass sie nicht besser und nicht schlechter<br \/>seien als andere Voelker, lassen sie nicht gelten.<br \/>Wir kommen mit einem jungen Marokkaner ins Gespraech. Er erzaehlt in einfachem, aber<br \/>touristentauglichem Englisch, dass er hier aus Tin Mal stammt, jedoch einige Zeit in Marrakesh, das nur<br \/>ca 80 km entfernt ist, einen Riyadh, also ein Gaestehaus, gefuehrt hat, sich nun jedoch als<br \/>Touristenfuehrer selbstaendig machen moechte, um den Menschen die Kultur der Berber naeher zu<br \/>bringen. Er hat keine Website, keine Email-Adresse, weiss auch nicht, wie man so etwas erstellt. Ich rate<br \/>ihm, das mal zuerst zu lernen, dann eine Preisliste auszuarbeiten und sich bei den Verfassern der<br \/>Reisefuehrer zu melden und sie zu einer Probetour mit ihm zu ueberreden. Er meint, er wolle den Leuten<br \/>selbst ueberlassen, wieviel sie ihm bezahlen wollen, aber das reden wir ihm aus. Er bedankt sich sehr<br \/>hoeflich fuer unseren Rat und verabschiedet sich. Bei den jungen Menschen hier fehlt es an so Vielem -<br \/>man kann sich gar nicht vorstellen, wovon sie je leben. Bauern wollen sie nicht mehr sein, aber fuer mehr<br \/>fehlt ihnen das Ruestzeug. <br \/>Mittlerweile hatten die Frauen das Dorf verlassen, um die Braut irgendwo abzuholen, und kehren gerade<br \/>laermend und singend mit ihr zurueck. Alle springen auf und fotografieren das Spektakel - nur wir nicht.<br \/>Trauen uns nun nicht mehr.<br \/>Plaudern noch mit anderen Gaesten, der Wirt bittet mich, als erster palaestinensischer Gast seines Cafes<br \/>in sein \"Golden Book\", sein Gaestebuch zu schreiben, und endlich gehen wir die Moschee besichtigen.<br \/>Das ist ein bisschen enttaeuschend, weil ausser den Aussenmauern und einer Reihe schoener arabischer<br \/>Boegen nichts da ist. Aber eine Gruppe von vier froehlich schnatternden Marokkanerinnen kompensieren<br \/>das eher langweilige Interieur. Sie sind ausnahmsweise mal nicht fotoscheu und lichten sich gegenseitig<br \/>in allen moeglichen Posen ab, lassen sich sogar von uns und mit uns fotografieren - der junge<br \/>Moscheeaufpasser hantiert mit ihren vier Handies und unserer Kamera und hat alle Haende voll zu tun. <br \/>Die Frauen stammen zwar von hier, leben jedoch in Rabat und Marrakesch, was ihre Offenheit erklaert.<br \/>Sie sind fuer die Hochzeit angereist. Sie verabschieden sich mit Kuesschen von mir, und wir fahren weiter<br \/>bis Ouirgane, was als Sommerfrische der reichen Marrakeshis beschrieben wird. Man sieht auch hier und<br \/>da aus den Gaerten huebsche Anwesen heraus lugen, aber es ist alles andere als versnobt oder<br \/>kommerziell. Hier ist es ueberall so gruen, so ueppig, ueberall fliesst Wasser, es ist herrlich. Wir<br \/>beschliessen, uns hier einen Platz fuer die Nacht zu suchen und morgen nach Imlil in die eigentlichen<br \/>Berge des Hohen Atlas hinein zu fahren. Finden ein wunderschoenes Plaetzchen in einem lichten<br \/>Kiefernhain auf zart gruener Wiese, neben uns ein trockenes Wadi, vor uns das saftig gruene Hochtal, im<br \/>Hintergrund die Schneeberge des Toubkal-Massivs, mit teilweise ueber 4000m den hoechsten Bergen<br \/>Nordafrikas. Um uns herum ist eine riesige Schafherde. Der Schaefer schnorrt mich um eine Zigarette an<br \/>und posititioniert sich dann ganz entspannt so auf der Wiese, dass er zu uns ins Fenster gucken kann. Ich<br \/>mache nach einer Weile die Jalousie zu, und er trollt sich. Als wir eben ins Bett gehen, faengt es an zu<br \/>regnen und hoert nicht mehr auf. Es trommelt die ganze Nacht mal sachte, mal lauter auf's Womodach,<br \/>und ich frage micht, ob wir wohl jemals aus dieser Wiese wieder rauskommen.<br \/>13.4.<br \/>Erste Sahne, unser Womo: Kommt ganz locker raus. Der Wadi neben uns sprudelt mit braunem Wasser.<br \/>Wir wollen bei dem Sauwetter nicht nach Imlil hoch, wollen auf Sonne warten, beschliessen also, zuerst<br \/>nach Amizmiz zu fahren, einem Staedtle in der Naehe, deren Zufahrt auf der Karte als landschaftlich<br \/>schoene Route markiert ist. Allein das wird nix, denn wir stehen ploetzlich vor einer Furt, die ueberspuelt<br \/>ist von sprudelnd braunem Wasser. Eine 5m breite Betonpsite fuehrt durch die Furt, und links davon geht<br \/>es ein paar Meter steil in den Fluss hinunter. Wir wissen nicht, wie tief das Wasser in der Furt steht, und<br \/>leider kommt weit und breit kein Auto, das uns als Vorhut dienen koennte. Ich will das Risiko nicht<br \/>eingehen, sehe uns ob der starken Stroemung seitwaerts die mehrere Meter hohe Stufe im Flussbett<br \/>runterrutschen, Josef nimmt Ruecksicht, und wir drehen um. Sind nun etwas planlos, fahren weiter nach<br \/>Asni. Ueberall rinnt und brodelt das braune Wasser. Wir fahren parallel zu einem Wadi, der mit Sicherheit<br \/>gestern auch noch trocken war. Ich weiss nicht, ob das im Laufe der Nacht passiert ist, aber an mehreren<br \/>Stellen ist die Betonwand, die die Strasse zum Wadi hin abstuetzen soll, weggebrochen und liegt im Fluss.<br \/>In Asni angekommen, beschliessen wir doch, mal kurz rauf zu fahren nach Imlil. Nur mal gucken. Es<br \/>regnet nicht mehr, und wir sind neurgierig. Von hier aus starten die Touren ins Hochgebirge, und wir<br \/>moechten mal Stimmung schnuppern, bisschen laufen. In Asni laeuft auch ueberall umkontrolliert Wasser<br \/>ueber Strassen, durch Gaerten und Felder. Ein Schneepflug faehrt die Strasse hoch nach Imlil, und es<br \/>kommen uns Autos von oben entgegen, die das Dach voller Schnee haben! Leider sieht man nur die<br \/>puderbezuckerten unteren Haenge, nicht die Gipfel. Alles ist in Wolken gehuellt. Auf einem Flachdach<br \/>stehen Leute in kurzer Hose und schaufeln Schnee runter. Sie tun gut daran, dann die Lehmhaeuser<br \/>koennen dem Gesicht nicht standhalten. Aber waermere Kleidung waere schon angezeigt!<br \/>Wir parken das Auto an der Landstrasse kurz vor Imlil und laufen den Rest. Ich wuerde gern einen<br \/>Schotterweg den Berg hoch laufen, aber Josef ist nicht recht motiviert, und wir beschliessen, ins Dorf zu<br \/>laufen. Wir werden von Mulis ueberholt, die teilweise gern ihrer eigenen Wege gehen wuerden, jedoch<br \/>von ihren Eigentuemern eingefangen werden. Die Reiter, junge Maenner, singen miteinander. Schoene<br \/>Stimmung.<br \/>Von wegen Dorf. Imlil ist recht grossflaechig zersiedelt, hat jedoch immer noch Dorfcharakter. Wir laufen<br \/>einmal vor und zurueck, fragen nach den Mulis - sind Lastentraeger fuer die Touristen - und gehen dann<br \/>in eine lokale Suppenkueche, essen eine ganz herrlich heisse Suppe aus Saubohnen, so hiessen sie,<br \/>glaube ich, und trinken Tee. Das alles draussen sitzend bei kuscheligen 2 Grad. Als wir wieder runter<br \/>laufen zum Womo, kaempft sich die Sonne fuer ein kleines Weilchen durch. Wir wollen uebermorgen hier<br \/>oben wandern gehen, denn dann ist Sonne angesagt. Fahren einstweilen wieder hinunter nach Asni und<br \/>wollen dann, dem Tip unseres Wanderfuehrerbuechleins folgend, auf ein Hochplateau, das Kik-Plateau,<br \/>auf die andere Talseite fahren, finden jedoch den Einstieg zum Wanderweg nicht, wie schon zum dritten<br \/>Mal mit diesem dusseligen Buch! Fahren stattdessen endlos auf dem Plataeu umher, auf der Suche nach<br \/>einem netten Plaetzchen fuer den Rest des Tages und die Nacht. Hier oben fuehlt es sich an wie auf der<br \/>Schwaebischen Alb im Fruehling. Die Landschaft wogt sanft in sattem Gruen, nach Norden faellt das<br \/>Plateau sanft ab und geht ueber ins Flachland um Marrakesch. Wir verlassen das Plateau wieder, fahren<br \/>eine Serpentinenstrasse hinunter und finden schliesslich ein herrliches Plaetzchen am Rand des Wadi<br \/>Nfiss, der hier zwei Stauseen fuettert und als verbleibendes Rinnsal gen Marrakesch fliesst, inmitten der<br \/>gruenen Weizenfelder und Olivenhaine, mit Blick auf die andere Wadiseite, eine Steilwand mit<br \/>Sandsteinformationen, die an Bryce Canyon in den USA erinnern, und auf die Toubkal-Berge im Sueden.<br \/>Hoffen auf gutes Wetter morgen.<br \/>14.4.<br \/>Hatten wieder eine herrlich ungestoerte Nacht, obwohl wir direkt neben einem Dorf und an der<br \/>Verbindungspiste stehen. Aber es ist Samstag Frueh, also Wochenende, und niemand ist unterwegs. Die<br \/>Voegel unter uns im Wadi halten ein Morgenkonzert ab, dass es klingt wie in den Tropen. Das Wetter ist<br \/>schoen, obwohl ueber den Bergen aufgelockerte Wolken haengen. Wir beschliessen, erst ein wenig den<br \/>Wadi zu erkunden, bevor wir eventuell noch einmal Richtung Berge fahren. Laufen also Richtung Dorf<br \/>und suchen einen Abgang zum Flussbett. Dort ist schon Leben, aber es ist trotz seiner Naehe zu<br \/>Marrakesch erstaunlich arm und verwahrlost. Eine Jungenhorde droht, sich an uns dran zu haengen, aber<br \/>wir bitten sie, sich zu trollen. Ich frage sie nach einem Abgang ins Tal, und sie schicken uns falsch.<br \/>Vielleicht haben sie mich nicht verstanden. Vom Dorf aus gibt es keinen. Es thront auf einem Steilhang<br \/>etwa 30 m ueber dem Fluss, der zwar noch aufgewuehlt braun, jedoch wieder traege, direkt an der<br \/>Steilwand entlang fliesst. Wir drehen also wieder um und finden den \"offiziellen\" Pfad hinunter. Es<br \/>kommt uns eine Familie entgegen, und, wie schon in Tin Mal gestern, merkt man, dass sie nicht hier<br \/>leben: Die Tochter traegt enge Jeans und die Haare offen. Sie kommen aus Marrakesch, um ihre<br \/>Verwandtschaft zu besuchen. Auf der anderen Seite des Wadi ist auch ein Dorf, und man ist miteinander<br \/>verwandt und verschwaegert, besucht sich gegenseitig. Als ich mich als Palaestinenserin zu erkennen<br \/>gebe, kuessen mich alle Frauen, wollen unbedingt, dass wir Tee trinken kommen mit ihnen. Ich<br \/>verspreche, dass wir auf dem Rueckweg nach ihnen fragen. Im Wadi ist schon rege Taetigkeit. Wie<br \/>ueberall auf der Welt, haben die Bauern hier auch kein Wochenende. Wenn es was zu tun gibt, und das<br \/>Wetter befiehlt es oder laesst es zu, wird gearbeitet. Einer saet Getreide, einer pfluegt, einer erntet<br \/>Moehren, einer teilt seinen Acker in kleine Parzellen, indem er Erde zu kleinen Waellen formt, damit das<br \/>Wasser nicht unkontrolliert abfliesst. Es ist herrlich hier unten. Wir halten auf die Sandsteinstelen auf der<br \/>andere Wadiseite zu, gehen ueber eine handgestrickte, klapprige Fussgaengerbruecke, die die<br \/>Verbindung zwischen den beiden Doerfern bildet und mit Sicherheit keinem Hochwasser standhaelt. <br \/>Als wir gerade zwischen Schilf und Wadi-Oleander verschwinden wollen, ruft jemand von hinten, wild<br \/>gestikulierend, wir sollen zurueck kommen. Wir denken, es sei vielleicht gefaehrlich oder verboten, hier<br \/>herum zu laufen. Aber nein: Als wir ihn erreichen, stellt sich heraus, er gehoert zu der Familie, der wir<br \/>eingangs begegneten. Sie haben ihn angerufen und angewiesen, uns einzufangen und Tee und<br \/>Fruehstueck fuer uns zu bereiten! Glaubt man das? Wir bedanken uns artig und wortreich, versprechen<br \/>auch ihm, auf dem Rueckweg vorbei zu kommen und gehen weiter. Er laesst uns ungern gehen.<br \/>Wahrscheinlich sind sie enttaeuscht, dass wir nicht gekommen sind. Aber diese Plaudereien, die<br \/>Lobeshymnen auf die Palaestinenser, die von uns erwarteten Lobeshymnen auf Marokko sind schon<br \/>bissel anstrengend auf Dauer. Kurz bevor wir beschliessen, umzukehren, am Ende der beeindruckenden<br \/>Stelenreihe, ist ein Tuempel mit langsam fliessendem Wasser, und als wir naeher kommen, plumsen<br \/>irgendwelche Tiere ins Wasser. Es sind nicht Froesche, sondern Dutzende von Schildkroeten, ca 25cm<br \/>lang!<br \/>Wir laufen langsam zurueck zum Womo, ueber uns sammeln sich gerade Hunderte von Kraehen oder<br \/>Dolen, wirbeln in fliegenden schwarzen Baellen umeinander herum, wie Planeten um eine Sonne. Ob das<br \/>Paarungsrituale sind? Wir machen noch eine beschauliche Teatime - zum ersten Mal draussen in der<br \/>Sonne seit zwei Wochen, weil es immer zu kalt war, schauen dem regen Treiben unten im Wadi zu, den<br \/>Besuchern aus der Stadt, die zwischen den beiden Doerfern hin und her pendeln, und den Bauern. Um<br \/>uns herum schlendern Schaefer mit ihren Schaf- und Ziegenherden umher, die einzigen Geraeusche sind<br \/>die Stimmen der Leute, das Vogelgezwitscher, Zicklein und Laemmer, die nach ihrer jeweiligen Mutter<br \/>rufen, Kuehe, die sich langweilen,...<br \/>Schliesslich fahren wir los, um den recht kleinen Stausee Lalla Takerhoust, der, wie sich herausstellt,<br \/>Spielwiese der Marrakeshis ist - ueberall Quads, auf dem Wasser Jet Skis, im dazugehoerigen Staedtchen<br \/>viele Restaurants und Unterkuenfte. Am Nordende des Sees wenden wir uns wieder nach Sueden <br \/>Richtung Berge, halten in Amizmiz, einem ziemlich haesslichen, dreckigen und verwahrlosten Staedtchen.<br \/>Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich das sein kann. Manchen Staedte und Doerfer sind so gepflegt und<br \/>manche ganz fuerchterlich. Wir essen einen Sandwich mit frittierten Sardinen und trinken einen Tee,<br \/>aber so richtig nett ist das hier nicht, und wir suchen schnell das Weite, fahren hoch hinauf in die Berge,<br \/>haben nun einen der 4000'er direkt vor uns, halten immer darauf zu, bis wir an der Strasse, ein bisschen<br \/>zurueck gesetzt, ein schoenes Plaetzchen finden mit einem ganz unglaublichen Blick.<br \/>Allerdings muss ich erst ein bisschen Muell weg raeumen. Hinter einem Busch liegt ein aufgeplatzter<br \/>Beutel voller benutzter Windeln. Muell und Abwasser sind Riesenprobleme hier!<br \/>Als ich mir die Haende waschen will, kommt kein Wasser. Oh nein, nicht schon wieder! Wir bauen das<br \/>Bett auseinander, nehmen die Bodenplatten raus, oeffnen die Kontrollklappe des Wassertanks, und siehe<br \/>da, die nagelneue Reichpumpe ist abgebrochen - also das Plastikroehrchen zwischen Rueckstossventil<br \/>und Schlauch einfach durchgebrochen! Das glaubt man ja nicht! Wir sind keine holperigen Pisten<br \/>gefahren, und wenn mal Schlagloecher waren, dann nur im Schneckentempo durch. Und die Pumpe liegt<br \/>ja frei im Wasser, schwimmt, ist also durch das Wasser gepolstert, kann nicht irgendwo dagegen<br \/>schlagen. Wir vermuten, dass sie schon vorher nicht ganz in Ordnung war, dass der gute Kareem in Agadir<br \/>uns eine eingebaut hat, die schon eine Macke hatte. Also wieder kein Wasser. Haben unsere Notkanister<br \/>im Kofferraum und beschliessen, uns heute und morgen damit zu behelfen, damit wir die Berge noch<br \/>geniessen koennen. Versuchen, uns nicht zu aergern und gehen noch in der herrlichen Abendstimmung<br \/>spazieren, hinter dem Womo querfeldein den Buckel runter, in ein kleines Taelchen, auf der anderen<br \/>Seite wieder hoch. Mittlerweile ist unsere Bergseite im Schatten, und der 4000'er vor uns kommt immer<br \/>mal wieder zwischen den Wolken raus und leuchtet schneeweiss. Als wir aus dem Dickicht der<br \/>Steineichen auftauchen, stehen zwei Jungs ueber uns auf der Strasse. Sie laufen mit uns noch etwa 1 km<br \/>die Strasse entlang. Sie kommen aus einem der Doerfer in dem Tal etwa 300m unter uns. Wie sie hier<br \/>hoch gekommen seien, frage ich sie. Na, querfeldein zu fuss. Und runter genauso. Es wird in einer Stunde<br \/>dunkel, sagen wir. Sie braeuchten nicht laenger als eine halbe. Wir fragen sie noch, wie der Berg heisst,<br \/>auf den wir die ganze Zeit schauen, denn die einzlenen Berge des Massivs haben ja Namen. Sie gucken <br \/>mich verstaendnislos an. Ich frage noch einmal, und sie antworten \"Berg\". Das hatten wir schon einmal<br \/>mit einem Fluss. Der hiess auch einfach \"Fluss\". Sie kommen ja kaum je raus aus ihrem Tal; da muss man<br \/>die Namen der einzelnen Berge und Fluesse ja nicht kennen.<br \/>Irgendwann verabschieden sie sich und rennen - rennen tatsaechlich - den Berg runter! Der eine war<br \/>barfuessig in Gummischlappen! Fuer sie ist das, wie wenn wir von Aich nach Groetzingen zum Edeka<br \/>laufen, was wir degenerierten Faulpelze ja auch nicht tun.<br \/>15.4.<br \/>Ich wache im Morgengrauen auf, der 4000'er ist noch im Schatten. Es ist ganz klarer Himmel, und man<br \/>kann zuschauen, wie die Sonne langsam hinter den Bergen im Osten hervor kommt und den 4000'er<br \/>Meter fuer Meter erwischt. Als wir gerade zum Fruehstueck dasitzen, haelt ein Jeep, ein Mann springt<br \/>heraus und schenkt uns zwei frische Brote! Ich will ihm Geld geben, aber er ist fast beleidigt, dreht sich<br \/>aber schliesslich nochmal um und laechelt. Ich wuensche uns in Deutschland nur ein Zehntel dieser<br \/>Offen- und Freundlichkeit Auslaendern gegenueber! Man stelle sich das mal in Deutschland vor: Da sitzen<br \/>z.B. Spanier in einem Womo am Strassenrand und fruehstuecken, und irgendeiner haelt an und schenkt<br \/>ihnen Broetchen. Einfach so. Undenkbar!<br \/>Die Jungen gestern Abend sagten, wenn man oberhalb der Strasse auf den Bergkamm liefe, habe man<br \/>eine sehr schoene Aussicht. Das machen wir also erst einmal nach dem Fruehstueck. Laufen die 30%<br \/>Steigung querfeldein hoch. Das geht hier gut, weil die Baeume und Buesche nicht so dicht stehen, so dass<br \/>man sich gut hindurch schlaengeln kann. Und tatsaechlich: Haben beinahe einen 360-Grad-Blick: Im<br \/>Norden die Ebene Richtung Marrakesch, im Osten und Westen das Vorgebirge zum Atlas, im Sueden die<br \/>weissen Berge. Wir kraxeln wieder hinunter, fahren mit dem Womo noch ein Stueck weiter, bis zu einem<br \/>recht trostlosen Dorf in einem Hochtal, schauen uns dort ein bisschen um, fahren dann aber wieder ein<br \/>Stueck zurueck, da ich dort auf Mapsme eine Route entdeckt habe, die wir laufen koennen. Das Wetter<br \/>ist ein Traum. Endlich sieht man die Berge ganz klar. Wir parken das Womo direkt an der Strasse und<br \/>laufen los. Es geht sehr entspannt auf einer von einem Bagger ausgefahrenen Holperpiste in langen<br \/>Serpentinen den Berg hinauf und um den Berg herum. Auf der anderen Seite des Berges schlagen wir uns<br \/>ins Gelaende, laufen runterwaerts und um dem Berg herum, wieder runter, jetzt steiler, machen eine 10-<br \/>minuetige Keks- und Wasserpause, gucken auf das Dorf hinunter, wo die Jungs gestern herkamen und<br \/>machen uns an den steilen Abstieg dorthin. Um uns herum die ganze Zeit diese grandiose Berglandschaft.<br \/>Im Dorf hier unten in dem Hochtal ist gerade wieder eine Hochzeit im Gange. Die Braut sitzt in einem<br \/>Jeep, und Frauen stehen in einer Traube drum herum, schlagen auf Tambourine und singen. Eine Frau<br \/>kommt herbei, ueber dem Kopf ein Tablett balancierend, darauf zwei Riesige Zuckerhuete und diverse<br \/>andere Dinge, die sie der Braut durch das Fenster reicht. Endlich wird ihr heraus geholfen. Ihr Gesicht ist<br \/>ganz verdeckt von einem bunten Tuch, und sie stolpert, von den Frauen gehalten, einen Feldweg<br \/>hinunter zu einem Zelt, wo die Feier nun stattfinden soll. Ich frage einen Mann, wo der Braeutigam ist.<br \/>Der sei in Marakesch. Ja, und kommt er nun auch? Nein, nur die Braut sei da. Hmm... vielleicht so eine Art<br \/>Junggesellinnenabschied? Keine Ahnung. Man laedt uns mit Nachdruck ein, mit ins Zelt zu kommen und<br \/>zu essen. Wir bedanken uns artig und gehen weiter, laufen durch das Dorf und weiter auf einer Piste, die<br \/>zur Strasse fuehrt, wo das Womo steht. Es geht in recht endlosen Serpentinen den Berg hinauf, und die<br \/>letzten KM haben es in sich. Sind fast fuenf Stunden stramm gelaufen, wahrscheinlich ca 400<br \/>Hoehenmeter rauf, runter und wieder rauf und sind platt wie die Flundern. Schoene Wanderung mit<br \/>immer wieder herrlichen Ausblicken. Machen uns einen Tee, ruhen ein wenig aus und fahren dann<br \/>zielstrebig Richtung Marrakesch. Unterwegs rufe ich Kareem in Agadir an, der uns die nun kaputte Pumpe<br \/>eingebaut hat und frage ihn, wen es in Marrakesch gibt. Die suedlichen Vororte, durch die wir fahren, <br \/>sind sehr nobel. Vieles sieht aus wie die \"Gated Communities\" in Dubai, aussenrum Golfplaetze, Shopping<br \/>Malls, Parks und schicke Hotelanlagen. Wir fahren seitlich am Zentrum vorbei, die Haeuser hier nicht<br \/>mehr so schick, aber alles sauber und gepflegt. Schliesslich fahren wir im Norden der Stadt ab und zum<br \/>Campingplatz Relais to Marakesh, der uns mehrfach empfohlen wurde, auch im Reisefuehrer steht und<br \/>wo morgen laut Kareem ausserdem ein Womoklempner sein wird. Sehr schoen und gepflegt, gut gefuellt.<br \/>Wir duschen uns den Wanderstaub ab und schlagen uns den Bauch voll. Josef hat schon dreimal in Reihe<br \/>gekocht. Morgen bin ich mal wieder dran.<br \/>19.4.<br \/>Eigentlich wollten wir nur eine oder zwei Naechte bleiben, uns Marrakesch angucken und dann<br \/>weiterziehen. Nun haben wir gerade die vierte Nacht hinter uns und waren lediglich vorgestern fuer ein<br \/>paar Stunden in der Stadt! Ist wohl notwendig, dass wir mal ein paar eindrucks- und erlebnisarme Tage<br \/>verbringen. Gestern haben wir uns hier sogar fuer ein paar Stunden in die Haengematte an den Pool<br \/>geluemmelt, gelesen und gedoest. Es ist auch wirklich ein netter Platz, und dadurch, dass es so gruen ist,<br \/>spuert man gar nicht, wie voll es ist. Alles ist voller Palmen, Olivenbaeume, die Mauern mit Bougainvilla<br \/>zugewachsen, Geranien ueberall, und wo immer ein wenig Wasser laeuft, spriessen Graeser. Es laufen<br \/>zwei Pfauen und eine Schar Huehner umher, die immer mal wieder abwechselnd krakeelen, und die<br \/>Voegel zwitschern in den Baeumen. Ansonsten bekommt man nicht viel mit, was ausserhalb der Mauern<br \/>vor sich geht. Haben den Tag mit Waeschewaschen und Womoputzen nett vertuettelt und waren erst am<br \/>Abend im nahegelegenen Dorf zum Einkaufen. Auf dem Weg dorthin passierten wir ein schickes HotelResort, schoene Villen und ein paar zwar brach liegende, jedoch nicht zugemuellte Felder. Umso<br \/>schockierter waren wir, dass das Dorf, obwohl ja ein Vorort von Marrakesch, aermlich, schaebig und<br \/>schmutzig ist. Es gab hier keine asphaltierte Strasse, und ueberall roch es nach Abwasser und Muell. Wir<br \/>haben unser Zeug eingekauft, dennoch eine schnellen Tee getrunken und sind dann rasch zurueck in<br \/>unser gruenes Idyll. Nicht zu glauben, dass 1. vom Reichtum Marrakeschs dort offenbar nichts ankommt,<br \/>2. die Regierung nichts tut, um die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern und, 3. auch die<br \/>umliegenden Hotels und unser Camping-Platz hier keine Initiative ergreifen. Schliesslich ist es das erste,<br \/>was die Gaeste sehen, wenn sie mal vor die Tuer gehen.<br \/>Am 17.4. haben wir die Mittagshitze auf dem Platz verbracht, sind erst am Nachmittag zum ersten Mal<br \/>(mit dem Taxi) in die Stadt gefahren. Der Souq, ein unendliches Gewirr an Gassen, ist ganz unglaublich!<br \/>Teile sind natuerlich fuer Touristen richtige Einkaufshotspots, obwohl die angebotenen Waren wirklich<br \/>schoen sind: Tolle Lederwaren, Schuhe, gewebte Decken, Teppiche, Lochmuster-Messinglampen, etc.<br \/>Aber der groesste Teil der alten Medina ist normaler Alltag, wenn man dieses Gewusel so nennen kann.<br \/>Sie ist nach Gilden organisiert, und ueberall sind Werkstaetten, wo ein Teil der Waren von Hand gefertigt<br \/>wird. Wir haben ja schon einige arabische Staedte, auch alte mit schoenen Marktgassen gesehen, auch<br \/>auf dieser Reise, aber diese Weitlaeufigkeit ist wirklich eine andere Dimension. Wir laufen durch die<br \/>noerdliche Medina zum Jama'a Al Fnaa, einem grossen zentralen Platz, umgeben von Cafes und<br \/>Restaurants, viele mit Dachterrassen, der die noerdliche von der suedlichen Medina trennt. Es ist zum<br \/>ersten Mal auf dieser Reise sengend heiss, und hier in der Stadt weht kein Lueftchen, so dass der grosse,<br \/>noch recht leere Platz eine riesige gleissende Flaeche ist. Es werben dennoch ein paar unermuedliche<br \/>Henna-Malerinnen auf ihren Hoeckerchen und einige der fahrenden Staende fuer frisch gepressten<br \/>Orangensaft um Kundschaft; die Garkuechen, die nachher den Platz beherrschen, bauen ihre riesigen<br \/>Schirme auf, und die Kaleschen, federleicht wirkende Zweispaenner, finden Touristen, die sich lieber<br \/>herum kutschieren lassen, als zu laufen in der Hitze. Die Schlangenbeschwoerer sitzen gelangweilt auf<br \/>Pappkartons neben den doesenden Schlangen. Wir verlassen den Platz ein wenig fluchtartig und suchen<br \/>das Mellah, das ehemalige juedische Viertel, finden es schliesslich, laufen ein bisschen unmotiviert und<br \/>ziellos herum, stolpern zufaellig ueber das Maison du Rabin, einem Riyad und eben, wie der Name schon<br \/>sagt, das ehemalige Wohnhaus eines Rabbiners, das eine ehemalige Lufthansa-Kollegin aus Stuttgart<br \/>gekauft, restauriert und zur Auberge umfunktioniert hat. Aber wir sind sogar zu muede, mal zu klopfen,<br \/>laufen zum Jama'a al Fnaa zurueck, der langsam fuer das allabendliche Spektakel warmlaeuft, stehen da<br \/>noch eine Weile als Zaungaeste herum, sehen die Schlangenbeschwoerer, die jetzt in ihre misstoenenden<br \/>Troeten blasen, die Maenner mit ihren portablen Gluecksspieltischen mit Menschentrauben um sich<br \/>herum, die Schafskoepfe, die aufgreiht in den Garkuechen auf Kundschaft warten, kleine Garkuechen auf<br \/>Raedern, wo Maenner Schnecken verkaufen, ein interessantes Ensemble mit einem Ei, das auf dem<br \/>Boden steht, daneben ein Kissen und zwei Maenner, die aussehen, als wuerden sie irgendwas planen, <br \/>und einige Menschen, die mehr oder weniger erwartungsvoll das Ei und die Maenner angucken. Wir<br \/>stellen uns dazu und warten auch. Ich frage eine Frau, was es damit auf sich hat, aber sie weiss es<br \/>offenbar auch nicht. Ein paar Meter weiter laermt eine Gnaoui-Gruppe, schwarzafrikanischstaemmige<br \/>Marrokaner, die mit Tambourinen, Trommeln und lautem Gesang alles andere uebertoenen. Ein junger<br \/>Mann installiert sich umstaendlich in ein Ensemble aus Gitarre, Keyboard, Schlagzeug, Mundharmonika<br \/>und Troete, will wohl als One-Man-Band ein ganzes Orchester sein. Aber er tuettelt so lange rum und wir<br \/>sind so am Ende, dass wir schliesslich aufgeben und weder heraus finden, was es mit dem Ei auf sich hat,<br \/>noch wie wohl die Musik des jungen Mannes klingt. Auf den Dachterrassen der umliegenden Cafes<br \/>haengen mittlerweile die Gelaender voller, mit Kameras bewehrter Menschen, die das Treiben unten<br \/>festhalten. Wir trollen uns ein wenig schweren Herzens, weil es eben doch sehr spannend ist hier. Man<br \/>muss sich wohl darauf einlassen, viel Geduld und einen wachen Geist mitbringen. Nichts davon haben wir<br \/>jetzt und sinken auf die Rueckbank eines Taxis. Geniessen dann noch die sehr gechillte Musik auf der<br \/>Pool-Terrasse, essen was Kleines und trinken ein Glaeschen Wein.<br \/>Den 18.4. haben wir ereignislos auf dem Camping-Platz verbracht. Hat soooo gut getan. Am Pool<br \/>geluemmelt, gelesen, mit Zeit-Raetseln gerungen. Nach dem Essen, Josef ist ins Internet vertieft, laufe ich<br \/>eine Runde um den Platz, bleibe bei einem Schweizer Paar, Ingrid und Georsch stehen, und ehe ich es<br \/>mich versehe, haben sie Stuehle herbei getragen und freuen sich ueber Gesellschaft. Josef kommt auf der<br \/>Suche nach mir dazu. Viele der Wohnmobilisten haben Redebedarf - besonders, wenn und weil sie sich<br \/>mit der Bevoelkerung nicht verstaendigen koennen. Ich kenne das Gefuehl von unserer Italienreise im<br \/>letzten Jahr: man fuehlt sich wie abgeschnitten, hat eigentlich viele Fragen, aber niemanden, dem man<br \/>sie stellen kann. Bin froh und dankbar, dass es uns hier nicht so geht. Wir sind viel im Gespraech mit den<br \/>Menschen, haben also auch nicht so viel Nachholbedarf, wenn wir auf Leute treffen, die Deutsch oder<br \/>Englisch sprechen. Die Franzosen sind ja hier eindeutig die Platzhirsche und finden sich immer rasch<br \/>gegenseitig auf den Campingplaetzen. Alle, die aelter sind als 30, sprechen kaum irgendein Wort in einer<br \/>Fremdsprache.<br \/>Die beiden Schweizer sind reich und konservativ und nicht sehr angenehm - besonders sie. Er hat was im<br \/>Kopf, kommt aber neben ihr nicht zu Wort. Endlich schaffen wir den Absprung, als sie gerade mal Luft<br \/>holt.<br \/>19.4.<br \/>Wollen heute schon morgens nach Marrakesch, bevor es zu heiss wird, und ein paar Must-Does<br \/>abarbeiten. Nehmen hierfuer wieder ein Taxi und muessen wieder zaeh verhandeln. Ein franzoesisches<br \/>Paar schliesst sich uns an, die auch Richtung Stadt wollen, und der Taxifahrer nimmt uns zusammen so<br \/>viel ab, wie die meisten hier an einem ganzen Arbeitstag nicht verdienen. Sei es drum. Laufen vom Bab<br \/>Al Jadid, einem der Stadttore in der fast komplett erhaltenen und restaurierten Stadtmauer, zur KutubyaMoschee aus dem 12 Jh., die man nur von aussen besichtigen kann und an der eigentlich nur das<br \/>Minarett ganz huebsch ist, wobei ich die runden Minarette anderswo in der arabischen Welt den eckigen<br \/>hier vorziehe. Die Gaerten rund um die Moschee sind ganz huebsch. An einer Ecke sitzen zwei kleine<br \/>Jungen, 3 und 4 Jahre alt, schaetze ich, und verkaufen Tempo-Taschentuecher (der Renner hier). Wir<br \/>kaufen ihnen ein Paeckchen ab, plaudern ein bisschen mit ihnen; da kommt der Vater aus dem<br \/>Hintergrund, der die Szene sicher beobachtet hat und seine Jungs beschuetzen will, erzaehlt, er sei allein<br \/>mit ihnen, die Mutter sei gestorben und sie haetten keine Verwandtschaft um sich herum.<br \/>Wahrscheinlich stammen sie aus einem der Bergdoerfer, koennen oder wollen jedoch nicht dahin<br \/>zurueck. Von der Moschee gehen wir Richtung Mellah, um es uns heute ein bisschen genauer <br \/>anzusehen. Schoene Stimmung hier, schmale Gaesschen, durch die Gott sei Dank nicht einmal<br \/>Motorroller passen.<br \/>In den breitere Gassen sind auch nur eben diese und ansonsten Eselskarren unterwegs. Alles in Allem<br \/>sehr beschauliche, leise, geschaeftige Morgenstimmung. Hier sind auch viele Frauen auf der Strasse, die<br \/>ihre Erledigungen machen oder plaudernd an Ecken und Hauseingaengen stehen. Wir suchen die <br \/>Synagoge, die man besichtigen kann, werden ein wenig im Kreis geschickt, wobei Josef auf einer<br \/>Baustelle, wo gerade ein altes Haus abgerissen wurde, eine alte Fliese findet. Noch ein Reiseandenken<br \/>fuer zuhause.<br \/>Die Synagoge ist noch in Gebrauch. Die von ehemals 40 000 verbleibenden 120 Juden Marrakeschs<br \/>versammeln sich hier noch zu Feiertagen. Wir lernen, dass es wieder in allen grossen Staedten<br \/>israelitische Schulen mit insgesamt ueber 1000 Schuelern gibt, dass in Casablanca noch oder wieder<br \/>immerhin 1200 Juden leben. Die Synagoge ist ganz in blau und weiss gehalten. Sie ist im Stil des Riyad mit<br \/>Innenhof gebaut, aussen herum auf zwei Stockwerken liegen Zimmer mit nach Themen sortierten Fotos<br \/>der juedischen Gemeinden in Marokko. <br \/>Auf einer Seite ist der Gebetssaal mit der Empore fuer die Frauen. Es sind nur muslimische Angestellte<br \/>hier, und sie gehen sehr offen mit dem Thema Israel um, fragen mich, ob ich Juedin sei, sprechen mich<br \/>sogar auf Hebraeisch an, was paradox ist zum Verhalten der Leute, wenn sie erfahren, dass ich<br \/>Palaestinenserin bin, weil sie dann sofort anfangen Israel zu beschimpfen ob des Leids, was es ueber die<br \/>Palaestinenser gebracht hat und noch bringt. Aber es geht wohl beides gleichzeitig. Auf einem Tisch<br \/>liegen fuer die Gaeste Kippas und Shofars, ausgehoehlte Widderhoerner, aus, und ein spanischer Tourist<br \/>zeigt Josef, wie man dem Horn, das in juedischen Gottesdiensten geblasen wird, Toene entlockt - einmal<br \/>lang bedeutet: der Koenig kommt, dreimal kurz: man bittet Gott um Gnade, viermal kurz: es droht<br \/>Gefahr, etc. Josef wuerde am liebsten eines kaufen, aber ich bin nicht recht ueberzeugt. Traurig laesst er<br \/>es. Aber er wird spaeter kompensiert.<br \/>Auch der juedische Friedhof, nicht weit von der Synagoge, ist gut erhalten und gegflegt, ebenfalls mit<br \/>dokumentierenden Fotowaenden. Wir sind beeindruckt. Die letzten Graeber stammen aus der Zeit kurz<br \/>nach der Staatsgruendung Israels, als die meisten Juden Marokko verliessen.<br \/>Laufen von dort zufaellig wieder am Maison du Rabin vorbei, der Herberge meiner ehemaligen Kollegin,<br \/>und klingeln dieses Mal, stellen uns der recht gut Deutsch sprechenden und sehr freundlichen<br \/>Mitarbeiterin Latifa vor, fragen, ob wir bei ihnen einen Tee trinken koennten und bekommen diesen im<br \/>herrlich kuehlen, stillen Innenhof des wunderschoen retaurierten Riyad serviert, dazu ein Tellerchen<br \/>jenes feinen marrokanischen Teegebaecks und anschliessend eine Hausfuehrung mit einem anderen<br \/>Mitarbeiter. Als wir den Tee zahlen wollen, lehnt Latifa das vehement ab. Ups! So war es nicht gedacht.<br \/>Dachte, es ist auch ein Cafe fuer externe Gaeste. Wir nehmen es herzlich dankend an und verabschieden<br \/>uns wieder. Wirklich eine sehr empfehlenswerte Unterkunft, wenn man nicht wie wir im Womo<br \/>unterwegs ist.<br \/>Laufen von der Mellah wieder ueber den Lampenmacherplatz Richtung Bahiya-Palast. Ich entdecke auf<br \/>dem Platz, weg geworfen in einer Ecke liegend, ein Widderhorn und zeige es Josef. Das ist innen schon<br \/>hohl. Liegt offenbar schon laenger dort. Nun hat er sein Shofar! Schon wieder eine Reisetrophae, die jetzt<br \/>hinten aus seinem Rucksack rausguckt und neugierige Blicke und lustige Kommentare auf sich zieht.<br \/>Der Bahiya-Palast lohnt sich. Leider sind hier wirklich zu viele Touristen unterwegs - eigentlich zum<br \/>allerersten Mal irgendwo, seit wir hier sind. Aber die Architektur, die vielen kleinen und grossen Saele,<br \/>die wunderschoenen Gaerten in den Innenhoefen, die vielen huebschen Portale, Mosaike,<br \/>Deckenmalereien, etc kaemen sicher ganz, ganz anders zur Geltung, wenn es nicht gar so voll waere.<br \/>Haetten hier morgens als erstes herkommen sollen. Aber es hat sich dennoch gelohnt! <br \/>Wir laufen weiter, gucken in viele Hinterhoefe, wo ueberall in Werkstaetten unter ganz unglaublichen<br \/>Bedingungen Maenner irgendwelche Dinge fertigen, laufen durch Nebengaesschen, esssen an einem<br \/>schmierigen Tischchen an der Gasse einen Snack und trinken Tee. Unser letztes Ziel, am<br \/>entgegengesetzen Ende der Altstadt, ist das schwer zu findende Maison de la Fotografie, eine auf drei<br \/>Stockwerken verteilte private Fotosammlung aus Marokko von 1880 bis 1960. Ganz am Schluss sehen wir<br \/>Filme, gedreht von Wanderungen in den Bergen in den 1950'er Jahren. Die beiden Maenner, die mit Zelt,<br \/>Muli und Fuehrer unterwegs sind, sehen genau die Dinge, die auch wir auf unseren Wanderungen jetzt,<br \/>70 Jahre spaeter, auch gesehen und erlebt haben! Es hat sich fuer die Menschen dort oben wenig<br \/>veraendert. Unglaublich!<br \/>Gehen voellig geschafft, aber mit dem Gefuehl, das Thema Marrakesch zumindest nicht voellig verfehlt zu<br \/>haben - wenngleich man hier natuerlich Wochen und Wochen zubringen kann - Richtung Taxi und fahren<br \/>zurueck auf den Campingplatz. Birgit und Josef, ein Ehepaar, das gestern neben uns angekommen ist,<br \/>laden sich zu einem Glas Wein ein. Wir duschen uns den Stadtdreck runter, huepfen kurz in den Pool,<br \/>essen was auf der Terrasse und sitzen den Rest des Abends mit den beiden vor unserem Womo und<br \/>trinken ihren Wein. Sie sind circa 70 Jahre alt, sie Lehrerin, er ehemaliger Forstarbeiter, dann <br \/>Grenzschuetzer, spaeter Sozialarbeiter im Innendienst - das ist mal ein Berufsleben! Sie kommen aus<br \/>Luebeck und haben vor 20 Jahren gemeinsam mit 30 anderen Menschen ein grosses Grundstueck in<br \/>Mecklenburg Vorpommern, nicht weit oestlich von Luebeck gekauft, wo sie nach wie vor in einer<br \/>Gemeinschaft leben, in der sie selbst die aeltesten sind. Chapeau. Spannendes Konzept und fuer mich<br \/>sicherlich eine gute Lebensform, wie wahrscheinlich fuer viele Frauen. Josef wuerde eher verrueckt<br \/>werden - wie die meisten Maenner. Auch bei diesen beiden war sie die treibende Kraft. Aber nun leben<br \/>sie mit allen Hoehen und Tiefen, auch oft Zweifeln, schon seit 20 Jahren in der Gemeinschaft - auch ihre<br \/>Kinder sind dort erwachsen geworden - und sie sind nach wie vor ueberzeugt, dass sie den richtigen Weg<br \/>gegangen sind. Jeder in der Gemeinschaft hat seine eigene Wohnung und verwaltet seine eigenen<br \/>Finanzen. Man teilt sich Scheune und Garten und so dies und das, und es gibt 14-taegig eine<br \/>Versammlung zur Abstimmung von gemeinsamen Anliegen und Loesung von Problemen und Konflikten.<br \/>Haben dann noch ein wenig politisiert und philosophiert, und es war recht anregend.<br \/>20.4.<br \/>Vor dem Womo liegt ein schoener Holzknueppel. Josef, der Nachbar, hat ihn auf dem Campingplatz<br \/>neben dem Wohnhaus gefunden und meinem Josef geschenkt, weil sie beide Holzfetischisten sind. Es ist<br \/>Olivenholz und kommt zur Sammlung der Reisetrophaen. Bin gespannt, wann unser Kofferraum hinten<br \/>abbricht!<br \/>Nach dem Fruehstueck verabschieden wir uns links und rechts. Zu unserer Linken standen drei<br \/>franzoesische 4-Wheeler mit Dachzelten und auf der anderen Seite eben Josef und Birgit, sowie Georsch<br \/>und Ingrid. So viel Kontakt haben wir noch nie gehabt! Ein Schwabe fragt, ob jemand Englisch spraeche<br \/>und ihm helfen koenne, mit der Mercedes Werkstatt einen Termin zu koordinieren. Ich helfe ihm noch<br \/>geschwind, waehrend Josef Wasser nachfuellt und Grauwasser entsorgt, und dann machen wir uns auf<br \/>den Weg Richtung Nordosten, also Richtung Fez. Fahren an der Medina vorbei und biegen einmal falsch<br \/>ab, muessen drehen und sehen wie Maenner, auf kleinen Eselskarren stehend und an roemische<br \/>Streitwagen erinnernd, voller Muell die Medina verlassen, ihre Fracht gleich auf der anderen<br \/>Strassenseite auf eine Haufen kippen und wieder zurueck in die Medina fahren. Muellentsorgung ist, wie<br \/>ueberall in den Schwellenlaendern und der Dritten Welt, ein schwieriges Thema im ganzen Land. Es gibt<br \/>kaum eine geregelte Muellabfuhr, wahrscheinlich so gut wie keine richtigen Deponien, geschweige denn<br \/>Recycling oder Verbrennungsanlagen. Josef meint, das waere mal ein Thema, dessen sich die UNO<br \/>annehmen koennte. Recycling waere so wichtig, wuerde viele Arbeitsplaetze und Ressourcen schaffen<br \/>und nebenbei diese Laender entmuellen.<br \/>Wir fahren zunaechst recht langweilig noerdlich des Atlasgebirges ueber die Nationalstrasse N8 durch<br \/>flaches Agrarland. Am Strassenrand verkaufen Maenner irgend etwas, und wir halten, um es zu<br \/>ergruenden. Es sind recht kleine lebende Schnecken. Sie sagen, es kommen Haendler und kaufen sie fuer<br \/>Europa - zum Essen und fuer Kosmetikprodukte. Der eine sagt, an guten Tagen, wenn die Kinder nicht zur<br \/>Schule muessen und helfen, sammelt er bis zu 500kg! Wenn er sich da mal nicht vertan hat mit einer Null.<br \/>Wir sehen ganz viel Khubbaize (von der mir Birgit gesagt hat, es sei wilde Malve!), sammeln einen Haufen<br \/>und biegen dann endlich Richtung Berge ab, um die Wasserfaelle bei Ouzoud zu besuchen, mit 100m<br \/>angeblich die hoechsten von Marokko und die zweithoechsten in Afrika nach den Victoria Falls. Wer<br \/>weiss, wer weiss? Der Kontinent ist gross! <br \/>Wir fahren durch das enge Tal des Wadi Abid, ueberqueren eine Stahlbruecke, winden uns dann den Berg<br \/>hinauf und entfernen uns vom Tal. Ueberall stehen Kinder an der Strasse, die uns fast vor das Auto<br \/>springen, um irgenwelche Kraeuter, wahrscheinlich wilden Thymian, an den Mann \/ die Frau zu bringen.<br \/>Wir fahren durch Ouzoud hindurch, sehen bestaetigt, was im Reisefuehrer steht, und was uns auch Stina<br \/>bei ihrem Besuch kurz vor unserer Marokkoreise gesagt hat: Hier ist normalerweise viel los - es kommen<br \/>viele marokkanische Tagesausfluegler vom ganzen Land, aber auch Touristen von Marrakesch aus. Auf<br \/>der anderen Seite der Stadt geht eine Piste rechts ab und naehert sich dem Wadi Abid, endet im Dorf<br \/>Tafaghalt oder so aehnlich. Wir halten auf dem Dorfplatz am Ortseingang, fragen, ob wir dort ueber <br \/>Nacht stehen duerfen, werden von einem Dutzen Frauen, die in einem Frauenzentrum Teppiche und<br \/>Decken weben und uns alles freundlich zeigen, willkommen geheissen, drehen dann noch eine schoene<br \/>Runde durch das Dorf, das komplett aus Lehm gebaut ist - bis auf eine voellig ueberdimensionierte<br \/>Moschee, die noch im Rohbau ist und das kleine Doerfchen erschlaegt. Uns begegnet ein junges Paar, das<br \/>aussieht, als seien sie auch Besucher. Ich frage sie auf Englisch, wie sie den Moscheeboom im ganzen<br \/>Land beurteilen und wer die Bauwerke bezahlt. Der junge Mann ist kritisch, erklaert uns in recht gutem<br \/>Englisch, die Awqaf-Behoerde (Religionsbehoerde) bezahle die Moscheen - ich weiss, dass Saudi-Arabien<br \/>und auch die VAE die Awqaf-Behoerden ueberall auf der Welt finanziell unterstuetzen. Die Moscheen<br \/>wuerden nur halb fertig gebaut, also der Rohbau, dann wuerde man von den Dorfbewohnern Spenden<br \/>erbitten fuer den Rest. Diese wuerden natuerlich aus Angst, in der Hoelle zu schmoren, nicht ablehnen,<br \/>obwohl sie fast nichts haben. Seine Begleiterin, die um einiges aelter wirkt und Kopftuch traegt, haelt sich<br \/>zunaechst bedeckt und widerspricht ihm dann auf Arabisch. Sie weiss nicht, dass ich sie verstehe und<br \/>meint, die Moscheebauten seien wichtig fuer die Menschen, besonders fuer die Aelteren, und auch fuer<br \/>die Bildung der Kinder, denn es wuerde ja auch der Koran unterrichtet. Ja, eben nur der Koran, wendet<br \/>der junge Mann ein. Ich frage, ob man das Geld nicht besser in die Infrastruktur investieren muesste, also<br \/>die Wege und Strassen im Dorf pflastern, die Abwasserentsorgung modernisieren, etc. Er nickt eifrig, sie<br \/>guckt bisschen genervt. Wir bedanken uns und gehen weiter, sehen dann, dass tatsaechliche kein<br \/>einiziger Weg gepflastert ist, dass das Abwasser, zumindest Wasch- und Duschwasser, in Rinnen in der<br \/>Wegmitte davon laeuft. Eine Frau laedt uns in ihr Haus ein, zeigt uns Handarbeiten, die sie uns gern<br \/>verkaufen wuerde. Im Nachhinein dachte ich, wir haetten ihr einfach was abkaufen sollen, auch wenn wir<br \/>es furchtbar kitschig finden. Ihr Haus ist komplett aus Lehm, einschliesslich Fussboden, und es ist dunkel,<br \/>die einzige Lichtquelle eine kleine Oeffnung im Dach, mit einer Plastikplane bedeckt. Wir sehen in einer<br \/>Wandnische einen kleinen Fernseher, es stehen ein Hocker und ein Plastikstuhl da, ferner in einer Ecke<br \/>ein einfacher aber grosser Webstuhl. Mehr gibt es nicht. Wir plaudern ueber dieses und jenes, bedanken<br \/>uns, herzen die Kinder und gehen. Ich wuerde sie gern fragen, was sie vom Moscheeneubau haelt,<br \/>verkneife es mir jedoch. Sie sind alle recht religioes hier, und ich vermute, sie heissen es gut, weil sie sich<br \/>wichtig genommen fuehlen. In den armseligen Doerfern und Staedten Europas waren die Kirchen auch<br \/>stets die prunkvollsten und groessten Gebaeude.<br \/>Wir gehen zu unserem Schlafplatz zurueck und beenden den Tag mit einem Krimi. Es nieselt die ganze<br \/>Nacht auf's Womodach.<br \/>21.4.<br \/>Es ist bewoelkt und ziehmlich kuehl. Nach dem Fruehstueck gebe ich einem Mann, der auf dem Dorfplatz<br \/>auf irgend etwas wartet, unsere gesammelten 5-Liter-Wasserflaschen, und er nimmt sie gern. Dann<br \/>fahren wir wieder nach Ouzoud rein und machen eine Wanderung zu den Wasserfaellen, die in der Tat<br \/>beeindruckend sind, ein Eindruck, der jedoch ein wenig zerstoert wird durch die ganzen mit Plastikplanen<br \/>bedeckten Buden, Cafes und Restaurants unten neben dem Wasserfall. Noch ist es recht still hier, sind<br \/>kaum Gaeste da. Aber es ist Samstag und wird gewiss noch voller. Wir folgen dem Tip unseres<br \/>Wanderbuechleins und laufen am Ouzoud entlang bis zu seiner Muendung in den Wadi Abid, ein paar KM<br \/>westlich und einige Hoehenmeter tiefer. Es ist eine schoene Wanderung durch Oliventerrassen und<br \/>wunderschoen bluehende Wiesen. Man moechte am liebsten alles aufsaugen und fotografisch im<br \/>Gedaechtnis behalten, so schoen ist es, so vielfaeltig die Bluetenpracht. Recht weit unten pfluegt ein<br \/>Bauer mit zwei Eseln seine kleinen Aecker. Es sieht so anstrengend und muehsam aus - fuer Mensch und<br \/>Tier. Aber er gruesst ganz freundlich, laedt uns ein, ihn zu fotografieren, was wir aber nicht tun. Als wir<br \/>unten an der Muendung ankommen, ist es schon deutlich waermer. Wir sind fast niemandem begegnet. <br \/>Wir geniessen den Ausblick ein Weilchen und machen uns auf den Rueckweg. Der Bauer winkt uns<br \/>nachdruecklich zu sich herein und serviert uns einen wunderbaren Tee, der genau zum richtigen<br \/>Zeitpunkt kommt. Er raucht ein Pfeifchen mit irgendeinem gruenen Pulver - ich vermute Cannabis - ich<br \/>rauche eine Zigarette und lasse ihm noch zwei da. Er zeigt uns, was er da alles pflanzt: Weizen, Gerste,<br \/>Paprika, Chili, Auberginen, ueberdacht von Granatapfel-, Oliven-, Pfirsich- und Nussbaeumen. Er zeigt uns<br \/>sein Haus, das weit oben auf einem kleinen Plateau thront. Dort lebt seine Familie, seine Frau, einer der<br \/>Soehne mit Familie. Der andere lebt im Dorf, die Tochter ist in Rebat verheiratet, und ihr Mann arbeitet<br \/>in einer Betonsteinherstellung. Von neun Kindern haben nur drei ueberlebt, einer ist mit 25 bei einem<br \/>Autounfall ums Leben gekommen, eines ist mit 8 Monaten, ein anderes mit 4 Jahren an Krankheiten<br \/>gestorben, die anderen drei waren Fehlgeburten. Hart!<br \/>Wir bedanken uns, lassen ihm ein wenig Geld da, was er nicht will. Aber wir sagen, er soll den Enkeln was<br \/>Suesses kaufen. Gehen wieder hinauf Richtung Wasserfaelle. Mittlerweile geht es hier zu wie auf einem<br \/>Jahrmarkt. Am Fuss der Wasserfaelle sind mehrere Boote aus alten Oeltonnen mit Touristen unterwegs -<br \/>wie am Rheinfall von Schaffhausen, nur alles in klein und bescheiden. Die Restaurants sind auch gut<br \/>besucht. Die ueberwiegende Mehrzahl der Besucher sind Marokkaner. Lassen uns von einem<br \/>freundlichen Marokkaner ablichten.<br \/>Ich bin platt und will nur noch ins Womo und mich hinsetzen. Wir fahren also gleich los und nehmen die<br \/>landschaftlich reizvolle Nebenstrecke in Richtung des Stausees Bin Al Ouidane. Halten kurz in Alazali, wo<br \/>Josef einkaufen geht und ich mich fuer ein Turbonickerchen ins Bett lege. Danach geht es mir besser.<br \/>Wieder ist die Fahrt so schoen, die Wiesen saftig gruen und kunterbunt, in hoeheren Lagen die herrlichen<br \/>Euphorbien-Kakteen und Steineichen. Kommen ueber eine Passhoehe bei 1500m, und unter uns liegt der<br \/>Stausee auf 1200m. Leider ist es heute wieder einmal diesig und bewoelkt, so dass wir die Berge des<br \/>Hohen Atlas nicht sehen koennen. Aber der See ist dennoch sehr schoen. Es ist fuerchterlich windig, und<br \/>dennoch sind hier viele Wochenendausfluegler. Wir stellen uns an eine flache Stelle direkt am See,<br \/>schauen dem bunten Treiben zu, gehen eine Runde spazieren, folgen einer Gruppe von Leuten, die aus<br \/>ihrem Bus steigen und singend und tanzend und auf ihre Tabourine schlagend zum See hinunter gehen.<br \/>Waehrend ich das hier im schoenen Abendlicht bei wunderschoener See- und Bergkulisse schreibe, kocht<br \/>Josef zum ersten Mal etwas mit Fleisch auf dieser Reise: Fleischkuechle. Als er eben fertig ist und wir<br \/>essen wollen, fragen mich zwei junge Marokkanerinnen, ob ich wuesste, wo es hier eine Toilette gibt. Ich <br \/>zeige ihnen ein Hotel ca 500 m weg am Ufer. Oh, das sei aber weit, ob sie nicht bei uns auf's Klo gehen<br \/>koennten. Nun gut! Sie wuerden es umgekehrt niemals ablehnen, also lassen wir sie natuerlich auch. Aus<br \/>zweien werden dann vier, die eine nach der anderen unsere Toilette beehrt, waehrend ich mit den<br \/>anderen Smalltalk mache und Josef die Fleischkuechle warm haelt.<br \/>Ein Mann hat einen Stand fuer Grillspiesse. Ich glaube, er wohnt hier, denn direkt neben seiner kleinen<br \/>Grillbude steht ein Zelt, und nachts lodert ein Lagerfeuerchen.<br \/>22.4.<br \/>Wir sind ein wenig unschluessig, wo wir hin moechten. Es ist Sonntag, und waehrend wir fruehstuecken,<br \/>kommen schon die ersten Ausfluegler, lassen sich mit Ruder- und Motorboten rausfahren auf den See.<br \/>Der Mann mit dem Fleischgrill erleichtert sich recht ungeniert keine 20m vom Womo weg, so dass fuer<br \/>uns besiegelt ist, dass wir hier wohl nicht den Tag verbringen wollen. Es liegen bestimmt 20 Boote am<br \/>Ufer, und die Jungs haben nicht wirklich viel zu tun. Aber keiner, auch nicht der Fleischgriller, kommt auf<br \/>die Idee, ein wenig Muell aufzusammeln. Ein Plumpsklo waere auch nicht schlecht hier.<br \/>Die Strasse geht ueber den Staudamm, flankiert von Wachsoldaten und \"Fotografieren-Verboten\"-<br \/>Schildern auf beiden Seiten. Weiter windet sich die Strasse um den See herum mit wunderschoenen<br \/>Ausblicken aus allen Perspektiven. Wir halten auf einer Landzunge, die weit in den See hinein ragt und<br \/>offenbar ebenfalls ein beliebter Ausflugsort ist, denn es ist schon am Vormittag recht reges Treiben hier.<br \/>Ein junges Maedchen, die mit ihrer Familie hier ist, fragt, ob sie uns beide fotografieren darf. Klar darf sie.<br \/>Dann moechte sie noch ein Selfie von uns dreien. Auch ok. Sonst sind wir immer diejenigen, die die Leute<br \/>knipsen wollen, meistens jedoch nicht duerfen.<br \/>Ein junger Englaender, der einen Anhaenger voller Zeug, einschliesslich Kayaks und Rotwein, dabei hat,<br \/>erzaehlt, er lebe in Australien, arbeite aber gerade fuer einen neuseelaendischen Anbieter von<br \/>Abenteuerreisen und organisiere hier fuer eine Gruppe, die gleich aus Marrakesch anrueckt, einen<br \/>Kayakkurs auf einem der Fluesse im Hohen Atlas. Er raet uns dringend, hinauf zu fahren nach Tilouguit<br \/>und Zaouia Temda. Dort gaebe es tolle Wandermoeglichkeiten und eines der besten Klettergebiete mit<br \/>Felsen wie im Yosemite. Wir fahren also hinauf, und allein die Fahrt ist schon richtig klasse. Weiter unten<br \/>gruene Wiesen voller Klatschmohn, einer lila Lilienart, wilden Gerbera,... eine unglaubliche Vielfalt an<br \/>Blueten, und mittendrin die kunterbunt gekleideten Maedchen und Frauen, die alle am Blumenpfluecken<br \/>sind oder mit ihren huebschen Straeussen an der Strasse entlang laufen, jede fuer sich eine kleine<br \/>Augenwaide. Dann geht es in Serpentinen steil hinauf. Kommen bei 1800 m ueber einen Pass - die<br \/>Temperaturen fallen von etwa 18 Grad am See auf 10 Grad dort oben, und es weht ein steifer Wind -<br \/>fahren dann ueber ein flaches und kahles Hochtal, wo zwei Quellen gefasst sind. An der einen sitzen zwei<br \/>Frauen und waschen in diesem eiskalten Wind Decken, Teppiche und Kleider. Ein junger Mann steht<br \/>daneben und, wie kann es anders sein, schaut ihnen tatenlos plaudernd zu. Ab hier geht es wieder<br \/>hinunter auf 1300 m, und in Tilouguite sind es ploetzlich 25 Grad, es staubt, und das Dorf ist dermassen<br \/>verratzt, dass es weh tut. Ab hier ist die Strasse nicht mehr geteert, und Josef ist zoegerlich, weiter zu<br \/>fahren. Es stehen junge Rucksacktouristen herum, die auf ein Sammeltaxi ins Klettergebiet warten. Wir<br \/>essen ein Fladenbrot mit Ei und Schmelzkaese, trinken einen Tee und ueberlegen, was wir tun sollen. Ein<br \/>Wanderfuehrer spricht uns an und fragt, ob er mit uns fahren und uns dann fuehren kann. Aber wir<br \/>beschliessen, es zu lassen - ich ein bisschen schweren Herzens - und wieder hinunter zu fahren. Den<br \/>Hohen Atlas muessen wir uns fuer die naechste Reise aufheben, aber den wuerde ich gern noch<br \/>intensiver erleben und erwandern.<br \/>Wir fahren also zurueck auf die Landzunge am See. Mittlerweile ist es spaeter Nachmittag, und die vielen<br \/>Ausfluegler packen allmaehlich zusammen und fahren heim. Gruppen von Frauen und Maedchen gehen <br \/>klatschend und singend vorbei; ein Pickup-Truck, beladen mit mindestens 20 Leuten, faehrt ebenfalls<br \/>trommelnd und singend vorbei. Der gesamte Konvoi dauert bestimmt eine Stunde, und ganz viele<br \/>gruessen uns und heissen uns willkommen - wie so oft hier! Zwei Welpen, die hier mit ihrer Mutter<br \/>leben, wuseln um das Womo herum, mal naeher dran, mal weiter weg. Es macht Spass, ihnen<br \/>zuzuschauen. Ein Mann auf einem kleinen Eselchen, die Fuesse fast am Boden schleifend, den Enkel<br \/>hinter sich geklemmt, trabt zackig vorbei.<br \/>23.4.<br \/>Heute frueh sind die Welpen und die froehlich zirpenden Voegel die einzigen Lebewesen ausser uns auf<br \/>der Halbinsel. Wir machen uns auf den Weg in die grobe Richtung von Fez, fahren ueber eine kleine<br \/>ausgefranste Teerstrasse den landschaftlich reizvolleren Weg, bis diese in Beni Mellal auf die N8 stoesst.<br \/>Kurz vor Beni Mellal, als wir von den Bergen hinunter ins Tal kommen, halten wir und machen einen<br \/>zweistuendigen Spaziergang in Richtung Berge. Es ist ein schoener Weg, wiederum zwischen<br \/>kunterbunten Wiesen und dann Aeckern. Bauern ernten auf einem Feld Erbsen und druecken uns ein<br \/>Dutzend Schoten in die Hand als Wegzehrung. Ihre Schafe grasen drum herum. Dann laufen wir durch<br \/>Macchia-Landschaft, schliesslich wieder Kornfelder. Hier sehen wir zum ersten Mal jemanden spritzen:<br \/>Unkrautvernichter. Es stinkt und, da wir in Windrichtung laufen, begleitet uns der Geruch noch eine<br \/>Wegstrecke. So kann man sich vorstellen, wie dieses Zeug wirkt. Wir laufen noch ein wenig weiter, jetzt<br \/>durch das unwegsame Wadibett. Wuerden wir hier den restlichen Tag verbringen, koennten wir in die<br \/>Schlucht hinein laufen. Aber Josef draengelt es, ein paar Kilometer weiter zu kommen. Wir machen in<br \/>Beni Mellal, einer geschaeftigen, jedoch nicht sehr ansprechenden Stadt, halt. Wir machen einen kurzen<br \/>Einkaufs- und Teestopp und fahren dann bis Khenifra, von der unser Reisefuehrer sagt, dass sie als<br \/>allerletzte Stadt unter das franzoesische Protektorat fiel, weil sich ihre Einwohner erbittert wehrten, wie<br \/>die Gallier gegen die Roemer. Vorher halten wir noch einmal bei einer Olivenpresse, probieren das Oel<br \/>und kaufen fuenf Liter, obwohl es mir nicht ganz so schmeckt, wie ich es erwartet haette. Wir kommen<br \/>ein wenig ins Gespraech mit dem Eigentuemer, Mustafa, und irgendwann steht seine ganze Familie um<br \/>uns herum. Sie machen Tee, tragen klitzekleine Plastikhocker herbei, Brot, Olivenoel und Butter, die sie<br \/>selbst machen. Nette Stimmung. Ich gebe einer der Frauen eine Tube mit Arnikasalbe, weil sie ueber<br \/>Muskel- und Sehnenschmerzen im Schulterbereich klagt. Wir bedanken und verabschieden uns<br \/>schliesslich und fahren weiter durch huegeliges, sehr fruchtbares Ackerland bis Khenifra. Josef ist ganz im<br \/>Glueck ueber diese wider Erwarten sehr lebendige Stadt. Er fuehlt sich ob der grell bunten Beleuchtung<br \/>an Seoul erinnert und will gern mittendrin sein. Wir parken also direkt vor dem Polizeigebaeude, neben<br \/>uns ein Baum voller weisser Reiher, um uns herum auf den Schornsteinen der Haeuser mit<br \/>Giebeldaechern und Dachziegeln Stoerche ueber Stoerche. Wir stuerzen uns ins abendliche Gewuehl,<br \/>essen in einem Strassenrestaurant und lauschen nun vom Bett aus den Stadtgeraeuschen um uns herum.<br \/>24.4.<br \/>Was ein Tag! Heute frueh sammeln sich auf dem Parkplatz vor der Gendarmerie, auf dem wir stehen,<br \/>viele junge Maenner. Erst denke ich, sie haben vielleicht alle eine Vorladung wegen diverser Vergehen.<br \/>Als es jedoch immer mehr werden und sie auch offenkundig ganz anstaendig und geschniegelt und<br \/>gebuegelt wirken, nehme ich an, dass es Bewerber sind. Wir koennen nicht weg fahren, weil die Ausfahrt<br \/>von parkenden Fahrzeugen blockiert ist. Als ich eben in die Gendarmerie laufen und die Fahrer ausfindig<br \/>machen will, kommt ein ganz Wichtiger in Uniform und mit viel Lametta und signalisiert mir, er habe alles <br \/>im Griff, in fuenf Minuten kaeme der eine Fahrer, so das wir raus koennen. Die jungen Leute sind<br \/>tatsaechlich Rekruten, die auf 9:00 zu einem Gesundheitscheck eingeladen sind.<br \/>Endlich kommt der Fahrer, und wir koennen los. Der direkte Weg weiter Richtung Fez ginge ueber die N8.<br \/>Es gibt jedoch parallel dazu oben in den Bergen eine schoenere, wenngleich laengere Wegstrecke, die wir<br \/>nehmen moechten, um uns noch einmal ein wenig im Atlas herum zu treiben. Das Gebiet hier und um<br \/>Ifrane und Azrou, beide Richtung Fez, waren die Sommerfrische der Franzosen. Es geht direkt von<br \/>Khenifra aus stetig bergauf bis auf ca 1800m. Erst fahren wir durch Weizenfelder, dann durch Olivenhaine<br \/>und schliesslich sind wir in richtig dichtem Wald: grosse, uralte Zedern, Laerchen, die gerade erst richtig<br \/>austreiben, Steineichen und Kiefern. Die Strasse wird schmaler und biegt dann ab zu einem kleinen See in<br \/>einem baumfreien Hochtal ab, das jetzt ganz gruen und voller Wassertuempel ist. Hier stehen lauter mit<br \/>Plastikplanen umwickelte Huetten, und als wir uns dem See naehern, springen Kinder herbei, die<br \/>Fladenbrot verkaufen, wovon wir eines kaufen. Der See reizt uns nicht, denn im Reisefuehrer steht, dass<br \/>er im Sommer ein Lieblingsausflugsort der Marokkaner und zugemuellt ist. Wir steigen aus, weil wir im<br \/>Dreck ein schoen geschnitztes Stueck Holz sehen. Wir plaudern mit den Kindern, fragen, sie, ob wir es<br \/>ihren Eltern abkaufen koennten, aber sie sagen, es wuerde noch fuer den Hausbau benuetzt. Sie<br \/>ueberreden uns, mit ihren Eltern Tee zu trinken, und wir werden zu einem im Bau befindlichen Haus<br \/>gelotst. Dort hat man rasch eine der grossen Strandmatten ausgerollt, die hier allerortens zu sehen sind,<br \/>und die Maenner und Frauen setzen sich mit uns. Wir trinken Tee und essen dazu so eine Art Paratha,<br \/>ganz frisch gebackenes fettgetraenktes Fladenbrot. Sehr lecker! Aber diese Menschen sind sehr arm, so<br \/>dass wir nur ein paar Anstandsbissen annehmen. Sie sind Chleuh -Berber (spricht sich Schluh) vom Stamm<br \/>der Ait Boumzough. Sie erzaehlen uns, dass sie dieses Haus neu bauen, weil sie ihr angestammtes, ein<br \/>bisschen weiter oberhalb im Wald gelegenes, verlassen muessen. Sie leben in einem Naturschutzpark,<br \/>und die Forstbehoerde verbietet ihnen, im Wald zu leben, denn dieses sei Staatswald. Sie duerfen hier<br \/>auch kein Holz mehr schlagen, nur aufsammeln, was auf dem Boden liegt. Als Bauholz muessen sie das<br \/>Holz ihrer alten Haeuser wieder verwenden, oder sie muessen es kaufen. Die nicht bewaldeten Gebiete<br \/>gehoeren gemeinschaftlich dem Stamm, jedoch hat niemand einen Grundbucheintrag auf ein bestimmtes<br \/>Stueck Land. Aus diesem Grund duerfen sie auch keine festen Haeuser aus Stein bauen, sondern nur<br \/>diese leicht wieder abbaubaren Holzhuetten, die sie zur Isolierung und Abdichtung mit Plastikplanen aller<br \/>Art umwickeln. Entsprechend scheusslich sehen sie aus.<br \/>Ich denke erst, sie seien Nomaden, weil diese Art Behausung darauf schliessen laesst. Aber sie sagen, sie<br \/>lebten schon seit Generationen hier und waren nie Nomaden. Nach dem Tee nehmen die Maenner, zwei<br \/>Brueder, uns mit nach oben in ihr \"Dorf\", eine Ansammlung der gleichen Bretterhaeuser, allerdings mit<br \/>den Natursteinen der Umgebung ein wenig befestigte Eingangsbereiche, mit einer duennen Betonplatte<br \/>innen als Fussboden, einer kleinen Solarzelle auf dem Dach, die eine Batterie speist, die abends immerhin<br \/>zwei bis drei Stunden Strom gibt (heute vielleicht nicht, denn es ist den ganzen Tag recht dicht bewoelkt).<br \/>Zwischen den Huetten, sozusagen auf dem Dorfplatz, liegt ein totes Schaf, blutig und mit verdrehtem<br \/>Hals, offenen Augen. Josef fragt, warum es dort liegt. Naja, es sei halt tot. Aha! In einem der Zimmer liegt<br \/>der sehr alte Vater der beiden Brueder auf einem recht gemuetlichen Lager im ansonsten recht grossen<br \/>aber leeren Raum. Aus einem anderen Zimmer kommt die uebergewichtige Mutter an einer Kruecke. In<br \/>einem dritten Zimmer bullert ein kleiner Holzofen in der Mitte mit dem unvermeidlichen Tajine-Topf. Es<br \/>ist erstaunlich warm hier drin. Dann gibt es noch ein zweites Schlafzimmer mit Lager am Boden. Das alles<br \/>muessen sie nun abbauen und unten in dem offenen Tal wieder aufbauen. Es behagt ihnen nicht, weil sie<br \/>dort keinen Schutz vor Sonne und Wind haben, und weil sie dann auch den vielen Tagesbesuchern am<br \/>Wochenende so ausgesetzt sind. Ob ihr Stammesfuerst nicht etwas dagegen tun koenne, frage ich. Nein,<br \/>das ist endgueltig. Sie haben den Bescheid schon vor einem Jahr bekommen, und nun muessen alle<br \/>allmaehlich umziehen. Wir laufen wieder hinunter, und Josef ueberlaesst dem groesseren der beiden<br \/>Brueder seine Cargohose, die ihm Meilen zu gross ist, und die er hier gern jemandem, der sie braucht,<br \/>schenken wollte. Sie sind wirklich sehr arm. Dennoch geht einer der grossen Jungen in Khenifra auf die<br \/>Schule und wohnt dort im Internat. Auch eine der grossen Toechter hat immerhin neun Schuljahre<br \/>absolviert. Ob sie hier bleiben werden? Der eine der Brueder erzaehlt dann noch, die Stammesfuersten<br \/>setzen sich dafuer ein, dass am Seeufer richtige Cafes entstehen, dass Bergfuehrer zertifiziert werden,<br \/>damit die Familien ein wenig Geld verdienen koennen. Aber ob das je umgesetzt wird, sei fraglich, sagt<br \/>er. Er bietet uns an, zu bleiben, meint, er muesse noch mit seinem Bruder ca bis 14:00 an den Haeusern<br \/>arbeiten, und dann koennten sie uns in die Berge fuehren. Wir bedanken uns herzlich fuer das<br \/>freundliche Angebot - ich glaube, hier ging es jetzt nicht um Geld - und verabschieden uns, geben der<br \/>Frau, die die Teigfladen und den Tee spendiert hat, noch 10 Dh, sie uns im Gegenzug noch einen frischen<br \/>Teigfladen.<br \/>Wir fahren weiter, und kommen nun durch Steineichenwaelder. Hier wird die Strasse gerade verbreitert,<br \/>und ueberall stehen Baumaschinen herum. Da wir keine Wege entdecken, auf denen wir ein bischen<br \/>laufen koennten, halten wir an einem Bachbett und laufen ein Stueck hinauf, treffen auf einen Schaefer,<br \/>der quietschfidel, wenngleich, wie viele hier, etwas zahnlos ist und uns nach Medikamenten fragt.<br \/>Wogegen, fragen wir. Gegen Bauch-, Zahn-, Kopf- und andere Schmerzen. Wir haben ja nun auf der <br \/>Wanderung keine Reiseapotheke dabei, und da fragt er, ob wir im \"Reno\" was haetten, und ich brauche<br \/>einen Augenblick zu verstehen, dass er Renault meint und dies fuer ihn das Wort fuer Auto ist. Da hat<br \/>Frankreich gute Marketingarbeit im Maghreb geleistet!<br \/>Bis auf Vogelgezwitscher ist es sehr still im Wald, und ich hoffe darauf, Berberaffen zu sehen, die es hier<br \/>geben soll. Aber wir haben kein Glueck. Was uns jedoch den ganzen Weg begleitet, ist Donnergrollen -<br \/>mal naeher kommend, mal sich entfernend. Die Wolken ziehen mal nach Osten, dann wieder nach<br \/>Westen, sind mal heller, mal dunkler. Josef fuerchtet ein Unwetter, und wir gehen wieder zurueck zum<br \/>Auto. Dort fragt uns ein junger Mann, ob er mit uns bis zum Dorf Um Al Rabia fahren kann. Es ist nicht<br \/>weit und ohnehin unser naechstes Ziel, weil es dort einen Wasserfall und Quellen geben soll. Kaum<br \/>fahren wir los, bricht das Unwetter ueber uns herein, und es hagelt dermassen, dass sich die<br \/>Hagelkoerner von einem cm Durchmesser am unteren Rand unsere Windschutzscheibe aufhaeufen und,<br \/>dass es so laut prasselt, dass ich mir die Ohren zuhalten muss. Unser Tramper ist ganz unbeeindruckt,<br \/>meint nur, wir sollen besser in der Strassenmitte fahren, falls die Boeschung wegbricht. Er erzaehlt ueber<br \/>den Krach hinweg, dass er auf der Strassenbaustelle Baggerfahrer ist, seine freien Tage gesammelt hat,<br \/>damit er jetzt fuer 10 Tage (minus 2 Tage fuer Hin- und Rueckfahrt) nach Hause kann. Er kommt aus<br \/>Rashidiya und hofft, dass er heute noch weiter kommt. Waehrend Josef ganz konzentriert ueber die<br \/>Hagelkoerner eiert, zeigt er mir voller Stolz Fotos auf seinem Handy von sich und seinem Bagger. Der<br \/>Hagel geht in Regen ueber. Wir verabschieden ihn in Um al Rabia, trinken im Womo einen Tee und<br \/>hoffen, dass es aufhoert zu regnen. Und tatsaechlich, es troepfelt nur noch, und wir laufen zum<br \/>Wasserfall, der ganz nah am Dorf ist. Der Weg dorthin, also das Ufer links und rechts des Flusses, ist<br \/>komplett zubetoniert mit lauter ueber Treppchen miteinander verbundene Bodenplatten auf<br \/>verschiedenen Ebenen - die untersten 20 oder 30 cm ueber dem Wasserspiegel des klaren Gebirgsflusses<br \/>- darauf Huetten, die eigentlich nur aus einer Rueckwand und einem Schilfdach bestehen. Es sind<br \/>bestimmt 50 oder noch mehr kleine Restaurants und Cafes. Es ist alles leer jetzt, da es noch zu kalt ist,<br \/>aber im Sommer muss hier der Teufel los sein. Ueberall plaetschert Wasser aus Quellen in den<br \/>Felswaenden an beiden Ufern, die hier zusaetzlich zu dem Wasserfall am Ende der engen Schlucht den<br \/>Um Al Rabia speisen. Wir laufen ganz zum Ende. Dort tobt der Wasserfall runter, und die ganz<br \/>wagemutigen klettern ueber glitschige Steine so nahe heran, dass man sie als Helden ablichten kann.<br \/>Aber der Fluss tobt hier ganz anstaendig, und Josef und ich laufen ueber einen handgestrickten Holzsteg<br \/>auf den ersten freiliegenden Felsbrocken, was uns an Abenteuer genuegt. Als wir wieder zurueck sind auf<br \/>festem Boden, kommt eine Gruppe junger und alter Maenner, die nun zu fuenft auf diesen glitschigen<br \/>Steinen herumstolpern. Mir wird ganz anders, und ich mag gar nicht weg gehen, bevor sie alle wieder<br \/>festen Boden unter den Fuessen haben.<br \/>Schliesslich laufen wir langsam zurueck, und als wir eben fuenf Minuten vom Wasserfall weg sind, wo die<br \/>Schlucht wieder ein wenig breiter wird, wird das Wasser ploetzlich braun und tosend! Nach dem<br \/>Unwetter, das wir etwa eine Stunde vorher erlebt haben, haben sich oberhalb des Wasserfalls die<br \/>Wassermassen gesammelt, die nun von jetzt auf nachher den Berg herunterfallen und den Fluss binnen<br \/>Minuten um 1 - 2 Meter steigen lassen. Die untere Huettenreihe steht ganz rasch unter Wasser, und<br \/>diese braunen, tobenden Massen schlagen mit Macht gegen Maeuerchen, Pfosten und Unterbau der <br \/>kleinen Restaurants. Eine Familie mit zwei Kindern, die eben noch dort unten ihren Tee tranken, sind<br \/>recht schockiert. Ich kann nicht glauben, dass wir selbst so bloed waren, da hinten rein zu gehen. Wir<br \/>wissen doch, dass man nie in ein enges Flusstal gehen darf, selbst wenn es in 20 oder 30km Entfernung<br \/>geregnet hat. Und die Leute hier aus dem Dorf schauen uns Trotteln von Touristen zu und sagen nichts,<br \/>servieren uns sogar noch in aller Gemuetlichkeit Tee! Wir stehen lange dort und gucken uns das<br \/>unglaubliche Schauspiel an. Ein Mann, der dort mit uns steht, zeigt auf ein Restaurant ganz unten am<br \/>Wasser, das schon einen Meter unter Wasser steht und sagt, das sei seines, und letztes Jahr habe es ihm<br \/>das Wasser fortgerissen. Warum er dann so dicht am Wasser baue? Weil das im Sommer, wenn es heiss<br \/>ist, der schoenste Platz sei. No risk, no fun!<br \/>Vorher<br \/>Nachher<br \/>Irgendwann ist uns kalt, und wir fluechten uns ins Womo, aber erst, nachdem wir an die ganzen<br \/>bettelnden Kinder unsere Kugelschreiber verteilt haben. Josef hat eben fuer uns gekocht, lecker wie<br \/>immer, waehrend ich all das hier in den PC gehackt habe. Mittlerweile ist es dunkel, der Fluss rauscht<br \/>laut, und ich hoffe, wir stehen hier sicher!<br \/>25.4.<br \/>Wir sind dann am spaeten Abend doch noch auf die andere Seite des Parkplatzes gefahren, denn der<br \/>ganze Platz ist im Wadibett aufgeschuettet, der tosende Fluss durch ein recht schmales Nadeloer geleitet,<br \/>und wir standen direkt ueber dem Nadeloer.<br \/>Morgens fahren wir recht bald los, in der Hoffnung, dass die Strasse nicht unterspuelt oder<br \/>weggebrochen ist. Es ist ziemlich holperig aber immerhin frei. Wir halten in Ain Leuh, einem recht<br \/>huebschen und gruenen Staedtchen an den Haengen des noerdlichen Mittleren Atlas. Es ist Markttag,<br \/>und wir schlendern durch die Hauptstrasse, kaufen Gemuese und Obst, trinken Tee und essen einen<br \/>Sandwich fuer zusammen 11 Dirham, also 1 EUR! Unlgaublich. Wie geht das bloss?<br \/>Wir setzen unsere Fahrt auf der Nebenstrasse fort, kommen am kleinen Stausee Afnourir vorbei, nehmen<br \/>direkt neben der Strasse eine Bewegung wahr: es sind Berberaffen!<br \/>Im Reisefuehrer steht, dass sie in diesem Gebiet unterwegs sind, und ich habe schon die letzten zwei<br \/>Tage immer herum geguckt. Wir parken ein wenig weiter die Strasse hinauf (unter uns am Hang<br \/>unglaublich viel Muell!) und laufen langsam zurueck. Es gibt hier ein Forsthaus aus Stein mit Giebeldach,<br \/>daneben saeuberlich aufgestapelt Feuerholz, drum herum Wiesen, so dass man wirklich vergessen kann,<br \/>wo man ist. Die Affen wirken beinahe deplatziert! Wir bewegen uns langsam und vorsichtig parallel zu<br \/>ihnen oberhalb des Seeufers. Sie buddeln dort unten Wurzeln, Wuermer und Kaefer aus. Irgendwann<br \/>schreit ein junger Affe ueber uns aus den Baumwipfeln. Wir machen ihm Angst, und er traut sich nicht<br \/>herunter, waehrend seine Familie langsam Abstand aufbaut. Wir gehen weiter weg, damit er zu ihnen<br \/>kann, was er und noch ein kleiner Naseweiss dann auch ganz schnell tun. Wir laufen weiter am Seeufer.<br \/>Da stehen zwei Zelte, und ich habe das Gefuehl, die Maenner leben dort. Irgendwann sage ich, da<br \/>koennten wieder Schildkroeten sein. Kaum mache ich den Mund zu, sehen wir Dutzende, sich auf<br \/>angeschwaemmten Baumstaemmen in der Sonne aufwaermend. Wenn wir zu nahe kommen, gleiten sie<br \/>lautlos ins Wasser. Wir sehen sie um den ganzen, recht kleinen See herum. Irgendwann kommt ein<br \/>Kuhhirte mit seinen fuenf Kuehen und drei sehr schlaefrig wirkenden Hunden vorbei. Aber ploetzlich <br \/>rennen sie los: sie haben die Affen gesehen. Aber die Affen sind gewiss schlauer und schneller. Irre<br \/>spannend!<br \/>Bis jetzt war das Wetter ganz gut, aber die Wolken ziehen schon wieder heran. Mal sehen, wie lange es<br \/>haelt. Wir fahren weiter, kommen jetzt durch schoene Zedernwaelder. Die Baeume wirken trutzig, haben<br \/>fuer ihre Groesse sehr dicke Staemme, andererseits sind die Aeste und laerchenartigen Nadeln auch<br \/>beinahe zart. Josef erinnert sich, dass er mal gelesen hat, dass Zedern eine maximale Hoehe erreichen<br \/>und dann in die Breite gehen und ihre fuer sie typische schirmartige Krone erhalten. Wikipedia sagt uns,<br \/>dass es Zedern nur in ganz begrenzten einzelnen Regionen dieser Erde gibt - und zwar in einem Guertel,<br \/>der von Marokko im Westen bis Nordindien im Osten reicht.<br \/>Irgendwo auf knapp 2000m Hoehe sehen wir im Unterholz wieder Affen, halten und laufen vorsichtig<br \/>querfeldein durch den Wald, um sie nicht zu erschrecken. Wir koennen sie lange beobachten. Es sind<br \/>huebsche Tiere mit hellem, dickem Fell, die mehr am Boden als auf den Baeumen unterwegs sind.<br \/>Die Weiterfahrt wird haarig, die Strasse immer schlechter; sie besteht nur noch aus Schlagloechern, und<br \/>Josef muss sich sehr konzentrieren und fast Schritttempo fahren. Zwischendurch ist ploetzlich kein Wald<br \/>mehr, nur noch komplett kahle Hochebenen oder flache Taeler mit einem duennen Grasflaum. Wir<br \/>fahren teilweise in den Wolken, und es regnet. Hier gibt es auch immer wieder die kleinen Hirtenweiler<br \/>mit ihren Holz- und Plastikfolienbehausungen. Es sieht so unendlich troslos aus, wie sie leben! Die<br \/>Schaefer und ihre Schafe sind klatschnass und ihre Schafe ganz schwarz vor Matsch. Hier liegen sogar<br \/>noch Schneereste!<br \/>Endlich kommen wir auf die Hauptstrasse ein Stueck oestlich von Azrou. Fahren durch Azrou hindurch<br \/>und haben das Gefuehl, im falschen Film zu sein. Es regnet, ist kalt und die Architektur ist sehr<br \/>franzoesisch: lauter rote Schindel-Spitzdaecher. Dieser Ort und auch der naechste, Ifrane, waren zur<br \/>franzoesischen Protektoratszeit Sommerfrische fuer die Franzosen, und ihr Einfluss haelt bis heute an,<br \/>denn selbst neue Haeuser werden im selben Stil gebaut. Jetzt kommen die Marokkaner her, die auch<br \/>Ferienhaeuser hier haben und im Winter zum Wintersport kommen. Wenn man als westlicher<br \/>Auslaender hier in Marokko lebt, ist es bestimmt nett, ab und zu hierher zu kommen und so zu tun, als sei<br \/>man in Europa. Aber fuer uns hat es keinen Reiz, schon gar nicht bei dem Sauwetter, denn es fuehlt sich <br \/>an wie ein franzoesischer Voralpenort im Herbst. Wir fahren weiter Richtung Fez, das nur noch 60km weg<br \/>ist. Kommen kurz vor Dunkelheit auf einem Stellplatz suedlich der Stadt an und fallen bald ins Bett. Sind<br \/>heute eindeutig zu viel gefahren, und fuer Josef war es sehr anstrengend, denke ich.<br \/>26.4.<br \/>Fez! Was fuer eine Stadt! Schon wieder so eine tolle!<br \/>Fahren heute frueh aus Spass an der Freude mit dem Bus in die Stadt. Ein Mann, den wir nach dem<br \/>richtigen Bus fragen, begleitet uns, damit wir uns nicht verlaufen. Er hatte heute frueh einen Arbeitsunfall<br \/>in seiner Firma, hat sich die Hand an einer Maschine verletzt, und ist nun krank geschrieben und auf dem<br \/>Weg nach Hause. Er verdient mit 4000 Dirham = EUR 400 fuer hiesige Verhaeltnisse ganz gut. Unser<br \/>Stellplatz liegt in einem Gebiet, dass relativ neu bebaut wird, und ueberall stehen Werbetafeln fuer die<br \/>Projekte. Es werden Wohnungen zwischen EUR 80.000 und EUR 125.000, Villen fuer EUR 450.000<br \/>angeboten. Bei einem Jahresgehalt von EUR 4800 ist das nicht astronomisch, sondern illusorisch. Aber es<br \/>gibt Leute, die so viel verdienen, dass sie so etwas kaufen koennen. Man rufe sich nochmal ins<br \/>Gedaechtnis zurueck, dass wir fuer 2 Tee und 2 Sandwiches zwischen EUR 1 und maximal EUR 2,50<br \/>bezahlen (Bis auf heute. Aber dazu spaeter). Da kann man sich vorstellen, was so ein Angestellter in<br \/>einem Cafe verdient.<br \/>Spaeter setzt sich eine Studentin einer Berufsschule im Bus zu uns. Ich frage so dieses und jenes. Sie<br \/>\"studiert\" Textildesign. Die Schule kostet nichts und man kann im ganzen Land an diesen staatlichen<br \/>Berufsschulen ueber einen Zeitraum von 6 Monaten bis 2 Jahren diverse Berufe lernen, jedoch nur die<br \/>Theorie. Es ist keine duale Ausbildung, und die Jobsuche danach ist nicht einfach. Aber immerhin!<br \/>Krankenversichert ist man, wenn man angestellt ist oder irgendwie fuer den Staat arbeitet. Die<br \/>Versicherung wird vom Arbeitgeber bezahlt. Kinder unter 18 Jahren bekommen die Behandlung in<br \/>staatlichen Krankenhaeusern kostenlos, jedoch nicht die Medikamente. Die meisten Menschen hier leben<br \/>auf dem Land und sind Subsistenzbauern, also nicht angestellt, muessen demnach jeden Arztbesuch<br \/>selbst bezahlen. Meistens gehen sie deshalb nicht zum Arzt. Das erklaert auch, warum wir immer wieder<br \/>nach Medikamenten gefragt werden, meistens nach Schmerzmitteln.<br \/>Wir bedanken uns an der Endstation in der so genannten Nouvelle Cit\u00e9 (erbaut von den Franzosen<br \/>Anfang des 20. Jh) bei unserem Begleiter und verabschieden uns,<br \/>laufen Richtung Norden auf die Altstadt zu, die aus \"Fez Al Jdida\", dem \"Neuen Fez\", gegruendet im 13.<br \/>Jahrhundert, und der Medina aus dem 8. Jahrhundert besteht.<br \/>Nach einem beachtlichen Fussmarsch bis zum Eingang zur Fez Al Jdida beschliessen wir, eine Tee-<br \/>\/Sandwichpause zu machen, sehen ein Schild \"Panoramaterrasse\" und gehen hinauf. Da steht nur ein<br \/>einziger Tisch, an dem aber schon zwei wohlgenaehrte (sieht man nicht so oft hier, aber in der Stadt<br \/>oefter als auf dem Land) und offenbar wohlhabende Maenner sitzen und ueppig speisen. Der Kellner<br \/>bringt Tisch und Stuehle, und wir haben eine irre Ausicht auf die Stadt unter uns, dem Gewusel am<br \/>Stadttor und auf den umliegenden Dachterrassenrestaurants, auf die anderen umliegenden Daecher, wo<br \/>Waesche flattert, unendlich viele Satellitenantennen, Leute, die irgend etwas arbeiten oder einfach nur<br \/>herum spazieren, auf diverse schoene Minarette in allen Farben und Verkleidungen, auf die Fez<br \/>umgebenden Berge, etc.<\/p> <p>Alles super, ausser, dass es erstens ewig dauert bis unsere Stulle kommt, was aber ok ist, weil wir gern<br \/>ein bisschen ausruhen, und, dass er zweitens nachher 150 Dirham will fuer dasselbe, wofuer wir gestern<br \/>noch 11 Dirham bezahlt haben. Wir diskutieren, wollen mit seinem Chef sprechen, der aber angeblich<br \/>gerade Mittagsschlaf macht, wollen eine Speisekarte sehen, aber er tut so, als kaeme er uns total<br \/>entgegen, als er auf 100 Dirham runter geht. Wir sind richtig genervt, weil wir uns total veraeppelt<br \/>fuehlen, haken es ab und schreiben es unserer eigenen Dummheit zu. (Spaeter trinnken wir nochmal Tee<br \/>und Croissants und bezahlen die ueblichen 30 Dirham...wir sind also eindeutig abgezockt worden! Wie<br \/>aergerlich...uns sogenannten Reiseerfahrenen darf sowas nicht passieren!)<br \/>Fez ist spektakulaer, unbeschreiblich und spannend, noch urspruenglicher als Marrakesch, auch<br \/>heruntergekommener, die Gassen noch schmaler, die Haeuser mit Holzbalken gegeneinander<br \/>abgestuetzt, damit sie nicht zusammen brechen. Aber es gibt so viel Schoenes, so viel schoene<br \/>Architektur, so viele der herrlichen Fliesenmosaike an oeffentlichen Brunnen, in Hausgaengen, in<br \/>Moscheen, an Toren,....<\/p> <p>Oeffentlicher Brunnen<br \/>Wieder sehen wir ueberall Werkstaetten, wo wirklich noch in komplett mittelalterlicher Handarbeit alles<br \/>Moegliche gefertigt wird... In unserem Reisefuehrer wird man vor der Aufdringlichkeit irgendwelcher<br \/>selbsternannter Stadtfuehrer gewarnt. Aber wir werden eigentlich total in Ruhe gelassen, und wenn uns<br \/>einmal jemand etwas zeigt, und wir ihm Geld geben wollen, so lehnt er es fast beleidigt ab. Einmal<br \/>stolpern wir in eine Werkstatt, wo ein aelterer Mann auf dem Fussboden sitzt und mit einer primitiven<br \/>Konstruktion aus einer Fahrradfelge und anderen Dingen Wollfaeden auf Spindeln wickelt. Ein anderer<br \/>aelterer Mann, der unser Interesse spuert, sagt, wir sollen ihm folgen, er wuerde uns eine Werkstatt<br \/>zeigen. Wir laufen durch endloses Gassengewirr hinter ihm her, wuerden ohne ihn nie wieder hier heraus<br \/>finden. Endlich steht er vor einem Haus, schliesst die Tuer auf und fuehrt uns hinein. Hier stehen auf drei<br \/>Stockwerke verteilt mehrere riesige Webrahmen, und ein junger Mann arbeitet an einem, webt einen<br \/>recht feinen Stoff fuer die traditionellen Maennergelabas - allerdings aus Kunstfaser, weil die Kunden das<br \/>heute vorziehen. Auf einem anderen Webstuhl wird ein ganz zarter und feiner Stoff fuer die Ueberwuerfe<br \/>der Frauen gewebt. Wir sind tief beeindruckt. Als wir wieder gehen, schliesst er hinter sich ab und<br \/>erklaert uns, seine Arbeiter kaemen aus den Doerfern in den Bergen, sie arbeiteten immer fuer ein bis<br \/>zwei Monate am Stueck und fuehren dann fuer ein paar Tage nach Hause zu ihren Familien. Das sind die<br \/>Gastarbeiter, deren Familien wir in den Bergdoerfern kennengelernt haben. Der Chef schliesst sie ein -<br \/>wahrscheinlich, damit sie nicht auf die Idee kommen, in ihrer Arbeitszeit in der Stadt herum zu streunen.<br \/>Wahrscheinlich verdienen sie um die EUR 100. Das ist schon knapp an der Leibeigenschaft vorbei. Und sie<br \/>sind gewiss nicht krankenversichert.<br \/>Wir sehen die Laeden mit den traditionellen Kleidern nun mit anderen Augen, da wir wissen, dass die<br \/>Stoffe, vielleicht nicht alle, aber doch ein Teil, hier in Handarbeit gewebt werden.<br \/>27.4.<br \/>War gestern zu muede, den Rest des Tages zu schildern und bin eben im Morgengrauen aufgewacht, um<br \/>mich nochmals ausgiebig besonders ueber unsere Dummheit aufzuregen. Wir haetten diesem frechen<br \/>Kerl mit seinen Sandwiches einfach das in die Hand druecken sollen, was wir fuer adaequat halten -<br \/>meinetwegen noch ein paar Dirham mehr fuer die tolle Lage und dafuer, dass er Tisch und Stuehle 3<br \/>Stockwerke hochgetragen hat. Ich glaube, ich muss da heute nochmal hin.<br \/>Wir erwandern also gestern das ganze Fez Al Jdida und die Medina, kommen natuerlich auch an der<br \/>Kairouayna-Universitaet, nach Kairo, der zweitaeltesten der Welt, vorbei, wo heute jedoch nur noch<br \/>islamische Theologie unterrichtet wird, an der Moulay Idriss Moschee, etc. Am Najjarin-Platz, dem Platz<br \/>der Tischler und Schreiner, wird aussen herum und in den umliegenden Gassen noch fleissig<br \/>gehandwerkt. Ein Teil wird aus Zedernholz gefertigt, und es duftet herrlich danach. In ein paar<br \/>Werkstaetten bauen sie riesige Hochzeitsthrone, also hoch aufgepolsterte Sofas in silber- oder<br \/>goldschimmendem Brokatstoff, dahinter aus feinen Sperrholzplatten von Hand heraus geschnitzte und<br \/>dann weiss, golden oder silber angemalte Himmel. Hier gibt es auch in einem wohl praechtig<br \/>restaurierten Stadthaus ein Holzmuseum, das man sich noch anschauen sollte.<br \/>Immer wieder begegnet uns eine wuselige und selbstbewusste ca 35-jaehrige Frau mit afrikanischen<br \/>Wurzeln, dicker Brille, ziemlich stark schielend, aber sonst recht ansehnlich und in eine Gelaba im<br \/>Leopardenlook gehuellt, den Kopf locker mit einem kleinen Turban umwickelt. Sie schakert mit allen<br \/>Maennern, zeigt uns zwischendurch den Weg zu den Gerbereien gleich um die Ecke. Wir werden von<br \/>einem Mann in einen dunklen Gang geschickt - dort koenne man die Treppe hinauf auf's Dach und von<br \/>oben dem Treiben im Hof der Gerber zuschauen. Der Gang fuehrt zu einer kleinen Tuer. Wir druecken sie<br \/>auf und stehen, siehe da, in einem schoenen Laden fuer Lederprodukte. Der Chef ist nicht so richtig<br \/>erfreut, schickt jedoch jemanden mit uns ueber drei Stockwerke Ausstellungsraeume mit wirklich<br \/>feinsten Lederwaren auf das Dach. Der Gestank ist beinahe unertraeglich, aber das Bild der Hammer: Da<br \/>stehen ungefaehr 50 weich und rund geformte, alle wie Honigwaben miteinander verbundene, ca. 1,50m<br \/>tiefe Bottiche, teilweise aussen geweisselt, teilweise lehmfarben, teilweise gefuellt mit Farben,<br \/>Kalkwasser, Traubendreck, etc. teilweise leer. Die Maenner stehen in den Bottichen und ziehen<br \/>Tierhaeute durch die Fluessigkeit, zwei von ihnen jagen sich gegenseitig, auf den Raendern der Bottiche<br \/>balancierend und lachend. <br \/>Ich halte leider den Geruch nicht mehr aus, sonst koennte man dem mittelalterlichen Treiben dort unten<br \/>ewig zuschauen. Wieder unten stehen da einige Maenner in der Gasse herum. Einer erzaehlt uns, dass<br \/>schon ein Teil der Haeuser restauriert wurde, teilweise von westlichen Auslaendern, die diese kauften<br \/>und Hotels oder Restaurants daraus machten, wie in Marrakesch. Ausserdem gaebe Koenig Mohammad<br \/>VI den Eigentuemern - auch den Auslaendern - aus seinem Privatvermoegen zur Restaurierung der alten<br \/>Haeuser 500.000 EUR (Da hat er sich mit Sicherheit vertan, selbst wenn die Geschichte stimmt). Nach<br \/>einem Jahr komme eine Kommission, um zu sehen, wie das Geld investiert wuerde. Ist nichts geschehen,<br \/>muesse der Eigentuemer das Haus der Regierung uebergeben. Wir konnten das nicht verfizieren, die<br \/>wuselige Fatma Zahra - wir sind nun bei der vierten Begegnung per du mit ihr - guckt jedenfalls verwirrt,<br \/>als ich sie danach frage, fliegt dann aber die Kurve und sagt, der Koenig sei klasse und habe nur das Beste<br \/>fuer sein Volk im Sinn, nur leider seien seine Vasallen korrupt und steckten sich das Geld in die eigenen<br \/>Taschen. Nun gut. Sie nimmt uns wieder mit in die dunkle Gasse und zeigt uns \"ihr\" Haus. Es ist ebenfalls<br \/>ein ehemals sehr schoenes Stadthaus mit reich verzierten Innenhoffassaden, einem mit blauen Mosaiken<br \/>verzierten Brunnen an einer Wand und drei Stockwerke umfassend. Fatima Zahras Wohnung besteht aus<br \/>einem grossen Zimmer mit ca 10m Deckenhoehe. Hier ist Kueche mit Waschmaschine, Wohn- und<br \/>Schlafzimmer in einem. Angeblich hat sie sechs Kinder, der aelteste 20 Jahre alt, und ihr Mann sei<br \/>gestorben. Sie zeigt uns dann noch den sanitaeren Bereich in einem uberbauten Hof mit Lichtschacht im<br \/>Souterrain: sie hat ihre eigene Frischwasserquelle direkt unter dem Haus - wahrscheinlich ein Falaj.<br \/>Daneben ein zementiertes Becken zum Waeschewaschen und daneben ein Abtritt in Form eines Stehklos.<br \/>Hier haengen Waescheleinen voller Waesche und es riecht nach Latrine. Dieser \"Sanitaerbereich\" wird<br \/>von allen Parteien genuetzt, wobei nicht recht klar ist , wieviele Menscher hier noch leben. Ich frage sie,<br \/>wieviel Miete sie hier bezahlt, und sie erzaehlt, ihre Eltern haetten diese Wohnung einst von den alten <br \/>Eigentuemern gemietet. Aber als die starben, fanden sie, sie muessten keine Miete mehr zahlen, weil ja<br \/>nun ihr Vertragspartner tot war. Die nachfolgende Generation ist, wie viele Wohlhabende, raus gezogen<br \/>aus der engen, duesteren Medina, und laesst sie offenbar in Ruhe.<br \/>Im Nachhinein denke ich, sie schafft an, ist fuer die Beduernisse der Maenner im Viertel zustaendig, denn<br \/>sie konnte mir nicht recht erklaeren, wovon sie lebt, und sie hat schon sehr offen gesckakert mit allen.<br \/>Aber welch freundliche Frohnatur. Wir geben ihr ein bisschen Trinkgeld fuer die interessante Fuehrung<br \/>und verabschieden uns.<br \/>Wieder ein Platz weiter sitzen die Kupferkesseltreiber auf dem Boden in ihren winzigen Werkstaetten<br \/>und machen einen Riesenkrach, haemmern auf Kupferblech herum und schaffen riesige Kessel, fein<br \/>gearbeitete Tabletts, Kannen, .... alles, was das Herz begehrt.<br \/>Endlich, nach acht Stunden in diesem Gewusel, die vergangen sind wie im Flug (Ich kann gar nicht<br \/>glauben, dass es schon Abend ist!), kommen wir an einen Platz raus, wo auch Autos und Busse fahren.<br \/>Wir trinken noch einen Tee und fahren wieder mit dem Bus zurueck. Auch diese Fahrt sehr interessant,<br \/>der Bus rappelvoll. Klappt alles gut.<br \/>27.4.<br \/>Heute fahren wir mit dem Auto in die Stadt, parken am Bab BouJluoud, dem Stadttor im Westen, durch<br \/>das wir gestern auch schon in die Altstadt vorgedrungen waren und wo uns gleich mal dieser Ruepel<br \/>ueber's Ohr gehauen hat. Das hat mir ja nun partout keine Ruhe gelassen, und ich gehe als erstes in<br \/>dieses Hotel, wo wir auf der Dachterrasse sassen, und frage nach dem Chef. Der sei nicht da, sagt mir der<br \/>Aufpasser, der gestern auch da war und die ganze Geschichte nicht nur mitbekommen, sondern sicherlich<br \/>50\/50 mit dem Ruepel gemacht hat. Ich ziehe ihm aus der Nase, dass der Herr am Nachmittag zugegen<br \/>sein wird. Also gut! Josef meint, ich soll es hinter mir lassen, aber das habe ich nach koreanischer Manier<br \/>heute frueh schon versucht. Ging nicht. Wir machen wieder einen sehr erbaulichen Rundgang durch die<br \/>Stadt, muessen heute ja kein Siteseeing im grossen Stil mehr machen, ausser einer der bedeutenden<br \/>Madrasas (Qur'an-Schulen), die einzige, die man als \"Unglaeubiger\" besichtigen kann - und hier auch nur<br \/>den Innenhof, der aber wirklich schoen ist mit seinen Kalligraphiefriesen und Zedernholzschnitzereien.<br \/>Am Najjarine-Platz (dem Platz der Tischler und Schreiner) ist eine alte Karawanserei (Funduq) restauriert<br \/>und zum Holzmuseum umfunktioniert worden. Auf seinem Dach kann man bei schoenem Blick einen Tee<br \/>trinken, was wir dann auch erst einmal tun, um uns anschliessend pflichtschuldig durch die drei<br \/>Stockwerke zu arbeiten. Ist nur maessig spannend, weil wir die Exponate eigentlich fast alle und viel<br \/>spannender in Benuetzung im richtigen Leben gesehen haben. Ansonsten lassen wir uns heute treiben,<br \/>gucken hier und dort in Hoefe und Laeden, befingern dies und das, plaudern hier und da. Alles ist<br \/>unglaublich beeindruckend - nicht nur die oeffentlichen Toiletten!<br \/>Auf dem Rueckweg am spaeten Nachmittag gehen wir wieder am Hotel vorbei, der Aufpasser klopft an<br \/>eine der Hotelzimmertueren, und ein rundlicher Mann, der in etwa so verlottert aussieht wie das Hotel,<br \/>hoert sich meine Geschichte an, steht dabei mit dem Ruecken an einem Tuerrahmen, an dem er sich im<br \/>Laufe unseres Gespraechs immer mal wieder, wie ein alter Baer, genuesslich den Ruecken schuppert.<br \/>Vom oberen Balkon zeige ich ihm den kleinen Betrueger, der offenbar fuer das gegenueberliegende<br \/>Restaurant den Job des Kundenfaengers hat und mit uns zwei Trotteln gestern ein bissel Nebengeschaeft<br \/>gemacht hat. Waere er klug gewesen und haette 50 Dirham verlangt, waere er damit auch<br \/>durchgekommen, aber er war zu gierig. Tough luck! Er wird hoch zitiert, muss Rede und Antwort stehen, <br \/>will uns dann als Kompensation unbedingt gegenueber zum Essen einladen, was ich jedoch kategorisch<br \/>ablehne. Ich sage ihm, die Kohle sei uns egal, wir wollen nichts wiederhaben, aber ich habe wegen ihm<br \/>die ganze Nacht kein Auge zugetan (Uebertreibung macht bekanntermassen anschaulich), sei masslos<br \/>enttaeuscht, und ueberhaupt sei dies das erste Erlebnis dieser Art in 8 Wochen Marokko gewesen (was ja<br \/>fast stimmt). Der schuppernde Baer stoert sich nicht nennenswert daran, dass der Luemmel seine<br \/>Dachterrasse benuetzt, um Leute zu betruegen, guckt mehr alibimaessig ein bisschen tadelnd aus der<br \/>Waesche. Wir gehen schliesslich, lassen die drei stehen. Als wir wenig spaeter mit dem Womo noch<br \/>einmal am Stadttor vorbei fahren, drueckt mir der Luemmel durch das offene Fenster 50 Dirham in die<br \/>Hand und verschwindet zwischen den Haeusern, bevor ich protestieren kann. Hat es ihm wohl doch keine<br \/>Ruhe gelassen. Gut so. Ich fuehle mich entschaedigt, und er wird sich hoffentlich in Zukunft dreimal<br \/>ueberlegen, ob sich so'n Quatsch lohnt. Josef wundert sich, dass ich mich so echauffiere. Ich kann es wohl<br \/>nicht ertragen, wenn ich das Gefuehl habe, mir wird Unrecht getan, und ich kann es nicht richtigstellen.<br \/>Wir fahren noch in das Industriegebiet ausserhalb der Stadtmauern, wo die Mosaikkeramik gemacht<br \/>wird. Ich wuerde sie einfach gern in grosser Masse sehen, denn sie ist sehr schoen und Fez bekannt fuer<br \/>dieses Handwerk. Auch wuerde ich gern fuer Schwaegerin Tini was Schoenes fuer ihr neues Haus<br \/>mitbringen - einen kleinen Brunnen oder ein Waschbecken oder ein paar Quadratmeter Fliesen, aber es<br \/>ist illusorisch, weil alles zu gross und schwer fuer unser ohnehin uebergewichtiges Auto. Wir haben ja<br \/>andernorts schon solch Werkstaetten gesehen, aber es ist wirklich kaum zu fassen, unter welchen<br \/>Bedingungen und mit welch primitivem Werkeug die Leute hier so schoene Dinge zustande bringen.<br \/>Zum Sonnenuntergang fahren wir auf der Westseite der Stadt auf einen Huegel hinauf, auf dem<br \/>Ruinenreste von Merinidengraebern stehen. Die Meriniden waren eine Berberdynastie, die im 13. und<br \/>14. Jahrhundert Marokko beherrschte, Fez zur Hauptstadt machte und die wesentlichen Bauwerke,<br \/>insbesondere die in der ganzen islamischen Welt bekannten Qur'anschulen, eigentlich theologische<br \/>Fakultaeten, schuf. Hier oben ist genau so viel los wie vor ein paar Wochen oberhalb von Agadir zur<br \/>gleichen Uhrzeit. Auch die Stimmung ist die gleiche. Wir hatten ueberlegt, ob wir hier uebernachten,<br \/>beschliessen jedoch, auf den Campingplatz zurueck zu fahren.<br \/>28.4.<br \/>Es ist kalt (ca 15 Grad) und es nieselt. Uff! Wir gucken auf den Wetterseiten nach, wie das Wetter<br \/>noerdlich von uns ist. Sieht ueberall eher truebe aus, mit hoher Regenwahrscheinlichkeit, ob Mittelmeer,<br \/>Atlantik oder Rif-Gebirge. Da macht das Wandern nicht so richtig Spass. Wir machen uns nach dem<br \/>Fruehstueck ohne Eile auf den Weg Richtung Meknes, nehmen uns vor, nur bissel rumzuhaengen. Das<br \/>gelingt uns auch ganz gut. Finden einen Parkplatz mitten in der Stadt, neben uns der koenigliche<br \/>Golfplatz, das ehemalige Christengefaengnis, Stadtmauern mit schoenen mosaikverzierten Toren, die<br \/>Kaleschen, die wir schon aus Marrakesch kennen und viele, viele flanierende Marrokaner. Wir flanieren<br \/>auch ein wenig, trinken am Place el Hedim, dem groessten und zentralsten Platz, einen Tee und verziehen<br \/>uns dann fuer ein Weilchen ins Womo, lesen, schlafen ein bisschen. Es ist Samstag und auf dem Place el<br \/>Hedim findet nachher ein Konzert mit irgendeiner bekannten Saengerin statt. Da gucken wir nachher<br \/>noch hin.<br \/>Meknes wurde im 17. Jahrhundert von Mulay Ismail, einem prunksuechtigen Sultan der noch heute<br \/>herrschenden Alawidendynastie, betraechtlich vergroessert und mit vielen Prunkbauten versehen. Ein<br \/>riesiges Heer von Sklaven baute die 40km lange Stadtmauer, das Gefaengnis, das angeblich bis zu 50 000<br \/>Gefangene fassen konnte, die Pferdestaelle, in denen 12000 Pferde Platz hatten, ein riesiges<br \/>Wasserbecken, in dem angeblich seine Hunderte von Konkubinen planschten, etc. Sein Mausuleum wird<br \/>gerade renoviert.<br \/>28.4.<br \/>Also: es war keine Saengerin, sondern eine berberische Frauenband. Sie heissen Sheikhas, diese<br \/>Saengerinnen, und geniessen grosses Ansehen in der Bevoelkerung, sind frueher sogar nur in Begleitung<br \/>einer Anstandsdame, also einer Tante, Schwester oder der Mutter, in fremden Staedten aufgetreten, und<br \/>es hatte nichts Anruechiges. Sie singen mit sehr hohen Stimmen, begleitet von Tambourines und Tablas,<br \/>der arabischen Form des Bongos. Mit ihnen trat ein offenbar sehr bekannter berberischer Saenger<br \/>namens Abougel auf, der untypischerweise Violine spielt und diese nicht klassisch unters Kinn klemmt,<br \/>sondern den Klangkoerper einfach nach unten haelt - fast wie eine Bassgeige, ausser, dass die Geige eben<br \/>in der Luft haengt. Dazu singt er mit einem sehr tiefen Bariton, der in krassem Kontrast zu den beinahe<br \/>schmerzhaft hohen Stimmen der Frauen steht. Der Platz ist brechend voll, und es stroemen immer mehr<br \/>Leute hier hinauf; noch fliesst - besser gesagt, steht - der Verkehr mittendrin. Spaeter sperren die<br \/>Polizisten ab. Wir drehen eine Runde durch die Stadt, gehen dann am Konzertplatz in ein Dachcafe, das<br \/>ebenfalls immer voller wird, schauen und lauschen, machen uns schliesslich auf den Weg in unseren RV.<br \/>Wir hoeren zwar den Krach, schlafen aber trotzdem ein. Da es hier nur in ganz wenigen Lokalen und<br \/>Hotels und in besonders lizensierten Laeden Alkohol gibt, gibt es hier keinerlei Exzesse, kein Gegroele,<br \/>keine leeren Bierflaschen. Alle gehen um 23:00 oder so gesittet nach Hause. Da koennten wir was lernen.<br \/>29.4.<br \/>Morgens himmlische Ruhe hier mitten in der Stadt auf unserem Plaetzchen mit Aussicht. Es ist Sonntag,<br \/>die Leute haben frei und schlafen aus. Die Sonne scheint, und es ist zur Abwechslung mal nicht windig.<br \/>Wir laufen durch das Tor zum Golfplatz, duerfen dort am Eingangsbereich und bis zum Clubhaus gehen.<br \/>Eine schoene Stimmung hier. Er stammt mit Sicherheit noch aus der franzoesischen Protektoratszeit von<br \/>vor 1956. Wir nehmen uns vor, hier nachher einen Tee zu trinken. Die Kaemmerchen fuer die<br \/>Golfausruestungen der Mitglieder sind in der Stadtmauer untergebracht, und der Platzwart oeffnet voller<br \/>Stolz die huebsch bunt bemalten Holztueren, damit ich fotografieren kann. Welch Kontrast zu den<br \/>ueberkandidelten Fuenfsterneplaetzen in Dubai und Muscat!<br \/>Als naechstes schauen wir uns das so genannte Christengefaengnis an. Ich glaube eher den neueren<br \/>Theorien, wonach es sich bei den riesigen unterirdischen Hallen, deren Decken durch hohe gemauerte<br \/>Boegen getragen werden, um Lebensmittellager und nicht Gefaengnisse handelte. Fuer Gefaengnisse<br \/>waeren sie viel zu nobel, die 20m hohen Gewoelbe vollkommen unnoetig. Allerdings haben spaeter die<br \/>diversen Eroberer die Hallen tatsaechlich als Gefaengnisse genuetzt. Von den Decken haengen lange<br \/>Gemaelde auf weissen Stoffbahnen, meist sehr grob gemalte und dennoch sehr ausdrucksstarke<br \/>Portraets. Es gibt keinerlei Erlaeuterung dazu, auch die Beleuchtung ist eher duerftig, so dass diese<br \/>grossartigen Kunstwerke nicht recht zur Geltung kommen. Dennoch sind sie in diesem Ambiente sehr<br \/>beieindruckend. Der Mann am Eingang sagt uns nachher den Namen des europaeischen Kuenstlers und<br \/>erzaehlt, die Gemaelde waren Teil eines grossen Kunstfestivals im Januar, man habe die Gemaelde<br \/>einfach haengen lassen. Meknes scheint ueberhaupt kulturell sehr aktiv zu sein.<br \/>Wir machen anschliessend eine kleine Kaleschenfahrt; Josef hat noch nie in solch einem Gefaehrt<br \/>gesessen. Ich darf mit auf den Kutschbock und frage dem Kutscher Loecher in den Bauch, die er auch<br \/>gern und bereitwillig beantwortet. Er zeigt und erklaert unterwegs alles. Auf einem grossen Platz, nahe<br \/>der ehemaligen Pferdestelle, ist eine grosse internationale Landwirstschaftsausstellung, wohl die 15.<br \/>ihrer Art, die Aussteller aus der ganzen Welt anzieht. Auch Deutschland hat wohl einen sehr grossen <br \/>Pavillon. Aber diesen Programmpunkt lassen wir aus, wenngleich es sicher interessant waere. Der<br \/>Kutscher sagt, die Besucher kaemen aus Mauretanien, Mali, dem Senegal, ueberall her.<br \/>Wir drehen noch eine Runde durch die Stadt, suchen eigentlich das Juedische Viertel, die Mellah, aber<br \/>ausser der Stadtmauern ist nichts Altes zu sehen. Wir kaufen Obst und Gemuese, u.A. zu meiner grossen<br \/>Freude die ersten Mispeln (Askidinia) und Maulbeeren (Tut).<br \/>Wir verlassen Meknes, wenngleich man sich hier, wie auch schon in Marrakesch und Fes sicher tagelang<br \/>verweilen koennte. Naechstes Mal! Wir fahren bis Mulay Idriss, was nur 20 km weg ist. Die Staedte sind<br \/>nun nicht mehr lehmbraum, sondern meist geweisselt. Mulay Idriss thront auf einem Huegel, und sieht<br \/>von einer hoeher gelegenen Terrasse sehr fotogen aus.<br \/>Ein junger Mann ernennt sich zu unserem Fuehrer, und ich brauche eine Weile, ihm freundlich zu<br \/>erklaeren, dass wir lieber allein laufen. Josef gibt ihm dennoch ein paar Dirham, aber er ist beleidigt. Na,<br \/>dann... Ein australisches Ehepaar laeuft vor uns zur Terrasse hoch, sagt ihrem wahrscheinlich auch<br \/>selbsternannten Fuehrer, sie haetten gar keine Zeit, das Taxi warte auf sie. Auch ne Art, zu reisen.<br \/>Wir essen an der Hauptdorfstrasse, die ganz eingeraeuchert ist von den ganzen Fleischgrills, ein paar<br \/>Spiesse mit Brot, plaudern mit einem jungen italienischen Paar, das wir spaeter in Chefchouen noch<br \/>zweimal treffen. Dann geben wir uns als Muslime aus und besichtigen die Zawiya des Moulay Idriss. Er ist<br \/>Gruender der Stadt (788) und des marrokanischen Koenigreiches, kam direkt aus dem Hijaz, dem<br \/>heutigen Saudi Arabien, das Heilige Land der Muslime. Fuer die Menschen hier ist er ein Heiliger, und in<br \/>seinem Mausoleum ist ein Imitat der Ka'abe, das die Glaeubigen umrunden wie in Mekka. Drei<br \/>Pilgerfahrten nach Mulay Idriss sind soviel wert wie die 'Umra, die sogenannten kleine Pilgerreise nach<br \/>Mekka - klein, weil ausserhalb der Haj-Zeit - und ist die Pilgerreise fuer die armen Marrokaner. Die<br \/>orthodoxen Saudis empfinden es wahrscheinlich als blanke Haeresie!<br \/>In der Zawiya ist viel los. Ueberall sitzen Grueppchen von betenden Menschen. Es erinnert sehr an die<br \/>Stimmung im grossen buddhistischen Tempel in Kandy in Sri Lanka, wo wir im Dezember 2017 mit<br \/>Christina waren.<br \/>2 km von Moulay Idriss ist Voloubilis, die bedeutenste roemische Ausgrabungsstaette in Marokko. Ich<br \/>mag so roemischen und griechischen Kram eigentlich nicht. Josef meint, ich sei traumatisiert, weil ich mit<br \/>Freund Erlend frueher so viele abgebrochene Saeulen, Statuen, Busen und maennliche Geschlechtsteile<br \/>angucken musste. Auf jeden Fall fehlt mir die Fantasie, mir vorzustellen, wie das alles mal aussah, bevor<br \/>es verlassen wurde und in sich zusammengefallen ist. Hier ist es nun wider Erwarten recht schoen, weil<br \/>Fruehling ist, und es ueberball zwischen den Ruinen spriest und bunt blueht in der vielfaeltigen Pracht,<br \/>die uns schon auf dieser ganzen Reise so viel Freude macht. Es ist bisher nur ein Bruchteil der ganzen<br \/>Stadt ausgegraben und auch dieser nicht wirklich geschuetzt. Die fast 2000 Jahre alten Mosaikfussboeden<br \/>in den Villenruinen sind Wind und Wetter, sowie den Schuhen ignoranter Besucher ausgesetzt, die trotz<br \/>Absperrung darin spazieren gehen. Von einem Huegel mittendrin, unter welchem wohl die ganz<br \/>urspruengliche Stadt, noch vor den Roemern, begraben ist, hat man einen guten Rundumblick, was<br \/>ausser uns auch eine laut gackernde, kunterbunt, in keinem erkennbaren Stil gekleidete, sich gegenseitig<br \/>in allen Posen ablichtende, chinesische Touristengruppe entdeckt. Ihr Reiseleiter steht am Fuss des<br \/>Huegels und ruft seine Huehner lautstark zusammen, aber sie sind zu beschaeftigt. Josef ruft ihm auf<br \/>schwaebisch zu: \"Karle, komm rauf!\" Er antwortet Chinesisch. So geht es hin und her, bis schliesslich eine<br \/>der Damen sich erbarmt und die anderen mit Geraeuschen hinunter scheucht, die an ein Huhn erinnern.<br \/>Wir lachen uns kaputt.<br \/>Wir fahren weiter, um uns herum ist eine Landschaft wie am Fuss der Alpen. Es ist huegelig, saftig gruen,<br \/>die Felder sind gross und ueppig. Dahinter in der Ferne die Berge des Rifgebirges. Wir suchen einen Platz<br \/>fuer die Nacht, fahren von der Hauptstrasse ab durch die Doerfer des Rif. Hier wirkt ploetzlich alles<br \/>verlottert und arm, die einfachen, weiss getuenchten Haeuser sind mit Wellblech gedeckt, und es gibt<br \/>kaum richtige Felder und gar keine Terrassen. Endlich finden wir einen Platz gegenueber von einer <br \/>Baustelle, nicht schoen, aber immerhin eben und nicht mitten in einem Dorf. Wir verhandeln gerade mit<br \/>dem Aufseher, ob wir dort fuer die Nacht stehen koennen, als ein Polizeifahrzeug kommt und fragt, ob<br \/>alles ok sei, dann meint, wir koennten hier nicht uebernachten, es sei zu gefaehrlich. Der Kollge sagt, dass<br \/>hier ueberall Cannabis angebaut wuerde und das Pflaster gefaehrlich sei. Wir hatten dergleichen gelesen,<br \/>koennen aber nicht recht glauben, dass die Cannabisbauern von uns was wollen wuerden. Aber wir<br \/>versprechen, zur Hauptstrasse zurueck zu fahren und uns in der naechsten kleinen Stadt vor die<br \/>Polizeiwache zu stellen, was wir dann aber nicht tun. Stellen uns an einen anderen Platz, den wir vorher<br \/>schon als Notloesung ausgeguckt hatten, und schlafen, wie immer, tief, fest und gut. Keiner will was von<br \/>uns.<br \/>30.4.<br \/>Ich wache mit einer Schnupfennase auf. Wir fahren morgens bis Chefchaouen. Wollten eigentlich hier im<br \/>Rifgebirge noch wandern, heben uns das aber fuer die naechste Reise auf, da ich nicht so leistungsfaehig<br \/>bin. Wir wollen ans Meer hoch und noch ein paar Tage nichts tun, bevor wir am 7.5. auf die Faehre<br \/>gehen.<br \/>Uns faellt unterwegs auf, dass durch die radikale und totale Abholzung und die daraus resultierende<br \/>Erosion selbst hier, im fruchtbaren und regenreichen Norden, ganze Berghaenge verwuestet sind, also<br \/>richtig sandig. Wir wundern uns, dass so wenig fuer die Wiederaufforstung getan wird. Aber die<br \/>Regierung hier hat wahrscheinlich Dringlicheres zu tun bei der megaschnell wachsenden Bevoelkerung.<br \/>Die Frauen hier, die Berberinnen des Rif, laufen in ganz huebschen breit rot und weiss gestreiften<br \/>Tuechern herum, die sie wie einen Wickelrock ueber der Hose tragen, und sie haben alle huebsche<br \/>Strohhuete mit schwarzen oder knallbunten Trotteln. Mit ihren sonnenroten, kantigen Gesichtern<br \/>erinnern sie uns eher an Indios als an Menschen in Marokko.<br \/>Endlich sind wir in Chefchaaoen. Es ist der Hammer. Die ganze Stadt ist blau - zumindest die Altstadt, so<br \/>blau, dass man die ganze Zeit das Gefuehl hat, in blaue Grotten einzutauchen. Hier und da kontrastreich<br \/>weiss. Super schoen! Wir lassen uns treiben, trinken Tee, besichtigen nichts, geniessen einfach die<br \/>Farben.<br \/>Schliesslich fahren wir weiter durch eine Schlucht und bis zur Muendung Wadi Loua am Mittelmeer.<br \/>Finden einen Parkplatz direkt am Strand. Ein Junge neben dem Auto hat ein ganz zugeschwollenens<br \/>Gesicht von einem Bienenstich. Wir geben ihm Antihistamintabletten. Das Dorf ist nicht fuer Touristen<br \/>aufgehuebscht - zumindest nicht auf dieser Seite. Die ganze Dorfjugend spielt vor unserem Womo<br \/>Fussball - und zwar richtig ernsthaft und gut.<br \/>Josef kocht Linsensuppe. Ich habe einen dicken Kopf vom Schnupfen. Der Parklplatzwaechter fragt, ob<br \/>wir Kopfschmerztbletten haben. Offenbar hat sich herum gesprochen, dass wir Medizin verteilen. Er<br \/>bekommt eine Ibubrufen, und ich sage ihm, er soll sie halbieren und auf zweimal nehmen.<br \/>Am Strand sind Hilfssoldaten im Einsatz, die verhindern sollen, dass nachts Menschenschmuggler mit<br \/>Fluechlingen in See stechen.<br \/>1.5.<br \/>Wir machen einen Strandspaziergang und finden am anderen Ende der Promenade ganz abgeschieden<br \/>einen weiteren Parkplatz. Dort fahren wir hin, und ich verbringe den Rest des Tages im<br \/>Erkaeltungsdaemmerschlaf, aber mit wunderschoener Aussicht auf's Meer. Josef laeuft bis zum Ende des<br \/>Strandes, dort hinauf auf eine Felsnase mit grandioser Aussicht auf unsere und die Nachbarbuchten, auf<br \/>die spanische Eklave Ceuta ganz an der Nordspitze Afrikas und Marokkos, und gegenueber im Dunst die<br \/>suedspanische Kueste.<br \/>Auch hier oben ist ein Militaerposten. Nachts patroullieren sechs oder sieben Soldaten neben uns am<br \/>Strand.<br \/>2.5.<br \/>Mir geht es noch immer nicht so richtig gut, aber ich bin nicht mehr so schlapp. Wir fahren ein Stueck<br \/>weiter in Richtung unseres Hafens Tanger, auf Arabisch \"Tandja\", lassen Tetuan aus, obwohl es auch sooo<br \/>spannend klingt. Aber ich bin so gar nicht in der Verfassung fuer eine laute, volle Altstadt. Also fahren wir<br \/>noch ein kleines Stueck hinter Tetuan am Strand entlang, bis wir wieder einen Parkplatz direkt am Strand<br \/>finden. Wollen nicht hinueber an den Atlantik, weil es dort sicher kaelter ist als hier am Mittelmeer, <br \/>obwohl sie nur ein Katzensprung voneinander entfernt sind. Ein junges Paar aus Thueringen sitzt auf dem<br \/>Maeuerchen in der Sonne. Sie gehen heute auf die Faehre nach Genua, haben noch ein wenig Zeit. Wir<br \/>plaudern ein wenig, verabschieden uns dann und gehen in ein einfaches Fischlokal gleich hier, essen fette<br \/>Erbsensuppe, Shrimps, Fisch und Pommes. Es schmeckt ganz gut, ausser, dass wir das Essen aus den<br \/>Tajine-Toepfchen nicht gewoehnt sind und ich mir ganz fuerchterlich den Mund verbrenne, weil das<br \/>Essen in diesen Tontoepfen viel laenger heiss bleibt als auf einem normalen Teller. Uebrigens sind die<br \/>Suppen hier generell das Beste! Aber auch hier fehlen Gewuerze.<br \/>3.5.<br \/>Heute muss noch einmal eine Wanderung sein. In unserem Wanderbuechle ist eine an der Nordspitze,<br \/>den Jebel Moussa hinauf, drin, die recht spektakulaer sein soll. Jebel Moussa und das<br \/>gegenueberliegende Gibraltar (arabische: Jebel Tariq) wurden in der Antike die \"Saeulen des Herkules\"<br \/>genannt, und nach damaligem Wissensstand endetet hinter ihnen die Welt. Das Wetter ist herrlich,<br \/>meine Erkaeltung benimmt sich anstaendig, und wir machen uns auf den Weg zum Fuss des Berges.<br \/>Hierzu muessen wir Ceuta umrunden und sehen die Grenzbefestigungen gegen die afrikanischen<br \/>Fluechtlinge. Es ist beklemmend und erinnert sehr an den Eisernen Vorhang zwischen BRD und DDR. Es<br \/>fehlen wohl nur die Selbstschussanlagen.<br \/>Auf der Westseite von Ceuta laufen wir los, fuenf Stunden lang und 750 Hoehenmeter hinauf und wieder<br \/>hinunter, haben die ganze Zeit ganz unglaubliche Ausblicke auf den Atlantik, das Mittelmeer, Gibraltar,<br \/>die spanische Kueste, Container- und Faehrschiffe in der Meerenge, unter uns dramatische<br \/>Felsformationen in tuerkisblauem Wasser, ueber uns die Gipfel des Jebel Moussa. Immer wieder treffen<br \/>wir auf Armeeposten, die die Berge und Kuesten von hier oben aus bewachen. Wir sehen eine kreisrund<br \/>gemauerte, ca. 4 Meter tiefe Oeffnung mit ca. 10 Meter Durchmesser, zu der zwei kleine Streintreppen <br \/>hinunter fuehren. Es gehen Tunnel von hier ab, und ein Soldat erklaert uns spaeter, die stammen aus<br \/>dem zweiten Weltkrieg, und der gesamte Berg sei meerseitig durchtunnelt. Die Leute aus dem Dorf<br \/>wuerden die Tunnel alle kennen, und die Schleuer versteckten hier ihre \"Kunden\". Ueber uns kreisen ,<br \/>wenn Google Recht hat, spanische Kaiseradler, spaeter auch Dolen, die omnipraesenten Ziegen begleiten<br \/>uns mit ihrem Gemecker und ihrem typischen Niesen, das mich immer an Hana erinnert, weil sie niest<br \/>wie eine Ziege! Ab und zu treten sie mit ihren Hufen einen Steinschlag los. Und dann, beim Abstieg sehen<br \/>wir sogar noch eine Berberaffenfamilie, die eine Felswand hochkraxelt und sich vor uns in Sicherheit<br \/>bringt. Haetten die Jungen nicht nach ihren Eltern gerufen, haetten wir sie gar nicht bemerkt.<br \/>Wir sind voellig platt, fahren fuer die Nacht wieder an die Strandpromenade am Mittelmeer. Es war eine<br \/>herrliche Wanderung!<br \/>Wir fahren ein bisschen weiter vor Richtung Fndiq, stellen das Auto an diesem Teil der Strandpromenade<br \/>ab, weil es hier ein wenig gepflegter ist.<br \/>4.5.<br \/>Morgens laufen wir die 2 - 3 km nach Fndiq hinein, was sich jedoch ueberhaupt nicht lohnt. Denn es ist<br \/>schmutzig und haesslich, und es ist das Sprungbrett nach Ceuta - sowohl fuer die vielen marrokanischen<br \/>Haendler, die taeglich Waren hin und her schicken (Berberfrauen tragen fuer einen Hungerlohn<br \/>unendliche Lasten auf ihrem Ruecken, weil nur das, was man tragen kann, zollfrei nach Morokko<br \/>eingefuehrt werden darf. So haben wir es gelesen, allerdings die Frauen nicht gesehen), als auch fuer die<br \/>schwarzafrikanischen Fluechtlinge, die von hier aus versuchen, den 10 km langen, in zwei Reihen<br \/>angeordneten Zaun zu ueberwinden. Dass es gar so trostlos wirkt, liegt auch daran, dass es Freitag ist und<br \/>die Stadt ein bisschen tot.<br \/>Als wir zurueck sind, fahren wir noch einmal an eine andere Ecke der Strandpromenade, weil sie hier<br \/>schon den Strand vom letzten mit den Wellen angeschwemmten Plastikmuell gesaeubert haben; es sind<br \/>unglaubliche Mengen, die am ganzen Strand herum liegen! Vertuetteln dort im Windschatten des Womo<br \/>- es zieht wie Hechtsuppe! - mit Blick auf das herrlich blaue Meer und zum ersten Mal seit Ewigkeiten in <br \/>der Sonne sitzend, den Rest des Tages lesend und doesend. Josef rennt zwischendrin 10km, kuehlt sich<br \/>hinterher mit einem Sprung ins Mittelmeer ab, waehrend ich mich schone.<br \/>Am Spaetnachmittag machen wir uns auf Richtung Tanger, fahren von Fndiz den knappen Kilometer zum<br \/>Grenzuebergang nach Ceuta, wundern uns, dass wir ueberhaupt keine Schwarzafrikaner sehen in dem<br \/>Gedraengel von Fussgaengern und Autos, fahren dann an den Grenzbefestigungen entlang nach Westen<br \/>Richtung Atlantik. Die Marrokaner haben den Wald entlang der Grenze gerodet, einen Erdwall<br \/>aufgeschuettet und alle 50m einen Grenzposten. Und die Spanier haben besagten Zaun mit<br \/>Natostacheldraht versehen. Es sieht aus wie die Grenze zwischen den USA und Mexiko bei San Diego.<br \/>Wir fahren an einem Polizeiposten vorbei, wie wir sie auf dieser Reise sehr, sehr haeufig gesehen haben.<br \/>Alle Zufahrten zu Staedten werden auf diese Weise ueberwacht. Dann sind wir auf einer Schnellstrasse<br \/>durch mit Macchia und teilweise Wald bewachsene Berge. Und hier stehen sie nun ploetzlich, die jungen<br \/>Maenner aus dem Sueden des Kontinents. Sie signalisieren uns, anzuhalten, was wir aber nicht tun. Sie<br \/>tun uns sehr leid, und wir fragen uns, was sie hier machen in diesem Niemandsland. Offenbar haelt die<br \/>Polizei sie davon ab, auch nur in die Naehe der Kueste, Fndiqs oder Ceutas zu kommen. Aber was sollen<br \/>wir ihnen bieten koennen, wenn wir anhalten? Wir haetten noch nicht einmal genug zu essen, um jedem<br \/>auch nur eine Handvoll zu geben, denn es sind Dutzende. Und ihnen Geld zu geben, waere<br \/>wahrscheinlich nicht richtig. Sie sparen es fuer Schlepper. Es ist fuerchterlich zu formulieren, aber wenn<br \/>man hier so nah dran ist an diesem Fluechtlingsthema, dann kann man sich des Gefuehls nicht erwehren,<br \/>dass es besser ist, diesen jungen Menschen die Migration derart schwer zu machen, dass es reizvoller ist,<br \/>zu Hause zu bleiben, als sich auf den Weg zu machen - jedenfalls auf diesen Weg. Die Risiken sind<br \/>schrecklich und der Preis, den sie zahlen, zu hoch. Dabei sind sie hier in Marokko noch gut dran, werden<br \/>nicht gefoltert oder versklavt, wie in Libyen oder auf dem Weg nach Nordafrika. Wenn die<br \/>industrialisierten Laender, nachdem sie sich erfolgreich abgeschottet haben gegen den Fluechtlingsstrom,<br \/>nun auch noch dem Neokolonialismus ein Ende bereiten wuerden, dann gaebe es fuer die Menschen<br \/>auch eine Perspektive in ihrer Heimat.<br \/>Mit diesen Gedanken fahren wir weiter, kommen nach kurzer Fahrt schliesslich an der Atlantikkueste an,<br \/>finden am noerdlichen Ende der Bucht von Tanger an einem Aussichtspunkt mit Leuchtturm, dem<br \/>Manara, einen Platz, wo wir die Nacht verbringen. Als wir ankommen, ist es noch voller marokkanischer<br \/>Ausfluegler, die hier Tee schluerfend und plaudernd den Sonnenuntergang geniessen. Wir tun es ihnen<br \/>gleich. Tanger liegt um die Bucht herum, aufgereit wie eine weisse Perlenkette. Am anderen Ende erhebt<br \/>sich auf einem Huegel die Altstadt. Auf der anderen Seite unseres Ausgucks sehen wir Spaniens Kueste<br \/>und Richtung Westen den weiten Atlantik mit vielen, vielen riesigen Containerschiffen, Dampfern und<br \/>Faehren.<br \/>5.5.<br \/>Morgens sind wir ganz allein. Nichts zu sehen von den hunderten von Autos vom Vorabend. Nach dem<br \/>Fruehstueck fahren wir in die Stadt hinein und stellen das Auto am Fischmarkt ab, lassen uns mal wieder<br \/>von einem selbsternannten Parkplatzwaechter abzocken, der kaum, dass wir bezahlt haben, auf<br \/>Nimmerwiedersehen verschwindet. Naja, Lehrgeld...<br \/>Mit unserem Reisefuehrer unter'm Arm tauchen ein in die Stadt, folgen einer darin beschriebenen<br \/>Marschroute und schaffen es, uns einen schoenen Ueberblick zu verschaffen ueber die wechselvolle<br \/>Geschichte der Stadt, finden die schoenen, alten franzoesischen und spanischen Kolonialbauten, die<br \/>Cafes, in denen sich alle moeglichen Kuenstler herum trieben, den alten englischen Friedhof, die Kirche<br \/>des Mutter-Theresa-Ordens, das noch immer nicht restaurierte Cervantes-Theater, in dem einst Caruso <br \/>auftrat, etc.... Es gibt hier noch viel zu tun. Hoffentlich findet sich irgendwann jemand, der Geld fuer die<br \/>Restaurierung all dieser schoenen Dinge investiert. Das alles ist jedoch nicht Teil der Medina, der Altstadt.<br \/>Das ist nun unser naechster Programmpunkt, und wir laufen als erstes zum Grabmal Ibn Battutas, das als<br \/>kleiner und unscheinbarer Kuppelbau mitten in den ganz engen Gassen versteckt liegt. Ibn Battuta war<br \/>Entdeckungsreisender im 14. Jahrhundert, bereiste die gesamte islamische Welt, aber auch Indien und<br \/>China, sogar die Malediven, und lieferte die aelteste arabische Reisebeschreibung der Welt. Eine Frau<br \/>steht im Nachthemd und mit nackten Fuessen daneben an einem oeffentlichen Brunnen und schrubbt<br \/>ihren Teppich. Eine andere plaudert mit ihr. <br \/>Ein junger Mann spricht uns an. Er ist Palaestinenser aus Nablus, studiert in Casablanca und will auch das<br \/>Grab besichtigen. Er plauderte gerade mit einer Anwohnerin, einer recht jungen Frau, die gar nicht um<br \/>die Bedeutung Ibn Battutas weiss! Der Verwalter ist ein blinder alter Mann, der wohl in dem kleinen<br \/>Mausoleum lebt. Jedenfalls schiebt er eilig seine Matratze weg, nachdem er uns geoeffnet hat.<br \/>Auf dem Weg zum Mausoleum laufen wir durch einen kleinen Park, in dem an einer Stelle die Grabsteine<br \/>einiger Deutscher, die hier gestorben sind, zusammengetragen wurden. Das wirkt schon sehr seltsam<br \/>hier. Ein paar Schritte weiter sitzt eine junge Schwarzafrikanerin, hat vor sich ein Schuesselchen mit ein<br \/>paar Muenzen stehen, bettelt jedoch nicht. Sie guckt sehr scheu. Wir fragen sie, woher sie kommt. Aus<br \/>Nigeria. Wie lange sie schon hier in Marokko sei. Seit zwei Monaten. Ob sie allein sei. Nein, ihre<br \/>Schwester sei auch hier. Ich setze mich neben sie auf den Bordstein. Sie sei 22 und ihre Schwester 25. Sie<br \/>sei zuhause in ihrem Zimmer, das sie zusammen gemietet haben, denn sie sei krank. Was Ernstes? Wohl<br \/>ja. Sie habe Kopfschmerzen. Ob sie zum Arzt koenne. Ja, sie sei im Krankenhaus gewesen. Ob sie bezahlen<br \/>musste fuer die Behandlung. Nein. Und ihre Eltern? Sie habe keine, sie seien gestorben. Sie faengt an, zu<br \/>weinen, blickt nach unten. Ob sie ermordet worden seien. Ja, sie weint noch mehr. Ich troeste sie ein<br \/>wenig, streichele sie. Wuerde sie gern fest in den Arm nehmen. Armes Kind. Josef gibt ihr 100 Dirham,<br \/>was 10 EUR entspricht. Natuerlich wollen auch sie nach Spanien, aber wie das geht, wissen sie nicht. Sie<br \/>werden sich erkundigen, wenn sie Geld zusammen gespart haben. Was soll man ihr wuenschen? Ich sage<br \/>ihr, sie soll immer hoffnungsvoll bleiben, sie sei jung und stark. Ich frage sie noch, wie die Marokkaner sie<br \/>behandeln, und sie sagt, sie seien freundlich. Wir gehen recht bedrueckt weiter. Wie kommen zwei junge<br \/>Afrikanerinnen hier durch den Tag, ohne an jeder Strassenecke in eine Falle zu laufen. Wie wollen sie je<br \/>nach Europa kommen, an all diesen Grenzschuetzern vorbei? Und was wird dort aus ihnen?? Man<br \/>moechte sie am liebsten mitnehmen und beschuetzen.<br \/>Danach laufen wir hinauf zur Kasbah, der Festung Tanger, die am hoechsten Punkt der Altstadt liegt und<br \/>die Bewohner vor Feinden schuetzte. Sie beherbergt u.A. den ehemaligen Sultanspalast, der zumindest<br \/>teilweise restauriert und in dem das Kasbah-Museum untergebracht ist. Er ist sehr schoen mit einem<br \/>herrlichen, verwilderten Garten. Hier oben ist die Altstadt licht und hell, einige der alten Haeuser sehr<br \/>schoen restauriert; es gibt schoene Maison D'Hotes (Gaestehaeuser), Cafes und Galerien. Man kann<br \/>erahnen, wie Tanger in den 1920'er und den Jahrzehnten danach auf die Auslaender, die hierher kamen,<br \/>gewirkt hat. Auf dem Weg zurueck in den unteren Teil der Altstadt spricht uns eine recht gediegen<br \/>wirkende Frau an. Sie traegt ein bodenlanges schwarzes Gewand, hat ein dunkelrotes Kopftuch um den<br \/>Kopf geschlungen und traegt eine Handtasche, fragt uns, ob wir Franzoesisch oder Englisch spraechen.<br \/>Wir denken, dass sie etwas wissen moechte, und sie bittet uns dann um 10 EUR, zeigt uns ihren Daumen<br \/>mit einer relative harmlos aussehenden Schuerfwunde und meint, wenn sie nicht zum Arzt ginge, muesse<br \/>man ihr den Finger abnehmen. Ich sage ihr, fuer 10 Dirham bekaeme sie in der Apotheke Jod und Plaster<br \/>- mehr brauche sie nicht. Sie laesst nicht locker, ist penetrant, haelt an ihrer 10-Euro-Forderung fest,<br \/>kommt ploetzlich ganz nah und kuesst mir die Stirn. Mich ekelt es. Josef gibt ihr schliesslich 20 Dirham. Im<br \/>Nachhinein denken wir, wie frech sie war: Fordert ein Maximum und bekommt das 20-fache dessen, was<br \/>wir immer den Bettlern, die an den Ecken herum stehen, geben. Als wir weitergehen, spricht sie schon<br \/>das naechste Touristenpaar mit derselben Masche an. Ich schuettele hinter ihrem Ruecken heftig den<br \/>Kopf, und die beiden schuetteln sie rasch ab. Wenn es ihr nur einmal pro Tag gelingt, jemandem 10 Euro<br \/>aus dem Kreuz zu leiern, dann noch mehrmals, so wie bei uns, einen geringeren Betrag, hat sie mehr<br \/>Einkommen als ein junger naseweisser Grenzschuetzer neulich am Strand: Er sprach mich vorgestern am<br \/>Strand an, sass dort mit einem Kollegen in einem primitiven, selbst gebastelten Unterstand, um den<br \/>Strand zu bewachen, und fragte mich, ob ich ihm dazu verhelfen koenne, nach Deutschland zu kommen.<br \/>Ich fragte ihn wieso denn, er habe doch hier einen sicheren Job bei den Hilfstruppen, ist, so haben wir <br \/>gelernt, krankenversichert und wird irgendwann eine Rente bekommen, so dass er besser dran ist als<br \/>viele seiner Landsleute. Ja, das stimme schon, aber das Gehalt sei so niedrig mit 1500 Dirham (150 EUR)<br \/>und Rente bekomme er erst nach 25 Jahren Dienst. Ich setze entgegen, dass ich nach 25 Jahren bei<br \/>Lufthansa keine Rente bekomme, und Josef nach 45 Jahren Arbeit jetzt erst. Er nimmt es zur Kenntnis. Als<br \/>ich ihm sage, dass ich ihm nicht helfen kann, nach Deutschland zu gelangen, fragt er, ob ich ihm dann<br \/>nicht wenigstens ein bisschen Geld geben kann, was ich ablehne. Ich sage ihm, dass er sich weiterbilden<br \/>soll, wenn er nicht ewig so einen Job machen will. Berufsschulen kosten nichts, haben wir erfahren. Egal<br \/>wo er lebe, ohne Ausbildung wuerde er immer schlecht bezahlte Hilfsjobs machen. Ob er versteht, was<br \/>ich sage? Wie ihm geht es wohl vielen hier.<br \/>Was die Frau mit dem aufgeschlagenen Daumen angeht, so meinte Josef salomonisch, dass es vielleicht<br \/>ihre einzige Moeglichkeit sei. Kann schon sein. Leicht ist es nicht: es gibt viel zu wenig Arbeit. Nehmen wir<br \/>mal wohlwollend an, sie ernaehrt davon Kinder.<br \/>Nun sind wir platt. Wir gehen zum Auto, ich mache da vor dem Fischmarkt mitten im Stadtverkehr ein<br \/>kurzes Nickerchen, und Josef dreht eine Runde ueber den Markt, weil wir dort vielleicht in einer der<br \/>Garkuechen essen moechten. Gehen anschliessend noch einmal gemeinsam durch, aber der Anblick der<br \/>vielen Menschen in diesen Kaschemmen, zwischen sich auf den Tischen Berge von abgegessenen Fischen<br \/>und Shrimps, auf dem Boden eine Patina von 500 Jahren, ueberall streunende Katzen, stoesst mich so ab,<br \/>dass Josef nichts anderes uebrig bleibt, als mich da rasch wieder raus zu bringen. Schade eigentlich, denn<br \/>an einem Ende des Hafens sitzen Maenner, die von Hand Baumwollfischernetze knuepfen. Was fuer<br \/>Fertigkeiten die Menschen hier haben!<br \/>Wir fahren an der Corniche, der Uferpromenade, entlang, finden einen grossen Parkplatz mit Blick auf<br \/>den Ozean, hinter uns der gruene Huegel zur Altstadt hoch, darueber die am Abend schoen beleuchteten<br \/>Kasbah-Mauern und weissen Haeuser, und beschliessen, hier ueber Nacht zu stehen. Es ist wie auf dem<br \/>Jahrmarkt, denn es ist Samstag, und ganz Tanger flaniert. Wir wollen noch etwas zu essen suchen, sehen<br \/>ueber uns hoch oben eine Dachterrasse, laufen also hinauf Richtung Kasbah, finden die Terrasse, die eine<br \/>tollen 360-Grad-Blick, ansonsten aber nur Tee, schmutzige Tische und Stuehle bietet. Wir trinken<br \/>gemeinsam mit vielen, vielen jungen Marokkanern beiderlei Geschlechts, die jungen Frauen von<br \/>hautenger Jeans bis zum bodenlangen Hijab in allen Varianten gekleidet, einen Tee, essen dazu einen<br \/>staubtrockenen Fladen mit irgendwas drin, geniessen aber doch ein wenig die Stimmung und den<br \/>Sonnenuntergang, obwohl es wieder sehr windig ist. Wir moechten noch in Kolonialnostalgie einen<br \/>Absacker in der Pianobar des alten Traditionshotels Al Manzil in der Rue de la Liberte trinken. Laufen also<br \/>hinunter in die Medina, winden uns durch die Gaesschen, zum Petit Socco, weiter zum Grand Socco und<br \/>durch den Grand Marche, dem Markt fuer Fleisch, Gemuese und Obst im Souterrain direkt am Eingang<br \/>zur Medina. Kennen uns schon richtig gut aus. Als wir am Al Manzil ankommen, ist alles dunkel und tot.<br \/>Ein Mann sagt uns, das Hotel sei geschlossen, der Eigentuemer habe das ebenfalls sehr ehrwuerdige Villa<br \/>de France Hotel, in dem illustre Menschen wie Matisse und Getrude Stein gewohnt haben, restauriert.<br \/>Wir gehen also eine Strasse weiter, finden auch die Piano Bar, die nicht sehr stilecht ist, in der jedoch<br \/>schon ein paar spannende Gestalten unterwegs sind: eine franzoesische alte Dame, die wahrscheinlich<br \/>jeden Abend kettenrauchend hier sitzt und sich die alten Zeiten zurueck wuenscht, ein franzoesisches<br \/>Schwulenpaerchen, das sehr ins Gespraech vertieft ist, vier sehr junge Marokkanerinnen, die<br \/>aufgedonnert sind ohne Ende und offenbar \"a girls night out\" geniessen, drei gediegene aeltere<br \/>Marokkaner neben uns, die geflegt plaudern, und ein laermender Playboy mit Entourage, um den sich im<br \/>Laufe der Stunde mehr und mehr sehr aufgetakelte Frauen scharen. Josef meint, das seien alles<br \/>Kaeufliche. Kann schon sein. Endlich kommt der Pianist, und wirft , oh Graus seinen Synthesizer an und <br \/>verhunzt sein Klavierspiel mit nicht dazu passenden Rhythmen, so dass es klingt, als wuerde man zwei<br \/>sich gegenseitig ueberlagernde Musiken hoeren. Ziemlich schrecklich. Hoert der das nicht?<br \/>Wir trollen uns schliesslich, laufen zurueck zum Womo, womit wir heute gewiss wieder mindestens 10km<br \/>zurueckgelegt haben. Unser Schlafplatz ist im Moment noch Rummelplatz. Die ganze Jugend Tangers<br \/>treibt sich hier herum. Jungen und Maedchen poussieren im Schutz der Dunkelheit in ihren Autos (...<br \/>wenn man das so sagen kann, denn der Platz ist taghell beleuchtet!). Es bleibt Unverheirateten nichts<br \/>anderes uebrig, denn in Privatraeumen, also bei einem der Verliebten zuhause, duerfen sie sich nicht<br \/>treffen. Grueppchen junger Maenner und auch einiger junger Frauen sitzen bei laut aufgedrehter RaiMusik, maghribinischem Rap, in ihren Autos oder stehen drum herum und freuen sich des Lebens. Wenn<br \/>man all diese jungen Leute hier sieht, wenn man weiss, dass die Bevoelkerung Marokkos, wie in ganz<br \/>Afrika, rasant waechst, wenn man, besonders die Maenner tagsueber untaetig in den Cafes die Zeit<br \/>totschlagen sieht, dann fragt man sich, was aus all diesen Menschen wird. Wovon sollen sie leben? Fuer<br \/>viele ist der Sehnsuchtsort Europa. Dabei ist Marokko noch vergleichsweise gut dran. Koenig Mohammad<br \/>VI, ueberfuetterter Monarch, verbringt angeblich das halbe Jahr in Paris, stopft sich, seiner Familie und<br \/>seinen Guenstlingen die Taschen voll, hat in jeder Stadt einen Palast, der aufwendigst in Stand gehalten,<br \/>bewacht und mit Personal versorgt sein muss und kaum je genuetzt wird. Die profittraechtigsten<br \/>Unternehmen des Landes sind angeblich seine eigenen. Aber sei es drum. Sein Geld fliesst auch in<br \/>vielfacher Form zurueck an die Bevoelkerung; er scheint zu den \"benevolent dictators\" zu gehoeren. Sein<br \/>Tun scheint darauf ausgerichtet, es Marokko besser gehen zu lassen - mit Sicherheit auch, um den<br \/>Fortbestand seiner Dynastie zu sichern. So tut er z.B. alles, um der EU naeher zu kommen, die<br \/>Handelsschranken von Marokko in die EU zu reduzieren. Sein aufwaendiger Grenzschutz ist Teil seiner<br \/>Gegenleistung. Und gestern haben wir in den Nachrichten gehoert, dass er die diplomatischen<br \/>Beziehungen zum Iran abgebrochen hat und sich dafuer mit den Saudis, den USA und Israel ins Bett legt.<br \/>Entweder hat Saudi ihm mit dem Entzug von Geldmitteln gedroht, oder man hat ihm noch mehr<br \/>Geldmittel bzw. mehr Geltung auf der Weltbuehne versprochen. Vielleicht ist es eine Mischung aus<br \/>Allem. Wir werden es in den kommenden Tagen hoeren.<br \/>6.5.<br \/>Heute ist unser letzter ganzer Tag in Marokko. Morgen Nacht um 23:00 laeuft unsere Faehre aus.<br \/>Wir fahren raus auf's Land, also durch herrliche Villenviertel auf den Huegeln Richtung Sueden, dann<br \/>durch Pinienwaelder, schliesslich in eine Sackgasse, die an der Steilkueste endet. Der Wind blaest wieder<br \/>stark aus dem Osten, also ablandig ueber das Meer. Um uns herum Pinienwald und Macchiahaenge.<br \/>Unter uns der unglaublich blaue Ozean, in der Ferne Spanien. Wir laufen einsam und allein circa 3 km bis<br \/>zum Cap Spartel, wo Leuchtturm, Restaurant und Touristennippes offenbar auf dem Programm jedes<br \/>Tanger-Touristen stehen, denn hier tummeln sich Gruppen von Chinesen und Amerikanern, mitsamt ihrer<br \/>nervigen und lauten Guides, die wohl von der anderen Seite anfahren. Wir schauen dem Treiben eine<br \/>Weile zu, fotografieren auf ihr Bitten mehrere Grueppchen und laufen dann genauso einsam zurueck. Der<br \/>Wind blaest uns ab und zu fast um. Aber es ist schoen warm. Wir fahren am Cap Spartel vorbei zu den<br \/>Herkules-Grotten. Es sind zwei von der Brandung geformte Hoehlen, die bereits in der Steinzeit bewohnt<br \/>waren und zur Zeit der Roemer als Steinbruch fuer Muehlsteine benuetzt wurden. Sie ist riesig und die<br \/>Waende in kreisrunden Formen ausgemeisselt. Auch sie ist Lieblingsausflugsort der Marokkaner, und es<br \/>ist richtig viel los. Den Namen erhielten die Grotten, weil hier sowohl der griechischen als auch der<br \/>roemischen Mythologie nach Herkules sich zwischen seinen zwoelf Aufgaben ausruhte. Dringend<br \/>muessen wir uns ein Werk ueber Mythologie kaufen, damit man diese Dinge mal parat hat. Sie sind so <br \/>sehr Teil des Sprachgebrauchs (Herkulesaufgabe, die Augaeanischen Staelle, die Buechse der<br \/>Pandora,....), und wir wissen meistens nicht, wo sie ihren Ursprung haben.<br \/>Eigentlich wollen wir hier an der Kueste irgendwo am Strand den Rest des Tages verduempeln und<br \/>uebernachten, aber es ist so stuermisch, dass wir das Gefuehl haben, gleich faellt das Womo um. Wir<br \/>fluechten wieder hinauf in die Pinienwaelder, finden einen Picknickplatz mit vielen Familien, gesellen uns<br \/>dazu, packen Tisch, Stuehle, Kekse und Tee aus und lesen bis es zu kuehl wird. Dann fahren wir wieder<br \/>Richtung Stadt, halten am Stadtrand an, wo ein Wochenmarkt gerade langsam abgebaut wird, decken<br \/>uns noch mit ein paar Dingen ein, die wir mitnehmen moechten: 5 L Olivenoel, 2kg geschaelte<br \/>Walnuesse, etc. Leider finden wir die leckere Erdnussbutter mit Honig, die wir in Agadir auf dem Souq Al<br \/>Had gekauft und schon aufgegessen haben, nicht. Haben immer mal wieder danach gesucht, aber es gibt<br \/>sie wohl nur dort. Hier auf dem Markt sind viele Schwarzafrikaner, die einfache Hilfsarbeiten erledigen,<br \/>Staende abbauen helfen oder auch die Einkaeufe der Kunden zu ihren Fahrzeugen tragen. Immerhin<br \/>koennen sie hier ueberhaupt was machen. Sie alle wollen Geld zusammen sparen, um Schlepper zu<br \/>bezahlen.<br \/>Auf dem Parkplatz zwischen Stadtmauer und Corniche ist heute wesentlich weniger los. Es ist ja auch<br \/>Sonntag, und die Leute muessen morgen aufstehen. Da kommt wieder die Frau mit dem augeschlagenen<br \/>Daumen und ihrer 10-Euro-Masche, will uns eben durch die offene Womo-Tuer ansprechen, erkennt uns,<br \/>dreht schell ab und geht ein paar Autos weiter. Spaeter fragen wir den Parkplatzwaechter nach ihr. Er<br \/>kennt sie, sagt, sie sei drogenabhaengig. So sah sie eigentlich nicht aus, wenn ich es recht bedenke. Wir<br \/>werden es nicht ergruenden.<br \/>Josef kocht uns was Leckeres, u.A. eine Salatneukreation, die wir uns unbedingt merken muessen:<br \/>Makrelenfilets aus der Dose, Gurken, Zwiebeln, Avocado, Salz, Pfeffer, Olivenoel und Balsamico. Tolle<br \/>Mischung.<br \/>7.5.<br \/>Wir haben bis heute Abend Zeit. Die Faehre geht erst um 23:00 im neuen Tanger Med Hafen raus. Wir<br \/>schlendern noch einmal in die Altstadt, kaufen die restlichen Dinge auf unserer Einkaufsliste, trinken<br \/>einen letzten Tee im Cafe Central auf dem Petit Socco, schlendern zurueck und fahren ganz allmaehlich<br \/>Richtung Hafen. Halten ersten an einer grossen Shopping Mall a la Dubai. Dort stehen viele<br \/>Schwarzafrikaner, die versuchen, sich als Parkplatzeinweiser ein paar Groschen zu verdienen, denn wer<br \/>hier einkauft, hat Geld. Als ein Polizieifahrzeug neben uns haelt, verschwinden sie in alle Richtungen.<br \/>Wir halten noch einmal im Dorf Qasr Saghir, machen einen Spaziergang auf eine Landzunge hinaus - auch<br \/>hier Militaerposten, die die Kueste bewachen, und uns faellt auf, dass hier, ausserhalb der Stadt, nicht ein<br \/>Schwarzafrikaner zu sehen ist. Wir reihen uns schon um 17:00 in die Warteschlange zum Checkin ein. Als<br \/>wir gerade am allerersten Checkpoint, dem ersten Zugang zum Hafen, halten, kommt in der Parallelspur<br \/>ein Tanklastzug zum Stehen. Ein Uniformierter gibt zwei jungen Marokkanern in Zivil ein Zeichen,<br \/>woraufhin sie behende an einem Betonpfeiler mit durchbrochener Oberflaeche, der direkt neben dem ca<br \/>5 m hohen Sicherheitszaun steht, hochklettern. Ich sage noch zu Josef: Guck mal, die duerfen sich hier<br \/>was dazu verdienen. Der hat die bestimmt da hoch geschickt, um zu gucken, ob der was Verbotenes auf<br \/>dem Dach transportiert, also Menschen schmuggelt.\" Weit gefehlt. Ehe wir es uns versehen, sind sie<br \/>unter den Augen der Polizei auf der anderen Seite des Zaunes und kletterm schwupp-die-wupp runter.<br \/>Ich bin ganz sprachlos, denke noch, da ist was falsch gelaufen, frage den Polizisten, der unsere<br \/>Dokumente kontrolliert, ob er das eben gesehen habe, aber er tut es ab und meint so was wie \"Sie haben<br \/>ihre Paesse jemandem gegeben.\" Haeh??! Das heisst, sie halten die Schwarzafrikaner von den Kueste<br \/>weg, lassen aber ihre eigenen Leute - wahrscheinlich nach entsprechendem Zubrot - durch die Maschen <br \/>schluepfen. Waehrend wir uns durch die Schlangen arbeiten, google ich \"Hafen Tanger Med +<br \/>Fluechtlinge\" und finde eine Artikel aus der Sueddeutschen Zeitung von 2010, als der Hafen ganz neu<br \/>war, der den Hafen und die Dame, die ihn seitdem leitet, ueber den gruenen Klee lobt, insbesondere<br \/>auch die Sicherheit. Ich schreibe an sie und berichte von unserem Erlebnis, denn wir wissen, dass<br \/>Marokko viel Geld von der EU bekommt, um die \"Schleusen dicht zu halten\".<br \/>Wir denken, wir sind so viel zu frueh da, dass wir nach Erledigung der Formalitaeten noch in Ruhe im<br \/>Womo etwas kochen, essen und noch einen Film gucken koennen, bevor wir an Bord gehen.<br \/>Pustekuchen! Wir verbringen die geschlagenen 5 Stunden in den diversen Warteschlangen, in denen es<br \/>zentimeterweise vorwaerts geht, so dass Josef am Ende waehrend des Fahrens was kocht und wir, uns<br \/>langsam auf das Schiff zu bewegend, essen. Naja, sind ja flexibel. Wir gehen ins Bett bevor das Schiff<br \/>ablegt, geben es auf, zu warten.<br \/>9.5.<br \/>Sind den zweiten Tag auf dem Schiff.<br \/>Die meisten Mitreisenden sind marokkanische Maenner, die hier draussen in einem ueberdachten Hof, in<br \/>dessen Mitte ein leerer und schmutziger Pool ist, ihr marokkanisches Teehaus eingerichtet haben,<br \/>rauchen wie die Schlote, sich mit dem mitgebrachten Wasserkocher Tee kochen, Karten spielen und hier<br \/>und da Shisha rauchen. Auch den einen oder anderen Joint habe ich schon gesichtet. Es sind wenige <br \/>westliche Auslaender an Bord - viele davon mit riesigen Hunden. Die sind wohl nur auf manchen Faehren<br \/>gestattet, und entsprechend sind alle hier, die zeitgleich mit uns Marokko waren.<br \/>Heute Vormittag sind wir verspaetet in Barcelona angekommen und noch viel verspaeteter wieder<br \/>abgefahren, weil jedes aussteigende Fahrzeug eingehend kontrolliert wurde.<br \/>Es kommt uns entgegen, weil wir dadurch morgen frueh zu einer christlichen Zeit, naemlich erst um 9:00,<br \/>anstatt um 1:00, ankommen. Wenn man mit der Faehre reist, darf man es nicht eilig haben. Ich finde es<br \/>auch deshalb gut, weil man Zeit hat, die Seele aus Marokko mitkommen zu lassen. Wenn man fliegt, geht<br \/>es viel zu schnell und man braucht am Zielort immer Tage und Tage, bis man mit Leib und Seele<br \/>angekommen ist.<br \/>10.5.<br \/>Am Ende sind wir heute frueh um 8:00 in Genua angekommen, waren erstaunlich schnell aus dem Hafen<br \/>raus und wollten recht zielstrebig Richtung Lago di Como, um dort noch einmal zu uebernachten. Das<br \/>Navi hatte wohl Jetlag oder was weiss ich; jedenfalls ist es fuerchterlich langsam und schickt uns<br \/>irgendwie mit der Kirche um's Dorf. Am Ende kleckern wir viel zu lange herum und kommen schliesslich<br \/>ueber eine elend schmale Strasse erst um 17:00 in Belaggio auf dem dafuer sehr schoenen Camping<br \/>Clarke an, der, wie der Name schon sagt, von Englaendern gefuehrt wird. Wir stellen das Womo ab und<br \/>laufen hinunter ins Dorf. Haben dringenden Bewegungsbedarf. Belaggio ist nach Marokko ein wenig<br \/>Kulturschock: Wunderschoene Villen und Schloesser in riesigen gepflegten parkaehnlichen Gaerten, drum<br \/>herum der schoene Lago die Como und die Berge. Ein rechter Traum.<\/p> <p>\u00a0<\/p>","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.rijo-travel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/119","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.rijo-travel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.rijo-travel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rijo-travel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rijo-travel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=119"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.rijo-travel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/119\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":153,"href":"https:\/\/www.rijo-travel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/119\/revisions\/153"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rijo-travel.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/120"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.rijo-travel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=119"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rijo-travel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=119"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rijo-travel.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=119"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}